Fahrt von Hongkong nach Singapore.

Am 10. Mai, zeitlich Früh, fuhren wir von Hongkong ab, gegen Singapore. Im Osten der Fahrtlinie befanden sich die Philippinen-Inseln Luzon, Mindsop, Negros u. s. w., welche noch immer im Kriege stehen, um nun »ihre Befreier vom spanischen Joche« abzuwehren. Viele dort einheimische Familien sind schon ausgewandert und viele wandern noch aus; die Landwirthschaft, sowie der Handel liegen brach, und so ist nun das von der Natur so reich gesegnete Land ganz verarmt. Das sind die Resultate der sogenannten Volksbeglücker und die Folgen von Staatsumwälzungen.

Am 11. Mai hatten wir schon zeitlich Früh eine sehr drückende Hitze zu ertragen. Es war dies der Vortag der in unserem Heimatlande gefürchteten Eistage. Wieder haben sich bei unserem Schiffe ein Paar Vögel eingefunden, welche von China zu uns kamen und nun der Entfernung halber nicht mehr zum Festlande zurückfliegen konnten. Es sind Singvögel mittlerer Grösse mit grauem Kopfe, dunklen Flügeln, schwarzweissem, langem Stoss und gelber Brust.

Auch muss ich eine neue Frucht anführen, welche uns bei dem Diner auf dem Lloydschiffe vorgesetzt wurde. Sie heisst Laitshi, ist eine braune Baumfrucht in der Grösse der Kastanie, umschliesst im Innern einen kleinen, festen Kern und hat innerhalb der leichtbrüchigen Rinde eine lichte, fleischige Masse, welche einen angenehmen, etwas süsslichen Geschmack hat.

Am 12. Mai. Unsere Fahrt geht langsam vorwärts. Wir machen kaum 10 Seemeilen = 18·5 km in der Stunde. Dies ist für mich recht verdriesslich, weil ich dadurch später nach Colombo gelangen werde und mich somit auf der herrlichen Insel Ceylon nicht lange werde aufhalten können. Ich habe nämlich, wie schon erwähnt, den Plan gefasst, von Colombo mit dem am 1. Juni von dort nach Port Said u. s. w. gehenden Dampfschiffe der Messagerie maritime nach diesem Ort zu fahren, weil ich dadurch dem zwischen 10. und 15. Juni im Indischen Ocean beginnenden Monsum entgehe. Die Stürme und der hohe Seegang während des Monsums sind wohl nicht so schwerwiegend, aber entsetzlich ist es, dass während der Monsumzeit der unaufhörlich dicht fallende Regen und die dadurch erzeugte nasse Luft bis in die Cabinen des Schiffes eindringt, dort die Kleider, die Wäsche, das Bettzeug u. s. w. durchfeuchtet, und dass man während dieser Zeit nicht ein Stück trocken erhalten kann. Abgesehen von dieser Unannehmlichkeit, entsteht dadurch auch das Verderben der in den Koffern verpackten Stoffe, ein Umstand, welcher mir vornehmlich wegen der gekauften Seidenwaaren sehr peinlich sein würde.

13. Mai. Seit zwei Tagen haben wir auf dem Schiffe eine Temperatur von mehr als 25° R. Wohl wurde diese Hitze durch zeitweilig eintretende Gewitter momentan etwas vermindert, doch leider nur für kurze Zeit, und bald darauf herrschte wieder die frühere Hitze. Das italienische Ehepaar ist wenig seetüchtig und erkrankte, wenn auch nur leicht, in Folge des Gewittersturmes, respective der dadurch erzeugten Schiffschwankungen.

Am 14. Mai (Sonntag) war das Wetter ruhig, leicht bewölkt und die Temperatur auf 23° R. herabgesunken. Ich befand mich demnach während des Tages sehr wohl, aber die Nacht in der Cabine war dennoch schwül, und so geht es in den Nächten ohne Schwitzbad nicht ab. Man gewöhnt sich aber daran und schlaft dennoch sehr gut.

Am 15. Mai machte ich an mir die Erfahrung, dass die Erhaltung der Gesundheit es erfordert, während des Tages unter der Wäsche ein Wolleibchen und eine Wollbinde zu tragen, denn als ich vor zwei Tagen der grossen Hitze halber diese weggegeben hatte und nur ein einfaches Wollhemd trug, fühlte ich an dem darauffolgenden Tage Schmerzen in der Kreuzgegend. Ein über die Nacht genommener Priessnitz-Umschlag und dann das Wiederanlegen der besagten Wollunterkleider behob sofort das Unwohlsein.