3. Bericht der Bauleitung über die Wiederherstellung des Äußeren. 1888–1904.

1888–1889. Die seit dem Jahre 1882 im Gange befindlichen umfangreichen Vorarbeiten zur Wiederherstellung der Sebalduskirche waren im Jahre 1888 so weit gediehen, daß die Verwaltung des Vereinigten protestantischen Kirchenvermögens die Inangriffnahme des Werkes beschließen konnte.

Professor von Hauberisser in München sandte daher im Juli dieses Jahres den Unterzeichneten nach Nürnberg, um die Leitung der baulichen Arbeiten an Ort und Stelle zu übernehmen. Professor von Hauberisser selbst traf alle künstlerischen und technischen Dispositionen während periodischer Besuche in Nürnberg.

Die Kirchenverwaltung wählte aus ihrer Mitte einen Ausschuß, der über alle vorzunehmenden Bauarbeiten beraten und Beschluß fassen sollte. Es gehörten ihm unter dem Vorsitze des ersten Pfarrers von St. Sebald Friedr. Michahelles folgende Herren an: Fabrikbesitzer von Forster, Baumeister Goll, Justizrat Hilpert, Schlossermeister Leibold, Ingenieur Rupprecht und Magistratsrat Tauber.

Für die große, auf lange Jahre hinaus projektierte Unternehmung erwies sich die Errichtung einer Bauhütte als erforderlich, die als zweistöckiges Fachwerkgebäude neben dem südlichen Turm errichtet wurde und die Zeichenzimmer enthielt, während ein östlicher Flügelbau die Steinmetzwerkstätte und Schmiede aufnahm.

Ursprünglich hatte die Absicht bestanden, mit der Wiederherstellung eines Strebepfeilers am Ostchor zu beginnen. Allein die fortschreitende Verwitterung der Pfeilerendigungen dort und die Rücksicht auf eine größere Einheitlichkeit des Betriebes empfahlen, als ersten Bauabschnitt die Wiederherstellung der Chorgalerie und ihrer Pfeilerspitzen in Arbeit zu nehmen.

Es wurde daher zunächst in der Höhe des Hauptgesimses an den vier ersten Jochen bei der Brauttüre ein Gerüst und auf der Nordseite der Sakristei ein gezimmerter Treppenturm aufgestellt. Aus verschiedenen alten Nachrichten war bekannt, daß die Galerie im Jahre 1561 wegen Baufälligkeit abgebrochen worden war; an ihrer Stelle hatte man damals ein schweres steinernes Karniesgesims aufgesetzt und mittelst einer Aufschiftung das Dach darüber gezogen.

Nun wurde diese Aufschiftung und das Gesims entfernt und letzteres zur Anlage einer Umfassungsmauer um die Bauhütte benutzt. Beim Aufbrechen der frei liegenden Mauerkrone fanden sich erfreulicherweise am 7. November kleine Reste der ursprünglichen Galerie, aus deren Zusammenstellung sowohl die frühere Form der Maßwerkfüllungen wie des mit Zinnen besetzten Abdeckungsgesimses erkennbar waren (Abb. [33] und [139]). In der Hoffnung auf weitere Funde wurde jetzt das bisher nur bei vier Jochen angebrachte Gerüst um den ganzen Chor geführt, und es konnten in der Tat auch die verschiedenen Formen, welche im Maßwerk bei den einzelnen Jochen abwechselten, genau festgestellt werden.

Nach Beendigung der nötigen Aufnahmen und Vermessungen sowie der Herstellung der Werkzeichnungen für die neuen Bauteile wurde mit der Steinmetzarbeit begonnen, die für den Umfang der Galerie der Firma Göschel & Alt, von welcher Joh. Göschel durch seine Arbeiten an der Frauenkirche und dem Germanischen Nationalmuseum schon viele Erfahrungen gesammelt hatte, in Akkord gegeben wurde. Es zeigte sich aber, daß für solche Arbeiten der Regiebetrieb unter Verrechnung der Selbstkosten seitens des ausführenden Meisters und mit prozentualem Zuschlage einer Meistergebühr geeigneter ist; daher wurde in der Folge die Akkordarbeit wieder aufgegeben. Die Werkhütte, die Gerüste und die hauptsächlichsten Arbeitsgeräte waren ohnehin von der Kirchenverwaltung gestellt worden. Auch die Werksteine wurden von der Bauleitung direkt bezogen. Da der Stein aus der näheren Umgebung wegen seiner geringen Wetterbeständigkeit und der Schwierigkeit, guten Kernfelsen zu erhalten, nicht in Frage kommen konnte, wurde auf Grund einer von Professor Hauberrisser und einigen Sachverständigen der Kirchenverwaltung ausgeführten Inspektionsreise ein gelblicher Sandstein von Bayreuth (Buntsandstein der Triasperiode) und ein rötlicher aus der Kulmbacher Gegend verwendet.

Abb. 33. Die aufgefundenen Reste der ehemaligen Galerie am Ostchor.

Hauptgewicht wurde darauf gelegt, daß der Stein rauhes Korn habe, damit er in der zu erwartenden Patina sich den alten Steinen einfüge und nicht wie dies z. B. beim Mainsandstein (siehe Frauenkirche) der Fall ist, durch Beibehaltung seiner Naturfarbe einen zu großen Gegensatz zu seiner Umgebung bilde.

Für die der Verwitterung sehr ausgesetzten Werkstücke, z. B. die Maßwerke der Galerie, fand der harte und wetterbeständige Quarzit aus Wendelstein Verwendung.

Mit der Herstellung der Modelle zu den ornamentalen Skulpturen, die in einer der Bauhütte angefügten Modellkammer zur Ausführung kamen, wurde der Bildhauer und Lehrer an der Kunstgewerbeschule G. Leistner betraut.

Die Untersuchung der oberen Chormauer führte auch zu einer unliebsamen Entdeckung.

Aus den Balken, welche, auf der Mauerkrone aufliegend, den Dachstuhl tragen, waren zu irgend einer Zeit in der Mitte größere Stücke herausgeschnitten worden, so daß der gewaltige Dachstuhl durch den radialen Schub die Mauern hinausgedrückt hatte. Schon zeigten sich bei den Gewölben klaffende Risse. Es war daher notwendig, die Balken wieder zu ergänzen und mit ihnen bei jedem Joch eiserne Verschlauderungen in Verbindung zu bringen.

Auch den großen Westgiebel entlang wurden die auf beiden Seiten ausgewichenen Strebepfeiler durch eine starke Verschlauderung wieder verbunden.

In der Werkhütte nahmen die Steinmetzarbeiten Winter und Sommer über einen guten Fortgang, so daß am 14. Oktober 1889 der erste Stein zur Galerie bei der Ecke über dem Brauttor versetzt werden konnte. Die übrigen Versetzarbeiten wurden bis zum Ende des Jahres fortgesetzt.

1890. Die Versetzarbeiten an der Chorgalerie wurden durch die Witterungsverhältnisse so begünstigt, daß selbst den Winter hindurch keine Unterbrechung stattfand.

Im Februar konnten schon an den ersten Jochen die neuhergestellten Arbeiten von den Gerüsten befreit werden. Der fahrbare Aufzugskran wurde jeweilig zu den neuen Arbeitstellen weiter geschoben.

Die Rinnenanlage hinter der Galerie war in solidester Weise unter Verwendung von starkem Kupfer herzustellen und wurde zum Schutze mit Holzrosten belegt. Auch die Wasserspeier erhielten eine Kupferausfütterung.

Entsprechend den äußeren Arbeiten mußte auch der Betrieb in der Hütte gefördert werden. Dazu erwies sich eine Erweiterung der Bauhütte als erforderlich, die als ein seitlicher Anbau an der Ostseite der Bauhütte zur Ausführung kam, so daß etwa 46 Steinmetzen untergebracht werden konnten.

Da unter den bezogenen Werksteinen viele vorhandener Stiche und gröberer Toneinsprengungen wegen ausgeschossen werden mußten, wurden verschiedene Versuche mit neuen Bezugsquellen aus der Gegend von Aschaffenburg und von Lahr in Baden, und zwar mit wechselndem Erfolg gemacht. Am besten bewährte sich immer der Wendelsteiner Quarzit, dessen Bearbeitung jedoch wegen seiner Härte große Kosten verursachte.

Im Juni war die Chorgalerie schon zur Hälfte fertiggestellt. Professor Hauberrisser war wiederholt zur Besprechung aller baulichen Dispositionen anwesend; auch fanden zu gleichem Zwecke verschiedene Sitzungen des Bauausschusses statt. Im November besichtigte Kultusminister von Müller die Bauarbeiten. Am 4. Dezember konnte in feierlicher Weise die Aufsetzung des letzten Steines der Galerie beim westlichen Pfeiler an der Südseite stattfinden. Stadtpfarrer Lotholz legte als Vorstand der Kirchenverwaltung bei dieser Gelegenheit eine Urkunde über dem nunmehr vollendeten ersten Bauabschnitt der Wiederherstellung in den Schlußstein ein.

Die Bauleitung, welche mit ihren zeichnerischen und Projektierungsarbeiten naturgemäß den Ausführungsarbeiten stets voraus sein mußte, hatte unterdessen die Aufnahmen der Strebepfeiler am Ostchor hergestellt und für diese Abwechslungsarbeiten die erforderlichen Vorarbeiten eingeleitet.

Zimmermeister Steger, der die Gerüstarbeiten bisher ausgeführt hatte, war in diesem Jahre gestorben. An seiner Stelle wurde Zimmermeister F. Birkmann mit den weiteren Zimmerarbeiten beauftragt.

1891. Bezüglich der Wiederherstellung der Strebepfeiler am Ostchor war ursprünglich geplant, nur einzelne schadhafte Stellen durch Einsetzen von mehr oder weniger großen „Vierungen“ auszubessern. Es stellte sich jedoch bei näherer Untersuchung eine so starke Verwitterung aller Profilierungen und Skulpturen heraus, daß bei jedem Pfeiler ungefähr fünfzig Werkstücke ganz neu ersetzt werden mußten (Abb. [34]), wobei jedesmal 2½–3 m hohe Teile des Pfeilers bis in die eigentliche Umfassungsmauer hinein auszubrechen waren.

Abb. 34. Ostchorpartie nach der Restaurierung.

Da hierdurch der Strebepfeiler, der die Gewölbe stützen sollte, jeden Halt verloren haben würde, so war die Anbringung einer eisernen Stützkonstruktion erforderlich, zu welcher Direktor Rieppel einen Entwurf herstellte. Derselbe gedachte zuerst mit einer 10 m hohen eisernen Stütze vom Straßenniveau aus den oberen Pfeiler abzufangen, hielt aber dann den Gedanken Professor Hauberrissers fest, den oberen Pfeiler auf den unteren mittels einer Eisenkonstruktion abzustützen, welche jedesmal nur die Höhe des erforderlichen Ausbruches hatte.

Die Hütte hatte schon im Anfang des Jahres mit der Bearbeitung der Werkstücke zu den Pfeilern, und zwar zunächst der großen Kreuzblumen und Riesen begonnen.

Im Oktober waren alle Vorbereitungen so weit gediehen, daß auf der Nordseite die Abstützung zum ersten Male aufgestellt werden und die Auswechslung vor sich gehen konnte. Im Inneren sollte ein Zeiger, der sich mittels Hebelübersetzung einer Millimeterteilung entlang bewegte, jede kleinste Veränderung des Mauerwerkes anzeigen.

Mit Steinmetzmeister Göschel war schon im Jahre 1890 ein Vertrag über die Wiederherstellung eines Pfeilers abgeschlossen, welcher im April auf vier weitere und im Oktober auf sämtliche Pfeiler ausgedehnt wurde.

Die vielen Abweichungen in den architektonischen Formen sowohl wie in den Maßverhältnissen der Strebepfeiler wurden bei der Erneuerung sorfältig festgehalten, wobei auf charakteristische Wiedergabe der Profilierungen wie der Ornamentation großer Wert gelegt wurde.

Professor Hauberrisser lud den Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg im April zu einer Besichtigung der Arbeiten in der Bauhütte ein, und im August stattete die in Nürnberg tagende Hauptversammlung der deutschen Architekten der Sebalduskirche einen Besuch ab.

Abb. 35. Neuer Verkündigungsengel am Ostchor.

1892. Die Wiederherstellungsarbeiten an den Ostchorpfeilern wurden in diesem Jahre in der Weise fortgeführt, daß zu gleicher Zeit an den Pfeilern selbst die fertigen Werkstücke unter jedesmaliger Verwendung der Stützkonstruktion versetzt und in der Hütte für die weiteren Pfeiler die neuen Werksteine bearbeitet wurden.

Daneben wurden auch die vielen außerordentlich reich durchgebildeten Baldachine, von welchen jeder Pfeiler sieben Stück aufweist, und die nachträglich leicht versetzt werden konnten, in Arbeit genommen. Als Steinmaterial kam hiezu der in Obernkirchen bei Bückeburg gebrochene harte und wetterbeständige, dabei ziemlich feinkörnige Sandstein zur Verwendung.

An Statuen fanden sich unter den Baldachinen im ganzen nur vier vor. Nämlich auf der Vorderseite zwei Propheten, die stark verwittert waren und nach erfolgter Ergänzung kopiert wurden, sowie im Osten Maria und Sebaldus an einem Joche, welches ursprünglich durch eine vor dem Fenster angebrachte plastische Darstellung ausgezeichnet gewesen zu sein scheint. Diese beiden Statuen, welche in Anbetracht ihres guten Erhaltungszustandes unverändert blieben, zeigen farbigen Hintergrund mit aufgemalten Engelfiguren. Für die unter den übrigen Baldachinen fehlenden Statuen fertigte Stadtpfarrer Michahelles ein Verzeichnis an, nach welchem in der unteren Reihe die Hauptpersonen des Alten und in der oberen Reihe die des Neuen Testamentes zur Darstellung kommen sollten. Als im November der Kultusminister die Kirche wieder besuchte, waren auf der Nordseite die Auswechslungsarbeiten an sechs Pfeilern bereits vorgenommen, jedoch fehlten noch die neuen Baldachine, die sehr viele Arbeit erforderten.

Da eine Reihe von Familien und Privatpersonen die Stiftung je eines Pfeilers übernahm, so wurde an jedem Pfeiler eine diesbezügliche Inschrift oder ein Wappen angebracht, während die wertvollsten alten Steinreste in der Westkrypta zu einem Lapidarium vereinigt wurden (Abb. [139]).

Beim Abbruch eines der großen Baldachine auf der Nordostseite fand sich eingeklemmt in der zwischen Baldachin und Wand befindlichen Spalte ein kleines Erzgußwappen mit Steinmetzzeichen (Abb. [26]). Allem Anscheine nach ist das Wappen durch Zufall in diese Vertiefung hineingefallen, nachdem es zuvor an der 1561 abgebrochenen Galerie befestigt war. Bei dem dargestellten Steinmetzzeichen kann es sich nur um den Meister des Ostchores handeln.

1893. Auch das Jahr 1893 wurde durch die umfangreichen Arbeiten an den Ostchorstrebepfeilern ausgefüllt, ohne daß sie ganz beendigt werden konnten. Doch ging alles in bester Weise ohne Störung und Unfall von statten.

Zu den Statuen an den Pfeilern fertigte, nachdem Stadtpfarrer Michahelles sein Verzeichnis auf eine Anregung des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg einer Änderung unterzogen hatte, Bildhauer Leistner die Modelle. Die Ausführung geschah in der Hütte in Kelheimer und Offenstettener Kalkstein (Abb. [35]).

Abb. 36 Konsole mit Ritter an einem nördlichen Pfeiler des Ostchors.

Abb. 37. Konsole mit Ritterfräulein an einem nördlichen Pfeiler des Ostchors.

Am Ende des Jahres waren bis auf die aus dem nördlichen Sakristeidach herausragenden Pfeiler die Hauptauswechslungsarbeiten an den Ostchorstrebepfeilern fertiggestellt. Nur fehlten noch die meisten Baldachine.

Die Bauleitung hatte sich unterdessen schon seit einiger Zeit mit den Aufnahmen und Plänen für die Wiederherstellung des nördlichen Seitenschiffes beschäftigt (Abb. [38], [39]). Die Untersuchungen ergaben über die frühere Gestalt interessante Aufschlüsse.[17] Das Seitenschiff war nämlich ursprünglich mit einer durchbrochenen Galerie bekrönt und mit Kapellendächern versehen, d. h. hinter den die einzelnen Joche abschließenden Giebeln waren Satteldächer angebracht, die an ein das ganze Seitenschiff überdeckendes Pultdach anstießen. Es wurden sowohl die Form dieser Dächer wie auch ihre eigenartigen Entwässerungsanlagen nach Entfernung der Backsteinmauerungen aufgefunden. Leider waren diese Abwässerungen, besonders dem Schnee gegenüber, nicht praktisch. Die Dächer wurden nach den vorhandenen Spuren bald, wahrscheinlich im 16. Jahrhundert, abgetragen, und an ihre Stelle trat ein einziges großes Pultdach, das jedoch die Fenster des Mittelschiffes zu drei Vierteln verdeckte und den inneren Raum stark verdunkelte.

Zu jener Zeit werden wohl auch die Galerie- und Giebelspitzen ähnlich wie beim Ostchor wegen der auf das mangelhafte Material zurückzuführenden Baufälligkeit abgetragen worden sein.

Über die Form der Galerie gaben nur mehr Kalkspuren an der östlichen und westlichen Abbruchstelle Auskunft. Aber ein Hauptgesimsstück, das den Anstoß an das Wimperggesims zeigte, war neben dem Brauttor glücklicherweise erhalten geblieben und bildete für die Neuherstellung wertvolle Anhaltspunkte.

Unterhalb des abgetragenen Daches fanden sich auch bei den beiden mittleren Mittelschiffpfeilern die Ansätze von ehemaligen romanischen Strebebögen, die vom Seitenschiff aus das Mittelschiff stützten.

Außerdem beschäftigte die Bauleitung die Anfertigung der Pläne für die Wiederherstellung des großen Giebels und der Galerie am Ostchor.

In einer im Dezember stattgehabten Sitzung des Bauausschusses legte Professor Hauberrisser die Vorschläge für Wiederherstellung der Galerie des nördlichen Seitenschiffes und Flachlegung des Daches sowie für die Arbeiten am Westgiebel vor. Eine im März stattgehabte Untersuchung der Türme hatte auch die Baufälligkeit der dortigen Galerie und große andere Schäden des Mauerwerks wie der Dachstühle dargetan.

1894. Während des Winters 1893 auf 1894 und selbst das ganze Frühjahr hindurch bis in den Sommer hinein war die Hütte mit der Herstellung der vielen reichen Baldachine und Konsolen (Abb. [27], [36], [37]) am Ostchor beschäftigt. Sobald die sieben Baldachine je eines Pfeilers fertiggestellt und versetzt waren, konnten die Gerüste entfernt werden, und so fiel von Norden nach Süden nach und nach die Hülle von Gerüsten, die den Ostchor vier Jahre hindurch verdeckt hatte. Ende Juli wurden die Baldachine und Figuren am letzten Strebepfeiler bei der Schautüre versetzt. Auch wurden die Abfallrohre bei jedem Pfeiler in Kupfer neu hergestellt.

In den Monaten April und Mai wurden die zwei aus der nördlichen Sakristei herausragenden Strebepfeiler ausgewechselt. Hierbei wurden auch die Giebelabdeckungen erneuert und das Dach, welches die Mauern bisher überdeckt hatte, tiefer gelegt, so daß die an den alten Abdeckungen schon vorhandenen inneren Gesimsprofile nun sichtbar sind. Auch die Rinne und das Abfallrohr wurden in Kupfer neu hergestellt.

Abb. 38. Nördliches Seitenschiff vor der Restaurierung.

Die weitere Arbeit der Hütte bestand zunächst in der teilweisen Neuherstellung und Ausbesserung der Wandflächen unterhalb des Kaffgesimses bis zum Sockel des Ostchores, die durch die früher eingebauten Kramläden erheblich gelitten hatten.

Hiermit fanden die Arbeiten am Ostchor, da die Restaurierung der Portale auf späterhin verschoben wurde, ihren vorläufigen Abschluß, und die Hütte begann mit der Anfertigung der Werkstücke für die Wiederherstellung des Westgiebels, und zwar zunächst des nördlichen Teiles desselben.

Diese Arbeit füllte den Sommer und Herbst aus; es gelang, die Neuherstellung der Galerie (an Stelle der früher vorhandenen Ziegelbedachung) sowie des Eingangstürmchens und die übrigen Ausbesserungen dortselbst bis auf das Verfugen noch vor Winter zu Ende zu führen.

Nunmehr nahm die Hütte die Werkstücke für die Galerie sowie die Giebel und Pfeilerendigungen des nördlichen Seitenschiffes in Arbeit als Aufgabe für den Winter 1894/95.

Abb. 39. Nordansicht.

Der Fachwerkaufbau für den Sängerchor am nördlichen Seitenschiff war anfangs des Jahres abgebrochen worden.

Die Bauleitung war während des ganzen Jahres mit den Vorbereitungen für die vorbeschriebenen Arbeiten der Hütte beschäftigt.

Außerdem wurden, nachdem im August am nördlichen Turm in der Höhe der Glockenstube feste Gerüste aufgeschlagen waren, die nun zugänglich gewordenen Teile des Turmes, deren große Schadhaftigkeit früher schon festgestellt worden war, vermessen und zeichnerisch dargestellt.

Mit Steinmetzmeister Göschel war ein neuer Vertrag für die weiteren Wiederherstellungsarbeiten im März abgeschlossen worden. Das Steinmaterial wurde seit dem Frühjahr ausschließlich aus den Brüchen von Wendelstein bezogen.

Im August beschloß der Bauausschuß, sowohl die Lattung wie die Ziegeldeckung des großen Ostchordaches auszubessern und eine Anzahl neuer Dachfenster anzubringen. Im Innern des Dachbodens wurden auf allen Balkenlagen bequeme Laufgänge hergerichtet und der Boden selbst oberhalb der Gewölbe mit einer neuen Bretterung versehen. Die beiden Dachendigungen waren bei dieser Gelegenheit genau nach den vorhandenen Resten zum Teil erneuert worden.

Am Schreyerschen Grabmale (Abb. [69]) wurden im Herbst zwei neue Baldachine an Stelle der alten verwitterten eingesetzt; auch die Holzdecke dieses Vorbaues und das Kupferdach wurden neu hergestellt. Im April nahm der Kultusminister von den Arbeiten Einsicht. Um einen Überblick über die Art der Wiederherstellung in späterer Zeit zu ermöglichen, richtete die Bauleitung im Laufe des Jahres in dem unbenutzten Raume oberhalb der nördlichen Sakristei (der alten Schatzkammer) eine Sammlung von Modellen, Zeichnungen und Photographien ein, welche eine Ergänzung der bereits im Lapidarium bestehenden Sammlung bildet.

1895. Nachdem die Hütte im Winter 1894/1895 einen großen Teil der für den Ausbau des nördlichen Seitenschiffes nötigen Werkstücke hergestellt hatte, konnte im Frühjahr mit dem Versetzen, und zwar bei der Galerie zunächst dem Brauttor, begonnen werden (Abb. [39]).

Von Joch zu Joch wurden Galerie und Pfeiler neu aufgestellt und jedesmal dahinter der neue Dachstuhl aufgerichtet. Bei dem letzteren war eine etwas umständliche Konstruktion erforderlich, weil trotz des nunmehr viel niedrigeren Daches unterhalb desselben der Durchgang vom Turm zur Sängerbühne erhalten werden mußte.

Mit dem Niedrigerlegen des Daches wurden endlich die romanischen Fenster des Mittelschiffes wieder frei, wodurch das letztere volles Licht erhielt und die schöne romanische Architektur im Innern zur Geltung gelangte.

Ein kleiner Aufenthalt ergab sich im Juli bei der Anschreibtür, weil die dort erforderliche besonders eingreifende Abbrucharbeit der beiden Portalpfeiler große Vorsicht bezüglich des Gewölbeschubes erheischte. Es wurde aller Gefahr durch eine vom Straßenboden aus aufgestellte eiserne Stützkonstruktion vorgebeugt.

Über die ehemalige Form der Galerie dieses Portales hatten glücklicherweise ein erhaltenes Gesimsstück und der Maßwerkanschluß Aufklärung gegeben.

Bis zum Eintritt des Winters wurden von den fünf Jochen vier fertiggestellt. Zugleich mit den Arbeiten an der Galerie waren auch die Maßwerke der Fenster (Abb. [21]) einer gründlichen Ausbesserung zu unterziehen. Die Gerüste konnten nun bis zur halben Fensterhöhe fallen.

Der Deckung des Daches wurde besondere Sorgfalt zugewendet. Die so charakteristische Ziegeldeckung sollte beibehalten werden, aber bei der flachen Neigung erwies sich noch ein besonderer Schutz gegen eindringendes Wasser notwendig. Daher wurde das Dach zuerst mit verbleitem Eisenblech und hierauf erst mit Ziegeln gedeckt. Die Rinne wurde ähnlich wie am Ostchor gestaltet und aus Kupfer hergestellt.

Die Anfertigung der am nördlichen Seitenschiff zu erneuernden Statuen, welche nach den alten verwitterten und ergänzten Vorbildern genau kopiert wurden, übertrug der Bauausschuß zum Teil dem Bildhauer Leistner, zum Teil dem Steinmetzmeister Göschel. Der Kultusminister besuchte die Kirche im Januar.

Am 18. Mai erhielt sie den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern und am 30. Juli der beiden ältesten Söhne des Deutschen Kaisers.

Unterdessen hatte sich die Bauleitung mit den Plänen befaßt, welche zur Umgestaltung, beziehungsweise zum Aufbau des Treppentürmchens am nördlichen Turm erforderlich waren. Daneben wurde die südliche Sakristei in ihrem äußeren Mauerwerk restauriert, der Kamin derselben verändert und das Dach niedriger gelegt.

In den Bauausschußsitzungen war wiederholt die Frage der Beheizung der Kirche, zunächst allerdings ohne Ergebnis, besprochen worden.

Als die Versetzarbeiten des Frostes wegen eingestellt werden mußten, war die Hütte in die Winterarbeit — Wiederherstellung des letzten Joches des nördlichen Seitenschiffes, der Wimpergkränze, der beiden Pfeiler dortselbst und der Baldachine und Konsolen des Seitenschiffes — eingetreten. Auch für den nördlichen Turm wurden schon eine Anzahl Steine bearbeitet. Für das nächste Jahr wurden außer der Beendigung des nördlichen Seitenschiffes die Arbeiten am nördlichen Turm (Abb. [28]) und am südlichen Westgiebel in Aussicht genommen.

1896. Da in diesem Jahre in Nürnberg die zweite bayerische Landesausstellung stattfand, wurden die Arbeiten am westlichen Joch sowie die Auswechslung von zwei Mittelteilen der Strebepfeiler zwischen Brauttor und Anschreibtür und schließlich die Wiederherstellung der Galerie über der letzteren so beschleunigt, daß beim Besuche des Prinzregenten Luitpold am 13. Mai das nördliche Seitenschiff bis auf den Magistratschor und das Treppentürmchen am nördlichen Turm von Gerüsten ganz befreit war.

Nun wurde zunächst das Treppentürmchen ausgebessert und um ein Stockwerk erhöht zur Ermöglichung eines Austrittes in die Dachrinne des Seitenschiffes. An Stelle der alten Backsteinpyramide trat ein steinerner Dachhelm mit Kreuzblume (Abb. [39]).

Zugleich wurde im nördlichen Turm der Zugang zum Seitenschiff durch Anlage neuer Treppen und Fußböden verbessert und der Gang zur Sängerbühne durch eine Rabitzwand gegen den Dachraum abgeschlossen. Die Triforien erhielten neue Zugangstreppen.

Unterdessen hatte sich herausgestellt, da die Gerüste am Treppentürmchen eine genaue Untersuchung ermöglicht hatten, daß der Turm zu beiden Seiten seiner nordwestlichen Strebepfeiler 4–6 m lange und bis zu 5 cm breite Risse aufwies. Hier befanden sich zwei vermauerte, mit Rundbögen überdeckte ehemalige Öffnungen, welche in nordwestlicher Richtung einen Schub ausübten. Die den letzteren verursachende Belastung mag vergrößert worden sein durch die Erhöhung des Turmes in der gotischen Zeit, durch Glockengeläute und Winddruck. Obschon die offenbar schon alten Risse keine augenblickliche Gefahr mit sich brachten, war dringend nötig, weiteren Bewegungen Einhalt zu tun.

Es wurde daher eine doppelte eiserne Verschlauderung hergestellt, die das ausgewichene Turmeck umfaßte und im Innern die östliche und südliche Turmwand als Rückhalt benutzte.

Unterdessen war der sehr ruinöse Magistratschor (Abb. [40], [41]) bis auf den Grund abgetragen worden und wurde ganz neu wieder hergestellt mit neuen Fenstermaßwerken — die alten fehlten vollständig — und einer nach gegebenen Anhaltspunkten erneuerten Galerie.

Das Dach hinter der letzteren wurde mit Kupfer gedeckt.

Die Hauptarbeit der Hütte für den Herbst und Winter bildeten die Friese, Gesimse und Maßwerke der nördlichen Turmgalerie (Abb. [29]).

Diese Werkstücke waren meist sehr umfangreich, so daß die durch die Kündigung des Lagerplatzes an der Moritzkapelle hervorgerufene Beengung des Werkplatzes sehr unangenehm empfunden wurde.

Die Gerüste des Turmes waren wiederholt geprüft und zu größerer Sicherheit möglichst bequem eingerichtet, auch mit Sprachrohr und elektrischer Glocke versehen worden.

Gegen Ende November wurde mit der Abnahme der alten Galeriemaßwerke begonnen. Diese sowie die Reste des Magistratschores wurden der Stadt überlassen und fanden an der Stadtmauer beim Walchtor Aufstellung. Die meisten Statuen am nördlichen Seitenschiff und Brauttor sowie die überlebensgroße Thomaschristusstatue an der nördlichen Sakristei waren im Laufe des Jahres erneuert worden. Die Anbringung neuer Statuen Luthers und Melanchthons an der Anschreibtüre wurde beschlossen, ihre Herstellung jedoch auf das nächste Jahr verschoben. Auch sollten die Epitaphien und sonstigen Reliefs an der Kirchenwand teils ausgebessert, teils erneuert werden. Beim Eintritt des Winters waren die Hütte mit Herstellung der noch fehlenden Werkstücke für die Turmgalerie und die Modelleure mit Ergänzung der Reliefs beschäftigt.

Durch eine neue Kanalisation der Abfallrohre zum Hauptkanal auf der Nordseite wurde eine Verbesserung des Wasserablaufes hergestellt.

1897. Im Frühjahr konnte mit dem Versetzen an der nördlichen Turmgalerie begonnen werden. Ein Hindernis erwuchs durch eine vorhandene starke Verschlauderung der alten Gesimsstücke, welche während der Bauarbeiten in Funktion erhalten werden mußte, anderseits aber die Auswechselungsarbeiten sehr erschwerte. Es gelang durch eine besondere Art des Zusammengreifens der neuen Werkstücke die Schwierigkeit zu überwinden.

Ende Mai konnte schon mit Herstellung der breiten Kupferrinne begonnen werden. Dann wurden die durchbrochenen Brüstungen versetzt und die oberen Blattkonsolen der Bogenfriese teilweise erneuert. Im Juli begann die Abrüstung.

Zugleich mit dem Abrüsten fand eine umfangreiche Auswechselung von Werkstücken auf den vier Seiten des Turmes von der Galerie abwärts statt, so daß abgesehen vom Dachhelm der Turm Ende November frei von Gerüsten war. Die Restauration des Portals wurde, wie die der Portale überhaupt, auf später verschoben.

Die Bauhütte hatte schon seit dem Frühjahr Werkstücke zum Ausbau der Südseite des Querschiffsgiebels in Arbeit genommen.

Es handelte sich hier um Neuherstellung der Giebelabdeckung, eines Fensters, der Maßwerkgalerie und der Endigung des romanischen Strebepfeilers. Im Juli konnte mit dem Versetzen begonnen werden; im November war der ganze südliche Westgiebel wieder abgerüstet.

Zur Instandsetzung des mit Zinn gedeckten Dachhelmes des nördlichen Turmes wurde bereits im Sommer ein leichtes Gerüst gebaut, da ohne Gerüst über den Umfang der Ausbesserung kein Urteil gewonnen werden konnte. Der Zustand erwies sich als so mangelhaft, daß der Bauausschuß beschloß, die Deckung ganz zu erneuern. Zugleich sprach er sich aus historischen Gründen für Beibehaltung von Zinn als Deckungsmaterial aus. Dieser Beschluß wurde jedoch nochmals schwankend, als sich herausstellte, daß eine große Anzahl von Löchern im Zinn auf eine eigentümliche Art von Korrosion zurückzuführen war, die nach Ansicht von Sachverständigen durch den Einfluß großer Kälte entsteht und sich wie eine Infektion auf andere Zinnteile überträgt.

Die Entscheidung der Materialfrage wurde daher bis zum nächsten Frühjahre verschoben.

Im Oktober wurden die Glocken im nördlichen Turme, deren Geläute während der dortigen Bauarbeiten unterblieb, untersucht und ebenso wie die Glockenstühle ausgebessert.

Um beim Gerüstabbruch am nördlichen Turm das Holzwerk zur Wiederverwendung am südlichen Turm leicht transportieren zu können und für den Arbeitsbetrieb eine bequemere Verbindung zu erhalten, wurden im Sommer beide Türme durch eine hölzerne Brücke verbunden.

Über die Anlage einer Heizung der Kirche wurde im Bauausschuß im Laufe des Jahres wiederholt, jedoch ohne Erfolg beraten. Eine weitere Frage bildete die Restaurierung der wertvollen Glasmalereien. Vorderhand waren jedoch keine Mittel da, um dieser Aufgabe näher zu treten. Unterdessen hatte die Bauleitung alle Vorarbeiten gefertigt, damit die Hütte während des Winters die Werkstücke zur Restaurierung des südlichen Seitenschiffes herstellen konnte.

Am südlichen Turm und am Löffelholzchor wurden Gerüste aufgeschlagen (Abb. [32]).

1898. Bei den Wiederherstellungsarbeiten am südlichen Seitenschiff handelte es sich zunächst um die Tieferlegung des Daches und die Instandsetzung der halbvermauerten Mittelschiffenster, ferner um die Neuherstellung der nur als Reste vorhandenen Strebepfeilerendungen, um Ersatz des unförmlichen den Blasbalg der Orgel enthaltenden Fachwerkaufbaues durch einen kleinen steinernen Aufbau sowie um einen neuen Steinhelm auf dem Treppentürmchen am Südturm, schließlich um Restaurierung der Fenstermaßwerke und des Portales.

Der größte Teil dieser Arbeiten konnte im Laufe des Jahres vollendet werden. Im Frühjahre wurden die Mittelschiffenster ausgebrochen, im Juli mit dem Aufschlagen des neuen Dachstuhles beim Orgelaufbau begonnen.

Eine Verzögerung trat jedoch ein, als sich herausstellte, daß in früherer Zeit der Querschiffgiebel der Orgel wegen durch Ausbrüche so geschwächt worden war, daß mehrere handbreite Risse entstanden waren. Auch war der Steinverband in bedrohlicher Weise gelockert.

Die dem Absturz nahen Werksteine wurden durch eine Zementbacksteinwand unterfangen und der ganze Giebel durch zwei miteinander verbundene horizontale Schlaudern, die vom Mittelschiff bis zur Außenwand reichten, zusammengehalten. Im August wurde der Blasbalg in dem neuerrichteten Dachaufbau wieder hergestellt. Auch das Versetzen der neuen Pfeilerendigungen, Fialen und Riesen war vor Eintritt des Winters beendet.

In einer Ecke des Südturmes innerhalb des Mauerwerkes fand sich eine mit Schutt angefüllte Treppe, die vom Turm in die Gewölbezwickel des Mittelschiffes führte.

Zur Neuherstellung der Dachdeckung am nördlichen Turm hatte der Bauausschuß sich unterdessen für die Verwendung von reinem Zinn ausgesprochen. Bei der im Mai begonnenen Abdeckung des alten Zinns zeigte sich, daß mehrere Hölzer des Dachstuhles angefault waren und ausgewechselt werden mußten.

Im Juni konnte die neue Holzverschalung aufgebracht werden. Die Neudeckung des Helmes, welche Flaschnermeister Orelli ausführte, war bis zum Herbst vollendet.

Auch die Wetterfahne hat derselbe nach dem Muster der alten, die verrostet war, neu hergestellt.

Abb. 40. Pfinzingkapelle vor der Restaurierung.

Abb. 41. Pfinzingkapelle nach der Restaurierung.

Das alte Zinn wurde um den Preis von 3700 Mk. verkauft.

Die nördliche Sakristei bot, feucht, halbfinster und vielfach vergittert, einen sehr unangenehmen Aufenthalt. Es wurden daher im März und April die Fenster verbreitert, die Gitter teilweise entfernt und der Fußboden ausgehoben und betoniert.

Die Modellkammer war mit der Herstellung von ornamentalen Modellen auch in diesem Jahre beschäftigt. Daneben wurden in derselben die Statuen der Jungfrauen vom Brauttor, welche sich bei dieser Gelegenheit als ehemals polychromiert erwiesen, instand gesetzt und eine derselben an Stelle eines vorhandenen alten Gipsabgusses neu gefertigt.

Dem Bildhauer Leistner wurden die Statuen Luthers und Melanchthons, welche das Portal am nördlichen Seitenschiff zieren sollten, in Auftrag gegeben.

Die Rüstung des Südturmes wurde bis zur Galerie beendet, so daß die Bauleitung noch vor Jahresschluß mit den Aufnahmen dortselbst beginnen konnte.

Schließlich sei noch erwähnt, daß innerhalb des Nordturmes größtenteils neue hölzerne Treppenläufe und unterhalb der Glocken eine Holzabdachung hergestellt wurde. Im südlichen Seitenschiff erhielten die Triforien ähnlich wie auf der Nordseite Verbindungstreppen zum Dachraum.

Beim Eintritt des Winters war die Werkhütte, deren Bestand infolge der mangelnden Mittel verringert worden war, mit den Werksteinen für den Helm des südlichen Treppenturmes beschäftigt.

1899. Die vorhandene kleine Anzahl von Steinmetzen fertigte den Winter über neben den für das südliche Seitenschiff noch fehlenden Werkstücken die Werksteine zur Restaurierung des Brauttores (Taf. [IV]).

Abb. 42. Erneuerte Madonnenstatue am Brautportal.

Bei letzterem handelte es sich nicht nur um Auswechselung der beiderseitigen Postamentprofilierungen unter den Jungfrauenstatuen, sondern auch um Neuherstellung fast aller Baldachine. Auch das durchbrochene zierliche Maßwerk mußte in seinem Hauptteile erneuert werden.

Die Statuen Maria (Abb. [42]) und Sebaldus waren schon früher in Kalkstein erneuert worden und standen zum Versetzen bereit.

Bei der in Verbindung mit der Restaurierung stattfindenden Reinigung stellte sich heraus, daß der größte Teil des Portales ursprünglich polychromiert war.

Außer an den Jungfrauenstatuen sind die Spuren hauptsächlich an der Christusfigur und an den Wappen noch sichtbar.

Das steinerne Dach wurde mit Kupferplatten überdeckt, und Ende Juli wurde nach Entfernung der Gerüste das restaurierte Portal dem Verkehr wieder übergeben.

Die noch ausstehenden Auswechselungsarbeiten am südlichen Seitenschiff, an den Mittelteilen der Pfeiler, den Fensterbögen und den Fenstermaßwerken sowie dem Portale nahmen die Arbeit einiger Steinmetzen bis in den Herbst in Anspruch.

Bei der Reinigung des südlichen Seitenschiffportales fand sich auch hier eine gut erkennbare, ehemals gewiß glänzende Polychromie vor. Selbst die Säulen waren mit einem bewegten Linienornament geschmückt.

Das Portal erhielt ein neues Kupferdach. Auch die kupfernen Dachrinnen und der Kehlanschluß am Südturme wurden vervollständigt, so daß im Herbst das südliche Seitenschiff bis auf die Erneuerung des westlichen modernen Fenstermaßwerkes und der Kaff- und Sockelgesimse fertiggestellt war.

Im März konnten schon nach den bis dahin fertiggestellten Zeichnungen die Steine für die Galerie des Südturmes bestellt werden; allein die Lieferung aus den in einen neuen Besitz übergegangenen Wendelsteiner Brüchen ging nur sehr langsam von statten. Die Zahl der Steinmetzen war im Juli auf 25 Mann erhöht worden. Ihre Arbeit bildeten die 78 großen Werkstücke der 3 Gesimsschichten an der südlichen Turmgalerie, die bis zum Ende des Jahres nahezu vollendet wurden.

Im Juli wurde das im Nordturm unterhalb der Glocken hergestellte Holzdach mit Zinn verkleidet. Auf Veranlassung und mit den Mitteln des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg wurde im November durch die Bauhütte im Ostchor eine Nachgrabung nach den Fundamenten der östlichen Hälfte der alten romanischen Kirchenanlage vorgenommen.

Vor der Türe der südlichen Sakristei gezogene Gräben legten bald die Grundmauer der südlichen Querschiffapsis bloß. Bei der Aufgrabung zwischen Sebaldusgrab und Hochaltar fanden sich Grundmauern der Hauptapsis, welche die Reste einer Mensa enthielt und den kleeblattförmigen Abschluß einer zweischiffigen Krypta bildete.

Um bei der durch Zeit und Mittel beschränkten Aufgrabung ein möglichst vollkommenes Ergebnis zu erzielen, wurden die Gräben auf die Südseite beschränkt, hier aber um so gründlicher hergestellt. Auf diese Weise konnte die ganze Längsmauer der sich bis zu den Vierungspfeilern hinziehenden Krypta aufgedeckt werden, wobei auch die aus den Schiffen hinabführenden Treppen sichtbar wurden. Von den Ergebnissen dieser Aufdeckungen wurden durch die Bauleitung Vermessungen, Aufzeichnungen und ein plastisches Modell hergestellt, welch letzteres in der Modellsammlung der Kirche seinen Platz fand (Taf. [II] u. [III], Abb. [1]).

Die aufgedeckten Mauerteile waren vor dem Zuschütten auf Einladung des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg von einer großen Zahl von Sachverständigen und Interessenten besichtigt worden.

Gegen Ende des Jahres begann die Hütte mit der Herstellung der durchbrochenen Brüstungsstücke der Galerie für den Südturm.

1900. Im Frühjahr 1900 konnte mit dem Versetzen der Gesimsstücke und der Galerie am südlichen Turm begonnen werden. Die Arbeit ließ sich nur auswechslungsweise vornehmen, wobei die in der Mauer liegenden vier Schlaudern, die übrigens unter sich nicht verbunden waren, eine Erschwerung bildeten. Am Turmaufbau oberhalb der Galerie mußten auf allen vier Seiten eine große Anzahl von Werkstücken, Bogenfriese, Gesimsstücke, Fenstergewände und auch glatte Quadern wegen der vorhandenen großen Verwitterung erneuert werden.

Beim kupfernen Dachhelm, dessen Blechtafeln von sehr ungleicher Stärke waren, fand sich der Verband gelockert, das Blech durchlöchert und sehr beschädigt vor, so daß eine gründliche Reparatur unter Verwendung einer größeren Anzahl neuer Platten erforderlich wurde; auch der Blitzableiter und die Wetterfahne kamen zur Ausbesserung.

Am südlichen Seitenschiff wurde in das westliche große Fenster ein neues Maßwerk eingesetzt. Das alte war erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Verbindung mit dem Abbruch der damals im Innern der Kirche befindlichen Mesnerwohnung zur Ausführung gelangt, aber in den unverstandenen Formen der damaligen Zeit. Außerdem wurden in der zweiten Jahreshälfte nach den unterdessen ausgearbeiteten Plänen die für die Erneuerung des Dreikönigschores erforderlichen Werkstücke in Arbeit genommen und im Laufe des Jahres zum größten Teil fertig gestellt.

Die Instandsetzung des Kaffgesimses und der Sockelpartien am südlichen Seitenschiff mußte jedoch, weil diese Wände mit Schuppen, Werksteinen und Gerüsthölzern verstellt waren, auf spätere Zeit verschoben werden.

Nachforschungen nach einem ehemaligen inneren Eingang zur Westchorkrypta hatten keinen Erfolg.

1901. Die nächste Aufgabe des Jahres bestand in der Weiterführung der Arbeiten am südlichen Turm.

Es stellten sich — wie so oft — die Schäden an den Fenstern der Glockenstube als viel schlimmer heraus, als bisher angenommen war. Die freistehenden Mittelpfeiler der Fensteröffnungen zeigten sich auf der Nord- und Westseite vollständig zerrissen, so daß ein Herausnehmen derselben und ein Ersatz durch neue Pfeiler unabweislich war. Die Wegnahme einer solchen Stütze in einer Höhe von 40 m über der Erde und bei den in einem vielhundertjährigen Mauerwerk nicht mit absoluter Sicherheit festzustellenden Druck- und Schubverhältnissen erforderte natürlich große Vorsicht.

Nach eingehenden Beratungen auch im Bauausschuß wurde beschlossen, vor der Herausnahme der Pfeiler die Fensteröffnungen provisorisch zu vermauern.

Mit Hilfe dieses zwar nicht billigen, jedoch in Hinsicht auf den Zweck verhältnismäßig einfachen und dabei sicheren Mittels ging die Auswechslung ohne Störung vonstatten, so daß Mitte Juli der letzte Stein der provisorischen Ausmauerung wieder entfernt werden konnte. Das nordöstliche Turmeck, welches in der Kämpferhöhe des Mittelschiffes durch die schon früher aufgefundene Treppe in seinem Querschnitt bedenklich reduziert war, hatte vor diesen Arbeiten an der Glockenstube durch Ausmauerung die nötige Verstärkung erfahren.

Danach handelte es sich um die Wiederherstellung des oberen Teiles der beiden Strebepfeiler auf der Südseite des Turmes.

Bei dem westlichen dieser Pfeiler befand sich unter einem tief in die Mauer einbindenden und den oberen Teil des Pfeilers tragenden Baldachine ein überlebensgroßer Kruzifixus, der ebenso wie die Skulpturen an den Wimpergen der Pfeiler fast bis zur Unkenntlichkeit verwittert war. Der Kruzifixus wurde daher schon Anfang März heruntergenommen und in der Hütte erneuert.

Da der Baldachinstein aber unmöglich ohne Gefahr für den oberen Pfeiler in seiner ganzen Größe herausgebrochen werden konnte, so mußte er in einzelnen Stücken zum Teil in schwalbenschwanzförmigem Verbande ausgewechselt werden.

Auch der östliche Pfeiler erwies sich als so schlecht, daß er auf eine Höhe von 11 m vollständig abzubrechen und zu erneuern war, was besondere Rücksicht auf guten Verband mit dem Turmmauerwerk erforderte.

Im Oktober waren diese Arbeiten am Turme beendet, so daß die Gerüste, die auf mehreren durch die Fenster der Glockenstube laufenden Balken aufruhten, entfernt werden konnten.

Jetzt wurde auch das bisher eingestellte Geläute wieder in Tätigkeit gesetzt und die feststehende Feuerglocke, die als solche nicht mehr benutzt wurde, wieder läutbar gemacht.

Unterhalb der Glocken war ebenso wie auf dem Nordturm ein mit Zinn gedecktes Schutzdach zur Wasserabführung anzubringen.

Die hölzernen Treppenaufgänge im Innern des Turmes wurden verbessert.

Daneben hatte die Hütte anfangs Juni mit den Versetzarbeiten an dem ganz zu erneuernden Dreikönigschore begonnen. Er wurde mit einem neuen Kupferdach versehen und konnte nach Aufstellung der gleichfalls erneuerten Statuen im August abgerüstet und dem Gebrauch wieder übergeben werden.

Auch wurde den Sommer über das große Mittelschiffdach nach vorhergegangener Erneuerung der Lattung unter Ersatz vieler verwitterter Dachziegel umgedeckt.

Hieran schloß sich die Umdeckung des Daches auf dem Löffelholzchor, wobei durch eine Umänderung des Dachstuhles zwischen den beiden Türmen die dortigen Dachanschnitte verbessert wurden. Bei dieser Gelegenheit fand sich innerhalb des Dachraumes der Giebel zwischen Chor und Mittelschiff mit einem Bogenfries geschmückt vor, so daß anzunehmen ist, daß das Chordach früher unterhalb des Giebels anschloß. Rinne, Abfallrohre und Blitzableiter wurden auf diesen Dächern in Kupfer wieder erneuert.

Im Mittelschiff wurde auch der Dachstuhl selbst ausgebessert, der Schutt aus dem Gewölbezwickeln entfernt und der Boden gebrettert.

Eine im April angestellte Untersuchung des Löffelholzchores hatte ergeben, daß im Innern einzelne Steinstücke herunterzufallen drohten, so daß eine Absperrung für nötig gehalten wurde. Als im November mit unterdessen aufgestellten Gerüsten genauer untersucht werden konnte, ergab sich als Ursache eine Anzahl von Bewegungen, die in den fünf Seiten des Chorabschlusses stattgefunden hatten. Nach Wegnahme des auf den Gewölben lastenden Schuttes ließen sich vom Hauptgesims bis zum Erdboden laufende Risse verfolgen, deren Breite bis zu 10 cm betrug.

Eine alte hölzerne Verschlauderung fand sich denn auch auf dem Engelschor, hatte sich aber als ganz unzureichend erwiesen.

Daher beschloß der Bauausschuß, im Innern eine neue radiale und im Äußern zwei Ringschlaudern von Eisen anzubringen, jedoch so, daß dieselben äußerlich nicht sichtbar sein sollten.

Im übrigen waren für die Instandsetzung des Löffelholzchores bereits eine Anzahl von Werkstücken fertiggestellt. Die Versetzarbeiten sollten aber erst im nächsten Jahre beginnen.

Von den an der Kirche befindlichen Grabdenkmälern wurden im laufenden Jahre mehrere erneuert.

Dem Stadtmagistrat wurden eine Anzahl interessanter Steinstücke vom Dreikönigschor und der südlichen Turmgalerie zur Aufstellung an der Stadtmauer überlassen.

1902. Das neue Jahr wurde in der Hauptsache durch die Wiederherstellung des Löffelholzchores in Anspruch genommen.

Im Innern wurden die Risse gereinigt und ausgemauert sowie eine große Zahl zersprengter Werkstücke erneuert. Im Frühjahr konnten die Gerüste wieder entfernt werden, doch blieb die Instandsetzung der unteren Wandflächen, an denen des Gestühles wegen viele Gesimse abgeschlagen waren, ebenso wie die des Engelchores der späteren Innenrestauration vorbehalten.

Auch im Äußern begannen im Frühjahr die Versetzarbeiten. Trotzdem viele Werkstücke schon im Winter fertiggestellt waren, konnte die benötigte Anzahl nicht mehr in diesem Jahre bearbeitet werden.

Während der Versetzarbeiten fand auch die Verlegung der Schlaudern statt. Zunächst wurden die beiden Ringschlaudern oberhalb und unterhalb der Engelschorfenster, welche aus einzelnen mit Bolzen verbundenen Eisengliedern bestanden, in die Mauer eingelegt und mit Steinplatten verkleidet. Auf der Nord- wie auf der Südseite fanden die Schlaudern ihren Halt in den starken Turmmauern.

Danach wurde die Radialschlauder in der Fußbodenhöhe des Engelschores verlegt. Diese, welche aus einzelnen Gabelschlaudern bestand, die die Ecken des Chores faßten und sich in der Mitte vereinigten, fand ebenfalls ihren Halt in den Turmmauern.

Die äußere Wiederherstellung des Westchores nahm dann ihren Fortgang und war bis zum Ende des Jahres bis zur Höhe des ehernen Kruzifixus fortgeschritten.

Am südlichen Seitenschiff waren noch die Arbeiten vom Kaffgesims ab zu vollenden. Die Schuppen und Gerüste, welche dies bisher verhindert hatten, wurden im Juni abgebrochen, so daß auch diese Arbeiten und daneben die Herstellung neuer kupferner Abfallrohre und einer neuen Kanalisation zu Ende geführt werden konnten.

In Verbindung damit wurde auch der untere Teil der Südseite des südlichen Turmes in Stand gesetzt. Doch zeigten sich hier wieder bedenkliche Risse, welche die Anbringung einer größeren (übrigens zum Teil im Äußeren sichtbaren) Schlauder erforderlich machten; größte Vorsicht war bei den Auswechslungsarbeiten geboten. Diese Arbeit währte bis in den Dezember hinein.

Das Relief „Mariä Verkündigung“, bisher am Nordturme, wurde an die nördliche Sakristei versetzt.

Da nun bald mit der Wiederherstellung des Innern der Sebalduskirche begonnen werden sollte, nahm Professor von Hauberrisser mit Rücksicht auf die hierbei erforderliche ununterbrochene Anwesenheit des leitenden Architekten Veranlassung, der Kirchenverwaltung vorzuschlagen, den mit ihm bestehenden Vertrag zu lösen und denselben vom 1. Januar 1903 ab für alle weiteren Arbeiten mit dem Unterzeichneten abzuschließen, was geschah.

1903. In diesem Jahre fand zunächst die Beendigung der Auswechslungsarbeiten am unteren Teile des Westchores statt, die von der Höhe des Kaffgesimses an bisher noch zurückgeblieben waren.

Der bestehende Eingang in die Krypta, dessen reich profilierte Umrahmung aus dem 19. Jahrhundert stammte, wurde durch Wegmeißeln der stillosen Profile vereinfacht. Das Gleiche geschah mit der Türe, die reiche pseudoromanische Bänder aus dünnem Blech zeigte.

Am südlichen sowohl wie am nördlichen Turm harrten noch die romanischen Portale der Restaurierung (Abb. [15], [16], [17], [18]). Bei beiden Portalen, die ohne organische Verbindung mit dem eigentlichen Baukörper der Kirche sind, waren die Bogensteine nicht eigentlich verwittert, aber an den Kanten bei den Stoßfugen stark verletzt, die Kapitäle teils schlecht erneuert, teils fast ganz unkenntlich geworden und auch die Säulenschäfte in schlechtem Zustand.

Wegen der unterdessen bei der Innenrestaurierung aufgedeckten Schäden am nördlichen Turm mußte jedoch die Restaurierung des dortigen Portales, damit der Turm nicht gleichzeitig an mehreren Stellen durch Ausbrüche geschwächt würde, vorläufig zurückgestellt werden.

Im April wurde mit den Versetzarbeiten am südlichen Portal begonnen. Im November war dasselbe erst vollendet.

Die Hütte war hauptsächlich mit der Innenrestaurierung beschäftigt, daher waren für die äußeren Arbeiten weniger Steinmetzen tätig als bisher.

1904. Die Aufgabe, welche für das letzte Baujahr der äußeren Wiederherstellung noch verblieb, bestand in der Restaurierung des nördlichen Turmportals und des unteren rings um die Kirche laufenden Sockels, der viele Schäden zeigte und in früheren Jahren wohl oft, aber niemals gründlich ausgebessert worden war.

Die Restaurierung am nördlichen Turmportale wurde im März begonnen und fand in der gleichen Weise wie am Südturm statt. Sie war im Juni vollendet.

Dann begannen die Ausbesserungen des Sockels, der besonders am Ostchor eine große Anzahl neuer Quadern und sorgfältiges Ausstopfen der vielen ohne Mörtel vorgefundenen Lagerfugen erforderte.

Mit dem Ende des Jahres war auch diese Arbeit beendet und die Restaurierung konnte als abgeschlossen gelten. Die Hütte wurde nunmehr im ganzen Umfange für die Zwecke der Innenrestaurierung verwendet.

Daher mußte auch die Regulierung der Umgebung der Kirche auf der West- und Südseite, die besonders einer Verbesserung bedürfte, vorläufig zurückbleiben.

Die Bausammlung der Kirche, zu welcher der Anfang schon im Jahre 1889 durch Aufbewahrung der aufgefundenen Reste der Ostchorgalerie gemacht worden war, hat im Laufe der Jahre einen ziemlichen Umfang angenommen; sie enthält nicht nur von fast allen Teilen der Außenfassaden in einzelnen Stücken die hauptsächlichsten Originalreste, welche für die Wiederherstellung maßgebend gewesen sind, sondern auch eine große Anzahl von Modellen und mancherlei Fundstücke.

Die Hauptpläne der Restaurierung überwies Professor von Hauberrisser dem städtischen Archiv. Die große Zahl der gefertigten Detail- und Werkpläne sind jedoch gleichfalls der Sammlung einverleibt. Diese selbst ist an zwei getrennten Orten untergebracht: zum Teil in der Westchorkrypta (Abb. [139]), zum anderen Teil im Obergeschoß der nördlichen Sakristei.

Von den Mitgliedern des Bauauschusses war im Laufe der Jahre Magistratsrat Tauber gestorben und Fabrikbesitzer von Forster und Ingenieur Rupprecht wegen Wohnungswechsels ausgetreten. Die Lücken wurden ergänzt durch Kommerzienrat Liebel, an dessen Stelle später Magistratsrat Häberlein trat, ferner durch Großhändler und kgl. Handelsrichter Heerdegen und Fabrikbesitzer Thäter.

In der Vorstandschaft der Kirchenverwaltung war Stadtpfarrer und Dekan Heller durch Stadtpfarrer Lotholz abgelöst worden. Seit dessen Erkrankung führt Stadtpfarrer Schiller den Vorsitz.

Stadtpfarrer Lotholz ist unterdessen gestorben, Kirchenrat Heller [† 1907] steht heute der Restaurierung der Schwesterkirche St. Lorenz vor.

Für die Beschaffung der Mittel, welche abgesehen von drei Lotterien aus den namhaften Unterstützungen seitens deutscher Fürsten, dann der Stadt und vieler kunstsinniger Familien und anderer Personen flossen, war der Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche tätig, in dessen Vorstandschaft Justizrat Freiherr von Kreß, Justizrat Vollhardt und Kommerzienrat Schwanhäußer die Verwaltung führten unter dem Vorsitze des Kirchenrates Michahelles, des eifrigsten Freundes und Förderers des ganzen Wiederherstellungswerkes.

Nürnberg, den 31. Dezember 1904.Prof. J. Schmitz, Architekt.