N
NÄGELSTADT. Pr. Sachsen Kr. Langensalza.
Untere K. Gehörte zu der 1222 gegr. Deutschordenskommende. In sehr verstümmeltem Zustande kleine kreuzf. Basilika mit Zentralturm, schlicht romanisierend frgot. Detail.
2 überdachte Brunnen 1660 und 1568.
NANKENDORF. OFranken BA Ebermannstadt.
Pfarr-K. 1794, im Gr. an Hollfeld erinnernd. — Von dem [pg 288] ehem. spgot. Hochaltar 2 schöne Reliefflügel erhalten. — Spuren ehem. Befestigung.
NASSWANG. OFranken BA Lichtenfels.
Ökonomiegebäude des Klst. Langheim um 1750, eigentümlich die zentrische Anlage.
NAUENDORF. Pr. Sachsen Saalkreis.
Dorf-K. Turm und Schiff rom., die Kunstformen verhältnismäßig aufwandreich.
NAUENDORF. Sachsen-Weimar VB Apolda.
Dorf-K. spgot. — Treffliche Kanzel um 1580, in rein archit. Formen, ohne figürl. Beiwerk.
NAUHAIN. K. Sachsen AH Döbeln.
Dorf-K. Sie bestand ursp. nur aus dem jetzigen Turm, im Erdgeschoß 12. Jh. — Hübscher kleiner Altar aus A. 16. Jh., im Schrein Anna selbdritt, die Flügel beiderseits mit tüchtiger Malerei.
NAUMBURG. RB Cassel Kr. Wolfhagen
Pfarr-K. Spgot. Hallenkirche mit polyg. Chor und WTurm. Die Gwbb. in Holz erneuert. — Der 1866 verzeichnete Flügelaltar nicht mehr vorhanden.
NAUMBURG. Pr. Sachsen Kreisstadt.
Dom SS. Peter und Paul. Sprom. und frgot. Hauptmasse 1. H. 13. Jh. Für Thüringen das Hauptwerk der schönsten Zeit der ma. Baukunst. Kreuzf. Gwb.-Basilika mit doppeltem Chor und Doppeltürmen in O und W, aber ohne Zentralturm. Ganze L. der rom. Teile 66 m, durch die got. Chöre erweitert auf 97 m. Vom frrom. Dom (gew. 1044) die Fundamente nachgewiesen, eine regelmäßige kreuzf. Basilikenanlage von ca. 46 m L., die Gestaltung des WBaus ungewiß. Der Neubau begann um 1200 in O. Von ihm erhalten der unter dem OQuadrum liegende mittlere Abschnitt der Krypta; gekehlte Eckkappen am Sockel, geriefelte Schafte, Palmettenkaptt. mit facettierten oder geperlten Blättern, Beginn rheinischer Einflüsse. Die Vorkrypta unter der Vierung um 1220 oder noch später; Gruppenpfll. aus 4 Freipfll. um einen schlanken quadr. Kern, gemeinschaftliche Deckplatte, schwungvolles Blattwerk. Der dritte Abschnitt (2 Joche und 1/3 kr. Schluß) entspricht der Ausdehnung des OChors vor der got. Erweiterung; die Formen ähnlich denen des Vorchors; die Kaptt. gehören zu den schönsten des Spätromanismus. Gwbb. grätig, trotzdem mit Schlußsteinen (nur einer, Löwenkopf mit hängender Zunge, erhalten).
Oberkirche, romanische Teile. Sie umfassen den ganzen Dom mit Ausnahme der beiden (got.) Chöre. Baunachrichten fehlen fast ganz. Der Formcharakter deutet durch [pg 289] seine geringe Abwandlung auf verhältnismäßig kurze Bauzeit; sie liegt in der Regierung des Bischofs Engelhard (1207-42). 1249 wird schon zum WChor Geld gesammelt. Seine Ausführung schloß sich der des Langhauses unmittelbar an. In letzterem erkennt man nach Vollendung des ersten Doppeljochs (von O gerechnet) eine kurze Pause. Erst in den folgenden Jahren treten die Beziehungen zu Magdeburg ein. Innerhalb des deutschen Übergangsstils steht N. auf dem konservativen Flügel; Beziehungen zum Rhein, zu Magdeburg und Bamberg sind vorhanden, aber vom got. Element wird nur zurückhaltend Gebrauch gemacht. Die Gesamtanlage erinnert am meisten an Bamberg, ebenso das innere System, jedoch in den Verhältnissen mehr in die Breite geschoben. Der Spitzbg. in gedrückter Form an Arkaden, Gwb.Bgg. und Türen. Keine Diagonalrippen (diese erst im letzten Joch), trotzdem eingekeilte Schlußsteine, Pinienzapfen, Tierköpfe (vgl. sonst Dom zu Magdeburg, Chorumgang, und öfters in Westfalen). Gerader, mäßig steigender Gwb. Stich, Kappen in Stärke von 50 cm. — Das System das gebundene. Die Msch. Joche überquadr. (wie in dieser Zeit am Rhein sehr oft). Hauptpfll. kreuzf. mit vorgelegten 3/4 Sll. und schwächeren Vollsll. in den Winkeln; die Vorlagen steigen ohne Unterbrechung bis zu den Gwbb. auf, wo sich die Kämpfer mit einem durchlaufenden Gesims verkröpfen. Die Zwischenpfll. haben dieselbe Anlage abzüglich der vorderen Vorlagen. An den Kaptt. Blatt- und Rankenwerk ohne gotisierenden Einschlag, z. T. mit Formen des Magdeburger Chorumgangs zusammengehend. Die Fenster des Hochschiffs nicht gruppiert, sondern in den Arkadenachsen. Merkwürdig die Widerlagerung durch Übermauerung der Quergurten der Sschiffe, z. T. in einwärts schräg abfallenden Lagerfugen. Das Äußere in guter Quadertechnik, formenarm und streng; an der NWand Lisenen, deren Weiterführung aufgegeben wurde. — Hauptportal am südl. Qsch. in einer dem Kreuzgang sich anschließenden (späteren) Vorhalle; das Gewände sehr tief, 9 Rücksprünge, aber wenig Schmuck außer dem Tympanonrelief, der Eindruck nüchtern; vor 1228. Im Innern des Altarhauses 2 Türen (zu den Turmtreppen) mit auserlesen schöner Blattwerkfüllung der Bogenfelder im Stil der Krypta.
Die Türme. Das östl. Paar rein rom., quadr. bis zur Höhe des (um sie herumgeführten) Dachgesimses von Chor und Qsch., dann 8seitig; schon in rom. Zeit, dann noch einmal in got., überhöht. Dächer bar. (Ein Bild der ursp. Gestalt gibt die Wiederholung in den OTürmen der Stadt-K. in Freiburg a. U.) — Das westl. Paar, beg. in der rom. Bauperiode, weitergeführt [pg 290] um 1560-70 als genaue Kopie der Bamberger WTürme; doch kam nur ein Geschoß zur Ausführung; der südl. blieb ganz liegen (erst 1894 ausgebaut), der nördl. im 14. Jh. mit 2 weiteren Geschossen versehen, die sich im Motiv an das erste anschließen. Zwischen den WTürmen und dem WChor eine Lücke von fast 2 m, nach außen durch eine Verbindungsmauer verdeckt.
Die Chöre. a) Der westliche. Obgleich zeitlich dem Hauptbau unmittelbar folgend (beg. ca. 1250, voll. nicht nach 1270), macht er stilistisch einen großen Sprung in die gereifte Gotik. Vorderteil Quadr. mit 6teiligem Gwb., Schluß aus 5 Seiten des 8Ecks, beide Abteilungen durch breiten, gegliederten Gurt geschieden. Fenster 2teilig, Gewände innen einfach abgeschrägt, außen etwas voller gegliedert, Maßwerk aus 2 Spitzbogen und Kreis, darin eine als Sechspaß aufgelöste Platte. Höchst eigenartig und gegenüber den einfachen Architekturformen von besonders glänzender Wirkung die Wanddekoration über dem Chorgestühl: unten eine tiefnischige Arkatur, die Krönungen ihrer Miniaturgewölbe ein durch die vorgefundenen Fragmente nicht hinlänglich beglaubigtes Werk der jüngsten Rest., die Laubkapitelle, soweit echt, von großer Schönheit, jedoch die Mehrzahl ergänzt; darüber eine zweite, von der Wand als Laufgang sich absetzende Kleinbogenstellung; auf ihrer Höhenlage, vor die Wanddienste gesetzt, Standbilder unter prachtvollen Baldachinen. Im Chorhaupt der Abschnitt unterhalb der Fenster glatt, über dem Kaffgesims Fortsetzung des Laufgangs und der Standbilder. Das Äußere in knappen Formen; reicher nur das in der Kehle mit überfallenden Blattreihen ausgesetzte Hauptgesims und die originellen Fialen über den Pultdächern der sonst ganz einfach gehaltenen Strebepfll. — b) Ostchor. Schmal rck. Vorderjoch und Schluß aus 6 Seiten des 10Ecks, mithin ein Pfl. in der Mittelachse (frühestes Beispiel für diese erst in der Spätgotik häufiger vorkommende Abweichung von der Regel). In den Formen sind mehrfach diejenigen des WChors kopiert; andere, namentlich das Fenstermaßwerk und die abgerissenen Blattbüschel einzelner Kaptt., zeigen die jüngere Zeit; Konsolen und Baldachine an den Wanddiensten deuten auf beabsichtigte, jedoch nicht zur Ausführung gekommene Statuen.
Die Lettner. Der östl. ist der ältere, gleichzeitig mit der Vorkrypta, an deren WWand er sich anlehnt. Eine Halle von 3 Jochen, Kreuzgwbb. auf Bündelpfll., tragen die Bühne. Die Rückwand hat in der Mitte den Laienaltar, zu dessen Seiten 2 Türen, zu welchen 5 in 1/2 Kr. angelegte Stufen hinaufführen; aus dem Innern des Chors weitere 7 Stufen zur Bühne; gegen [pg 291] Msch. und Qsch. Schranken von 2,70 m H. Eingänge zur Krypta aus den Kreuzflügeln. Als ältestes erhaltenes Beispiel eines ausgebildeten Lettners von besonderem Interesse. — WLettner. Mit dem WChor gleichzeitig. Die Anlage unterscheidet sich von der des östl. dadurch, daß der Chor keine Krypta hat und sein Fußboden nur um wenige Stufen höher liegt, als das Schiff. Somit eine von 2 festen Wänden getragene Bühne. Durchgang in der Mitte. Auf der Chorseite 2 Wendeltreppen. Die Verbindung von Architektur, Ornament und figürlicher Plastik ist eine dekorative Meisterleistung höchsten Ranges; im einzelnen gehören die Laubkaptt. zum Vollendetsten, was Deutschland in dieser Art besitzt.
Monumentale Skulpturen: a) Am rom. Bau. Tympanon am Portal des südl. Qsch. Christus stehend mit segnender Geberde, in der von 2 Engeln getragenen Mandelglorie; die Engel haben 4 Flügel; sehr flaches Relief; gut in den Raum komponiert; Formen naturlos. — In der Erdgeschoß-Kap. des NWTurmes Standbild der h. Elisabeth auf frgot. Konsole; von einem mäßig begabten Mann aus dem Kreise der Künstler, die das frgot. Turmgeschoß nach Bamberger Muster ausführten. — b) Am WChor. Mit der architektonischen Dekoration zusammen gedacht und auch gleichzeitig ausgeführt, mit den Säulenbündeln aus einem Block. Dargestellt sind in 12 Standbildern die Stifter und Wohltäter der K. in ihrer Frühzeit, 4 Eckardiner und 4 Wettiner mit ihren Frauen. Auch ist noch in anderem Sinne Ahnenkultus im Spiel: Bischof Dietrich, unter dem der WChor ausgeführt wurde, gehörte selbst dem Hause Wettin an. Die Reihenfolge ist, an der SWand begonnen: 1. Gerburg, 2. Konrad (Gesicht und rechter Arm ergänzt), 3., 4. Hermann und Regelindis, 5. Dietmar (fiel, des Verrates an Kaiser Heinrich III. angeklagt, im Gottesgericht, daher auf seinem Schilde »comes occisus«), 6. Sizzo, 7. Wilhelm, 8. Timo, 9., 10. Eckard und Uta, 11. Gepa, als Witwe geschildert; nach anderer Deutung Adelheid, Äbtissin von Gernrode; 12. Dietrich. Werkstoff: grobkörniger, harter Kalkstein. Bemalung mehrmals wiederholt, zuletzt nach 1532; ursprünglich nur einzelne Teile — Augen, Haare, Gewandsäume, Schmuck und Wappen — mit dünner Lasurfarbe hervorgehoben. Die Tracht ist genau die zeitgenössische, Loden und Leder ihr Material. Der Künstler hat alles Konventionelle abgestreift; er steht der Natur mit offenem Blick, aber doch auch mit voller künstlerischer Freiheit gegenüber, und ebenso frei hat er aus der französischen Schulung seinen persönlichen Stil herausgearbeitet, einen mit unbefangener statuarischer Würde gepaarten Realismus. Diese [pg 292] Gestalten sind nicht Porträts, aber sie könnten dafür gelten. Sehr merkwürdig an einigen von ihnen, besonders am »comes occisus« und der ihm zunächst stehenden, der Ausdruck momentaner Gemütsbewegung. — c)Am WLettner. Die Balustradenreliefs stellen dar: Abendmahl, Judas Verrat, Gefangennahme, Petri Verleugnung, Wächter, Pilatus Handwaschung (die beiden letzten Felder 1734 von einem Stümper ergänzt, doch vielleicht gestützt auf echte Fragmente). Das Relief sehr hoch, die Vordergrundfigg. ganz frei; jede Platte bei 65 cm Höhe 30 cm tief ausgehöhlt. Wahrscheinlich ein Werk des Meisters der Chorstatuen aus vorgerückter Lebenszeit; jene um 1250-60 begonnen, diese vielleicht 1270; die Erfindung von unerhörter Selbständigkeit gegenüber der Tradition; der Realismus der Form noch ungeschminkter; Charaktere und Affekte von leidenschaftlicher Gewalt der Schilderung, die sich auch der Gewandbehandlung mitteilt. Wiederholte Überschmierung mit Farbe hat viel von den feineren Formen zugedeckt. Die an ungewöhnlicher Stelle, nämlich an der Lettnertür, angebrachte Kreuzgruppe zeigt die letzte Phase der Werkstatt nach dem Ausscheiden des Hauptmeisters. Der Gekreuzigte deckt sich im Umriß vollkommen mit dem Wechselburger, aber wie völlig anders ist die geistige Auffassung! Bei Maria und Johannes das Pathos bis zu greller Heftigkeit gesteigert, selbst die Gewandung gleichsam schmerzzerrissen. — Von einem andersgestimmten Schüler des Hauptmeisters der Diakon mit Lesepult, ursp. wohl im Chor, jetzt am Eingang in die Johanneskap. (die von Schmarsow vorgeschlagene Datierung auf ca. 1500 nicht überzeugend). — Im OChor Türbogenfeld mit Weltenrichter zwischen Maria und Johannes dem Täufer; durch den unvollendeten Zustand für das Technische von besonderem Interesse; Komposition und Formcharakter sehr nahe verwandt der Gruppe am OPortal des Mainzer Domes, das daraufhin dem Naumburger Meister zugeschrieben werden muß; das Naumburger Exemplar zeigt aber nicht dieselbe Qualitätshöhe, wird also nach dem aus Mainz mitgebrachten Modell von einem Gehilfen in Arbeit genommen sein. — Ebenfalls aus der Schule des Lettnermeisters das Brustbild Johannes des Täufers über der Tür der Johanneskap. im Domkirchhof. — Altäre. Vieles vom alten Bestand zerstört oder versetzt. Hauptaltar; Mensa aus 14. Jh., Aufsatz von 1567 in wunderlicher Stilmischung. — Auf dem Nebenaltar im letzten Joch des südl. Ssch. steinernes Retabulum mit Crucifixus und vier Frauen, um 1350. — Spgot. Schnitzaltäre in der Krypta ohne Bedeutung. — Reste von 3 oder [pg 293] 4 Tafelaltären aus der Werkstatt Cranachs im Dom zerstreut. Der Barbara-Altar im nördl. Ssch. vollständig, aber in schlechtem Erhaltungszustand.
Gestühl: a) Im OChor: schöner frgot. Viersitz, spgot. ihm gegenüber ein gleicher mit Reliefs an den Wangen und Dreisitz am Lettner. b) Im WChor: Stuhlwerk bez. 1516. — Kanzel von 1466 jetzt in der Johannis-Kap.
Grabdenkmäler. Der alte Bestand stark reduziert. Hervorzuheben: Im OChor Hochreliefplatte eines unbekannten Bischofs, vielleicht zum Gedächtnis des Kirchengründers Hildeward, ausgeführt A. 14. Jh. Dieser älteste Grabstein der beste, nachher sinkt der Durchschnittswert. — Im südl. Ssch. Grabstein Münch 1563; Grabstein Bruchterte † 1391 (von derselben Hand wie der Dominikus der Leipziger Paulus-K.); Epitaph Neumarck † 1576, bez. M. S.; Epitaph Bünau † 1591, von demselben; Wandstein des Domherrn Schleinitz um 1520, eines der besten im Dom erhaltenen Stücke. — Im nördl. Ssch. Bronzemedaillon für Rudolf von Bünau 1505; Georg v. Molau 1580, bez. H. K. — Im NKreuz Grabstein Dompropst von Eckardsberga 1406 (von derselben Hand wie Bruchterte; in beiden Wiederanknüpfung an die Stileigentümlichkeiten des 13. Jh.); Grabstein Bischof v. Goch † 1422; Bronzerelief des Bischofs Dietrich IV 1492; Bronzebildnis (in Stein eingelassen) des A. v. Könritz 1496; gravierte Platte des Bischofs Dietrich III. von Bocksdorf † 1466, aus der Vischerschen Werkstatt, wohl Jugendwerk Peters, dagegen die beiden vorigen aus einer sächsisch-thüringischen. — In der Vorhalle Marmordenkmäler der Maria v. Burgsdorf 1709 und des Reichsgrafen Ernst Dietrich v. Marschall 1771.
Glasgemälde. Im WChor 3 fast volle Fenster aus der Erbauungszeit (?), im OChor 4 (1856 aus den Bestandteilen von ursp. 8 zusammengesetzt). — 2 Teppiche aus 16. Jh., einer mit Bildnis eines Bischofs und Wappen der Schleinitz (wohl Bischof Vinzenz von Merseburg † 1535). — 8 Meßbücher aus A. 16. Jh., die meisten Bilder ausgeschnitten. — Klausur. Ursp. für die NSeite des Doms beabsichtigt, wo noch Ansätze zum Kreuzgang und die für diesen bestimmte Tür in der WWand des nördl. Querhauses vorhanden. Vor 1228 an die SSeite verlegt. SFlügel rom., WFlügel gotisierend, eingewölbt um 1270, die Zellen darüber erst Holz, nach 1532 massiv. Domkirchhof mit manchen der Beachtung nicht unwerten Denkmälern des 16. Jh.
Dreikönigs-Kap. 1416, Untergeschoß älter, das Ganze sehr verwahrlost. An der Außenwand bmkw. gleichzeitige Anbetung der 3 Könige in Einzelstatuen.
Dompfarr-K. S. Marien. Nur der Chor erhalten; 1343; bmkw. die großenteils nach innen gezogenen Strebepfll. sowie geringe rom. Mauerreste des Schiffs.
Johannis-Kap. Ursp. Tauf-Kap. Kleines Rck. von 3 Gwb.Jochen. Das Detail zierlich und geistreich im Stil des WChors.
Domherrenkurien, a) Ägidienkurie; der vom rom. Bau (ca. 1200-1210) erhaltene Teil umschließt die Kap., kenntlich am Erkerchor; giebelförmige Umbildung des Bg.Frieses; der Kapellenraum mit 8seitiger Kuppel; originelle Überführung aus dem Quadrat, b) Bischofskurie, einfacher spgot. Bau rest. 1581 (die Bischöfe residierten im sp. Ma. meist in Zeitz).
Moritz-K. Zu einem A. 11. Jh. gegr., 1532 aufgehobenen Klst. Die jetzige K. aus A. 16. Jh. (Inschr. 1509, 1512). Die neue Ausstattung 1705-21 wurde durch die Rest. 1875 entfernt. — Ein im Innern und Äußern gleich einfacher Bau. Dem Hauptschiff ist nur nördl. ein Nebenschiff angefügt; der langgestreckte, polygon geschlossene Chor unmittelbare, nur durch einen Bg. geschiedene Fortsetzung des Hauptschiffs, alles unter einem Dach. Holzdecken. Die doppelten Fassadentürme gehen auf rom. Anlage zurück.
Großer Crucifixus aus Eichenholz, 13. Jh., der Wechselburger Typus in vergröberter Fassung, doch sehr bedeutend in seiner heroischen Wuchtigkeit. Dazu gehörig Maria mit eigentümlich barocker Häufung der Gewandmotive, kaum von derselben Hand. — Verdorbener Ölberg (? 13. Jh.). — Trümmer sp. ma. Altarplastik. — Grabdenkmäler ohne höheren Wert; archäologisch von Interesse der giebelförmig abschließende, jedoch mit umlaufender Inschrift versehene, also liegende Stein des Bischofs Richwin † 1125, ausgeführt etwa E. 13. Jh.
Stadt-K. S. Wenzel. Nach Bränden 1411, 1473, 1517 und aus nachfolgenden Herstellungen in höchst eigenartiger Gestalt hervorgegangen. 1411-73 die östl. Hälfte; für sich betrachtet ergibt sie einen normal angelegten, langgestreckten 1sch. Chor mit 5/10 Schluß in ziemlich großen Abmessungen, zu beiden Seiten 2 Türme. Das Gemeindehaus war vor 1473 kaum erst begonnen (das geradlinige Mauerstück mit Portal an der NSeite); ob die jetzige Grundrißdisposition noch 1473 oder nach 1517 getroffen wurde, ist zweifelhaft. Entscheidend für sie ist die Rücksicht auf die an dem Choreingang angeordnete Kanzel. Hallenkirche von 2 kurzen geraden Jochen und polygonalem, einem flachen Kreissegment sich anschließendem westl. Abschluß (1516). Auf diese Weise wurde die Gesamtanlage zu [pg 295] einem Zentralbau, wenn auch einem unsymmetrischen, umgestempelt. Das Gemeindehaus 33 m breit, nur 19 m tief. Die Decken flach, in letzter Gestalt 1724. Bei bedeutender Höhe ist der Raumeindruck ein sehr eigentümlicher. Am Außenbau die OTeile verschwenderisch dekoriert, mit viel eigenwilligen Zügen im Einzelnen und starker malerischer Gesamtwirkung; die WTeile fast ärmlich vereinfacht, ausgenommen die 3 Portale im N, S, W. Von den Türmen nur der nördl. ausgeführt. Um 1600 baute K. Steiner das Obergeschoß der Sakristei in gut verstandenen got. Formen, gleichzeitig die Balkone des Innern in Renss. Von den 16 ma. Altären nichts erhalten außer einigen gemalten Tafeln: »Lasset die Kindlein zu mir kommen« 1529 von L. Cranach, eine der besten Arbeiten seiner späteren Zeit; Anbetung der drei Könige 1522, Frühbild Cranachs? Heilige Nacht von Barth. Spranger, A. 17. Jh. — Hochaltar riesiges Schreinerwerk von 1680 mit Gemälde von Hermes in Dresden. — Kanzel um 1740. — Messingenes Taufbecken 1441, am 6seitigen Kessel Reliefs, Fuß neu. — Von historischem Interesse der Grabstein des Pagen Gustav Adolfs, Augustus v. Leubelfing — Trümmer eines großen Marmorgrabmals um 1630, u.a. Standbild der Caritas. — Im Schatz gute Arbeiten des Ratsgoldschmiedes Krugelstein 1680.
S. Othmar. 1691-99. Rck. von 15 : 26,50 m mit leicht vortretender, gerade geschlossener Altarnische; der östl. Teil in 2 Jochen 3sch., der westl. mit flacher Holzdecke; der erst quadr., dann 8eck. Turm über dem Altarhaus. Architekturformen und Ausstattung sehr schlicht. — Aus älterer Zeit, ca. 1520, ein guter 3flügeliger Schnitzaltar. — Im SFenster des Altarhauses Glasgemälde 1539.
S. Marien. 1712-30. 1sch. Emporensaal; an der Decke, einem Spiegelgwb. aus Holz, hübsche Stuckaturen und flüchtige Gemälde. Das Äußere nüchternster Art.
Wenzelskirchhof. Einige Grabmäler nicht ganz ohne Interesse, z. B. das des Hans Weis, 1568, im Erbbegräbnis Patschke links vom Eingang.
Rathaus. Nach Brand 1517, Dacherker bez. 1528, 1556 die Fürstenstube, 1612 das Hauptportal. Die langgestreckte Marktfront hat 3 Geschosse, am hohen Walmdach 6 Zwerchgiebel, dekoriert mit blinden verschränkten Kielbgg. in trockenster Spätgotik, aus Ziegeln gemauert (eine in Thüringen seltene Technik) und wie die ganze Front geputzt. Im Innern Stiegentreppen in feiner Frührenss. bez. 1556; aus demselben Jahr der Fürstensaal, dessen Stuckdecke jedoch 1655. — Trinkhorn etwa M. 14. Jh. mit schönem Lederfutteral.
Wohnhäuser. Die Epoche nach den großen Stadtbränden 1517 und 1532 durch Portale, Erker und Giebel reichlich vertreten, jedoch nichts eigentlich Hervorragendes darunter. — Marktbrunnen mit S. Wenzelstatue 1579.
Stadtbefestigung. Seit 1820 großenteils niedergelegt; erhalten das Marientor von 1446; klassizistische Wachthäuser am Jenaer Tor.
NAUNDORF. Pr. Sachsen Kr. Delitzsch.
Dorf-K. sprom. Überraschend elegantes Portal; im abgetreppten Gewände je 2 Sll. mit gewundenen oder im Zickzack, dessen Spitzen in Dreiblätter ausgehen, kannelierten Schaften; das Tympanon in 2 Quadranten geteilt, Rosetten und freies Randornament.
NAUNDORF. K. Sachsen AH Oschatz.
Dorf-K. 1579, 1sch. Saal mit 3/6 Schluß; die stilistische Erscheinung aus Renovation 1737. — Mehrere Grabmäler des 16.-18. Jh.
Schloß E. 16. Jh. mit einigen Veränderungen im 18. Jh. Aus der ersten Bauzeit die mächtigen Giebel mit 4 Fenstergeschossen. — Reichhaltige Porträtgalerie.
NAUSTADT. K. Sachsen AH Meißen.
Kirche um 1540. Saalbau mit eingezogenem, gestrecktem, gewölbtem Chor und 5/8 Schluß. — Altaraufsatz um 1600, heiter und vornehm; Abendmahlsrelief; Stifterstatuetten. — Sandstein-Wandgrab des A. v. Miltitz † 1629, prächtige und gute Arbeit. — Ein anderes in Marmor von J. J. Kändler, dem berühmten Porzellanformer.
NEBELSCHITZ. K. Sachsen AH Kamenz.
Vornehme bar. Dorf-K., erb. 1740 f. vom Klst. Mariastern. Der interessante Plan angeblich von Gaetano Chiaveri, dem Erbauer der kath. Hofkirche in Dresden. An diese erinnern die halbrunden Abschlüsse im O und W. Im Innern gut organisierte Wand- und Gewölbegliederung. Die Ausstattung steht nicht auf der Höhe der Architektur. Gemälde des Hochaltars von Palko.
NEBRA. Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
Kirche beg. 1416 (Inschr.) in vornehmer Bauart; daher der WTurm mit reichem Portal, im Bogenfeld S. Georgs Kampf mit dem Drachen. Das Schiff nach Brand 1666 dürftig hergestellt. Ansehnliche Epitaphe 1670, 1678 bez. C. P.
Burgruine sehr verfallen, Kap. E. 13. Jh., übriges M. 16. Jh.
NEIDECK. OFranken BA Forchheim.
Burgruine bedeutend, zerstört 1553.
NEMMERSDORF. OFranken BA Berneck.
Dorf-K. Der kleine Bau hat 3 Türme, einer got. im O, 2 bar. im W. Schloß A. 16. Jh., schlicht.
NENKERSDORF. K. Sachsen AH Borna.
Dorf-K. Geschickter spgot. Umbau einer kleinen rom. Anlage. — Altarwerk 1519 mit 4 beweglichen und 2 festen Flügeln.
NENNSDORF. Sachsen-Weimar VB Apolda.
Dorf-K. von ziemlich gut erhaltener rom. Anlage. Rest eines Säulenschaftes mit wechselnd konkaver und konvexer Kannelierung.
NENTERSHAUSEN. RB Cassel Kr. Rotenburg.
Dorf-K. Ein 1sch. Bau des 17. Jh. wurde mit einem ma. Rundturm so verbunden, daß dieser an der Mitte der SSeite halb vor- und halb einspringt, wodurch die sonst unbedeutende K. ein originelles Ansehen gewinnt.
NESCHWITZ. K. Sachsen AH Bautzen.
Dorf-K. 17. und 18. Jh., Turm mit hübschem Bar.Helm 1693. — Bmkw. Sandsteinaltar nach 1600. Ein zweiter in der Sakristei. Menge von Grabdenkmälern.
Altes Schloß 1723 für den österreichischen General Herzog Ludwig v. Teck. Französischer Park mit viel und guter Sandsteinplastik.
Neues Schloß 1766-75 für W. v. Riesch von F. A. Krubsacius aus Dresden; nur der Mittelbau, mehr tief als breit, ist mehrgeschossig, von sehr geschickter Grundrißteilung. Das ovale, zur Hälfte aus der Fluchtlinie vortretende Treppenhaus enthält 2 Treppenarme mit Podest. In derselben Achse nach der andern Seite oben ein länglich 8eck. Saal mit wenigen Nebenzimmern, unten eine Halle, deren Langseiten in jon. Säulenstellungen aufgelöst sind. Dieselben bilden die Durchgänge zu den langgestreckten eingeschossigen Seitenflügeln, welche die 300 Bäume fassende Orangerie enthielten; die reizenden Wandbrunnen in der Art Gottfr. Knöfflers. Die Formbehandlung des Äußeren im Übergang zum Klassizismus, ohne Pracht, doch auch weit entfernt von Nüchternheit. — Der neuere Park im englischen Geschmack. Springbrunnen: Delphin mit reitendem Knaben. Schönes Gittertor. Im Tiergarten behagliches Jagdhäuschen.
NESSELRÖDEN. RB Cassel Kr. Eschwege.
Schloß, mit Steingiebeln und Treppenturm in der Mitte der Front, 1592.
NETRA. RB Cassel Kr. Eschwege.
Pfarr-K. Alt nur der OTurm, dessen Erdgeschoß als Altarhaus diente. Epitaph v. Baumburg 1600. — Schloß aus Renss.
NETZSCHKAU. K. Sachsen AH Plauen.
Stadt-K. modern. Von einem großen und bedeutenden Altarwerk von 1659 nur die Predella erhalten, elegante Alabasterarbeit [pg 298] wahrscheinlich von Joh. Heinr. Böhm d. Ä., die Komposition dem Cranachschen Altar in der Stadt-K. zu Schneeberg entnommen.
Schloß. Baukörper 1462; mehrere Fenster im Vorhang-Bg. geschlossen, ähnlich Sachsenburg und Meißen; die extravagant spgot. Tür derselben Zeit zuzuschreiben, ist kaum möglich. Der große Saal des obersten Geschosses mit mächtiger Balkendecke erhielt 1627 Dekoration in Stuck. Gutes Porträt Karls v. Bose in lebensgroßer Figur, 1623.
NEUBRUNN. Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
Dorf-K. 1521; umgebaut 1589. Steinerne Kanzel 1629. — Mehrere bmkw. Häuser in Fachwerk. (Die Datierung des ältesten auf 1400 muß Zweifeln begegnen.)
NEUDROSSENFELD. OFranken BA Berneck.
Dorf-K. Hübscher und charakteristischer Bau der Markgrafenzeit (ca. 1760); Stuckaturen von G. B. Petrozzi, Malerei von J. M. Wolker.
NEUENBERG. RB Cassel Kr. Fulda.
Ehem. Benedikt.-Klst. Andreasberg. Die Kirche aus rom. Zeit (Weihedatum zu 1023 überliefert), quadr. Chor mit 1/2 kr. Apsis, Triumphbg. und Teil des Qsch., Krypta mit gurtenlosen Kreuzgwbb., einfache Würfelknaufsäulen ohne Eckblätter. Altar mit Blick in die Krypta. Amboreste. Die übrigen Teile der K. nach Brand 1440 erneuert und später verzopft. Grabsteine von Pröpsten seit dem 15. Jh. Am WTurm treten wieder rom. Formen auf. — Klostergebäude. im Umbau von 1440 rom. Bauteile erhalten.
NEUENGÖNNA bei Jena. Sachsen-Weimar VB Apolda.
Dorf-K. Schnitzaltar in der Art des V. Lendenstreich.
NEUENSTEIN. RB Cassel Kr. Homberg.
Schloß aus Ma., 1639 erneuert.
NEUGERSDORF. K. Sachsen AH Löbau.
Dorf-K. Stattlicher Saalbau 1738. — Kanzelaltar 1753, von Gebr. Herzog, wohl der beste aus dieser Epoche in der Lausitz.
NEUSHAUS. Sachsen-Meiningen Kr. Sonneberg.
Pfarr-K. 1591-95 noch stark gotisierend. — Bildnisgrabstein des Hans Gottsmann † 1611 und seiner Gattin; Erzguß von sorgsamer Ausführung, vielleicht aus derselben (Nürnberger?) Werkstatt, wie die v. Bünausche Platte im Museum zu Altenburg. Sie befanden sich ursp. wohl zu Füßen des großen Epitaphs im Chor; dieses aus Alabaster; der architektonische Aufbau vortrefflich, weniger die figürliche Plastik.
NEUHOF. RB Cassel Kr. Fulda.
Schloß der Fürstäbte 1519. Quadr. Wasseranlage, Binnenhof, 4 Ecktürme.
NEUHOF. Sachsen-Coburg LA Coburg.
Schloß. Ehem. Wasserburg des 16. Jh. Davon erhalten die Gwbb. im Erdgeschoß, geschnitzte Balkendecken im 1 Stock, ein Rundturm mit Wendeltreppe. Umbau 1866.
NEUHÜTTEN. UFranken BA Lohr.
In der unscheinbaren Pfarr-K. eine wertvolle rom. Kreuzpartikel des 11. Jh. mit Gravierung und Grubenschmelz, Fuß sp. 18. Jh.
NEUKIRCHEN. RB Cassel Kr. Ziegenhain.
Stadt-K. S. Nikolaus. 14. Jh., z. T. erneuert 1497. Hallenkirche von 3 Jochen, unregelmäßig anstoßende Kreuzflügel, netzgewölbter Polygonalchor. Im Chor und Msch. Wandmalereien, kolossaler S. Christoph u. a. m.
NEUKIRCHEN. RB Cassel Kr. Hünfeld.
Wehrhafte Dorf-K. von 1515, quadr. OTurm, in dessen Erdgeschoß der kreuzgewölbte Chor. — Wandtabernakel 1560, Taufstein 1588 von Meister Henthoos. Flügelaltar A. 16. Jh. — Auf dem Turm hölzernes Obergeschoß und hoher schlanker Helm mit 4 Ecktürmchen. In der Sakristei Tür mit rom. Beschlägen wiederverwendet.
NEUKIRCHEN. K. Sachsen AH Meißen.
Kirche. Die schlichte 1sch. Anlage von 1695 gewinnt Bedeutung durch die Ausstattung mit Emporen, Kanzel usw.
NEUMARK. Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
Dorf-K. Gut erhaltenes Beispiel einer kleinen rom. Land-K. mit Chorturm.
NEUMARK. K. Sachsen AH Plauen.
Dorf-K. In Chor und WTurm spgot., Schiff 1739. Auf dem Kirchboden spgot. Triumphkreuz und Glasgemälde von 1489.
Schloß (v. Römer) 1483, mit jüngeren Zutaten. Reihe von Familienporträts.
NEUNHOFEN. Sachsen-Weimar VB Neustadt a. d. O.
Dorf-K. rom. Anlage, der OTurm jetzt zwischen Lhs. und Chor; der letztere spgot. erweitert; das Innere 1699 nach Verhältnissen reich dekoriert. — Spgot. Altarwerke 1487, 1519. Das erstere vom Saalfelder »Meister der Baldachine«. — Außen Gedenktafeln von 1367, Sandsteinreliefs.
NEUNKIRCHEN A. BR. OFranken BA Forchheim.
Pfarr-K. (1314-1555 zu einem Augustinerstift). Unsymmetrisch 2sch., d. i. Hauptschiff (mit bar. Flachdecke) und niedrigeres nördl. Ssch. mit Rippengwbb. Im W Turm aus 13. Jh. mit romanisierenden Bogenfriesen, die 8seitigen Obergeschosse [pg 300] spgot. — Im Innern Steinfigg. der hh. 3 Könige und der h. Jungfrau um 1400; Marientod, derbes Holzrelief um 1500; Marienstatue des Nebenaltars um 1500. Grabsteine 14. und 15. Jh., darunter ein kniender Schwanenritter; Wolfram v. Egloffstein Rotmarmor 1459. Epitaph mit Schutzmantelbild, Speckstein und farbige Einlagen, feine Arbeit aus 1. H. 16. Jh. Epitaphe Buttenberg 1600, Stauffenberg 1698. Zahlreiche Gemälde 16. Jh., darunter Übertragungen des Dürerschen Marienlebens. Außen Ölberg roher Art.
H. Grab-Kap. mit reichem Wappenportal um 1700, sonst einfach.
Rathaus 1718, unbedeutend. — Stadttore E. 15. bis E. 16. Jh., z. T. mit schönen Wappensteinen.
NEUSALZA. K. Sachsen AH Löbau.
Kirche der böhmischen Exulanten 1679, unerheblich.
Stadtanlage und Wohnhäuser kulturhistorisch von einigem Interesse.
NEU-SCHÖNFELS. K. Sachsen AH Zwickau.
Schloß 1524; Runderker in fein durchgebildeter Fr.Renss.; darf er in das Datum 1524 eingeschlossen werden?
NEUSES. Sachsen-Coburg LA Coburg.
Dorf-K. Hochgot. Chor mit Kreuzgwb. Ältere Teile vielleicht noch aus rom. Zeit. Umbau 1785.
NEUSITZ. Sachsen-Altenburg LA Roda.
Dorf-K. 1723. — Schnitzaltar, bez. 1515, in der Bemalung gut erhalten, irrig der Saalfelder Schule zugeschrieben, eher Arbeiten eines Schnitzers, der flüchtig durch Riemenschneiders Werkstatt gegangen.
NEUSORGE. K. Sachsen AH Rochlitz.
Schloß, erb. um 1720 von General v. Arnheim. Großartige Anlage in Hufeisenform. Im Garten gerühmte dekorative Skulpturen von Gottfr. Knöffler.
NEUSTADT. RB Cassel Kr. Kirchhain.
Pfarr-K. S. Johannes. 1502. Hallenkirche mit nur 1 Ssch., welches bedeutend schmäler. Infolgedessen wachsen die Rippen aus den schlanken runden Schäften in ungleicher Höhe hervor, gegen das Msch. erheblich tiefer. — Sakramentshäuschen spätestgot., turmartig aufgebaut, Arbeit gering. — Spgot. Flügelaltar. — Außen am Chor schöner ikonischer Grabstein des Ritters v. Fischbach und seiner Frau † 1448, ausgeführt später.
Toten-Kap. 1576, noch got.
Schloß. Spgot. und Renss. Ohne Interesse.
Daneben Junker Hansens Turm. Rundbau von ca. 50 m Höhe, hübsche Krönung in Fachwerk.
Wohnhaus in der Nähe der Pfarr-K. Erdgeschoß Stein, reiche Fr.Renss., Oberbau aus Fachwerk jünger.
NEUSTADT A. MAIN. UFranken BA Lohr.
Pfarr-K. (ehem. Klst.-K.) erb. M. 12. Jh. Verlängerung des Chores nachgot. um 1616, Brand 1857 und danach freie Wiederherstellung durch H. Hübsch; bis dahin eine der bedeutendsten rom. K. Unterfrankens. — Gr. kreuzförmig, der Chor nach Hirsauer Art ehemals mit Nebenchören (jetzt Turmuntergeschosse; unzugänglich). Lhs. flachgedeckte Basilika mit Stützenwechsel, je eine Arkadengruppe unter einem Blendbg. zusammengestellt; die Höhenverhältnisse aus Mißverständnis der ihm mitgeteilten Maße durch Hübsch gesteigert. Alt die ganze NMauer, die zwei Turmuntergeschosse und einige der steilen attischen Basen. In der Sakristei wertvolles Epitaph von 1381. — Grabsteine an den Langhauswänden von gutem Mittelschlag. — Außen eingemauerte bedeutende Reste von frgot. Skulpturen (um 1300), St. Martinus, S. Maria, S. Gertraudis und Karl der Große, nebst Kentauren, Drachen u. a. unter einer Blende zusammengestellt.
Klst.-Gebäude gleichzeitig mit der Chorerneuerung, ganz Ruine. Reiche Maßwerkfenster des Kreuzgangs erhalten.
NEUSTADT A. D. SAALE. UFranken BAmtsstadt.
Kloster-K. Die Pfll. der NSeite haben rom. Kämpferplatten. Aus ihnen läßt sich eine flachgedeckte Basilika von 8 Arkaden, ohne Qsch., rekonstruieren. Das nördl. Ssch. spgot. eingewölbt, wobei je ein Pfl. alternierend ausgebrochen wurde. Im 17. Jh. das südl. Ssch. beseitigt und mit dem Msch. zu einem großen flachgedeckten Hauptschiff zusammengezogen. Am Südportal 2 rom. Löwenköpfe aus Metall. — Die zahlreichen Barockaltäre Mittelgut; ebenso die (stark übertünchten) Epitaphe des 16. Jh.; besser eines von 1669.
Pfarr-K. 1795, 1832. Mächtige korinthische Sll. tragen die Decke und sondern schmale Ssch. ab. Originelle Choranlage. Die 1/2kr. Säulenstellung, mit der das Msch. schliesst, tangiert mit einer Kreisstellung, die den Altar enthält. Das Äußere denkbarst nüchtern. — Pfarrhaus mit feinem Renss.-Portal.
Reste der ma. Umfestigung; unerheblich bis auf das Hohetor (1578), das zu den mächtigsten Exemplaren seiner Gattung gehört; der obere Teil im Dreißigjährigen Kriege zerstört und danach etwas verändert wieder hergestellt; die Hauptmasse des im Gr. rck. Baus durch Gurtgesimse 6mal geteilt; über dem vierten ein kleiner Erker; Satteldach mit Volutengiebeln.
In der Nähe Schloß Neuhaus 1767 von Heinrich Todesco für Herrn v. Borrié; bmkw. innere Ausstattung.
NEUSTADT A. D. ORLA. Sachsen-Weimar Bezirksstadt.
Stadt-K. E. 15. und A. 16. Jh. 3 Schiffe von gleicher Höhe mit flacher Balkendecke; Chor gestreckt mit 3/8 Schluß; Netzgwb.; unter dem Chor ein ehemals offener Durchgang wie an den Stadt-K. von Jena und Kahla. Fenster 3teilig mit reichem Maßwerk. Im nördl. Winkel zwischen Lhs. und Chor ein hoher Turm in der Art des Jenaischen. — Formenreicher Taufstein 1494. — Großes Altarwerk mit beiderseits gemalten Flügeln aus 2. V. 16. Jh. (nicht von Cranach). Zahlreiche Grabsteine und Gedenktafeln.
Hospital-K. got. und 1706. — Gemaltes Triptychon von 1495 (?). Got. Schnitzfigg.
Schloß. Entstanden aus einem 1292 gegr. Klst. der Augustiner-Eremiten; sehr verbaut. Hintergebäude 1674.
Rathaus; spgot., bedeutend; der linke Flügel der Marktfront ist der ältere Teil (1465?), der rechte ein jüngerer Anbau; dadurch der große Erker jetzt in die Mitte gerückt; mit ihm gruppiert sich glücklich die Freitreppe des Anbaus. Die Behandlung des Erkers höchst charakteristisch für die späteste Gotik. Ebenfalls reich, doch wenig erfreulich, der große OGiebel. An der NFront wird das Dach von 1, an der SFront von 2 hohen got. Zwerchhäusern durchbrochen. Im Innern mehrere Balkendecken bmkw., durch Rest. des 19. Jh. außen und innen mehrfach verändert. — Ratskeller, 16. und 17. Jh. — Haus der Familie Schweitzer, Marktstr. B 106, von 1574.
NEUSTADT. K. Sachsen AH Pirna.
Stadt-K. aus 14. und 15. Jh., 1sch., entstellt. — Grabstein 1581 wird gelobt.
NEUSTADT. Pr. Sachsen Kr. Worbis.
Wertvolle Fachwerkhäuser um 1600.
NEUSTÄDTEL. K. Sachsen AH Schwarzenberg.
Stadt-K. aus A. 16. Jh., 1sch. mit 3/8 Chor. — Bedeutender Altarbau aus Sandstein und Marmor A. 18. Jh., vielleicht von J. C. Hähnel. Kanzel, ausgezeichnetes Schnitzwerk.
NEUTZ. Pr. Sachsen Saalkreis.
Dorf-K. Typische rom. Anlage etwa wie Talheim, hübsches kleines Portal mit eigentümlichen Zügen, die Öffnung mit Perlstab umsäumt, wie auf dem Petersberg, A. 13. Jh.
NIEBRA. K. Sachsen AH Zwickau.
Ansehnliche got. Dorf-K. — Großer Schnitzaltar mit 4 Flügeln.
NIEDER-ASPHE. RB Cassel Kr. Marburg.
Dorf-K. Spgot. symmetrisch 2sch. Hallenkirche. Älterer OTurm, in dessen Erdgeschoß der Chor. Schön gegliederter [pg 303] Holzhelm. 1902 nach W um 2 Doppeljoche vergrößert und im Innern rest.
NIEDERDORFELDEN. RB Cassel Kr. Hanau.
Burgruine.
NIEDERELSUNGEN. RB Cassel Kr. Wolfhagen.
Dorf-K. Rck. got. Schiff und rom. WTurm ohne Tür; die jetzige Verbindungstür zur K. jünger.
NIEDERFROHNA. K. Sachsen AH Chemnitz.
Dorf-K., voll. 1519. Gute Architektur. Altarwerk von Andr. Petzold 1690.
NIEDERFÜLLBACH. Sachsen-Coburg LA Coburg.
Dorf-K. 2. H. 17. Jh. Aus dieser Zeit 4 Grabsteine der Familie von Reitzenstein.
NIEDERGRÄFENHAIN. K. Sachsen AH Borna.
Dorf-K. Von der ursp. rom. Anlage das Schiff und der turmtragende Chor; um 1500 der Chor erweitert und das Ganze eingewölbt und zu stattlicher Wirkung gebracht; wohl von demselben Meister wie Geithain, Nenkersdorf, Roda.
NIEDERGURIG. K. Sachsen AH Bautzen.
Schloß um 1700 für Graf Lützelburg. Am tiefen Hof zu beiden Seiten Wirtschaftsgebäude, in der Achse das Wohnhaus, im Gr. quadr., in der Mitte stattliches Treppenhaus und Lichthof, die Frontbehandlung einfach. Unter den Porträts eines von Angelica Kaufmann 1786.
NIEDERHOLZHAUSEN. Pr. Sachsen Kr. Eckartsberga.
Dorf-K. Neubau nach Dreißigjährigem Krieg. Ausstattung zum Teil älter und nicht ganz ohne Interesse.
NIEDERLICHTENAU. K. Sachsen AH Flöha.
Dorf-K. 1746 mit geringen rom. Resten. — Sandsteinaltar und Sandsteinkanzel 1615, saubere Arbeiten derselben Hand. — Glocke 1464.
NIEDERLÖSSNITZ. K. Sachsen. AH Dresden-N.
v. Minckwitzscher Weinberg. Terrasse mit Wohnhaus, Lusthaus, Winzerhaus, Pavillon 1713-29.
Wackerbarths Ruhe. Hauptgebäude 1853 im Äußeren umgestaltet, Kapelle 1775 von Knöffel, Jakobsturm 1743.
Weinberghaus Friedstein 1771.
NIEDERMITTLAU. RB Cassel Kr. Gelnhausen.
Dorf-K. 17. Jh., rom. WTurm, Schallöffnungen mit Würfelknaufsäulchen.
NIEDERMÖLLERN. Pr. Sachsen Kr. Naumburg.
Dorf-K. Der einfache rom. Bau mit Chorturm und Apsis im wesentlichen erhalten, wenn auch ohne Kunstformen. Taufstein mit rom. Kuppa auf spgot. Fuß.
NIEDERMÖLLRICH. RB Cassel Kr. Melsungen.
Kirchturm spgot. Im Erdgeschoß der ursp. Altarraum.
NIEDERODERWITZ. K. Sachsen AH Zittau.
Pfarr-K. 1719, im Typus von Bertsdorf, Hainewalde und Spitzkunersdorf, noch größer und stattlicher (16,7 m breit), 3 Ränge Emporen. Einheitliche Ausstattung aus gleicher Zeit. — Pfarrhaus 1746.
NIEDEROPPURG. Sachsen-Weimar VB Neustadt a. d. O.
Kirche 1694, durch korinthische Sll. in 3 Schiffe geteilt, die Ssch. mit flacher Decke, das Msch. mit hohem Spiegelgwb., derbe Stuckdekoration auf farbigem Grunde; wohl von Italienern ausgeführt, die damals viel an den thüringischen Höfen beschäftigt waren. Ausgezeichnet das schmiedeeiserne Gitter.
Schloß 1708 für C. v. Rumohr auf der Stelle einer alten Wasserburg; groß, regelmäßig, in sehr nüchternen Formen. Die innere Ausstattung bis M. 18. Jh.; Schmiedearbeiten, Tapeten, besonders Öfen bmkw.
NIEDERPLANITZ. K. Sachsen AH Zwickau.
Dorf-K. 1519, umgebaut 1587 als charakteristischer protestantischer Predigtsaal mit Emporen und ohne Chor, die hölzerne Felderdecke mit biblischen Gemälden. Bauherr der kurfürstliche Rat und Professor in Wittenberg Dr. v. Beust. — Bmkw. Altaraufsatz aus Sandstein bez. 1592. S. L. (Samuel Lorenz). — Bildnisgrabsteine v. d. Planitz 16. Jh. — Kelch 1656.
NIEDERPRETZSCHENDORF. K. Sachsen AH Dippoldiswalde.
Dorf-K. 1731-33, zentrale Anlage, ähnlich der zu Lohmen, also in der Richtung George Bährs; erbaut von J. Ch. Simon.
NIEDERRABENSTEIN. K. Sachsen AH Chemnitz.
Dorf-K. Taufstein mit 13 reizenden knienden Kinderfiguren (vgl. Weißbach), 1595 von Michael Hogenwald. In der Sakristei Sandsteinreliefs vom ehemaligen Altarwerk, vermutlich vom selben Meister.
NIEDERROSSLA. Sachsen-Weimar VB Apolda.
Gutes Beispiel einer größeren Dorf-K. des 18. Jh.; 3sch. mit Emporen; großer 3 geschossiger Kanzelbau hinter dem Altar.
NIEDERRUPPERSDORF. K. Sachsen AH Löbau.
Schloß (v. Nostitz) 1752 von Andr. Hünigen. Inneneinrichtung Rok. und Empire.
NIEDERSTEINBACH. K. Sachsen AH Rochlitz.
Dorf-K. sprom., 1sch. mit eingezogenem Chor und 1/2 kr. Apsis. — [Altarbehang, Zeugdruck aus 15. Jh., jetzt im Dresdener Altert. Ver.].
NIEDERTREBRA. Sachsen-Weimar VB Apolda.
Dorf-K. 1750. Groß und relativ reich; aufwändiges Altar- und Kanzelwerk.
NIEDERWALGERN. RB Cassel Kr. Marburg.
Dorf-K. Roher rom. Bau aus A. 13. Jh. Rck. Sch. mit zwei kuppeligen Kreuzgewbb., schmälerer quadr. Chor; am WTurm rippenlose spitzbg. Gwbb. — 1898 durch Anbauten und Entfernung der Gwbb. im Sch. verändert.
NIEDERZWEHREN. Kr. Cassel-Land.
Dorf-K. Der Chor im OTurm, einem hübschen und charaktervollen Vertreter seiner Gattung, erb. 1472, Helm mit Ecktürmchen nach Brand 1552, im Erdgeschoß Reste von Wandmalerei aus der Erbauungszeit. Am Kirchhofe Wehrmauer mit Schießscharten.
NISCHWITZ. K. Sachsen AH Grimma.
Dorf-K. Wesentlich 1752. Das Altarbild von Stefano Torelli, einst weit und breit berühmt.
Schloß, erbaut für den Minister Gf. v. Brühl von J. C. Knöffel, im 7jährigen Kriege zerstört, seit 1778 wiederhergestellt. Deckenmalerei von A. F. Oeser. Vor dem Mittelbau 2 hübsche Sandsteinfiguren, Schäfer und Schäferin, von Gottfr. Knöffler.
NÖDA. Sachsen-Weimar VB Weimar.
Dorf-K., spgot. um 1500. — Grabstein einer Frau von Milwitz 1597; ausführliche, saubere Darstellung des Kostüms.
NOHRA. RB Erfurt Kr. Hohenstein.
Dorf-K. wie Wolkramshausen. Glocke 1. H. 13. Jh. (?) mit drei figürl. Reliefs.
NORDECK. RB Cassel Kr. Marburg.
Burgruine. Die älteren Teile rom.
NORDHAUSEN. Pr. Sachsen Kreisstadt.
Dom (Kreuzstifts-K.). Gegr. 961 von der Königin Mathilde als Nonnen-Klst., 1219 in Kanonikerstift umgewandelt. Der jetzige Bau: Ostpartie rom. und frgot., Lhs. spgot. — Chor gestreckt rck. mit plattem Schluß (17,5 : 7,8 m). Der Raum wird durch einen breiten, auf schlichten Konsolen ruhenden Gurtbogen halbiert; über der östl. Hälfte ein rippenloses Kreuzgwb. auf unterspitzen Schildbgg.; in der westl. Hälfte 2 rck. Kreuzgwbb. mit frühestgot. profilierten Rippen; der Triumphbogen unterspitz mit gerader Leibung. Schmale spitzbg. Fenster mit romanisierendem Gewände; an der OWand zu Dreien pyramidal geordnet (sog. Dreifaltigkeitsfenster), am Gewände Rücksprung mit Säulchen (Schaftringe, Knospenkaptt.). Unter dem Quergurt des Chors Kragstein mit Mondsicheln, wie in Maulbronn und Walkenried. Außen an den [pg 306] Ecken Lisenen, die auf zirka 4 m Höhe abbrechen; unter dem Dach Bogenfries mit Diamantschnitt. Zu Seiten des Choreingangs erheben sich 2 schlanke quadr. Türme. Sie sind in drei, auch im Werkstoff unterschiedenen Abschnitten erbaut; die unteren haben im O kleine Kapp. Die geschilderten Bauteile vermutlich nach Brand 1234, zuerst von einem noch in rein rom. Formanschauung lebenden Meister, dann von einem gotisierenden, der aus Walkenried kam (neben mehreren anderen Anklängen die Halbmondkonsolen der Quergurte). — Unter dem Chor rom. Krypta aus M. oder 2. H. 12. Jh. Sie erstreckt sich nur über die westl. Hälfte des jetzigen Oberbaues. Die Gwbb. grätig zwischen breiten Gurten, stämmige Würfelknaufsäulen; Treppen führen in den Unterbau der Türme. — Das gegen M. 14. Jh. völlig erneuerte, im 15. vollendete (oder überarbeitete?) Langhaus geht zu größerem Maßstab über. Im Gr. 26,5:32 m. Hallensystem mit etwas breiterem Msch.; 5 Joche; Pfll. 8eckig mit Bündeldiensten, an den Kapitellen krauses Laubwerk; Netzgwbb. etwa A. 16. Jh.; an den Fenstern reiches Fischblasenmaßwerk; das Hauptportal am östl. Ende des südl. SSch.; die WFront, der Türen entbehrend, war nicht Schauseite. Der hohe OGiebel verdeckt die rom. Türme. — Hochaltar mit Statuen aus Holz, 1726. — Sakramentshäuschen 1455. — Chorgestühl E. 14. A. 15. Jh., überladen mit ornamentalen und figürlichen Schnitzereien wenig gewählten Geschmackes. An den Wänden des Chors 6 Steinstatuen, 3 männliche und 3 weibliche, in fürstlicher Tracht, ihrer Bestimmung nach den Stifterbildern des Naumburger Doms zu vergleichen, jedoch die Personen nicht gesichert; Entstehungszeit E. 13. bis A. 14. Jh.; von einem (lokalen?) Meister, der an Herstellung von Grabfiguren gewöhnt gewesen sein mag; die Körperformen ganz ungenügend, die Gewandmotive gekünstelt; belustigend die Humoresken an den Kragsteinen (in den Gegenständen zum Teil mit dem sog. Physiologusfries des Straßburger Münsters übereinstimmend). — An der O— und WWand des Lhs. Statuen des 17. Jh. ohne Wert. — Ikon. Grabsteine: 2 aus 14. Jh., 5 aus 16. Jh. — Kreuzgang, nur geringe Reste, rom. 12. Jh. mit spgot. Umbau.
Frauenbergs-K. (Klst. S. Mariä novi operis). Einheitlicher, aber im Detail zurückgebliebener Bau des fr. 13. Jh. (rest. von Zeller 1912). Rom. Pfeilerbasilika von einfacher Formenbehandlung. Gr. normal kreuzförmig 38 m lang, 6 Arkaden auf einfachen quadr. Pfll., die Kämpfer aus Platte und Schmiege. Die Nebenapsiden am Qsch. abgebrochen. Keine Krypta. [pg 307] — Hochaltar; Schnitzwerk von 1459 (die überlieferte Inschrift nicht mehr vorhanden); im Mittelschrein Kreuzigung, an den Seiten je 4 Gruppen aus der Passion in frei herausgearbeiteten Gruppen; das ornamentale Beiwerk zerstört. — Kanzel und Taufgestell 1768. — An der südl. Außenwand Grabstein, 1370 mit eingeritzter Figur Klostergebäude verbaut, Kreuzgang abgebrochen.
Nikolai-K. Spätgot. Hallenkirche ohne Bedeutung. Der Unterbau der turmlosen WFassade einfachst rom. — Hochaltar um 1600, wahrscheinlich ein Hauptwerk des Nordhäuser (später vornehmlich in Magdeburg tätigen) Bildhauers Christoph Kapup, erst 1646 zusammengesetzt von Joh. Duck. Alabasterbau reich mit Reliefs und Statuetten besetzt. — Kanzel und Taufgestell 1588. — Umfangreiches Marmorepitaph des Dr. Conrad Frommann † 1683 mit Relief der Grablegung. — Epitaph der Elisabeth Stromer † 1596 in Form eines gemalten Flügelaltars; die Gemälde ohne Bedeutung. — Weitere Grabdenkmäler 1664, 1676, 1774. — Bronzene Epitaphplatte von 1577. — Im südl. Ssch. Maria auf der Mondsichel, spgot. Schnitzwerk. — 9 Kelche, der älteste 1351, die anderen 15. bis 17. Jh.
Blasien-K. Unregelmäßiger Gemengbau. Das stattliche got. Sch. mit gestrecktem, aus Achteck geschlossenem Chor deutet auf bedeutendere Bauabsichten (Maßwerk teils geometrisch, teils Fischblasen); indessen kamen vom Lhs. nur 3 Joche zur Ausführung (Hallensystem), so daß der sprom., von 2 wohlgegliederten Achtecktürmen überstiegene WBau geschont blieb. Hochaltar und Gestühl 1735. — Kanzel 1592. An den 6 Brüstungsfeldern Reliefs. — Reich geschnitztes hölzernes Epitaph des Cyriacus Ernst 1585. — Alabastergrabmal W. v. Eberstein 1700. — Grabgemälde 1592. — Epitaphgemälde für Ursula Meienburg von L. Cranach d. Ä. 1529. — Desgl. für Michael Meienburg † 1555, große bedeutende Arbeit von L. Cranach d. J. bez. 1558, Auferweckung des Lazarus unter Assistenz der Reformatoren und der Familie M.
Petri-K. Der gerade geschlossene Chor in romanisierender fr. Gotik. Das Lhs. im Hallensystem, 14. Jh., öfters umgebaut und geflickt. — Kanzel reiche Renss. E. 16. Jh. — Bronzener Taufkessel 1429; an der Wandung 16 Heiligenreliefs, als Träger 4 Männer in der Zeittracht; rohe Handwerksarbeit bez. Mester Tile. — Alabasterepitaph mit lebensgroßer Figur des Stadtschreibers Joh. Pfeiffer † 1552.
Altendorfer K. Ehem. Cisterc.-Nonnen-Klst., um 1350. Ungewöhnlicher Weise 3sch. Hauptschiff polyg., Nebenschiffe platt geschlossen. Nonnenempore Südschiff. Das Ganze sehr entstellt.
S. Jakobi-K. 1744 an Stelle eines rom. Baues.
Kirchhof S. Cyriaci. Im 18. und 19. Jh. gründlich umgebaut. In der Kapelle bmkw. gravierte Grabplatten, darunter die bedeutendste für die Brüder Segemund 1412; die anderen Platten beziehen sich auf Personen, die zwischen 1394 und 1397 starben; sie scheinen alle aus derselben (niederdeutschen? niederländischen?) Werkstatt zu stammen. — [3 andere Hospize mit Kapellen, S. Martin, S. Georg, S. Elisabeth, sind untergegangen, ebenso die 3 Bettelordenskirchen der Stadt. Dem Martinsstift gehörte eine kunstgeschichtlich wichtige Reihe gravierter Messingplatten (Gedenktafeln der Familien v. Urbach und v. Werther) aus E. 14. Jh., nicht flandrisch, sondern aus einer thüringischen Werkstatt; jetzt im Museum, wo auch andere Kunstwerke aus den Kirchen der Stadt.]
Rathaus. 1608-10 auf älterem Gr. Im Erdgeschoß eine Laube von 6 Bogenöffnungen und polyg. Treppenturm. In den zwei Obergeschossen rck. gestürzte Kuppelfenster. Umgebaut 1733 und 1883. Einige Gemächer des 17. Jh. erhalten. — Ratskeller 1710.
NORDHEIM. Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.
Kirche 1710-11, 1sch. mit rck. Chor, bmkw. durch die reiche innere Ausstattung. Großer Altarbau bez. 1718. Zahlreiche ikon. Grabsteine aus 2. H. 16. Jh., die meisten von der Hand des Meisters I H (vgl. Meiningen, Bibra, Ellingshausen). Bronzeplatte für Caspar v. Stein, gegossen 1633 von Georg Werter aus Coburg. Größere Epitaphe der Familie v. Stein 1706, 1745. — Befestigter Friedhof mit 4 Gaden, bez. 1583.
Schloß. Alte Wasserburg des 16. Jh. Fassade 1707. — Häuser in geschnitztem Fachwerk 1613, 1710, 1754.
Dorftor mit Steinschem Wappen.
Rathaus A. 18. Jh. Der bescheidene bäuerliche Fachwerkbau wirkungsvoll gemacht durch eine zweiflügelige Freitreppe mit Laube.
NORDHEIM. UFranken BA Gerolzhofen.
Dorf-K. bar., mit got. Chor. — Schnitzbild der Pietas um 1500, bei starken Mißgriffen in den Proportionen doch ein bedeutender Wurf.
Ehem. fürstbischöfl. Amtshaus, schmucker Renss.-Bau um 1600. An einem anderen Hause Steinmadonna um 1350.
NORDHEIM V. D. RHÖN. UFranken BA Mellrichstadt.
Dorf-K. Turm frgot., Sakristei 15. Jh. Chor und Langhaus 1696. Reste der alten Friedhofsbefestigung. Anziehendes Architekturbild.
Im Dorfe 2 v. d. Tannsche Schlösser, das eine, der sog. Judentempel, im Grund 14. Jh., das andere einfacher Bau von 1640.
Ehem. Zehenthaus. Mit originellen Schnitzereien. 17. Jh.
Reste der alten Befestigung.
Sebastians-Kapelle. Erb. 1636. Gute Holzfigur des hl. Sebastian A. 16. Jh. Sehr originelle Darstellung des Abendmahls mit 30 cm hohen Holzfigürchen, M. 15. Jh.
NORDSHAUSEN. RB Cassel Kr. Cassel.
Ehem. Cisterc.-Nonnen-Klst. Die Kirche 1sch. mit 5 Kreuzgwbb. ohne charakterisierten Chor. Die 2 westl. Joche frühest got., noch M. 13. Jh., die 3 östl. spgot. 15. Jh.; ehemals im W Nonnenemporen. Der WTurm älter als die K., anscheinend Wehrbau.
NOSCHKOWITZ. K. Sachsen AH Döbeln.
Schloß. Wesentlich 17. Jh. Stattliche Anlage, in den Kunstformen spärlich.
NOSSEN. K. Sachsen AH Meißen.
Kirche 1719, von Interesse die eingebauten Portale aus Kloster Altenzelle, sprom. um 1230, gleichzeitig, doch in verschiedenen Schultraditionen, das mit offenem Bogenfeld aus thüringischer, das andere aus fränkischer Tradition.
Schloß. 1185 erste Nennung; 1512 der Trakt gegen NO; 1556 das »alte Haus« mit sehr gut behandeltem Tor; 1628 Südseite, wohl von einem Schüler Paul Buchners; 1667 gründliche Umgestaltung der ma. Teile.
NOSTIZ. K. Sachsen AH Löbau.
Dorf-K. 1679. Die hübsche Inneneinrichtung gleichzeitig, fortgesetzt A. 18. Jh. — v. Zieglersche Denkmäler.
NÖTHNITZ. K. Sachsen AH Dresden-A.
Schloß. Einfacher Bau des 17. Jh. Das Innere 1745 neu eingerichtet. Der aus der Lebensgeschichte Winckelmanns bekannte Bibliotheksaal nicht mehr in seiner Gestalt von damals.
NOTTLEBEN. Pr. Sachsen Kr. Erfurt.
Dorf-K. 1521. Der spgot. Schnitzaltar wird zu den besten des Gebietes gerechnet.