§. 103.
Wenn der Verdruß und der Eckel des Zuhörers über die materielle Unvollkommenheit unseres Schertzes, grösser ist, als sein Vergnügen über die formelle Schönheit desselben, so verliehrt unser Schertz seinen Glantz und Feuer, wenigstens in dem Gemüthe unsers Zuhörers. Niemand ist so thöricht, eine kleine Lust durch einen stärckern Verdruß zu erkauffen; und es ist sehr wahrscheinlich, daß der Verdruß über unsern Schertz das Vergnügen über eben demselben verdunckeln werde, folglich auch den Grund desselben, oder die Anschauung der Schönheiten desselben. Diese werden sich gleichsam hinter der Häßlichkeit des Schertzes verliehren, und so gut seyn als wenn sie gar nicht da wären. Wenn ja ein feuriger Schertz eine materielle Unvollkommenheit hat, so muß doch der Verdruß darüber mercklich schwächer und dunckeler seyn, als das Vergnügen über eben denselben. Alsdenn wird sichs umgekehrt verhalten. Die häßliche Seite wird sich immer weiter hinter die schöne drehen, und es kan wohl gar kommen daß der Zuhörer, über den Vergnügen, an die Unvollkommenheiten zu gedencken vergißt. Wenigstens ists einem oftermals nicht zuwieder, einen kleinen Verdruß auszustehen, wenn er nur durch ein grösser Vergnügen belohnt und ersetzt wird. Es ist nicht zu leugnen, daß die Ausübung dieser Regel viele Kunst erfodert. Es kan jemand einen sehr grossen Verdruß worüber empfinden, so dem andern gar keine, oder doch eine sehr kleine Unlust erweckt, und so verhält es sich auch mit dem Vergnügen. Dem sey nun wie ihm wolle, so muß der schertzende sich durchaus nach den Zuhörern bequemen, wenn er bey ihnen seinen Zweck erreichen will. Ich rechne dahin die Schertze, die von unzüchtigen, unflätigen, und gar zu gemeinen Dingen hergenommen werden. Kurtz, alle diejenigen Schertze die in der Einbildungskraft ein schändliches und eckelhaftes Bild verursachen. Ich lasse einen jeden urtheilen, ob die feurigsten Schertze nicht ihren Glantz verliehren, wenn sie eine so schmutzige und säuische Einfassung bekommen? Ein spaßhafter Kopf, der bey seinen Schertzen gar zu oft ins Dicke trit, kan zwar in einer Zeche Mistträger ohne Eckel gehört werden, aber nicht von Leuten, die sehr selten Empfindungen von gewissen Dingen zu haben pflegen. Es gibt eine gewisse Art Leute, die, ich weiß nicht was für ein ehrwürdiges etwas, darin zu suchen pflegen, wenn sie ohne Eckel gewisse Dinge ansehen, und befühlen, und wohl gar mit noch einem andern Sinne empfinden können. Diese Leute schreiben sich deswegen eine heldenmäßige Hertzhaftigkeit zu, und verlachen alle diejenigen, die kein solches Cyclopen-Hertz besitzen als sie selbst. Und diese sinds die mehrentheils in Gesellschaften, und was noch das ärgste ist, alsdenn wenn gegessen wird, solche Spasse machen, die gar zu natürlich sind, und wodurch sie andern einen Eckel verursachen, der ihnen die Materie zu ihrem Triumphe darbietet. Meinem Urtheile nach, verdunckeln solche spaßhafte Köpfe, durch ihre eigene Schuld, das schöne ihrer Schertze, durch das schmutzige womit sie schertzen. Ich will nicht einmal von den bejammernswürdigen Köpfen reden, deren Zoten nicht einmal eine formelle Schönheit besitzen. Denn alsdenn ist der Zeug des Spasses säuisch, und der Spaß selbst häßlich, und kan auf keinerley Art gerechtfertiget werden.