§. 104.
Wenn man mit Dingen scherzt, die man mit der äussersten Ernsthaftigkeit, zu betrachten verbunden ist, so ist auch das kleinste lachen bey solchen Dingen eine Sünde. Ein feuriger Schertz verursacht ein grosses lachen. Folglich muß ein solcher Schertz, der mit und über dergleichen Dinge geführt wird, eine grössere materielle Unvollkommenheit haben, und folglich viel von seinem Feuer verliehren. Ich rechne dahin, nicht nur diejenigen Scherze, in welchen solche wichtige Dinge selbst lächerlich gemacht werden, als welches überdies eine strafbare Leichtsinnigkeit ist; sondern auch diejenigen, die etwas anders durch Vergleichung mit dergleichen Dingen lächerlich machen. Es ist wahr, diese wichtigen Dinge bleiben alsdenn in ihrem völligen Werthe. Allein die Einbildungskraft pflegt hernach den Schertz uns wieder ins Gemüth zu bringen, so bald wir an solche ernsthafte Dinge dencken, und da ist es nothwendig, daß wir unsere Pflicht übertreten müssen. Ich tadle alle Schertze, in welchen solcher wichtigen Dinge Erwehnung geschieht, es sey nun auf die eine, oder die andere Art. Meines Erachtens gehören dahin, alle Schertze die mit der Religion getrieben werden, es sey nun, daß man über Religionssachen schertze, welches freylich das ärgste ist, oder daß man durch Religionssachen etwas anders lächerlich mache. Nimium enim risus pretium est, si probitatis impendio constat. Quint. de inst. Orat. Ich weiß wohl, daß man vieles zur Entschuldigung der letztern anzuführen pflegt. Ich weiß aber auch, daß ich sie nicht verwerffe, weil ich glaube, daß sie Religions-Spöttereyen wären. Wenn man weiter nichts thut, als daß man die Religionssachen braucht, etwas anders lächerlich zu machen, so spottet man nicht der Religion, die bleibt in ihrer Hoheit. Allein unsere Einbildungskraft vergesellschaftet die Religion mit den Schertzen, wir erinnern uns der Schertze, wenn wir an die Religion dencken, und man ist alsdenn nicht im Stande, gantz ernsthaft zu bleiben, wozu man doch bey der Religion jederzeit verbunden ist. Alle vernünftige Kenner der Schaubühne, stimmen mit mir in diesem Stücke überein. Sie sehen es als einen groben Fehler an, wenn man wichtige Dinge, und insonderheit Dinge, die mit der Religion eine Verwandschaft haben, in die Comödie bringt. Sie tadeln insgesamt, den berühmten Nürnbergischen Dichter Hans Sachsen, der so artig zu dichten gewust, daß er Adam und Eva aufgeführt, wie sie ihre Kinder in Gegenwart GOttes, der ihnen erschienen, aus Luthers Catechismus examiret, da denn Abel recht gut bestanden, Cain aber sehr schlecht antworten können. Man begreift ohne Mühe, daß der Grund dieses Tadels, darin zu suchen sey, weil die Comödie der Ort ist, wo geschertzt werden soll, und da die Thorheiten der Menschen lächerlich gemacht werden sollen. Verbannt man nun die Religion aus der Comödie, so gibt man zu verstehen, daß es häßlich sey, wenn man die Religion zu schertzen braucht, und ob man gleich sie selbst nicht lächerlich mache, und die Schertze noch so feurig seyn solten. Was ich von der Religion gesagt habe, das gilt auch von allen wichtigen Wahrheiten, die man durchaus nicht zum Schertzen brauchen muß. Ich hätte hier die schönste Gelegenheit, denen Herrn den Text zu lesen, die mit der Philosophie ihren Schertz treiben, und wunder dencken, wie spitzfindig sie sind, wenn sie z. E. über die beste Welt ein lachen verursachen. Doch ich begnüge mich anzumercken daß man weder über, noch mit dergleichen Dingen schertzen müsse, bey denen wir verbunden sind, so oft wir uns damit beschäftigen, eine genaue und strenge Ernsthaftigkeit zu beobachten.
Non haec iocosae conueniunt lyrae
Hor. Carm. L. III. Od. III.