§. 64.

Aus dem vorhergehenden ist klar, daß die Schertze, wenn sonst das übrige seine Richtigkeit hat, gerathen müssen, welche Zuhörern vorgetragen werden, die mit vielen ernsthaften Gedancken beschäftiget sind. Das ernsthafte ist ja dem schertzhaften entgegen gesetzt, und ein schertzhafter Kopf der diese Gelegenheit ergreift, folgt der Regel des Horatz

Misce stultitiam consiliis breuem.

Carm. L. III. od. XII.

und bringt seinen Spaß mitten unter Vorstellungen vor, die von gantz verschiedener Art sind. Geht seine Geschicklichkeit noch weiter, und kan er mitten unter betrübten und traurigen Gedancken schertzen, so erhält sein Spaß noch eine grössere Schönheit von dieser Seite. Die Verminderung der Traurigkeit ist immer was angenehmes, und die Lust die eine Betrübniß verdrengt, oder mindert, ist durchdringender. Ein Schertz der dergestalt vorgetragen wird daß er

-   -   -   -   amara laeto

temperet risu   -   -

Hor. Carm. L. II. od. XVI.

muß viel angenehmer seyn, als ein anderer, wenn er anders nicht aus einem leichtsinnigen und fladderhaften Gemüth entsprungen. Ein Mensch der alsdenn schertzen kan, wenn ihm ein Glied abgelößt wird, muß gewiß einen sehr lebhaften und starcken Witz besitzen. Das, deucht mich, ist der Grund, warum diejenigen Köpfe, die in ihrer Todes Stunde noch gespaßt haben, als witzige Köpfe bewundert werden. Socrates, Adrian der Kayser, Margaretha von Oesterreich, und andere, geben hier, wenn man den Erzählungen von ihnen glaubt, Exempel an die Hand.