§. 65.

Wenn ernsthafte Gedancken in der Seele die Oberhand haben, so muß das Gesicht natürlicher Weise ernsthafte Züge behalten. Herrschen aber die schertzhaften Gedancken, so muß man sich mit Gewalt zwingen, das Lachen zu verbeissen. Ein Mensch, der bey dem Vortrage seines Schertzes, gar keine Ernsthaftigkeit behält, beweißt also, daß der Schertz in seiner Seele herrsche. Folglich hat er nicht diejenige Vollkommenheit seines Witzes, vermöge welcher er, mitten unter starcken Gedancken von anderer Art, schertzen kan, und er macht dadurch seinen Schertz matter. Wer recht glücklich schertzen will, bey dem muß mitten im schertzen die Ernsthaftigkeit in der Seele, und in dem Gesichte, die Oberhand behalten. Ich sage nicht daß er finstere und saure Minen machen soll, das ist ein Fehler von dem ich unten reden werde. Die Ernsthaftigkeit muß nur stärcker bleiben, als das Gegentheil. Man muß von ihm sagen können

Incolumi grauitate iocum tentauit.

Hor. art. poet.

Kurtz, derjenige der schertzt, muß im Schertzen bey nahe ein Crassus seyn, qui cum omnium esset venustissimus & vrbanissimus, omnium grauissimus & seuerissimus & erat & videbatur, nach dem Zeugniß des Cicero im andern Buch vom Redner.