§. 66.
Hieraus läßt sich ein Fehler beurtheilen, den man bey manchen spaßhaften Köpfen antrift. Ihr scharfsinniger Witz ist den Körpern ähnlich, die nicht eher in Bewegung gerathen, bis sie von andern angestossen worden. Ihr Witz schläft so lange, bis ein anderer anfängt zu schertzen, und alsdenn werden sie auch rege. Sie leiten aus einem Schertze, den sie gehört, andere her. Und man kan sagen, daß ein feuriger Witz viele andere erwärmen und erhitzen könne. Man darf sich nicht wundern, daß demjenigen, der den herrschenden Witz in solchen Fällen hat, seine Schertze gelingen, denn er bringt sie mitten unter verschiedenen Gedancken vor. Seine Affen aber haben das Glück nicht. Sie tragen ihre Schertze alsdenn erst vor, wenn die Gesellschaft schon aufgeräumt worden, und sie kommen mit ihren Einfällen zu spät. Ein anderer hat schon die besten Früchte eines Schertzes genossen, und ihnen bleibt nur die Nachlese übrig, die bisweilen mager genug ist. Dahin können auch die Schertze gerechnet werden, die in den stillen Gesellschaften vorgetragen werden. Es scheint, daß manche Zusammenkünfte nur gehalten werden, um einander anzusehen, und von Gedancken auszuruhen. Eine solche Gesellschaft von Seulen, kan sehr leicht durch den frostigsten Einfall ergötzt werden. Sie dencken wenig oder nichts, und eine Kleinigkeit kan ihre gantze Seele einnehmen. Ein Schertz aber, der alsdenn belacht wird, ist auf dieser Seite sehr mat. Der schertzende und die Zuhörer dencken ausser dem Schertze weiter nichts, und also mangelt ihm die Schönheit die ich bisher ausgeführet habe.