§. 81.
Man kan sagen, daß es eine schwere Untersuchung sey, den Ursprung des Lachens, nach allen seinen Stücken, auseinander zu setzen. Das Lachen ist eine so verworrene und, aus unendlich vielen andern, zusammengesetzte Veränderung, daß man Ursach zu zweiffeln hat, ob man dieselbe so deutlich erklären könne, als andere Veränderungen die bey uns vorgehen. Ich übergehe die Bewegung des Körpers, die mit dem Lachen verbunden ist. Ich will nur bestimmen, woher die Veränderung der Seele entsteht, wenn sie über etwas lächerliches lacht, denn das ist dasjenige lachen, so durch einen Schertz verursacht werden soll. Lächerlich sind alle Ungereimtheiten die man in Kleinigkeiten bemerckt. Das Lachen entsteht also aus der Beobachtung einer Ungereimtheit in Kleinigkeiten. Cicero sagt im andern Buche vom Redner: Locus autem & regio quasi ridiculi turpitudine & deformitate quadam continetur, haec enim ridentur vel sola, vel maxime, quae notant & designant turpitudinem aliquam non turpiter. Es wird leicht zu erweisen seyn, daß eine jede Häßlichkeit etwas ungereimtes oder wiedersprechendes enthalte, indem die Natur alsdenn von den Regeln der Vollkommenheit abweicht, worin ihre Maximen bestehen, wenn sie etwas häßliches in ihren Wercken hervorbringt. Cicero bemerckt an eben dem Orte, daß man weder über eine gar zu grosse Häßlichkeit noch Schandthat lache. Die erste bewegt zum Mitleiden, die andere zum Zorn und Abscheu. Folglich würde ein solches Lachen mit einem überwiegenden Verdrusse verbunden seyn. Man thue hinzu, daß man, wenn man grosse Dinge lächerlich macht, sein leichtsinniges Gemüth verräth, eine Beschaffenheit die abermals einem guten Geschmacke Verdruß erwecken muß. Ich habe demnach mit Grunde annehmen können, daß, wenn man andre mit Vergnügen zu lachen machen will, man in Kleinigkeiten eine Ungereimtheit oder Widerspruch entdecken müsse.