XXI. Sonst und Jetzt.
Muskau mit seinen Umgebungen hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Die vorzüglichsten dieser Veränderungen und Umgestaltungen sollen zeigen, wie das Sonst dem Jetzt gewichen.
Wahrscheinlich ist der Ort gleich anfänglich im Neißthale und zwar von Slaven erbaut worden. Darauf führet der Name, welcher derselben Wurzel entsprossen ist, wie der der alten heiligen Hauptstadt Rußlands. Die Slaven berücksichtigten bei ihren Ortsbenennungen hauptsächlich das Terrain. So wurde die an einem sumpfigen, moorigen Landstriche, an einem Muzk, gegründete Ansiedlung Muzkow genannt. Weil aber die Wenden Muskau Mužakow nennen, so hat sich die Meinung verbreitet, daß der Name von dem ungewöhnlichen Augmentativ Mužak d. h. ein großer Mann, herkomme, welche zu der Sage Veranlassung gegeben hat, daß einst um Muskau ein Heldenvolk gewohnt und gegen die Feinde des deutschen Reichs tapfer gestritten habe, s. Langner S. 11. Eine historische Fiction ist das Referat A. Hoßmanns, daß sich um 300 n. Chr. ein römischer Feldoberst Muskau mit seinen Mannen hier niedergelassen und die Stadt erbaut habe.
Die Deutschen errichteten hier, wie anderwärts, eine Burgwarte, welche zunächst dazu bestimmt war, ihre Herrschaft über den Gau zu befestigen und die wohl auch später zur Schutzwehr in den Fehden, vielleicht auch als Feste gegen die Feinde des Reiches gedient hat. In der Nähe des also geschützten Ortes mochten sich Viele ansiedeln, und so mag die Neustadt und die Schmelze entstanden sein. Wo aber das Schloß ursprünglich gestanden hat, läßt sich nicht bestimmen. — Wenn Langner S. 12 behauptet, Muskau sei einst viel größer gewesen und habe sich 1½ Stunde weit über den Berg bis Keula hingezogen, so ist dies wohl ebenso eine Dichtung, wie die Angabe Hoßmanns, daß der Ort durch Heinrich I. Stadtrechte und die herrlichsten Privilegien erhalten habe. Muskau ist erst den 29. September 1452 von Wenceslaus von Bieberstein mit Stadtgerechtigkeit begnadet worden. Verz. oberl. Urk. I, 2. S. 69. Gleichwohl mochte sich schon früher unter der Obhut tüchtiger Herren der Gegend, unter den Herren von Ileburg, Kittlitz, Penzig, ein kräftiges Gemeindewesen entwickelt haben. Deshalb konnte Hoßmann dichten, daß ein Probst von Muskau Folgendes an einen Markgrafen von Oesterreich geschrieben habe: „In diesem Städtlein wird die Religion mit sonderbarer Andacht auf die Nachkommen gepflanzet und täglich mit Ernst geübt. Die Bürger allhier trachten nicht nach Ehren, sondern nach dem gemeinen Nutzen, und wird von der Obrigkeit den Armen, wie den Reichen Schutz gehalten, und ist in unserm Städtlein kein heimlicher Haß bei den Menschen zu finden; man hütet sich auch allhier vor kindischen Rathsherrn, sondern trachtet nach ehrbaren Personen &c.“ — Nach dem astrologischen Aberglauben des Mittelalters standen die Orte unter dem Einflusse gewisser Sternbilder. Ueber Muskau sollen der Mercur und die Jungfrau ihre Macht ausgeübt haben, was Hoßmann auch gar nicht zweifelhaft findet, denn die Bewohner der Stadt haben sich von je her durch ihre Geschicklichkeit ausgezeichnet; auch ist ihnen eine jungfräuliche Schamhaftigkeit eigen gewesen; dazu haben sie feine ingenia besessen, wie sich ja auch Viele in Künsten und Wissenschaften hervorgethan haben. — Nach dem Chronisten ist also Muskau und seine Umgegend nie ein Böotien der Lausitz gewesen. —
Wie die Herren von Bieberstein, sorgten später die Herren von Schönaich für die Stadt. — Fabian von Schönaich, derselbe, welcher in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 den Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg gefangen nahm, ließ 1564 die 1502 aus Zimmerholz in der Leschzina, nicht weit von der Neißbrücke, erbaute Kapelle abbrechen und auf dem neuen Kirchhofe vorm Thore am Wege nach Forst wieder aufsetzen. Dieser Kirchhof ist zuvor des alten Paul Tharin Acker gewesen und 1550 eingeweiht worden. Die hölzernen Wände des Kirchleins wichen 1595 soliden Mauern, seinen jetzigen, und 1662 bekam es ein neues Sparrwerk. In der Begräbnißkirche wurden 1812 die typhuskranken Franzosen untergebracht; 1855 ließ sie der jetzige Standesherr zu einer Zierde der Stadt und des Parkes renoviren. Auf Fabians von Schönaich Anordnung wurde auch 1555 die Bergkirche im Innern renovirt, deren Dach den 23. Nov. 1660 durch einen fürchterlichen Orkan abgerissen wurde. 1555 fing man auch an die Neugasse aufzuführen. In demselben Jahre hat auch Fabian v. Schönaich „die Mühle auf der Neiße“ bauen lassen; 1603 ist diese Mühle aufs Neue gebaut worden, 1666 abermals vom Grund aus durch den Landvoigt, 1785 ist sie wiederum erneuert worden, und 1787, wie öfters, das Wehr bei derselben. 1556 hat Fabian v. Schönaich die Papiermühle auf der Stelle aufführen lassen, wo die Niedermühle gestanden hatte. Die andere Papiermühle bei Podrosche an der Neiße war von dem Burggrafen K. Christoph zu Dohna 1612 erbaut worden. — Durch die Burggrafen zu Dohna wurde der Stadt die schöne, neue deutsche Kirche, welche den 19. Mai 1622 eingeweiht ward. — Von dem, was der Landvoigt von Callenberg für die Stadt gethan hat, sagt Crusius Anm. z. V. 169 „Wer Muskau vor etwa 20 Jahren gesehen, wie es durch den Krieg und Brand zugerichtet gewesen, und sieht es jetzo, wie es, Gott Lob! wieder — ob zwar nicht prächtig — angebaut und bewohnet ist, der wird traun bekennen müssen, daß S. Hoch-Freiherrl. Gnaden diesen Ort, ja die ganze Herrschaft, trefflich gebessert haben“. In dem dreißigjährigen Kriege hatte Muskau viel gelitten. Im September 1631 lag der kaiserliche General-Feldmarschall von Teuffenbach mit seinem Corps in der Herrschaft, und die Dörfer Weißkeissel, Neudorf, Werdig, Gablenz und Mühlrose gingen in Flammen auf; 1632 starben in der Stadt allein 367 Personen; 1633 den 8., 11. u. 12. Octbr. plünderten die Kroaten und mißhandelten die Bewohner der Stadt; den 26., 27. u. 28. Octbr. stand Wallenstein mit seiner Armee in der Herrschaft; 1634 den 24. Sept. wurde die Stadt in Brand gesteckt. Am ärgsten wurde die Herrschaft 1637 von dem kaiserlichen und kursächsischen Kriegsvolke vom 2.-18. Mai geplündert. Damals war auch der fürchterliche Waldbrand. 1639 kam eine große Theurung, und Muskau ist in jenen Zeiten schwer heimgesucht worden. — Die Zahl der Bürger hatte im Kriege bedeutend abgenommen. Callenberg nahm viele Fremde, besonders aber die, welche unter ihm gefochten hatten, in die Stadt auf. So berief er auch 1646 den M. J. Stöckerus, welcher 1630 Feldprediger bei der sächsischen Armee war und dann resignirte, von Eisleben als Pastor und Inspector nach Muskau, einen um die Kirchen der Herrschaft hochverdienten Mann. Von der Weisheit und dem Ernste der Verordnungen des Landvoigts zeigt u. A. seine Polizei-Ordnung d. a. 1647. — Damals hob sich besonders das Alaunwerk, die Töpferei und Brauerei. Das Muskauer Bier war von vorzüglicher Güte und sehr gesucht. Crusius Anm. z. V. 199 sagt: „Das hiesige Bier ist an Farbe weißlicht, an Geschmack lieblich, giebt gute subtile Spiritus und mehret die naturlich Wärme und ist gesund und nähret wohl.“ In V. 70 heißt es:
„Man pflegt schon manche Zeit ein Sprüchwort hie zu sagen:
Das Schloß, die neue Kirch’ und dann das weiße Bier,
Das sind — und ist gewiß — o Muskau, deine Zier.“ —
Das Schloß wurde den 7. April 1643, am Osterdienstage, von den Schweden in Brand gesteckt, so daß es zum Steinhaufen ward. Durch den Landvoigt war es so prächtig restaurirt worden, daß Crusius V. 105 sagt:
„Und wenn ich Alles noch im Schlosse sollt’ erzählen,
An Worten würd’ es mir eh’ als an Sachen fehlen,
Die werth zu sehen sind.“ —
Die Decken der Zimmer waren von welscher Künstler Hand durch historische Plafonds geziert; auch zeigte das Schloß: „Wie hoch die Bildekunst im schweren Gypse steigt“. Schöne Stuckatur-Arbeit schmückt auch die deutsche Kirche, s. Crusius Anm. z. V. 555. — In einem der Thürme des Schlosses war die Wasserkunst. Das Wasser wurde vom Berge durch das Thal bis in eine Grotte in dem obersten Gemache des Thurmes durch verborgene Röhren geleitet.
„Da spritzt und rieselt es und stürmet hin und wieder,
Bald hie, bald da, bald dort, durch unterschiedne Glieder
Der Wasserweiberlein, der Kinder und der Thier,
Bald rauschet anderswo ein neuer Strom herfür,
Daß, wer zugegen ist, nicht anders wird vermeinen,
Als ob an solchem Ort könnt’ keine Sonne scheinen,
Bis daß der trübe Sturm und Regen sei vorbei;
Und dieser Wasserguß, der wird auf mancherlei,
Und unterschiedne Art vom Meister nach Belieben
— Der sich verborgen hält — geleitet und getrieben.
Da sind viel Seegewächs’ und Muscheln schön versetzt,
Daran sich sonderlich des Menschen Aug’ ergötzt.“
Ehe der Landvoigt das zerstörte Schloß wieder aufbaute, ließ er 1646 die deutsche Kirche in- und auswendig renoviren, das Ziegeldach ergänzen und den Thurm zieren. Folgendes Distichon an der Kirche oben unterm Dach, nach der Neustadt zu, pries diese Verbesserung des Gotteshauses:
Extra quod fulget dat Callenbergicus heros;
Lucis at interius spiritus acta probat.
Die Zier von außen giebt der Held von Callenberg;
Inwendig aber prüft der Geist des Lichtes Werk.
Das Obertheil des Thurmes war anfänglich von Holz, mit Ziegeln ausgesetzt; 1646 wurde es gemauert und der mit Dachziegeln belegte Schurz wich „einem luftigen Umgange.“ Nach dem Brande 1766 erhielt der Thurm seine jetzige Gestalt. Das goldene Kreuz desselben hat die selige Frau Fürstin Pückler errichten lassen, als ihr Gemahl glücklich von seinen weiten Reisen im Oriente zurückgekehrt war. Obwohl schon auf dem Rathhausthurme eine Schlaguhr war, hat doch der Landvoigt 1646 auch für den Kirchthurm eine solche weit größere verfertigen lassen mit zwei Seigerglocken unter der Haube und drei großen, schönen Spurtafeln — gemalt von Gottfried Ulrich zu Görlitz. —
Muskau ist oft von zwei Elementen verheert worden, vom Feuer und Wasser. Die Neiße in ihrem starken Falle schwillt bisweilen in dem engen Thale zu einer beträchtlichen Höhe an. Den 15. Juni 1804 um Mitternacht ergossen sich ihre Fluthen urplötzlich über das ganze Neißthal. Felder und Wiesen wurden übersandet, es ertrank viel Vieh, und selbst die Brücke vor dem Amthause ward zertrümmert. Hie und da hatten sich Menschen, von den Fluthen überrascht, auf Bäume gerettet, und der Fluß wühlte Löcher zwölf Ellen tief. — 1703 den 2. u. 3. Aug. ward das Wasser so groß, daß Einige fürchteten, es käme eine zweite Sündfluth. Andere verheerende Ueberschwemmungen waren: den 12. Juli u. 30. März 1613, den 14. Jan. 1611, den 18. Aug. 1595, den 5. Juli 1593, besonders 1583, Montag nach Palmarum. Starke Dämme wehren jetzt dem Elemente, wenn es sich empört. Die Schleuse unweit der Brücke ist 1856 aus Stein aufgeführt worden.
Mehr noch als durch die Fluthen hat Muskau durch die Flammen gelitten. In der waldreichen Gegend mochte man das Holz bei Bauten nicht gespart haben. 1532 am Ostermontage brannte das ganze Städtlein nieder, 1598 am Sonntage Exaudi 16 Scheunen beim Kirchhofe. Das Feuer am 30. Mai 1603 zerstörte 50 Häuser und 20 Scheunen. 1634 den 24. Sept. wurde von den Soldaten in einem Gehöfte am Markte Feuer angelegt, welches die Stadt bis nahe an die neue Kirche sammt Pfarr- und Schulgebäuden und der wendischen Kirche vernichtete. Am 1. Advent 1686 rief Feuerlärm die Gemeinde aus dem Gotteshause, und es sanken wieder 27 Häuser, die wendische Kirche und die Schulen in Asche. — Der fürchterlichste Brand war am 2. April 1766. Die Flammen brachen in einem Hause vor dem Schmelzthore aus. Der Wind trieb sie der innern Stadt zu. Bald war Muskau mit seinen öffentlichen und Privatgebäuden ein Schutt- und Aschen-Haufen. Die meisten, jetzigen Häuser Muskaus sind bald nach jenem Brande gebaut worden. Daß aber der Ort ein so nettes, freundliches Städtchen geworden ist, ist ein Verdienst der Grafen Johann und Herrmann von Callenberg. Sie standen den Bürgern mit Rath und That bei. Lang. S. 52. Den Abgebrannten wurde die kurfürstliche Baubegnadigung, nach welcher jeder, der nach dem Reglement baute, 15 Thlr. auf’s Hundert vergütet bekam. Herrmann von Callenberg hat selbst sieben ganz neue Häuser erbauen lassen. Lang. S. 20.
Es giebt ein Bild, welches Muskau vor dem Brande, im Jahre 1742 darstellt. Die Stadt ist von einem Punkte jenseit der Neiße, unweit der Brücke aufgenommen. Schritt man über jene Brücke, so stieß man zunächst auf die Neißschenke. Zwischen dem Wege von da nach der Stadt und der Straße, welche von dem Amtshause her nach der Neißmühle führte, dehnten sich Wiesen und Aecker aus. Ueber der Stadt und einigen Terassengärten der Bürger präsentirte sich das Dorf Berg auf dem Höhenzuge mit der alten Kapelle und dem herrschaftlichen Vorwerke, welches jetzt auf ein Gebäude reduzirt ist. Eins der größten Häuser der Neustadt war die Forstmeister-Wohnung. Das Schießhaus mit seiner Schußlinie in den Schluchten war damals am Ende der Schmelze. Es wurde später auf einer Anhöhe auf der nordwestlichen Seite der Stadt aufgeführt und nachdem es daselbst vom Feuer zerstört worden war, hat es unter dem jetzigen Herrn der Herrschaft seine gegenwärtige Gestaltung erhalten, in welcher es, von den Höhen jenseit der Neiße gesehen, in seiner Laubholz-Umgebung ein freundliches Bild gewährt. Der Thurm hat auf jenem Bilde der Stadt im Jahre 1742 noch sein Obertheil mit Haube und Spitze. Die Superintendentur brannte 1634, dann 1766 nieder und war 1775 wieder aufgeführt; das Archidiaconat, dessen Baukosten sich auf 1200 Thlr. beliefen, konnte erst 1803 vollendet werden. Die Schule stand einst seitwärts der Kaplanei. 1785 kaufte die Bürgerschaft ein Paar von der Herrschaft am Kirchhofe auf dem Burglehn erbaute Häuser und richtete dieselben zur Schule und Wohnung des Rectors und Kantors ein. Die wendische oder St. Andreas-Kirche ist öfters ab- und ausgebrannt. 1754 hatte sie der Graf Johann Alexander von Callenberg auf ihrem alten Grunde wieder aufführen lassen. Nach dem Brande 1766 sollte das neue Gotteshaus nach dem Willen Herrmanns von Callenberg, des Erbauers desselben, dem Rathhause gegenüber zu stehen kommen; aber die Wenden wollten nicht weichen von der alten Stätte ihres Tempels. Den 4. April 1781 wurde der Grundstein der Kirche gelegt, und am 27. November 1788 wurde sie feierlich eingeweiht. Der Riß des Gebäudes so wie des Frontons mit seinen vier dorischen Säulen ist von dem Grafen selbst entworfen worden, und das C. im sächsischen Rautenkranze der Kuppel erinnert an den, dessen Freude der Bau dieser Kirche war und der in ihr ruht. Das Rathhaus wurde 1556 gebaut. Erst den 29. September 1826 war es nach dem Brande wieder hergestellt. An diesem Tage Morgens 6 Uhr schlug die Uhr auf dem Thurme desselben zum ersten Male, und alsbald tönte der Choral: Nun danket Alle Gott &c. Eine Erinnerung an ein eingegangenes, einst blühendes Gewerk war das Gewandhaus neben dem Rathhause. Lang. S. 21. Die Thore der Stadt, das Köbelner und das Schmelzthor, sind verschwunden. In der Mitte des Marktes war nach dem Brande eine Barriere, an welcher Kastanienbäume standen. — 1799 zählte Muskau 191 Häuser, unter welchen 12 Burglehnhäuser und 96 brauberechtigte waren, und 1330 Einwohner, meist evangelische; s. Merkel Erdbeschreibung von Kursachsen VI., 74. Nach der statistischen Tabelle von 1856 hat der Ort 248 Wohnhäuser und über 2300 Einwohner. —
Wir wenden uns von der Stadt noch einmal zu dem Schlosse mit seinen früheren Umgebungen. Das Schloß bestand schon vordem aus einem Corps de Logis und zwei Flügeln. Es war ringsum von einem tiefen Graben umgeben, über welchen von Osten her eine Zugbrücke, eine andere von Süden her in dasselbe führte. Um die Gräben zog sich der mit Fruchtbäumen besetzte Wallgang. Nördlich vom Schlosse standen Gartenhäuser und ein Stück weiter das Fasanenhaus. Südlich vom Schlosse war das Amthaus mit dem Zobelsteine, das Wagenhaus, der Marstall, das neue Haus, das Schloßvorwerk mit den Scheunen, das neue Brauhaus. Dann folgten links davon die Gärtnerwohnung, das Waschhaus und andere Gebäude, welche die Straße zur Neißmühle bildeten. Noch stehet das Amthaus, ein uraltes Gebäude. Dort, vor demselben, wollte einst der Fürst dem sagenhaften Ahnherrn seines Geschlechtes, dem treuen Rüdiger von Pechlarn, jenem tapfern Recken des Nibelungenliedes, eine Reiterstatue weihen. — In der Nähe des Schlosses waren herrschaftliche Gärten. Unter den Anlagen sind zu nennen: die Lindenallee, von welcher noch einige herrliche Bäume übrig sind, der Kirchdamm, der Mühlendamm, der Clementinengang, welcher vom sel. Superint. Vogel in einer eigenen, kleinen Schrift beschrieben ist, und die seit 1784 an den Bergen angelegten Promenaden.
So war einst Muskau und seine Umgebung, als der Fürst seine Schöpfungen begann. Das Gebiet, welches ihm zum Canevas dienen sollte, hat er selbst in seinem Werke „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ näher beschrieben. Es bot ihm manchen Vortheil bei seinem Unternehmen. Dahin gehört der malerische Wurf des Bodens, der Wechsel von Berg und Thal, der schöne Fluß, die Fernsicht auf die schlesischen und oberlausitzischen Gebirge, das Vorhandensein vieler alter, prächtiger Bäume, namentlich von Eichen und Linden. Doch größer waren die zu überwindenden Schwierigkeiten. Es mußten mehr als 2000 Morgen Landes bisweilen für den drei- bis sechsfachen Werth der Grundstücke angekauft werden, und der sterile Boden, der namentlich in der Nähe des Schlosses aus Sand und eisenhartem Lehm bestand, war erst auf mancherlei Weise fruchtbar zu machen. Ein großes Hinderniß des Werkes waren die alten, beengenden Gebäude in der Nähe des Schlosses. Sie wurden sammt der Straße, welche zur Neißmühle führte, cassirt, und der einmal gefaßte Plan consequent und ohne Rücksicht durchgeführt. Das Wort des Dichters:
Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
Und neues Leben blüht aus den Ruinen,
sollte auch hier Wahrheit werden.
Nachdem der Plan des Ganzen einmal fest stand, wurde das Werk seinen Hauptpartien nach fast gleichzeitig in Angriff genommen, dann folgte die Ausführung des Details. Der Park von Muskau ist kein Conglomerat einzelner, schöner Parthien; er ist ein einheitsvolles, harmonisches Ganze, und wie jede Gruppe desselben mit ihrer nächsten Umgebung meisterhaft vermittelt ist, so findet auch dieses Verhältniß zwischen den Haupttheilen des Parkes statt. Aber gerade in dieser Harmonie und Ruhe des Ganzen, so wie darin, daß die lokalen und historischen Voraussetzungen auf’s Beste benutzt und das Gegebene bereichert wurde, besteht der erhabene und ausgezeichnete Charakter der Schöpfungen des Fürsten. Sein Park ist eine Verklärung der heimathlichen Flur. — Es ist bewunderswerth, was hierin geleistet worden ist! Ja könnte das Sonst das Jetzt schauen, es würde kaum in ihm seinen blühenden Nachkommen erkennen! Da sind öde Sandflächen verschwunden und mit herrlichen Rasenteppichen überkleidet worden; da sind bodenlose Sümpfe ausgetrocknet und in liebliche Anlagen verwandelt worden; da hat sich um das Schloß der glatte, klare Wasserspiegel eines Sees mit seinen Buchten und Inseln gelegt, und wird das Wasser desselben abgelassen, so tauchen, wie Erinnerungen aus der Vergangenheit, die Grundmauern abgetragener Gebäude aus der Tiefe empor; da sind über den zugefüllten Schloßgräben prächtige Blumenstücke in deren einem, wie sonst das H, jetzt das F in den frischesten, glühendsten Farben der Blüthen gezeichnet ist; da sind überall herrliche Baumgruppen geschaffen, Wege und Gänge in schönen Windungen angelegt, Abgründe und Schluchten überbrückt, selbst die Häuser eines nahen Dorfes über die Neiße versetzt worden, da ist ein Pflanzen, ein Arbeiten, ein Ringen nach einem erhabenen Urbilde gewesen. Hunderte von Arbeitern hiesiger Gegend haben sich gemüht ob des Werkes Gelingen; über enormen Summen, einer erhabenen Idee zum Opfer gebracht, hat sich die Pracht und Schönheit entfaltet, die Schloß und Stadt umgiebt; Viele, welche an dem Kunstwerke arbeiteten, die sich seines Fortganges freuten, sind schlafen gegangen, und unter ihnen der Ehrenmann, der Jahre lang, unter mancher Schwierigkeit, des Meisters Pläne treu und mit vielem technischem Talent ausführte[C]; noch ist es dem Fürsten vergönnt, im hohen Alter, wie einst hier, so anderwärts, öden Strecken der Lausitz die höchste Schönheit und Verklärung zu bringen. —
Und so umgiebt der schöne Park mit seinen geschmückten Gärten das freundliche Städtchen, das Schloß. Er bildet ein harmonisches, erhabenes Ganze; er ist eine Objectivirung dessen, was ein reiches Gemüth, einen genialen, kräftigen Geist erfüllte, in und durch die Landschaft; er ist ein grünes, blühendes Denkmal des Fürsten, herrlicher als die in Stein und Erz. — Und er gleichet einem jener klassischen Musikwerke, in welchem sich der eine Grundton, die eine Grundmelodie in den verschiedensten Wendungen und Schattirungen aus einander legt und dennoch in jeder mächtig das Herz erhebt; er gleichet in seiner Einheit und reichen Mannigfaltigkeit einem herrlichen, mächtigen Dithyrambos der Alten, der scheinbar regellos, dennoch in seinen Theilen ein und dieselbe Macht wiederspiegelt, die glühendste Begeisterung für die Natur und ihre Schönheit; er gleichet einer Ode, einer Hymne, geschrieben zum Preise des Schöpfers. — Doch es gleichet der Park vor Allen einem herrlichen Gemälde. In hoher Begeisterung hat es der Meister entworfen, unübertrefflich hat er es ausgeführt; aber nicht er allein! Er hat sein Bild aus der Hand und den Kräften der Natur hingegeben zur Vollendung. Die Mächte der Natur haben es liebevoll aufgenommen und immer reicher gestaltet und entfaltet bis hierher. Und wie sie an demselben gearbeitet haben, so werden sie an demselben rastlos schaffen. Deshalb aber wird die Pracht jenes Landschaftsbildes, das da vollendet und dennoch in stetem Werden ist, nie bis zu Ende erzählt werden, deshalb wird es immer neue Reize entfalten. Jeder neue Lenz mit seinen frischen Trieben, mit seinem jungen Grün, mit seinen Leben weckenden Sonnenstrahlen ist auch ein neuer Commentar zu des Werkes Herrlichkeit; jeder Herbst mit seiner Blätterfärbung bringt dem Bilde neue, eigenthümliche Züge; jeder Sonnenauf- und -Untergang, jede Mondschein-Nacht giebt ihm besondere Reize; ohn’ Aufhören arbeitet und webt und gestaltet es sich in dem grünen Reviere nach den Gesetzen der Schönheit; unerschöpflich an lieblichen Bildern ist dies Naturgedicht, und wunderbar treffen seine Töne das Gemüth.
In das herrliche Gemälde des Fürsten, in sein schönes, lebendes Bild, ist Muskau hineingezeichnet worden. Der Blick von dem Jetzt auf das Sonst zeigt uns die Verschiedenheit beider und den Triumph des Ersteren über das Letztere.
Herrn der Herrschaft: Ditericus de Muzcowe um 1258, s. Stenzel: Urk. z. Gesch. des Bisth. Bresl. S. 20. — Hanke v. Muskow — s. Sommersberg III, 142 — ist wohl Heinrich v. Kittlitz. — Botho v. Ileburg um 1360. Er hatte eine Schwester Heilwich, welche mit Heinrich v. Kittlitz vermählt war. Dieser erhielt Muskau, Schloß und Zugehör, als Brautschatz der Heilwich, und Kaiser Karl IV. bestätigte den Vertrag zu Nürnberg 1361, Mittw. nach Miser. Dom. S. Verz. oberl. Urk. I, 374. Scheltz: Gesch. d. Ober- u. Niederl. I, 497. Einer seiner Söhne, Johann, war Bisch. zu Meißen, ein anderer, Otto, v. 1406–1410 Landvoigt der Oberl. — Hans v. Penzig ist 1389 im Besitze der Herrsch. — Er hatte viel Streit mit denen von Hakeborn auf Priebus u. Anderen. — Hans v. Penzig zu Musca „der Junge“ ist wahrscheinlich des eben Genannten Sohn. Als 1427 ein starkes Heer gegen die Hussiten zog, wohnte er, wie auch 1428, der Heerfahrt bei. — Nickel u. Christoph v. Penzig werden 1441 zuerst genannt. — Im Jahre 1452 veräußerten die v. Penzig Muskau an Wenzeslaus v. Bieberstein, welcher Muskau den 29. Sept. 1452 mit Stadtgerechtigkeit begnadet. Er hatte im Verein mit Anderen gegen die Anhänger des Königs Georg Podiebrad zu kämpfen, welche der Umgegend von Muskau viel Schaden zufügten. Zwei derselben, Friedrich v. Schönberg u. Melchior v. Löben wehrten sich in Hoyerswerda 11 Monate lang. — Nach Wenzels Tode 1471 ist im Besitze Muskau sein Sohn Johann V. v. Bieberstein bis 1490, dann dessen Bruder Ulrich V. v. Bieberstein, welcher 1519 starb. — Siegmund v. Bieberstein starb 1545 zu Prag ohne Leibeserben. — Die Herrschaft kam an seinen Bruder Hieronymus v. Bieberstein, welcher den 30. Juni 1549 ohne männliche Erben starb. — Die Brüder desselben, Johann u. Christoph v. Bieberstein, übernehmen Muskau; doch ist der Letztere bald alleiniger Herr derselben. In seiner Jugend fanatischer Katholik, wurde er durch die Bekanntschaft mit dem Superintendenten zu Sorau, M. Joachim Belitz, ein treuer Anhänger der evang. Lehre bis zu seinem Tode den 15. December 1551. — Kaiser Ferdinand I. nahm die Herrschaft als heimgefallenes Lehen in Besitz. — Adam oder Tham Pflugk ist wohl nur kaiserl. Administrator derselben gewesen. — Georg Friedrich, Markgraf zu Brandenburg-Anspach hat Muskau v. 1552–1554 pfandweise besessen und, als die Pfandsumme nicht eingelöst wurde, 1556 abermals Besitz ergriffen bis 1558. — Fabian v. Schönaich erkaufte 1558 den 23. April die Herrsch. Muskau v. Kaiser Ferdinand I. für 45000 Gld. — Hans Georg v. Schönaich kommt 1572 als Herr v. Muskau vor. Er starb den 28. Juni 1587, wahrscheinl. kinderlos, weshalb sein Oheim, Fabian v. Schönaich, wieder Besitzer von Muskau wurde. — Kaiser Rudolph II. nahm Muskau als heimgefallenes Lehen ein — nach der Consignation der Musk. Privilegien schon am 19. Aug. 1589. — Wilhelm, Burggraf zu Dohna, soll schon den 22. Mai 1595 die Herrsch. von den kaiserlichen Commissarien übernommen, der Kauf selbst aber 1596 zu Stande gekommen sein. Das Kaufinstrument ist erst vom 17. Nov. 1597. Seine Gemahlin Catharina, geb. Burggräfin zu Dohna a. d. H. Carschen starb den 5. Mai 1609; er selbst den 24. Octbr. 1606. Kinder: Elisabeth, Wilhelm, Otto, Caspar, welche jung starben, und Carl Christoph, Burggraf zu Dohna. Dieser besaß Muskau bis zu seinem Tode den 4. Jan. 1625. Seine Gemahlin war Ursula Brigitta von der Schulenburg. Kinder: Caspar Wilhelm, welcher nur einige Monate alt wurde, und Ursula Catharina. Die Vormünder derselben, Sigismund u. Seyfried v. Kittlitz veranlaßten die Verwandlung der Herrsch. aus Lehn in Erbe. Carpz. Ehrent. II, 30. Den 11. Decbr. 1644 vermählte sie sich mit Curt Reinicke v. Callenberg, Herrn auf Wettesingen u. Westheim, Landvoigt der Oberl., gest. 7. Mai 1672. Kinder: Herrmann, Cath. Eleonore, Carl Christoph, welche den Eltern im Tode vorangingen, u. Curt Reinicke II. Reichsgraf v. Callenb., gest. den 20. April 1709. Gemahlin: Ursula Regina Freiin v. Friesen. Sechszehn Kinder, s. S. 28. Johann Alexander, Reichsgraf v. Callenberg, gest. 13. Febr. 1776. Gemahlin: Helene Mariane Charlotte, Tochter des Grafen G. F. v. Tenczin; dann Rahel Louise Henriette, Tochter Georgs, Reichsgraf v. Werthern. Vier Kinder aus zweiter Ehe, s. S. 30. — Georg Alexander Heinrich Herrmann, Reichsgraf v. Callenberg, gest. 4. Mai 1795.
Ludwig Carl Hans Erdmann, Reichsgraf v. Pückler, gest. 16. Jan. 1811. August Heinrich, Reichsgraf v. Pückler, gest. 9. Febr. 1810, Administrator der Herrschaft.
Ludwig Heinrich Herrmann, Fürst v. Pückler-Muskau. — Die Grafen Nostitz und Hatzfeld. —
Wilhelm Friedrich Carl, Prinz der Niederlande.
[C] Jacob Heinrich Rehder, des Fürsten hochverdienter Garteninspector.
Anm. d. Herausgebers.