Kleine Mitteilungen.
Nach Lochner’s Darlegungen im Korrespondenten von und für Deutschland, 1858, Nr. 421, nimmt man allgemein an, daß der Schwiegervater des älteren Albrecht Dürer Hieronymus Holper geheißen habe, und nicht Haller, obgleich alle uns erhaltenen Abschriften der Familienchronik die letztere Lesart aufweisen. Es ist nicht zu leugnen, daß Lochners Hypothese große Wahrscheinlichkeit für sich hat, andererseits aber nicht zu vergessen, daß zwingende Beweiskraft dem von ihm beigebrachten Material nicht innewohnt, daß sehr wohl ein tückischer Zufall hier sein Spiel getrieben haben kann. Es liegt mir fern, diese an sich nebensächliche Frage zum Gegenstande einer eingehenden Untersuchung zu machen, sondern ich möchte nur einiges Material über die Verwandtschaftsverhältnisse von Dürers Schwiegereltern beibringen, die zu allerhand Vermutungen Anlaß geben. Hans Frey, Dürers Schwiegervater, war vermählt mit Anna, Tochter Wilhelm Rumels und dessen Ehefrau Kunigund, geb. Hallerin oder Münzmeisterin von Bamberg, Schwester von Anton Haller, Genannten und Richter zu Wöhrd. Die Familie Frey war also zweifellos mit einer Nebenlinie der Haller verwandt. Ist das gleiche auch mit Dürer der Fall, dann erscheint die immerhin auffallende Thatsache, daß der begüterte und angesehene Hans Frey sich für seine Tochter um den jungen Malergesellen bewirbt, in ganz anderem Lichte: die Familien waren bereits durch verwandtschaftliche Bande mit einander verknüpft und es herrschte demgemäß ein vertrautes Verhältnis zwischen ihnen, das einen solchen Schritt erklärt. — Gehörte auch Johann Haller aus Rothenburg o. d. T., der Schüler Kobergers, der 1491 das Bürgerrecht in Krakau erwarb und dort eine Druckerei gründete, zu dieser Verwandtschaft? Hat er vielleicht Dürers, des jungen Verwandten, Wanderschaft beeinflußt, so daß Burckhardt mit seiner Annahme von Dürers Aufenthalt in Krakau Recht hätte?
Der Entwurf zur Widmung der Befestigungslehre (Dürers schriftlicher Nachlaß S. 201) befindet sich noch auf dem städtischen Archiv zu Nürnberg (D. 394-397) und stammt, wie Campe richtig angibt, von Pirkheimer.
Die Abschriften der Heller-Briefe, die sich zur Zeit der Herausgabe von Dürer’s schriftlichen Nachlaß (S. 43) nicht auffinden ließen, befinden sich nicht mehr auf der Hof- und Staatsbibliothek in München, sondern nach Mitteilung des Herrn Konservators Bayersdorffer im kgl. Kupferstichkabinett daselbst.
F.