Den 2. August 1919, am Morgen.

Gestern war Henno früh heimgekommen und hatte den Abend zu Hause gelebt. In merkwürdiger Erregtheit, mit nachtwandlerischen Augen und dem schwankenden Gang eines Trunkenen, war er im Garten unter dem bleiernen Dach der hitzeschwelenden Wolken einhergeirrt. Ohne Ermüdung. Stumm und steif. Zuweilen kam er dicht zu der Bank, auf der ich der Entladung der hirnumklammernden Gluten harrte. Ich fürchtete, ihn aus seinen bösen Träumen zu rufen, und wartete doch eines Wortes der Schwachmütigkeit, eines Hilfeschreis. Sahen seine Augen mich wirklich nicht? Sie blickten mich starr an, tot. Und weiter hetzte er seine Füße quer durch die Wege und über die Rasenflächen. Schweiß rann von seinen Haaren, seinen Wangen. Manchmal stießen Blitze ins Grau, rot und zugespitzt, in Feuer getauchte Dolche. Irgendwo mochten Felsblöcke in tiefen Grund kollern, aber es war noch fern. Und weiter die Last der tiefen Hitzewellen und Luft wie kochendes Wasser.

Ich erhob mich schwer und matt und vertrat Henno den Weg.

»Was quält dich? ...« fragte ich. Und meine Stimme liebkoste seine Unrast, als sei er der kleine Knabe mir im Schoß.

»Weißt du's nicht?« rief er. Seine Augen spießten die meinen, und dann leise: »Später!«

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