Achtes Kapitel
Wieder lag der Schnee über der Rohlbecker Flur, und die Buchenscheite knatterten in den Kachelöfen. Der alte Rittmeister — das war er geblieben, wenn er auch in den Listen der Veteranen nur als Premierleutnant figurierte — der Rittmeister war trotz der schlechten Ernte des letzten Jahres in gehobener Stimmung. Donnerten doch endlich einmal wieder die preußischen Kanonen: gerade vor acht Tagen hatten die Preußen und Österreicher die Dänen aus Schleswig-Holstein herausgeworfen, so daß die nur noch in Düppel und auf Alsen saßen. Man denke: Preußen und Österreicher! Fast wie Anno 1813/14 war das, und wenn der Rittmeister auch manchmal über die Strategie der Bundesgenossen von damals bedenklich den Kopf geschüttelt hatte, auf die österreichische Tapferkeit ließ er nichts kommen. Sogar die alte Gnädige nahm Interesse an den Vorgängen „da oben“. Recht genau verstand sie die Zusammenhänge nicht, aber wenn Vater aus der „Kreuzzeitung“ vorlas, dann klangen auch einzelne Reminiszenzen aus vergangenen Tagen in die Gegenwart hinüber: einen Rittmeister von Gablentz hatte sie im Jahre achtzehnhundertfünfunddreißig, oder war’s sechsunddreißig, oder war’s siebenunddreißig, in Karlsbad kennengelernt, sicher denselben, der „da oben“ nun als Feldmarschalleutnant kommandierte; und dann der alte Wrangel: der hatte ihr ja schon, als sie ein blutjunges Komteßchen war, in die Backe gekniffen — damals, als er gerade Stabsrittmeister bei den ostpreußischen Kürassieren geworden war.
Wenn der Herr von Hackentin am runden Tisch in der großen Stube, auf dem immer noch keine Petroleumlampe leuchten durfte, aus der ersten Seite der „Kreuzzeitung“ die neuesten Nachrichten vom Kriegsschauplatz vorlas, dann flammten seine Augen auf und zu den beiden Enkeln hinüber: „Ja, Jungens, die Preußen und die Österreicher! Die Alliierten von dreizehn! Schade, daß ihr nicht dabei seid! Das heißt — hm! — es hat ja auch so seine zwei Seiten mit dem Krieg. Aber ’n Lump, der nicht kommt, wenn der König ruft!“ Sobald er jedoch auf die zweite Seite der Zeitung kam, wurde er verdrießlich. „Der Deubel sollte sie holen, diese Demokraten! Das heißt: ich will nicht fluchen. Aber da haben sie im Abgeordnetenhause rundweg die Kriegsanleihe abgelehnt. Natürlich bloß aus Opposition! Und der große Schulze-Delitzsch erklärt feierlichst: ‚Preußen mißbraucht seine Großmachtstellung.‘ Na, natürlich unser roter Kreisrichter wird wohl auch in dasselbe Horn blasen.“ Nur er durfte im Hause noch den Namen des zweiten Sohnes nennen und tat’s stets mit größter Erbitterung: „roter Kreisrichter“ war noch eine sanfte Bezeichnung. Und dann bekam, zum Schluß, immer der Hauslehrer seine Pille: „Na, Herr Doktor, ich hab immer noch nichts von Ihrem Beitritt zu unserem guten Preußischen Volksverein gehört! Sind wohl auch heimlicher Nationalvereinler? Ja, und denken auch so: preußischer Großmachtskitzel. Wie? Das heißt ... natürlich ... haben ja noch kein Pulver gerochen!“
Martha und Helene saßen dazwischen und zupften Scharpie. Kleinen Hügeln gleich bauten sich vor ihnen die weißen losen Fäden auf, und wöchentlich einmal nahm die Botenfrau den Packen mit nach Stellberg, wo in der Apotheke eine Sammelstelle errichtet war. Sobald Vater aber seine Zeitung zusammengefaltet und das Beiblatt mit den Familienanzeigen an Mutter abgegeben hatte, damit die „ihren Honig daraus sauge“, fing er an, Kriegsgeschichten zu erzählen. Dann schoben die Jungens ihre Schmöker beiseite und lauschten. So schön wie Großvater erzählte, so schön stand’s doch nicht in den Büchern.
Manchmal aber, wenn die Posttasche entleert wurde, schob Vater auch Helene einen Brief zu. Neuerdings immer mit einem gewissen Respekt, denn die Briefe trugen den Feldpoststempel „von da oben“.
Bekam Helene solch einen Brief, so tauschte sie mit der Schwägerin einen Blick des Einverständnisses und ging hinauf in ihr Zimmer, um den Brief in der Einsamkeit zu lesen. Vater murrte dann manchmal: „Natürlich wieder vom Harro. Als ob sie die Epistel von dem Jungen nicht auch hier lesen könnte. Das heißt, Junge darf man eigentlich nicht mehr sagen, seit er’s Portepee hat ... der Oschitz.“ Gegen Neujahr war Harro beim vierten Garde-Regiment als Junker eingetreten.
Wenn Helene vor einem der frischen fröhlichen Feldzugsbriefe saß, aus dem so viel junger Mut und so viel Freude am Drauflosgehen sprach, dann dachte sie jedesmal an den ersten Brief zurück, den sie von ihm erhalten hatte. Ein Brief war’s eigentlich nicht gewesen, sondern nur ein doppelter Aufschrei: „Das hier für Dich. Es wurde abgegeben und ich hab’s ergattert, damit’s nicht in unrechte Hände kommt. Schicken mußt ich’s Dir ja wohl. Ach, liebe Helene, ich bin so traurig. Ich habe solche Sehnsucht nach Dir!“
„Das hier“ war ein eingelegter Brief von Alfred Schwarz.
Sie hielt das verschlossene Kuvert lange in der bebenden Hand. Dann ging sie, schwer und langsam, bis zum Ofen und warf den Brief in die Flammen.
Nicht lange darauf war Tante Marie aus Rackow heruntergekommen, unerwartet und unangesagt, zur Kaffeestunde. Hatte unten ein wenig paradiert in ihrem fußfreien perlgrauen Popelinekleide mit der braunroten Tunika darüber und dem Pelzbesatz um den Hals: „Denkt euch, ja, man darf’s endlich wieder zeigen, wenn man ein hübsches Füßchen hat, und die Krinoline wird kleiner und immer kleiner —“; hatte diese kleinen Füßchen in den Lackstiefeln und, unerhört, ein Stückchen eines rotgezwickelten Strumpfes sehen lassen, sowie ihren neuen „Pagenhut“; hatte lachend erzählt, daß Ernst endlich einen guten Käufer für das Vorwerk Grunow gefunden hätte, und hatte dann Helene unter den Arm gefaßt: „Mignonne, Liebes, jetzt komm’ ich auf einen Stipps mit dir hinauf.“
Oben setzte sie sich vor den kleinen Schreibtisch, wippte hin und her, lächelte ein wenig verlegen, ein wenig verschmitzt, sprang wieder auf, küßte in der alten Herzlichkeit Lene auf beide Wangen und fragte dann plötzlich: „Nun, Mignonne, was hast du eigentlich mit unserem Freunde Schwarz gehabt?“
Vom Augenblick an, da der Rackower Schlitten einfuhr, hatte Helene geahnt, was da kommen würde; sie wußte ja, daß die Rackowschen in Berlin gewesen waren.
Nun stand sie doch vor der Tante, wie mit Blut übergossen. Aber auch innerlich gefaßt genug, um antworten zu können: „Sei nicht böse, Tante Marie. Ich muß das mit mir allein abmachen.“
„Ja, doch! Ich bin ja gar nicht so neugierig, Kind. Nur — der Arme ist so unglücklich. Du hast sein Herz gebrochen, du grausame kleine Person.“
Da lachte Helene auf: „Sein Herz!“
Es klang sehr bitter, und auf Helenes Gesicht lag wohl ein so schmerzlicher Ernst, daß Marie Hackentin verstummte.
Erst nach einer Weile sagte sie mitleidig: „Pauvre enfant! Ja ... die Männer. Ich ahne ...“
Aber gleich war wieder ein Lächeln in dem kleinen, liebenswürdigen, häßlichen Gamingesicht. „Ah, ihr jungen Mädchen von heute, wie nehmt ihr doch alles gleich tragisch. Eine Episode, Mignonne, eine Episode! Was hätte es denn anders sein können? Heiraten konntet ihr euch doch nicht. Eine Hackentin und unser guter Freund Schwarz!“
„Euer guter Freund, Tante Marie —“
„Nun ja. Aber doch nicht mehr.“
Helene schwieg. Was sollte sie antworten?!
Tante Marie hatte sich wieder gesetzt, wippte auf dem Stühlchen, besah sich durch das Lorgnon die Wände. Und Helene stand vor ihr und sah mit brennenden Augen zum Fenster hinaus auf das schneebedeckte Scheunendach.
„Willst du nicht einmal zu uns kommen? Auf ein paar Tage? Dir wird eine Abwechslung gut tun. In nächster Woche haben wir einige Gäste. Auch der nette Neuchateller, weißt du: Merivaux, wird dabei sein.“
„Ich danke dir sehr. Aber — jetzt — noch nicht.“
Das Lorgnon sank herab, und Tante Marie fragte, nun wieder ganz mitleidsvoll: „Tat es denn so sehr weh, Mignonne?“
„Es tat wohl weh. Aber ich komme schon darüber hinweg.“
„Ja, man kommt wohl schließlich darüber hinweg ...“, sagte Tante Marie, ganz anders als sie sonst sprach, langsam und schwer. „Wer von uns hätte nicht ähnliches durchgemacht.“ Und dann war sie gegangen.
‚... ja ... man kommt wohl darüber hinweg.‘
Das dachte Helene jetzt noch, nach Jahresfrist, immer aufs neue. Und immer aufs neue ergänzte sie: ‚im Frieden des Elternhauses ... Dank meiner lieben, lieben Martha!‘
Man kommt darüber hinweg. Die Wunde schließt sich. Aber die Narbe bleibt, und von Zeit zu Zeit brechen aus ihr die Schmerzen doch wieder hervor. Nicht mehr brennend und heiß, aber mit leisem, mahnendem Zucken. Gestalten steigen dann auf, und Träume kommen.
Wie hatte doch Martha damals gesagt: „Arbeit, Helene — Arbeit!“
Es war wirklich wie ein Allheilmittel. Keine schwanke Bootsplanke, an die sich der Ertrinkende in seiner Not anklammert, sondern ein sicherer Port. Immer wieder fühlte Helene das, wenn die Erinnerung heraufschleichen wollte mit all ihrer Süße, mit der verborgenen Sehnsucht, mit dem bitteren Leid.
Und gottlob, es gab zu tun im Hause, in der Wirtschaft. Dafür sorgte Martha, die ja selber nie ruhte noch rastete.
Die Eltern merkten es kaum, wie die Tochter nun mit angriff. Mutter lebte ihr halbes Traumleben, und Vater hatte höchstens einmal ein flüchtiges Wort: „Ei, sieh mal, Lenchen! Das heißt, wirklich, das freut mich!“ Aber an jedem Abend, wenn Helene todmüde lag, empfand sie den befreienden Segen der Arbeit, der Geist und Körper zur Ruhe zwang und die Träume scheuchte. Und manchmal dachte sie ganz verwundert: ‚was hab ich doch früher ein Drohnenleben geführt! Darum erschien mir auch alles so eng und klein, was mir nun eine Welt für sich geworden ist.‘
Aber das eine Allheilmittel, das ihr Martha gegeben, tat es doch nicht allein. Es gab ein stilles Sichverstehen mit der Schwägerin, ein wortloses gegenseitiges Mitleidsempfinden, das ihnen beiden wohl tat und sie immer näher zueinander brachte. Beide trugen sie Bürden. Oft fragte Helene sich, trägt Martha nicht die schwerere? Und wie trägt sie ihre Last und ihren Kummer! Und dann dachte sie an den Bruder, der immer die heiße Liebe zu den Seinen, zu Weib und Kind, zur Heimatsscholle auf den Lippen trug, der ein Tränchen hatte bei jedem Wiedersehen und bei jedem Abschiednehmen, um ein anderer zu sein, sobald eine Wegstrecke von ein paar Stunden zwischen ihm lag und Rohlbeck. „Wilhelm hat mich bei Ewest noch zum Abschied eingeladen am Abend, ehe wir nach Hamburg fuhren“, hatte Harro geschrieben. „Die Champagnerpropfen flogen, es war höchst fidel.“ Die Champagnerpropfen flogen — und daheim sparte Martha Pfennig zum Pfennig. Der Mann vergaß, sobald ihn die Großstadtluft wieder umwehte; die Frau trug ihre Last und ihre Sehnsucht schweigend und klaglos weiter und sagte sich selber, was sie Helene gesagt hatte: „Arbeit! Arbeit!“
Etwas Wunderbares war es um die Arbeit. Und doch empfand Helene, je weiter die Zeit ins Land ging, eine klaffende Lücke.
Manchmal, wenn sie bei irgendeiner hausfraulichen Tätigkeit neben Martha saß, sprang es jäh in ihr auf: ‚bei aller innigen Liebe, bei allem Verstehen — wir sind doch ganz verschieden!‘ Manchmal, in stillen Stunden, wenn sie allein war, überrann sie, schmerzlich fast, das Gefühl: ‚Ich trag’s nicht so wie sie. Ich müßte mich wehren! Wehren!‘
Das waren dieselben Stunden, in denen, allmählich, aber stärker und immer stärker, der andere Schmerz in ihr wach wurde: und nun hast du auch deine Kunst zu Grabe getragen ...
In den ersten Wochen nach ihrer Heimkehr war es ihr unmöglich gewesen, zu singen; wurde sie gebeten, so wich sie aus. Unmöglich: denn jeder Ton verwundete ihre Seele.
Dann kamen wohl Tage, an denen sie sich zwang, zwingen konnte, wenn Vater abends bat, wie einst: „Nun Lene, wie ist’s? Das heißt ... wenn du dich disponiert fühlst.“ Sie sang dann eins oder das andere ihrer alten Liedchen. Aber sie war jedesmal mit sich selber unzufrieden, fühlte einen fremden Klang aus ihrem Gesang heraus, etwas Erzwungenes. Und bisweilen meinte Vater selber: „Ich weiß nicht — ich weiß nicht. Hast du wirklich in Berlin Fortschritte gemacht?“ Einmal nahm sie auch der alte Heckstein ins Gebet: „Hör’ mal, Jungfer Lene, warum singst du nie in der Kirche mit? Man ist doch neugierig, und unser guter Flehr — gut ist er nämlich, obwohl der Rittmeister in ihm den Demokraten wittert — unser guter Flehr ist einfach unglücklich.“ Da hatte sie, ohne ihn anzusehen, erwidert: „Ich kann nicht, Onkel Pastor.“ — „Ich kann nicht! Weißt du, Lene, das ist so die bequeme Ausrede von allen denen, die nicht wollen. Hast du deine Stimme verloren? Nein — sonst würdest du’s sagen. Also willst du nicht. Kind, in meiner Art liegt’s nicht, mich um ungelegte Eier zu kümmern. Gelegte sind besser. Ich dränge mich auch in niemandes Vertrauen. Aber das kann ich dir sagen: ein bissel Zwang, den der Mensch sich selber auferlegt, ist etwas sehr Gutes. Der brave Zschokke, von dem freilich unsere Heutigen nicht viel wissen wollen, hat mal in seinen Stunden der Andacht gesagt: ‚Der Mensch vermag unglaublich viel über sich, wenn er ernst will.‘ Das solltest du dir auch hinter deine allerliebsten Öhrchen schreiben.“
‚... wenn er ernst will ...‘
Nein, sie wollte nicht. Noch nicht. Sie ging dem Schmerz aus dem Wege, der jedesmal neu brannte, wenn sie sich zwang.
Aber allmählich erwachte doch der Wille, erwachte und erstarkte. Der innere Drang weckte ihn, die große Lücke in ihrem Leben auszufüllen, die bloße körperliche Arbeit nicht schließen konnte; und dann kam die stolze Sehnsucht: geh nicht ganz unter in der Alltäglichkeit. Du brauchst nicht unterzugehen, denn deine Kunst kann dich über sie erheben.
In der Schreibmappe, oben auf dem kleinen Tischchen am Fenster, lag noch der Brief von Frau Harriers-Wippern.
„Wie bedauere ich, daß Sie den Unterricht aufgeben. Gerade Sie, liebes Fräulein, die zu so Großem prädestiniert schienen. Wie ist das nur möglich?“ Und daneben lag der Brouillon der Antwort, zwanzig Male neu begonnen, immer wieder verworfen: „Zwingende äußerliche Ursachen ... leider unüberwindliche Hindernisse.“ Mein Gott, mein Gott, wie armselig — und wie unwahr!
Wochen und Monate waren vergangen, ehe Wille und Kraft stark genug waren, das neue Ringen aufzunehmen. Ganz langsam waren sie erstarkt, aber plötzlich wurden sie zur Tat. Am ersten Pfingstfeiertage war’s gewesen, daß der alte Flehr verwundert vor seiner Orgel auflauschte: da war sie ja, die vox angelica, süß und schön und stark, die sich in seinen geliebten Chor mischte, ihn trug und über ihm sieghaft emporstieg:
„Schmückt das Fest mit Maien,
Lasset Blumen streuen,
Zündet Opfer an:
Denn der Geist der Gnaden
Hat sich eingeladen,
Macht ihm die Bahn,
Nehmt ihn ein, so wird sein Schein
Euch mit Licht und Heil erfüllen
Und den Kummer stillen —“
„Ich singe wieder, Harro!“ hatte sie damals geschrieben. „Denk Dir doch, lieber Harro, ich kann wieder singen. Auch das war in mir erstorben und ist nun, zu Pfingsten, auferstanden. Leicht macht’s mich und froh, Du wirst das schon verstehen. Sie sind alle, alle zu mir in der schweren Zeit so rührend gut gewesen. Am rührendsten Martha, Wilhelms Frau, die Du leider noch nicht kennst. Sie hat mich gestützt, mich getragen, mir geholfen in meinen Nöten. Aber schließlich kann jeder Mensch sich ganz nur selber helfen. Siehst Du, Harro, nun weiß ich endlich, wodurch ich mir helfen kann. Meine Kunst ist’s, die mich wieder frei machen wird. Es ist freilich anders wie früher. Ich denke nicht mehr an äußere Erfolge, nicht an den Konzertsaal und den Beifall, von dem ich einst träumte. Für mich und für die, die mich liebhaben, will ich singen, meine Gabe pflegen und weiterbilden. Ich bin so froh, Harro. Ich wollte, Du wärst hier, und ich könnte Dir das zeigen, wie froh ich bin. Hinausgehen würde ich mit Dir aufs Feld, wir beide allein, und mit den Lerchen möcht ich dann um die Wette singen.“
Am zweiten Pfingstfeiertag, nach dem Schluß des Gottesdienstes, lernte Helene Herrn von Holfen kennen, den Käufer des Rackower Vorwerks.
Sie hatte ihn schon in der Kirche bemerkt und sich flüchtig gefragt, wer der junge fremde Mann drüben auf der anderen Empore wäre; ein Forsteleve vielleicht, hatte sie gedacht, und sich nicht weiter in ihrer Aufmerksamkeit stören lassen.
Nun stand er vor der Kirchentür, stellte sich Vater vor, bat, ihn mit den Damen bekannt zu machen, und entschuldigte sich zugleich, daß er in Rohlbeck noch nicht seinen Besuch abgestattet; die Übernahme und die erste Einrichtung hätten ihn völlig in Anspruch genommen. Er sagte das alles sehr ruhig, durchaus weltmännisch, bescheiden und doch sicher.
Der alte Rittmeister, kein Freund besonderer Förmlichkeiten, forderte ihn freundnachbarlich auf, „mit hinüber zukommen zu einem einfachen Frühstück und einem Willkommensglase“. Holfen warf einen fragenden Blick auf die alte Gnädige, und da diese die Aufforderung wiederholte, nahm er an.
Seitdem war er ein ziemlich häufiger Gast im Herrenhause. Das Vorwerk Grunow lag näher an Rohlbeck wie an Rackow, war auch dort eingepfarrt; Ernst Hackentin hatte daher einen hübschen Vorwand gehabt, die „schwer zu bewirtschaftende Enklave abzustoßen“. Nun kam Holfen bald mit dieser, bald mit jener Anfrage und kleinen Bitte. Unverheiratet, hatte er allerlei Nöte bei seiner Etablierung, die ihm Anlaß gaben, sich bei dem Rittmeister oder noch mehr bei Martha Rat zu holen. Und sie alle hatten ihn gern. Mutter fand bald heraus, daß einer von den pommerschen Holfens eine Baer zur Frau gehabt hätte, deren Mutter wieder eine Komteß Grucker gewesen, und er hörte dem umständlichen Nachweis dieser Verwandtschaft „durch sieben Scheffel Erbsen“ äußerst artig zu. Mit Vater hatte er kleine anregende militärische Diskurse; er war erst vor anderthalb Jahren aus seinem Regiment, den Pasewalker Kürassieren, geschieden. Mit Martha gewann er bald besonders viel Berührungspunkte, denn sein wirtschaftlicher Eifer und eine gewisse frische naive Art, gerade sie immer aufs neue um Rat anzugehen, machten ihr Freude. Die Jungens schwärmten für ihn. Es kam ihm gar nicht darauf an, gelegentlich mit ihnen einen Wettlauf durch den Garten zu riskieren, und außerdem verstand er allerlei kleine Künste, die ihnen riesig imponierten, fabrizierte köstliche Flöten und ausgezeichnete Meisenkästen.
Gegen Helene war er äußerst zurückhaltend, und sie wieder war vielleicht die einzige im Herrenhause, die wenig auf ihn achtete. Höchstens, daß sie manchmal die Schwägerin ein wenig mit ihm neckte. Merkwürdigerweise hatte die stille Martha Verständnis für einen harmlosen Neckton und ging nicht ungern auf ihn ein. „Dein Courmacher kommt!“ hieß es einmal, und: „Gesteh’s nur, Martha, du hast heut wieder ein zartes Zwiegespräch mit deinem Verehrer gehabt!“ hieß es ein andermal. Und Martha nickte: „Hatten wir auch — über die beste Art der Putenfütterung nämlich. Das ist doch gewiß ein zartes Thema.“
„Ist er wirklich so nett?“
Dann wurde Martha gleich wieder ein bißchen ernst: „Nett? Ich weiß nicht. Aber ein ordentlicher, strebsamer, fleißiger Mann ist er.“
Das war sicher richtig. Helene hörte es von allen Seiten bestätigen. Es hieß auch, daß er das Vorwerk nur gekauft hätte, um sich als angehender Landwirt nicht von vornherein zu stark zu engagieren; er sei recht wohlhabend.
Übrigens war er nicht ohne höhere Interessen. Dann und wann kam es doch vor, daß Helene und er auf kürzere Augenblicke allein waren, und fast regelmäßig schlug er dann ein Thema an, das sie fesselte. Einmal fand er sie auf der Veranda über dem kleinen Geibel-Band, den ihr Harro geschenkt hatte. Da zitierte er:
„Wir können’s kaum erwarten:
Wann wird die Eiche grün?
Wann wird im Deutschen Garten
Die Kaiserkrone blühn?“ — —
„Sie kennen Geibel?“
„Ich kenne und ich liebe ihn.“
„Und warum zitierten Sie gerade aus der ‚Ungeduld‘?“
„Weil mir da Geibel besonders aus dem Herzen spricht.“
Sie saßen sich gegenüber. Helene hatte den Band vor sich, blätterte ein wenig darin, sah dann auf.
„Es ist eigentlich ein politisches Lied. Ich hörte Sie aber neulich doch einmal sagen, Herr von Holfen, daß Sie der Politik gern fern blieben.“
Er lächelte, und sie gestand sich, daß dies Lächeln sein etwas eckiges Gesicht verschönte. Klug sah er aus.
„Ist es ein politisches Lied, gnädiges Fräulein? Dann laß ich diese Politik gelten. Ich mag mich nur nicht Hals über Kopf in das Parteigetriebe des Tages stürzen, bei dem wohl hüben und drüben übertrieben und gesündigt wird. Aber den großen Traum der deutschen Einheit, den Geibel hier aufklingen läßt, den träume ich auch mit; und ich denke und hoffe, er wird noch Wirklichkeit werden. Wenn wir das vielleicht auch nicht erleben.“
Ein andermal war er am Nachmittag gekommen und hatte, ohne daß sie davon wußte, mit den Eltern in der großen Stube gesessen, während sie nebenan mit einer Handarbeit beschäftigt war.
Sie war gerade an diesem Tage in einer besonders gehobenen Stimmung, die sie jetzt nicht selten, wie in einer Art von Reaktion, überkam. Die Arbeit hatte sie sinken lassen, am Fenster hatte sie gestanden, lange Zeit, und über die grünen Wiesen hinweggeschaut, auf denen die Augustsonne lag. Dann war sie an den Flügel getreten und, recht aus ihrer Augenblicksstimmung heraus, sang sie Goethes „Auf dem See“.
„Und frische Nahrung, neues Blut
Saug ich aus freier Welt.
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält.“
Warum war sie gerade auf dieses Lied gekommen? Sie wußte es selber nicht. Aber sie fühlte, daß es sie emporhob, gleich wie auf Schwingen. Etwas Erhabenes, Befreiendes lag in den schlicht schönen Strophen —
„Aug’, mein Aug’, was sinkst du nieder?
Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Weg, du Traum! so gold du bist;
Hier auch Lieb und Leben ist.“
Sie sang nicht weiter. In einem stillen Wohlgefühl saß sie noch eine Weile, die Hände auf den Tasten, ging dann wieder ans Fenster, öffnete die Flügel weit, atmete die würzige Luft. Und die Schlußstrophe klang leise in ihr nach: „Weg, o Traum! so gold du bist — Hier auch Lieb und Leben ist.“
Vom Felde kamen die Erntewagen. Ein paar Schnitter gingen nebenher, eine Frau, in der einen Hand ein Kind, in der anderen eine kleine Garbe aufgelesener Halme. Und blau stand der Himmel darüber.
Nachher erschrak sie ein wenig, als Holfen sie begrüßte: „Ich habe schon häufiger in der Kirche Ihre schöne Stimme bewundert. Aber ich hörte Sie noch nie im Hause singen. Darf ich Ihnen danken?“
Beinahe feindselig sah sie ihn zuerst an. Was sie gesungen hatte, wie sie es gesungen hatte, war so ganz ihr Eigenes gewesen.
Fast schien es, als ob er Ähnliches in ihrem Gesicht lese. Er wurde ein wenig verlegen, faßte sich dann aber: „Etwas Merkwürdiges ist’s um Goethes Lyrik. Sie ist selber Musik. Aber wie herrlich hat sich gerade Schubert den Empfindungen Goethes angepaßt, so daß beides, Ton und Wort, nun doch ein Ganzes scheinen. Und nun muß ich doch eins sagen: ich habe das Lied zum letzten Male von Amalie Weiß gehört. Sie werden wissen, die Wiener Sängerin, die kürzlich den großen Geigenvirtuosen Joachim geheiratet hat. Aber wenn ich ehrlich sein soll: vielleicht war Frau Weiß die größere Künstlerin — mehr Seele lag in Ihrem Gesang.“
Es war so selten, daß Helene Hackentin über ihre Kunst sprechen hörte. Und wenn sie auch die übertriebene Bewunderung ablehnte, sie freute sich doch ein wenig.
Einmal — nicht viel später — meinte Martha neckend: „Hör’, Lene, du machst mir aber jetzt meinen getreuen Courmacher abspenstig.“
Da blickte sie ganz erstaunt auf, fand sich nicht gleich in den scherzenden Ton und antwortete beinahe ernst: „Holfen? Wir sprechen ja fast nie miteinander.“
Sie waren beim Wäscheaufhängen auf der Wiese hinter dem Hause, und Martha kämpfte einen kleinen Kampf mit dem Wind, der ihr ein großes Tischtuch fortreißen wollte. Sie hatte gerade eine Holzklammer zwischen den Lippen und konnte nicht eher weitersprechen, als bis die auf Leinwand und Leine untergebracht war.
„So — ihr sprecht fast nie miteinander? Als ob das nötig wäre. Ich bin jedenfalls brennend eifersüchtig.“
„Du Ärmste! Das tut mir aber furchtbar leid.“
„Spotte du nur! Nein, dieser infame Wind! Bitte, hilf mal halten, Lene. Ja ... was ich sagen wollte: warum mag Holfen noch nicht geheiratet haben?“
Helene hatte soeben ihren kleinen Korb wieder mit Klammern gefüllt, und hielt ihn im linken Arm, während sie mit der rechten Hand Klammer neben Klammer auf die Leine steckte.
„Wir hätten uns auch nicht gerade diesen windigen Nachmittag auszusuchen brauchen. Ja so ... dein Holfen. Ich denke, er hat die Rechte noch nicht gefunden. Oder vielleicht hat er sie auch schon gefunden, und sie zieht nächstens in Grunow ein.“
„Wenn du das nun sein solltest —“
Plötzlich lag der ganze Korbinhalt auf dem Rasen. Ganz erschrocken war Helene, aber dann lachte sie doch. „Was redest du heute für Unsinn, Martha. Das ist wirklich ein schlechter Scherz ... Nun hilf wenigstens auflesen.“
Sie knieten beide nieder, um die Klammern aufzusuchen. Und da sagte Martha leise und ernst: „Wenn es nun aber kein Scherz wäre?“
„Ach geh! Holfen denkt ja gar nicht daran.“
„Wer weiß?“
Nun wurde Helene auch ernst: „Aber das wäre ja schrecklich.“
„Warum, Lene? Er ist wirklich ein Ehrenmann und würde seine Frau auf Händen tragen. Außerdem: Ihr paßt zusammen, finde ich. Ist er dir denn unsympathisch?“
Die Klammern waren im Körbchen gesammelt. Sie standen auf — aber der Korb blieb zwischen ihnen im Grünen stehen.
Einen Augenblick stand Helene stumm. Die schmale Falte erschien, tief eingegraben, zwischen ihren Augenbrauen. Dann sagte sie hastig: „Ich bitte dich, Martha, wenn du irgend etwas dazu tun kannst, erspare mir und ihm das. Er mag ein vortrefflicher Mensch sein, aber ich empfinde auch nicht das Geringste für ihn.“
Die Schwägerin hatte den Korb schon aufgenommen und wieder mit ihrer Arbeit begonnen: „Du solltest nicht so schnell entscheiden, liebe Lene“, sprach sie ein wenig schwer. „Weißt du: ich kenne Ehen, in die die Frau mit heißem, hoffnungsfrohem Herzen trat, und die ihr nachher Bitternis auf Bitternis brachten. Und ich kenne andere Ehen, für die der Verstand der Frau allein das entscheidende Wort sprach, und die sehr, sehr glücklich wurden!“
Helene schüttelte den Kopf.
Was wollte Martha eigentlich? Da war wieder einmal der Temperamentsunterschied zwischen ihnen, das Trennende bei aller Übereinstimmung ihres Fühlens. Vielleicht auch ein Etwas, dachte Helene weiter, das Wilhelms Verhalten wenn nicht entschuldbar, so doch erklärlicher, begreiflicher erscheinen ließ: ein Gran Nüchternheit. Das bleibt meist auf dem Untergrund. Aber dann und wann tritt es doch zutage, so wundervoll sonst alle Wesenseinheiten in der lieben Martha gemischt sind. Vielleicht hat Natur das gerade gut gemeint. Vielleicht könnte sie sonst nicht tragen, wie sie trägt.
Sie vollendeten schweigend ihre Arbeit. Erst als sie durch den Garten wieder dem Hause zugingen, sagte Helene: „Ich hoffe immer noch, du hast vorhin gescherzt. Wenn das aber nicht der Fall ist, und du kannst mir’s ersparen — ich bitte dich, liebe Martha, tu’s.“
„Wie sollte ich das? Holfen hat kein Wort zu mir gesprochen, es waren nur Vermutungen. Aber ich glaube freilich, nicht unberechtigte. Ich meinte es gut, Lene, ich wollte dich ein wenig vorbereiten. Und ich meine auch jetzt noch: überleg dir’s, handle nicht unbedacht.“
Helene schüttelte wieder nur den Kopf.
Aber in ihrer Seele war durch das Zwiegespräch nun doch die alte, kaum vernarbte Wunde angerührt worden, daß sie neu schmerzte. Wieder kamen die Erinnerungen, und es kam der Vergleich: in Leid und Weh hatte ihre Liebe sie gerissen, bis dicht an den Abgrund; aber die Seligkeiten, die sie ihr gebracht, die waren unvergeßlich, würden ewig unvergeßlich bleiben. Es waren doch Augenblicke — gelebt im Paradiese. Und daneben stand die Prosa: ein Ehrenmann, hatte Martha gesagt, der seine Frau auf Händen tragen wird. Und wenn der andere — der andere als ein Schuft an dir gehandelt hat: gleichviel — in uns strömte doch die große, die göttliche Leidenschaft. Und wenn der Ehrenmann dir wirklich die Hände unter die Füße breiten würde, dein ganzes Leben hindurch: dies Leben würde dir zur Hölle werden, wenn du die Liebe nicht hättest.
Nein! Nein! Und tausendmal Nein!
Sie wurde noch vorsichtiger Herrn von Holfen gegenüber, wich ihm aus, wo sie nur konnte.
Aber sie fand, daß er sich stets gleichblieb. Er war immer gleich respektvoll, sehr artig — nicht mehr. Martha mußte sich doch wohl getäuscht haben; vielleicht, dachte Helene bisweilen, neigt sie auch ein wenig dazu, Ehen stiften zu wollen.
So schlummerte allmählich ihr Mißtrauen ein.
Darüber war der Sommer vergangen, der Herbst war gekommen.
Und in dieser Zeit, wo der Landwirt etwas mehr Muße hat, lud Holfen die Rohlbecker ein, sich einmal anzuschauen, wie er sich in Grunow eingerichtet hatte. Zum ersten Male. Bisher hatte er immer lachend gebeten, ihn zu entschuldigen: es wäre bei ihm noch die reine Wüstenei.
Es war eine kleine Gesellschaft; die Rackowschen, auch Grucker, dessen ältester Sohn bei den Pasewalker Kürassieren stand, Artenau, der Stickereimajor und Bowlenkünstler, mit seiner semmelblonden Frau und der semmelblonden Tochter. Man kam augenscheinlich, sich über die Junggesellenhäuslichkeit des Neulings im Kreise ein wenig zu amüsieren, und war überrascht, wie hübsch sich Holfen „etabliert“ hatte, um mit Tante Marie zu reden, die das alte Verwalterhaus kaum wiedererkannte und staunend, mit dem langstieligen Lorgnon vor den Augen, von einem Zimmer zum andern ging.
„Aber wirklich, mein lieber Herr von Holfen, Sie haben Wunder geschaffen. Ganz deliziös. Fehlt nur noch, daß Sie eine liebenswürdige Hausfrau in das fertige Nestchen setzen.“
Nur der Garten hatte noch nicht ganz ihren Beifall. Als man draußen unter der großen Linde beim Kaffee saß, zeichnete sie mit der Spitze ihres Sonnenschirms in den Kies einen ganzen Plan, nach dem der Garten freilich fast zu einem Park wurde.
„Meine Hochachtung!“ rief Graf Grucker. „Marie, du bist und bleibst sublim! Verwandle doch gleich das ganze Vorwerkchen in einen Jardin! Die geborene Depensière bist du!“
Tante Marie zog die Achseln hoch: „Was du nicht weißt, mein Lieber! Aber dein Französisch ist mäßig. Falls du mich wirklich als Verschwenderin bezeichnen wolltest, hättest du besser Dissipatrice gesagt. Depensière hat so eine dumme Nebenbedeutung.“
„Meine Hochachtung! Welche denn?“
Während sie das zum Gaudium des kleinen Kreises auseinandersetzte, daß nämlich die Speisemeisterin in den französischen Klöstern Depensière genannt würde, sah ihr Mann sie etwas kummervoll unter seinem Einglas um die Ecke an. Er dachte wahrscheinlich daran, welche Wege sein hübsches Vorwerk gewandelt war. Überhaupt, er war still und in sich gekehrt, Ernst Hackentin. Sogar dem harmlosen Artenau fiel das auf, so daß er den Vetter einmal leise anstieß: „Was hast du denn nur, Dickerchen?“ Er bekam nur eine knurrige Antwort: „Ach, laß mich. Schlechte Zeiten! Schlechte Zeiten!“
Holfen war der liebenswürdigste Wirt. Aber er war wie von einer leisen, ihm sonst ganz fremden Unruhe erfüllt. Vielleicht gerade, weil er zum erstenmal Gäste bei sich sah und ihm die Hausfrau fehlte. Martha machte zwar auf seine Bitte die Honneurs, aber auch sie wußte ja nicht recht Bescheid. So hastete er ein wenig zu viel umher.
Nach Tisch setzten sich die Herren zu ihrem unvermeidlichen Whist. Die Damen blieben im Vorderzimmer. Die alte Gnädige saß, ein wenig träumend, auf dem Sofa. Tante Marie führte fast allein die Unterhaltung. Sie amüsierte sich. Die beiden Semmelblonden aus Stellberg machten immer so furchtbar dumme Gesichter, wenn sie irgendeine ihrer kleinen Pikanterien erzählte; wie auf Kommando sperrten Mutter und Tochter die Mäulchen auf und klappten sie wieder zu. Es war ja aber auch toll. Da sollte eine Duchesse sich ein Kleid von kristallisierter Gaze haben machen lassen, vier Röcke übereinander, das oberste mit acht Volants, und zu dem Ganzen hatte Laferriere, der große Modeschneider, nicht weniger als elfhundert Ellen Zeug gebraucht. Aber alle Pariser Damen waren freilich nicht so verschwenderisch mit dem Stoff. Es gab sogar sehr sparsame. Die Gräfin Castiglione — „Ihr wißt ja, man sagt, daß sie die Nebenbuhlerin der Kaiserin ist“ — die Gräfin Castiglione ist im vorigen Jahr auf einem Ball des Marineministers als Salambo erschienen — „Ihr kennt doch jedenfalls den Roman von Flaubert, der von der schönen Karthagerin handelt —“, als Salambo also und war in einem Kostüm, das nur aus dem wunderbaren Schmuck bestand, den der Kaiser ihr heimlich geschenkt hat.
Die Tür zum Hinterzimmer stand halb offen. Dann und dann dröhnte Gruckers mächtige Stimme: „Himmel, hast du keine Flinte! Meine Hochachtung, Artenau. Karten hat der Mensch — Karten!“ Whist sollte Schweigen heißen. Aber davon hielten die Herren nichts.
Helene langweilte sich. Vor solchen Geschichtchen, wie Tante Marie sie heut liebte, hatte sie einen Abscheu. Sie stahl sich leise fort. Sah auf einen Augenblick ins Herrenzimmer, aber da war ein Zigarrenrauch, den man mit dem Messer hätte durchschneiden können. So trat sie auf die kleine Veranda, die nach dem Garten hinaus neu angebaut war. Ein winziges Ding, gerade vier Personen hätten darauf Platz finden können. Aber die Aussicht war entzückend. Der Garten fiel ziemlich steil ab. Unten lag der Grunower See, von dunklen Fichten umkränzt. Der Mondschein lag darauf, silbrig leuchtete das Wasser.
Sie lehnte an der Brüstung, schaute hinab und dachte: Unsere Mark ist doch schön.
Mit einem Male stand Holfen seitwärts hinter ihr. Hier, wo das Mondlicht nicht hinkam, im Dachschatten, war es fast ganz dunkel. Sie fühlte Holfen mehr als sie ihn sah. Und sie erschrak.
Dann hörte sie seine Stimme: „Ganz allein, gnädiges Fräulein?“
„Ich wollte ein wenig Luft schöpfen.“
„Ist das nicht hübsch, der Ausblick auf den See? Hier ist mein Lieblingsplatz. Fast jeden Abend sitz ich hier und träume nach des Tages Arbeit ein wenig.“
Er sprach ruhig. Aber Helene fühlte, in der Ruhe lag etwas Beherrschtes. Sie wäre gern ausgewichen, in das Zimmer zurückgetreten. Aber er stand vor der Eingangstür. Und dann — es war wohl doch nur Einbildung —
„Der Platz ist wirklich sehr hübsch. Ich habe oft bedauert, daß wir in Rohlbeck so wenig Wasser haben.“
„Gefällt Ihnen Grunow auch sonst in seiner neuen Gestalt, gnädiges Fräulein?“
Er war ein wenig nach vorn getreten, und seine Stimme vibrierte nun trotz aller Beherrschung leise. Jetzt fühlte sie deutlich, daß ihre erste Befürchtung nicht falsch gewesen war. Und sie dachte nur: wie ersparst du’s ihm und dir? Aber es war kaum noch möglich. Denn er wartete ihre Antwort gar nicht ab, sprach gleich weiter: „Man hat mir heut mehrfach gesagt, ernst der eine, neckend die andere, es wäre fast, als ob ich dies Haus hier schon für seine zukünftige Herrin vorbereitet hätte. Niemand hat wohl geahnt, daß dem wirklich so ist, daß ich seit Monaten täglich, stündlich an diese Herrin gedacht habe.“
Nein — er durfte nicht vollenden! Sie mußte dem lieben Menschen die Beschämung ersparen.
So fiel sie schnell ein: „Das freut mich, Herr von Holfen. Wir alle werden uns sehr freuen, wenn Sie heiraten.“ Aber indem sie sprach, erschrak sie vor ihren eigenen Worten. Wenn er die nun falsch auffaßte? Wie man nur so ungeschickt sein konnte! Hastig fuhr sie fort: „Sehen Sie, jetzt geht der Mond hinter dem Walde unter. Der See liegt im Dunkeln. Es wird plötzlich recht kühl. Ich will doch lieber —“
Da stand er schon dicht neben ihr, beugte sich ganz vor und bat: „Würden Sie hier als Herrin einziehen mögen — als meine Herrin? Fräulein Helene ... ich habe Sie so sehr lieb. Fast vom ersten Sehen an wußt’ ich es —“
Seine Hand fühlte sie neben der ihren tastend auf dem Geländer. Fühlte, wie sein Auge durch die Dunkelheit sie suchte.
Sie wich seitwärts aus. Ganz schmal machte sie sich, drückte sich gegen die Wand.
„Fräulein Helene ...“
Tief schöpfte sie Atem.
„Herr von Holfen ... bitte ... sprechen Sie nicht weiter ...“ Mühsam, stockend nur brachte sie es heraus. „Ich darf Sie nicht hören ...“
Sie wagte nicht aufzusehen. Dachte nur, jetzt wird er gehen. Und so leid tat er ihr, so unsagbar leid.
Aber er ging nicht. Einen Augenblick schwieg er. Dann hörte sie wieder seine Stimme, bittend, beschwörend: „Weisen Sie mich nicht so ab. Sie kennen mich ja kaum. Vielleicht war das mein Fehler. Ich verstehe mich wenig auf das Werben um ein Mädchenherz. Aber Liebe soll ja doch Gegenliebe wecken. Ich will geduldig sein, will warten, ausharren. Ich hab Sie ja so lieb, Fräulein Helene —“ Und dann, als keine Antwort kam, fragte er heiß: „Ist Ihr Herz nicht frei?“
Es war für sie wie ein Schlag. Denn mit einem Male wußte sie: nein, dein Herz ist nicht frei. Du hast es dir selber nur vorgetäuscht. Du hast vielleicht überwunden, aber nicht vergessen. Mit einem Male standen die Erinnerungen wieder vor ihr, die seligen Erinnerungen, und die qualvoll durchwachten Nächte, die lodernden Sehnsuchten, die sie in die Kissen hineingeweint hatte, Glück und Leid, all das Himmelhochjauchzende, all das zu Tode Betrübte.
Nein, ihr Herz war noch nicht frei. Überwunden mochte es haben, vergessen konnte es nicht.
Sie kämpfte mit Tränen. Und mit tränenerstickter Stimme bat sie: „Bitte ... lassen Sie mich ...“
Da trat er zurück. Es war ja auch eine Antwort.
Ganz schmal machte sie sich, glitt am Geländer entlang, zur Tür dann, trat in den Salon. Wie das helle Kerzenlicht den Augen weh tat nach der Dunkelheit draußen —
Tante Marie war noch immer in Paris. Sie erzählte gerade von einer Soiree bei der Fürstin Pauline Metternich, der österreichischen Botschafterin, und daß da Hortense Schneider — „Ihr wißt, die die ‚Schöne Helena‘ kreiert hat“ — anwesend gewesen wäre, und Madame Térésa von Alcazar d’Eté hätte ihre famosen Gassenhauer gesungen: „Rien n’est sacré pour un sapeur!“ Die beiden semmelblonden Artenaus sperrten die Mäulchen auf. Mutter nickte ein wenig in ihrer Sofaecke und sagte nur einmal aus ihrem Halbtraum heraus: „Ja ... die Pauline Metternich, das ist eine geborene Sandor ... eine Ungarin.“ Dann polterte Onkel Grucker herein: „Meine Hochachtung! Der Rittmeister hat uns heut aber ordentlich belehrt. ’n Daler acht Groschen! I ... und da ist ja unser Leneken ... Mädel ... ’n Schmatz! Aber ’n ordentlichen, nich so’n vulgären Onkel-Nichten-Kuß, bei dem man nicht weiß, wie und warum!“
Und dann fuhr man hinaus in die dunkle Nacht.
**
*
In den nächsten Wochen ließ sich Holfen nicht in Rohlbeck sehen. Die Rackower erzählten, er wäre in Berlin. „Das heißt,“ meinte Vater, „der Mann kann sich schon mal ’ne Erholung leisten. Was der den Sommer über auf seiner Klitsche geleistet hat, geht auf keine Kuhhaut.“ Martha sah bisweilen, wenn von ihm die Rede war, ein wenig vorwurfsvoll zu Helene hinüber. Aber sie fragte nicht.
Erst als der Schnee schon lag, sah Helene Holfen wieder. Er kam nun wieder nach Rohlbeck, nicht so häufig vielleicht wie früher, aber scheinbar ganz der alte. Immer liebenswürdig, bei allen beliebt; hatte seine kleinen wirtschaftlichen Anfragen bei Martha, nahm, wenn er einmal zum Abend blieb, den Jungens eine Partie Mühle nach der andern ab. Helene und er begegneten sich, als wäre nichts zwischen ihnen vorgefallen. Und sie war ihm dankbar, daß er ihr das ermöglichte.
Sie hatte an jener Abendstunde auf der kleinen Veranda doch schwer gelitten. Nicht nur um Holfens willen, so leid er ihr tat. Sie mußte von neuem einsargen, was damals lebendig geworden, auferstanden war.
Wieder waren ihr Arbeit und Kunst getreue Helferinnen. Zumal ihre Kunst. Harro mußte ihr Noten über Noten senden: Mendelssohn, Schumann, Schubert. Ein paar Opernpartien studierte sie: aus dem „Waffenschmied“, aus dem „Feldlager in Schlesien“. Dann wagte sie sich, zögernd, an die Elsa. Aber da dachte sie sehnsüchtig an ihre Lehrerin zurück, fühlte das Fehlen der verständnisvollen Anleitung, des ermunternden Zuspruchs. Richard Wagner stand noch vor ihr wie ein Koloß. Etwas Erbarmungsloses, fand sie bisweilen, lag in seinen Ansprüchen. Einmal war sie in ihren Nöten zum alten Flehr geflüchtet. Doch der schüttelte nur das graue Haupt, ließ die Hand verlegen um die ewigen Stoppeln auf seinem Kinn gleiten und sagte schmerzlich: „Da kann ich nicht mit, gnädiges Fräulein.“ Beugte sich, immer die lange Pfeife im Munde, mit seinen kurzsichtigen Augen tief auf die Noten, versuchte auf seinem Klimperkasten ein paar Sätze — ging dann plötzlich zu seinem geliebten Mozart über, schlug die blauen Augen auf, daß sie ordentlich leuchteten: „Das ist doch noch Musik!“
... man mußte sich schon selber helfen ...
Jetzt schickte Harro keine Noten mehr.
Aber dafür seine frohen, übermütigen Briefe von „da oben“ her. Und Vater beorderte dann und wann Helene ans Klavier, daß sie ihm das Chemnitzsche Lied sänge:
„Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
Deutscher Sitte hohe Wacht,
Wahre treu, was schwer errungen,
Bis ein schön’rer Morgen tagt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Wanke nicht, mein Vaterland!“
Manchmal mußte Helene auch aus Harros Briefen vorlesen. Die Garde stand jetzt schon oben auf jütischem Boden, bei Kolding. Ein wenig neidisch schrieb der tatendurstige Junker von den Kameraden, denen vor den Düppeler Schanzen größere Lorbeeren winkten. Aber kleinere Gefechte gab’s bei ihnen auch, und lustige Geschichtchen wußte er immer zu erzählen. Gestern hatte „Einer von meinem Regiment“ einen flüchtenden Dänen angeschossen, ihn dann eingeholt, triumphierend zurückgebracht: „Das ist mein Däne!“ und ihn durchaus selber gesund pflegen wollen. Vater schmunzelte oder lachte auch hell auf. Als Harro beschrieb, wie wunderschön drollig jetzt die Posten aussähen: im großen weißen neugelieferten Schafpelz mit dem Helm dazu auf dem Kopfe, meinte er: „So sahen unsere Kerle im Winter Anno achtzehnhundertundzwölf auch aus, oben in Kurland, beim alten Yorck. Das heißt, geliefert waren uns die Pelze nicht. Die hatten wir — gestohlen. Aber Helme hatten wir noch nicht, und unsere alten Hüte waren immer so steifgefroren, daß man Suppe draus hätte löffeln können.“
Dann, Ende März, kam ein förmlicher Jubelruf: „Hurra, nun kommen wir doch noch vor Düppel. Unsere neuformierten Garde-Regimenter sollen beweisen, daß sie hinter den alten nicht zurückstehen. Wir wollen’s den Dannemanns schon zeigen! Und wenn der „Rolf Krake“ angeschwommen kommt, dann stecken wir den mitsamt seinen dicken Panzerplatten in die Tasche. Halt mir den Daumen, liebe, liebe Lene! Wenn alles gut geht und ich kann mich ein bissel auszeichnen, bin ich vielleicht in vier Wochen Offizier.“
Helene mußte lächeln. Hinter Harros Zeilen stand immer noch etwas Besonderes, etwas Heimliches, nur für sie Bestimmtes. Er schrieb nie von seiner anbetenden Liebe. Manchmal hatte sie geglaubt, daß er die mit der Schulmappe und der Jungensmütze abgestreift, daß sie sich ihm und ihr wirklich in gute Kameradschaft gewandelt hätte. Aber dann kamen wieder Wendungen, die sie anders deuten mußte. „Wir haben gestern nacht die dritte Parallele ausgehoben. Ganz dicht vor den Schanzen. Sternenklar war die Nacht. Da hab ich hinaufgeschaut zu den blitzenden Sternen, und ich hab immerfort an Dich denken müssen.“
Vater war sehr unruhig in diesen Tagen. Nie konnte er die Posttasche erwarten. Und wenn er aus der „Kreuzzeitung“ das Neueste vom Kriegsschauplatz vorlas, dann kramte er aus dem kleinen Schatz seiner kriegsgeschichtlichen Erinnerungen allerlei Ergänzungen, Erläuterungen hervor. Der Sturm auf die Düppeler Schanzen stand ja bevor. „Wird viel Blut kosten, das heißt, die Artillerie hat natürlich mächtig vorgearbeitet. Aber so ein sturmfreies Werk, mit Graben und Bastionen — keine Kleinigkeit das!“ Ganz aus dem Häuschen waren die Jungens. Papier und Bleistift schleppten sie heran, Großvater mußte ihnen aufzeichnen, wie das eigentlich war: ein sturmfreies Werk und Parallelen und Laufgräben. Eine ganz wunderliche Zeichnung kam dabei heraus. Am Sonntag betete Heckstein von der Kanzel für unsere Tapferen in Schleswig-Holstein.
Und Helene betete herzinnig mit. Nicht daß sie sich um Harro sorgte. Wie hätte dem frischen lieben Harro etwas geschehen sollen? Das schien ihr ganz ausgeschlossen, sie dachte gar nicht daran. Aber die Hände schloß sie doch und bat um Sieg und flocht auch Harro dabei im stillen einen Lorbeerkranz.
Am 18., in der Dämmerstunde, ritt eine Estafette in Rohlbeck ein, ein Stellberger Postillion. Artenau hatte einmal eine vernünftige Idee gehabt und an den ungeduldigen alten Rittmeister gedacht, sich’s zwei blanke Taler kosten lassen.
Mit zitternden Händen riß Vater die Depesche auf. Sie umdrängten ihn alle auf der Veranda, sogar Mutter war herausgekommen, als der Postillion am Tor ins Horn gestoßen hatte.
„Düppel heut vormittag glorreich erstürmt. Schwere Verluste. General Raven tödlich verwundet.“
Der alte Rittmeister hatte sein Käppchen abgenommen.
Sie sahen alle zu ihm empor. Er las noch einmal. Und dann setzte er hinzu, mit bebender Stimme: „Unsere brave Armee! Endlich wieder einmal ein preußischer General für König und Vaterland geblutet. Der erste nach fünfzig Jahren. Jungens, nun lauft! Zum Kantor. Läuten soll er — läuten!“
Eine Stunde später war die Posttasche da. Die „Kreuzzeitung“ wußte noch nichts. Und auch die vom nächsten Tage brachte nur die erste Siegesdepesche und einen einzigen Zusatz: siebzig Offiziere tot und verwundet, gegen tausend Mann. Aber ein kurzer Brief Wilhelms an Martha war dabei: „Ich komme morgen. Lauter gute Nachrichten. Berlin schwimmt in Begeisterung und Jubel.“
Mit Extrapost kam er, ein paar Stunden früher, als erwartet. Die Jungens hatten oben von ihrem Fenster aus mit ihren Luchsaugen die Postchaise schon erspäht, als sie noch bei der Dampfmühle war, und hatten das ganze Haus alarmiert. Wieder standen alle auf der Veranda.
Als er aus dem Wagen sprang, rief er: „Martha, Vater — ich hab die Konzession. Die Eisenbahn ist durch!“
Er stürmte die Stufen hinauf, umhalste einen nach dem andern, sagte, rief immer wieder: „Ich hab die Konzession. Es ist alles in Ordnung. Vater, ich hab vierzigtausend Taler dabei verdient. So freut euch doch! Freut euch doch!“
Sie freuten sich ja auch alle. Aber die große Spannung war in so ganz anderer Weise gelöst, als sie es erwartet hatten. Er mußte es endlich merken. Er lachte: „Ja, so — natürlich, ihr habt alle Düppel im Kopf! Ihr wißt wohl gar nichts Näheres? Großartig! Berlin hättet ihr vorgestern abend sehen sollen. Wie toll zogen die Massen durch die Straßen. Alle Häuser waren illuminiert. Da haben die Berliner nun auf die Soldateska geschimpft und geschimpft, und jetzt sind sie auf einmal Feuer und Flamme. Der König bekam die Depesche von der Erstürmung der ersten sechs Schanzen auf dem Tempelhofer Felde, als er gerade die Franzer besichtigte. Er fuhr gleich nach dem Palais. Da standen schon Hunderte und Tausende und sangen das Preußenlied. Er soll Tränen in den Augen gehabt haben.“
Wilhelm hatte sehr schnell gesprochen. Nun holte er Atem und fuhr langsam fort: „Freilich — schwere Verluste. Daß General von Raven schwer verwundet ist, wißt ihr wohl schon. Ja, und unsere arme Tante Oschitz ... Harro ist vor Schanze VI gefallen —“
Da schrie Helene auf.