Jagden im Busch.

Im Süden der Warufiyi wohnen die Wapogoro; in kleinen Dörfern und einzelnen Hütten im Busch. Da sie nicht weiter behelligt wurden, kamen sie nicht zur Unterwerfung, bildeten aber eine stete Gefahr für mich; denn mit ihrer Hilfe konnten die Aufständigen leicht Einfälle in die von mir geschützten Gegenden machen.

Ich wollte auch die Wapogoro zur Unterwerfung treiben und so einen Stamm nach dem andern dem friedlichen Gebiete anschließen; deshalb zog ich mit dem Unteroffizier und zwanzig Askari in das ziemlich schwach bewohnte Land, in dem auch die Wasserstellen nach Süden immer seltener wurden. Die Eingeborenen zeigten sich feindlich gesinnt, flohen jedoch meist ohne Gegenwehr; ihre Dörfer wurden niedergebrannt und das Getreide weggenommen.

Eines Tages lagerte ich am Ende eines langgestreckten Sees und schickte einen Gefangenen zu den Aufständigen, mit der Aufforderung sich zu unterwerfen.

Die Ufer des Sees säumte hoher Wald, der in lichten Buschwald überging; an einer Seite war das Ufer unbewaldet, und eine Talmulde mit weiten Grasflächen schloß sich an. Stark ausgetretene Wildwechsel mündeten am Wasser.

Vom Lager aus konnten wir im See die Flußpferde beobachten und die Uferpartien überblicken, an denen das Wild zur Tränke kam.

Da es bei meinem Hauptlager in Mtanza gar kein Wild gab, wollte ich hier für meine Leute einen Vorrat schießen und hatte Träger genug mitgenommen, um das Fleisch fortzuschaffen.

Als ich kurz nach Mittag das Lager in Begleitung des Unteroffiziers, einiger Askari und Träger verließ, waren alle Vorbereitungen für die Nacht getroffen; ein Dornverhau umgab in weitem Bogen die Zelte und war nach dem Wasser zu offen. Die Schwarzen hatten sich kleine Hütten gebaut und hockten im Schatten. Einige badeten in dem flachen Wasser am Ufer des Sees; andere brachten Brennholz. Ein Flußpferd, das sich von der Herde getrennt hatte, war nahe herangekommen und beobachtete neugierig und ängstlich die Vorgänge im Lager. Von Zeit zu Zeit tauchte es unter, und erschien bald danach laut prustend wieder mit dem Kopf über der Wasserfläche. Die Neger freuten sich darüber ebenso wie ich; man konnte sich dem Eindruck nicht entziehen, daß das einzelne Tier für die Sicherheit der ruhig im Hintergrund schlummernden Herde solch Interesse an uns nahm.

Birsch auf Riedböcke.

An dem Rande eines Akazienwaldes pürschte ich entlang und brachte in etwa zwei Fuß hohem, trockenem Grase bald einen Riedbock hoch, der nach mehreren Fluchten verhoffte. Mit einem Hochblattschuß streckte ich ihn im Feuer. Das blanke, starke Gehörn erfreute mich ebenso wie der einwandfreie Schuß; es entsteht stets ein Gefühl von Sicherheit und Befriedigung, wenn der Anfang der Jagd von Erfolg begleitet ist.

Ich ging nun quer über die Lichtungen; da wurden mehr Riedböcke flüchtig, die alle trotz der heißen Nachmittagssonne und der Nähe des schattigen Waldes im hellen Sonnenlicht ruhten.

Gehörn eines Swallahbocks (Schwarzfersenantilope.)

Hier wurde ich auf einen Umstand aufmerksam, der mir schon öfter aufgefallen war. In der Ferne sah ich einen Gegenstand von rotbrauner Farbe, einem Stück Hochwild täuschend ähnlich, erkannte aber durch das Doppelglas, daß es ein Termitenhügel von matt dunkelbrauner Farbe war. Vor dem Hügel schwankten einige gelbe Gräser, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen waren. Sie gaben ihm die rötliche Färbung. Mehrmals sah ich abwechselnd mit bloßem Auge und mit dem Glase hin; der Unterschied war auffallend. Dem unbewaffneten, also auch dem schwächeren Auge vermengen sich wie die Gegenstände, auch ihre Farben und bilden eine neue Gesamtfarbe. Augen verschiedener Sehschärfe werden also oft im Freien die Farben verschieden sehen. Das macht sich am häufigsten bemerkbar, wo Sträucher und Gräser die Gegenstände mannigfach bedecken. Ein Jäger mit scharfen Augen kann also an vielem vorübergehen, was ein anderer nur zu leicht für Wild hält, weil er Umrisse und Farbe anders wahrnimmt, als sie dem Kurzsichtigen erscheinen.

Die Landschaft nahm jetzt einen mehr parkartigen Charakter an; Gruppen von Bäumen und Busch wechselten ab mit offenen Grasflächen, über die einzelne Schirmakazien ihre weitausgelegten Äste breiteten.

Auf einer Lichtung stand ein Gnubulle, sah uns einen Augenblick verdutzt an und flüchtete in langsamem Galopp.

Schwarzfersenantilopen.

Ein Rudel — etwa vierzig — Schwarzfersenantilopen tanzte plötzlich zwischen den Bäumen. Das sah wunderbar aus. Zum ersten Male sah ich die „Swallah“, wie sie von Jägern und Eingeborenen genannt werden. Wie Gummibälle federten die Tiere wohl um das Dreifache ihrer eigenen Größe hoch in die Luft. Ich war entzückt über den Anblick und freute mich über das Bild, das um so schöner wirkte, weil sich die Tiere zwischen den Gruppen der Büsche und Bäume, in die das helle Sonnenlicht hineinfiel, wie zwischen Theaterkulissen bewegten. Die auffallend rote Farbe der Antilopen stand in frischem Gegensatz zu dem hellen Grün der Gräser und Büsche. Die Tiere sprangen nicht einmal alle in derselben Fluchtrichtung, sondern hier und dort schnellte ein Körper hoch über die anderen empor, und es sah aus, als sprängen sie übereinander weg.

1. Buschbock vom Sigi; Ostafrika. 2. Giraffengazelle aus der Massaisteppe. 3. Riedbock vom Pungwe; Südafrika. 4. Kudu vom Kilimandscharo.


GRÖSSERES BILD

Es gelang mir der Herde den Weg abzuschneiden und einem starken Bock, der als letzter folgte, die Kugel zu geben. Er zeichnete auf den Schuß und flüchtete mit dem Rudel; doch folgte ich den frischen Fährten und ließ Leute zu beiden Seiten gehen. Nach beinahe einstündigem, angestrengtem Suchen wurde der Bock nicht weit vom Anschuß verendet gefunden. Mit etwas tiefem Lungenschuß hatte er sich nach zweihundert Schritten von dem Rudel getrennt und sich nach weiteren zweihundert Schritten niedergetan. Da nur wenig Schweiß in der Fährte lag, war es nicht möglich gewesen, dem angeschossenen Tiere in dem von vielen Hufen aufgewühlten Boden zu folgen.

Ich bewunderte die Farbe und den Glanz der Decke. Der Rücken ist dunkelrot, an den Seiten wird die Färbung matter bräunlich und geht unten und an der Innenseite der Läufe in reines Weiß über. Kräftige Sprunggelenke und Sehnen an den Läufen befähigen das Tier, solche Sprünge auszuführen, wie ich sie vorher sah. Die Decke liegt locker und beweglich auf der fein ausgeprägten Muskulatur. An den Hinterläufen befinden sich stark entwickelte, schwarze Haarbüschel; das Gehörn ist glänzend schwarz poliert.

Da es mittlerweile spät geworden war, schlug ich die Richtung zum Lager ein und traf auf einer Lichtung ein starkes Rudel Wasserböcke, die mich nicht bemerkt hatten. Mehrere saßen im Grase, während zwei Böcke sich gegenseitig verfolgten und dabei den Kopf wie zum Angriff senkten. Junge Swallahböcke ästen zwischen den ersten Büschen am Rande der Lichtung. Als mich die Tiere bemerkten, standen die Wasserböcke und äugten nach mir, so daß ich die schön gezeichneten Köpfe aus der Nähe sehen konnte.

Noch ein Rudel Schwarzfersenantilopen wurde flüchtig. Ich schoß zwei Böcke krank, aber es dunkelte; ich mußte die Nachsuche für heute aufgeben, band mein Taschentuch an einen Baum, verbrach den Anschuß und bezeichnete die Stellen, an denen ich das Wild aus dem Auge verloren hatte.

Als ich aus dem Walde kam, näherte sich von der andern Seite ein einzelner Neger den Lagerfeuern und wurde von den Posten angerufen. Es war ein häßlicher Mpogoro, er reichte mir einen Giftpfeil als Zeichen der Unterwerfung und kündigte das Erscheinen seiner Brüder für den nächsten Mittag an.

„Weshalb kommt ihr nicht heute?“

„Sollen wir Frauen und Kinder allein lassen? Wir müssen erst Hütten im Pori bauen“ war die Antwort.

Am Abend fiel leichter Regen; schnell machten sich alle Neger im Lager dabei, ihre Hütten, die sie am Mittag gegen die Sonnenstrahlen erbaut hatten, dicht mit Gras zu bepacken, so daß sie auch Schutz gegen den Regen boten.

Der Unteroffizier hatte einen Wasserbock geschossen, ich einen Riedbock und eine Swallah. Als wir die Strecke besichtigten, glaubten wir auf Tage hinaus verproviantiert zu sein; aber schnell verschwand das Fleisch, obwohl kein Mangel an Nahrungsmitteln war; (denn jeder hatte bei der Plünderung der Dörfer reichlich Getreide für sich auf die Seite geschafft). Der sonst oft anspruchslose Neger kann, wenn Überfluß vorhanden ist, unglaubliche Mengen vertilgen!

Den Dank für die Gewährung so reichlicher Nahrung gaben uns die Leute nach dem Mahle durch lautes, behagliches Aufstoßen zu erkennen. Das klang so viehisch, daß ich mir unwillkürlich ausmalte, welchen Eindruck es wohl machen würde, wenn Menschen das hörten, die keinen Begriff von dem Gebahren der Neger haben. Gewiß würden viele es als eine Unverschämtheit auffassen, wenn der Neger, während er mit ihnen spricht, plötzlich laut aufstößt! Wie mancher wird da mit einer handgreiflichen Antwort bereit sein! — Und der Neger würde vielleicht denken, der Europäer hält und versteht nichts von gutem Ton.

Die Post.

Der Abend brachte uns angenehme Erinnerungen an die Heimat. Ein Bote aus Mohorro war angekommen und hatte, sorgfältig in schwarzes Wachstuch verpackt, ein Paket gebracht, von dem Bezirksamtmann, Herrn Graß. Ein ausführlicher Brief von ihm lag dabei, der mich über die Verhältnisse in Mohorro unterrichtete. Als Antwort auf eine Bestellung von Lebensmitteln hieß es: „Auch hier ist alles knapp. Der Dampfer ist noch nicht dagewesen und wir erwarten täglich Lasten von Daressalam.“ Aber Kaffee und mehrere Flaschen Rotwein schickte er mit, und vor allen Dingen die Post. Ein Brief von den Eltern! Doch heute gab es noch mehr. Alte Bekannte benutzten die Gelegenheit, mir zu meinen „Siegen“ Glück zu wünschen; Zeitungsausschnitte und Abbildungen zeigten, daß man meinem Aufenthalt hier ein ganz ungewöhnliches Interesse entgegenbrachte. Stammtischkarten (eine Korona mit Biergläsern und § 11!) muteten mich in dieser Umgebung ganz eigentümlich an; ebenso auch die Kartengrüße sammelnder Mädchen und Knaben, die glaubten, ich könnte ihnen „per Feldpost“ Karten mit Ansichten meines „Kriegslagers“ senden. Wie sonderbar war doch, was von dem Leben der Heimat zu uns in die Wildnis drang! Eine Zeitung mit Neuigkeiten, die längst wertlos sind, Zeitschriften, die in Wort und Bild spiegeln, wie die Ereignisse in Afrika auf die Anschauung in der Heimat wirken und was dort bedeutend erscheint; ein Katalog mit Bildern warmer Kleidungsstücke, deren Anblick allein schon in der schwülen Abendluft eine Beklemmung auf der Brust hervorruft; die „Jugend“, und eine vergessene Rechnung.

Hartebeest, männlich (bubalis lichtensteini).

Der Koch brachte den langentbehrten Kaffee; der hielt uns wach, und ich erzählte von den beiden Swallahböcken, die ich nicht gefunden hatte, von Nachsuche, von deutscher Jägerei und früheren Jagden, die ich in der Heimat erlebte.

Mein Begleiter, der daheim nie etwas von den Dingen gehört hatte, gewann immer mehr Interesse und freute sich darauf, an der Nachsuche am nächsten Morgen teilzunehmen. Die Ankunft der Pogoro war erst für Mittag in Aussicht gestellt. Wir konnten also den ganzen Vormittag jagen und nötigenfalls am Nachmittage weitermarschieren.

Hartebeest mit abgebrochenem Horn.

(Erlegt bei den Panganischnellen des Rufiyi). Die Bruchstelle bedeckt eine Hornplatte.

Erfolgreiche Nachsuche.

In der Nacht regnete es stark, so daß ich mir von der Schweißsuche am Morgen nicht viel versprechen konnte. Ich nahm deshalb den größten Teil meiner Träger mit und begann den Busch an der Stelle, an der ich die Böcke geschossen hatte, abzusuchen. In langer Reihe, mit Abständen von zwanzig Schritt, ließ ich die Neger durch den Busch gehen und fand bald den einen, aber erst nach Verlauf einer vollen Stunde den zweiten Bock, gerade, als ich daran dachte, mit einem lauten „Halt“ die Suche einzustellen. Das freute mich um so mehr, als die Neger die Arbeit für ziemlich zwecklos zu halten schienen und ich ihnen beweisen konnte, daß ich getroffen hatte und nicht auf einen Fehlschuß hin die langwierige Nachsuche unternahm.

„Schieß doch ein anderes Stück,“ hatte der Ombascha schüchtern gesagt „hier sind ja so viele.“

Merkwürdigerweise waren beide Böcke während der Nacht von Raubtieren nicht berührt worden, und auch die Aasvögel, die sonst oft dem Jäger den Weg zu einem erlegten Stück Wild zeigen, fehlten ganz.

Hartebeest, weiblich.

Da wir die Reittiere mitgenommen hatten, entschlossen wir uns zu einer weiteren Pürsche durch den Busch und die Uferpartien des Sees. Aber die Feldflaschen waren vergessen; wir mußten zum Lager schicken und warten.

Zebras und Hartebeeste.

Während die Neger im Schatten ruhten, kletterte ich auf einen Baum und sah in dem hohen Gras zahlreiche Zebras, Hartebeeste, Riedböcke und Wasserböcke. Durch das Gras gedeckt kam ich an ein Rudel Zebras nahe hinan. Die feine Zeichnung dieser schönen Steppenpferde fiel mir heute besonders auf; die Linien und Streifen über die Decke hin, über Kopf, Hals und Mähne gaben ihnen ein samtartiges, geschmücktes Aussehen. Die Zebras waren voll und rund, ganz im Gegensatz zu unseren Reittieren mit ihren eckigen Formen. Lange genoß ich den schönen Anblick. Auf meinem Maultier ließen sie mich sehr nahe kommen und flüchteten dann im Galopp. War das ein Anblick für den Naturfreund und Jäger! Wie die Mähnen federten, die Schwänze flatterten! Dicht drängte sich das Rudel in der Flucht zusammen, und Staub schwebte hinter ihm.

Unteroffizier Lauer schoß sein erstes Hartebeest. Der Boy kam mit den Feldflaschen voll kaltem Tee. Ein Imbiß wurde genommen: kalter gekochter Reis und eine Dose Sardinen.

Die Natur der uns umgebenden Wälder ist in den Karten treffend mit den Ausdrücken: „lichter Buschwald“, „Parklandschaft“ bezeichnet. Man geht zwischen niederen Büschen im Schatten größerer Bäume.

Eindrucksvoll ist der sogenannte Galeriewald, der die Ufer des Sees und die jetzt trockenen Flußbetten säumt. Nach dem Wasser hin bildet er, wie Regenwald, Wände grüner Pflanzenmassen, auch in der Trockenzeit. Im Unterholz finden sich, die Laubbäume umschlingend und verbindend, Lianen mancherlei Art, dazwischen große und kleine Dumpalmen; stellenweise stehen ganze Haine der etwa fünfzehn Meter hohen Palmen beisammen und alte, von Tieren abgenagte Kerne liegen haufenweise auf dem Boden. Dieselben Kerne fand ich häufig auch an Stellen, wo keine Palmen standen, als Reste von Elefantenlosung; denn die Elefanten lieben die Früchte, und auch die Menschen nagen gern die dünne Fleischschicht ab, die den großen Kern umgibt und im Geschmack an Äpfel erinnert.

In einer Talsenkung war eine kleine Waldwiese mit einem Teiche.

Ich hatte gehofft, hier irgend etwas Besonderes zu finden; doch nur zwei junge Swallahböcke mit handlangem Gehörn spiegelten ihre schlanken Leiber in dem glatten Wasser. Sonst war der Wald wie ausgestorben; wo keine Vögel, keine Affen sind, da kann man auch kein Raubzeug erwarten.

Um so lebendiger war es am See. Dutzende von Krokodilen lagen am Ufer, Flußpferde fauchten und trieben sich im Wasser; die Vogelwelt fehlte aber auch hier gänzlich.

Im Lager erwarteten mich Boten mit Greuelnachrichten aus fernen Gegenden, und schleuniger Rückmarsch zum Strom schien geboten. Die angekündigten Wapogoro waren noch nicht zu sehen. Sollte ich ihretwegen bleiben? — Sie konnten ja auch nachkommen!

Das Essen war fertig, die Lasten geschnürt, ich wartete bis gegen drei Uhr, dann brach ich auf. Nach kurzem Marsche öffnete der Himmel plötzlich seine Schleusen und ein Regen, wie ich ihn noch nicht gesehen hatte, strömte auf uns und auf den von der Trockenheit zerklüfteten Boden herab; in unglaublich kurzer Zeit stand das Wasser fußhoch. Ich hatte keine Blechkoffer und mußte um meine Sachen und Sammlungen in den Kisten besorgt sein. Aber was half es! Die Sorge war zwecklos und wich bald einer stillen Ergebung in das Schicksal. Wir selbst wurden durchnäßt bis auf die Haut; weiter ging es nicht, damit tröstete ich mich und den Unteroffizier.

Ein neues Mißgeschick kam hinzu: Mein Reittier wollte nicht mehr vorwärts. Es war offenbar krank, und schien überhaupt nicht mehr leben zu wollen. Unter Bewachung einiger Askari wurde es im Busch zurückgelassen. Wir haben später nur sein Grab wiedergesehen.

Als die Abendsonne noch einmal durch die Wolken brach, wie um nachzusehen, welchen Eindruck die Dusche auf uns gemacht hatte, wurden ihre spärlichen Strahlen noch genutzt, um unsere Sachen schnell zu trocken. Wir befanden uns in einer Ortschaft unterworfener Leute im Busch. Große Feuer wurden angezündet und das Mißvergnügen über die Unbequemlichkeiten der Regenzeit beim Abendbrot vergessen.

Riedböcke.

Ein anderes Mal war ich mit meiner Truppe auf dem Marsche von den Kitschibergen in die Ebene, als mir ein Sprung besonders starker Riedböcke zu Gesicht kam. Das Schießen von Wild auf dem Marsche hält oft unliebsam auf, da man nie weiß, ob nicht eine lange Nachsuche nötig sein wird; deshalb ist es ratsam, in den ersten Marschstunden nichts zu schießen und erst in der Nähe des Marschziels nach einem Braten auszusehen, um auch den Trägern den Weg mit dem Fleisch möglichst zu kürzen.

Heute aber ließ ich die Karawane halten, lief den Riedböcken nach und versuchte, da ich nicht viel Zeit opfern wollte, einen Schuß auf etwa 250 Meter mit Visier 300, unten angefaßt.

Deutlicher Kugelschlag. — Das Rudel, flüchtig, wird von dem kranken Bock zurückgehalten — wie man häufig beobachtet, daß ein krankes, zurückbleibendes Stück die übrigen Tiere veranlaßt, zu warten.

Ich laufe schnell nach und sehe den Bock mit einem Schuß kurz Blatt nicht weit von mir flüchtig werden. Um die Jagd abzukürzen, schieße und schieße ich, habe aber nur Vollmantelgeschosse geladen, die im Gegensatz zu angefeilten und Bleispitzengeschossen nur geringe Zerstörung im Wildkörper anrichten und deshalb ruhige, gute Schüsse voraussetzen, wenn sie Erfolg haben sollen.

Die Wirkung ist entsprechend gering, wenngleich von den fünf auf das flüchtige Wild abgegebenen Schüssen zwei gut und einer als Streifschuß sitzen.

Jetzt tut der Bock sich nieder und bekommt einen Fangschuß durch den Hals. So mittelmäßig diese Hetzjagd war, der Anblick des Gehörns ließ kein Mißvergnügen aufkommen. Das Tier gehörte der größeren in diesem Gebiet vorkommenden Art an. Sein Gehörn war breit ausgelegt und sehr hoch, die Querwulste von feiner Plastik; die Decke war wolliger als die des gelben Riedbocks.

Ich habe nur ein Stück dieser Art am Rufiyi geschossen. Am Pungwe in Südafrika erlegte ich später einen ähnlichen Bock. ([Abbildung Seite 175.]) Den kleineren Bergriedbock, oder grauen Riedbock, der in Südafrika und auf den Hügeln der Massaisteppe so häufig ist, habe ich am Rufiyi nicht angetroffen.

Es war noch in der Trockenzeit. Ich befand mich auf dem Rückwege von einem Negerdorfe, in dem ich die wenigen Wapogoro angesiedelt hatte, die sich unter meinen Schutz begeben hatten. Mein Zelt stand an einer sandigen Böschung, die in der Regenzeit das Wasser eines breiten Stromes begrenzt.

Gelber Riedbock vom Rufiyi.

Zwei Stunden vor Sonnenuntergang brach ich auf, um auf Riedböcke zu pirschen. Die Abendsonne schien freundlich in das Landschaftsbild; klar zeichneten sich die fernsten Zweige ab; denn ein kurzer Nachmittagsregen hatte die Luft gereinigt. Dicht bei einem kleinen, von allen Seiten zugänglichen Tümpel zogen zwei Riedböcke; äsend und öfters sichernd näherten sie sich einer Bodenfalte, in der sie für kurze Zeit verschwanden.

Ich lief schnell bis auf fünfzig Schritt hinan. Die Ricke warf auf und äugte nach mir; ich stand ganz frei vor ihr.

Von dem Gelb der Decke hoben sich die dunkeln Lichter, der Grind und die Luserspitzen stark ab. Wohl zwei Minuten äugte das niedliche Gesichtchen nach mir herüber, dann tat die Ricke einen quietschenden Pfiff und sprang ab. Der Bock — ein Schneider — hinterher.

Für den Pfiff habe ich einen naheliegenden Vergleich: es ist der Ton, den Gummihunde und -puppen von sich geben, die innen hohl sind, ein metallenes Pfeifchen haben und durch schnelles Zusammendrücken musikalisch betätigt werden.

Die Riedböcke hatte ich also laufen lassen! Weiter. Als nächstes Wild sah ich Hartebeeste; mochte ich heute nicht. Dann, als die Sonne schon zur Rüste ging, einen Riedbock und drei Ricken in welligem, recht freiem Grasland. Zwei der Ricken gingen voraus, der Bock und ein Schmaltier blieben auf einem Sandrücken stehen. Ich näherte mich vorsichtig bis auf vierzig Schritt und stellte mich so, daß ich gerade über die Gräser einer flachen Kuppe hinwegsehen konnte.

Ich bin sehr nahe an dem Wild, der Wind ist aber gut, es wäre die schönste Gelegenheit zu einer Aufnahme, aber leider habe ich die Kamera nicht zur Hand. Darum suche ich mir den Anblick um so genauer einzuprägen und beobachte die Tiere einige Minuten lang: Der Bock erscheint dunkler als die Ricke, sein Hals ist stärker, die ganze Gestalt voller, die Haltung des Kopfes ist steiler, das dunkle Gehörn wirkt aus dieser Nähe als schöner Schmuck. — Die beiden Tiere äsen friedlich. Endlich entschließe ich mich zum Schuß. Der Bock, auf den Stich getroffen, sinkt lautlos zusammen, Hals und Kopf bleiben aufgerichtet. Nach einigen schwachen Versuchen, sich zu erheben, bleibt er still sitzen, kein Mensch könnte diesem Tiere ansehen, daß es tödlich getroffen ist. Das erstaunlichste aber ist: Selbst die Ricke merkt es nicht, obwohl sie nahe bei dem Bock steht; hat auch den Schuß nicht beachtet. Sie sieht wohl einmal nach dem Gefährten hin, äst dann aber ruhig weiter. Ich gebe dem Bock noch einen Schuß aufs Blatt; er verendet.

Dasselbe rätselhafte Verhalten der Ricke! Sie äste noch einige Minuten, hatte dabei offenbar das Bestreben, vorwärts zu gehen und äugte mehrmals nach dem Toten, weil er nicht mitkam.

Dann stand sie eine Zeit lang mit erhobenem Kopfe und schien die beiden anderen Ricken zu suchen. Sah sie nicht; denn die standen seit dem ersten Schuß, wie ausgestopft, auf 250 Schritt und äugten herüber. Endlich entfernte sich die kleine Ricke in lässigem Galopp, ohne mich bemerkt zu haben.

Warzenschweine; Keiler und Bache.

An der Küste sehr häufig und der Landwirtschaft schädlich; für den Jäger ungefährlich. Ungemein häßliche Tiere. Hauptnahrung der Löwen. Wo der Mensch die Löwen ausrottet, werden die Schweine oft zur Landplage.

Den Bock ließ ich bis zur Löwenfalle tragen und brach ihn dort auf.

Die Falle hatte ein Askari, dem das besonderes Vergnügen machte, nahe beim Lager aufgestellt und eine kleine Umzäunung gebaut; dahinein wurde der Aufbruch des erlegten Wildes geworfen, nachdem es in weitem Bogen herumgeschleift war, um den Raubtieren Witterung zu geben.

Die Sonne war kaum untergegangen, die regenfeuchte Erde verbreitete eine wohltuende Kühle, da kam ein tiefes dumpfes Brüllen aus einem der nächstliegenden Büsche.

Der Löwe mußte schon vorher in unserer Nähe gewesen sein und zog jetzt der Witterung nach. Ein zweiter ließ sich nicht weit davon hören. —

Nach einer halben Stunde erklang es aus der Ferne noch einmal. Ich kniete vor dem Dornenzaun meines Lagers, neben mir drei Askari mit ihren Gewehren. Einen Augenblick sahen wir den Löwen in der Nähe der Falle zwischen den Büschen, und glaubten er würde hineingehen.

Er tat es leider nicht, wie ich am andern Morgen sah; eine Hyäne war, vielleicht schon bevor die Löwen an dem Platz vorbeikamen, in das Eisen gegangen, hatte es etwa sechzig Schritt weit geschleppt, sich dann befreit, und nur einige Haare und etwas Schweiß zurückgelassen.

Riedböcke sind mir stets ein begehrenswertes Wild gewesen, und ich habe selten eine Gelegenheit vorüber gehen lassen, einen guten Bock zu schießen. Fleisch gebrauchte ich für meine Karawane immer; die Jagd hat einen ähnlichen Reiz, wie die Pirsch auf Rehböcke; weil man bei diesen Tieren meist die Möglichkeit hat, den Starken zu suchen; das kleine schwarze Gehörn aber wird ebenso wie Gamsgehörn und Rehkrone in Stunden der Erinnerung Gegenstand langer ästhetischer Betrachtungen. Die Ähnlichkeit des Wildes im Aussehen und Benehmen mit dem heimatlichen Rehwild ist ganz erstaunlich; wo ich jagte besonders konnte ich unter dem Eindruck der Rehbirsch stehen; denn die Riedböcke bevorzugten breite, freie Sandflächen mit wenig Gebüsch und kurzem Gras. Von weit her konnte ich die gelb-rot gefärbten Tiere wahrnehmen.

Nie habe ich mehr als sechs Riedböcke an einem Platze zusammen beobachtet, meist einen Bock und eine bis zwei Ricken allein, ähnlich, wie unsere Rehe zusammen leben. Die Riedböcke lieben die Nähe des Wassers, und man kann sicher sein, sie in Grasniederungen, die von Flüssen durchschnitten werden, zu finden. Der Riedbock ist sehr bequem; er legt keine weiten Strecken zurück und ist täglich an derselben Stelle wieder anzutreffen. Ich habe einen einzelnen Bock, den ich an der Stärke seines Gehörns kannte, mehrere Tage hintereinander an einer bestimmten Stelle angebirscht, dann nach Wochen und Monaten wieder dort gesehen.

In den Morgenstunden sieht man die Riedböcke in kurzem Grase äsen, doch tun sie sich bald im höheren Grase nieder und verzichten dabei auf Schatten. Ihre Harmlosigkeit ist sehr groß; selbst wenn sie sich aus Verdacht erhoben haben, setzen sie sich sehr bald wieder. Dies Hinsetzen gleicht mehr einem trägen Sichfallenlassen; das Bedürfnis nach Ruhe scheint ungemein stark zu sein; doch wird der Riedbock, plötzlich überrascht, schnell flüchtig. Auch dann ist er mir selten entgangen, wenn ich ihn schießen wollte. Ich hatte eine bemerkenswerte Art der Jagd herausgefunden: Während das Stück in Bewegung war, lief ich ihm nach, um es im Auge zu behalten, und an einem günstigen Platz in Anschlag zu gehen; denn der Bock bleibt sehr bald stehen, stellt sich breit und äugt zurück. Machte er aber nicht Halt, dann brachte ein Schuß über seinen Kopf hin, ihn fast regelmäßig zum Stehen. Der nächste Schuß darf dann freilich nicht lange auf sich warten lassen!

Selten habe ich es nötig gehabt, einem hochgebrachten Stück in dichteren Busch zu folgen. Das ist schwierig; die Aufgabe reizte mich aber, als eines Tages ein frischer Regen alle alten Fährten ausgelöscht hatte und die Folge auf einer gesunden Fährte dadurch möglich wurde.

Ein starker Bock war von einer breiten Grasfläche gut in den Wind in das Dickicht geflüchtet, wo ich nur Schritt für Schritt auf der Fährte folgen konnte. Nach 300 Metern etwa sprang der Bock hinter einem Busch ab; nach weiteren 500 Metern sehr aufmerksamen Pirschens sah ich seinen Kopf hinter einer kleinen Fächerpalme etwa fünfzehn Schritt vor mir. Mit einem schnellen Schuß streckte ich das Tier. Ich hatte die Stellung ziemlich richtig angesprochen; der Schuß saß hinter der Schulter.

Die Riedböcke haben zwischen den Hinterblättern vier beutelartige Vertiefungen von etwa drei Zentimeter Tiefe; Drüsen befinden sich nicht darin. Da ich mir über die Bedeutung dieser Gruben nicht klar wurde, fragte ich auch die Neger danach und bekam eine der häufigen Antworten, aus denen der Weiße schließen muß, daß die Beobachtungsgabe des Negers unzuverlässig ist. „Mit diesen Löchern“ hieß es, „erregen die Tiere beim Laufen die Pfiffe, die ein erschreckter Riedbock gelegentlich von sich gibt!“

Eines Tages pirschte ich mit dem Bezirksamtmann von Mohorro, Herrn Graß. Wir brauchten notwendig Fleisch, deshalb sollten auch schwache Böcke daran glauben. Das erste Stück bemerkte ich und schoß flink, als ich sah, daß es ein Gehörn hatte. Es fiel mit Kreuzschuß, dabei war nichts Besonderes. Aber jetzt kam es drollig: Die nächsten drei Stücke zogen in lichte Flötenakazien, und wieder bemerkte ich die Tiere vor den Schwarzen. Rechtwinklig zur bisherigen Marschrichtung pirschten wir nach, sahen durch die Gläser und suchten nach Gehörnen. So vergingen einige Minuten, da raunte uns ein Neger mit erregter Stimme zu: „Bwana! dort ist Wild, da! da!“ und zeigte in die Richtung auf unsere Riedböcke. Wir dachten mindestens an Löwen und stierten vergeblich suchend ins Gelände. „Ja, seht ihr’s denn nicht?“ sagte in überlegenem Tone der Schwarze. „Meinst du die Riedböcke?“ Wirklich, so war’s! Ich hätte ihn prügeln mögen, daß er unsere Erwartungen vergeblich anspannte!

Endlich steht der Starke schußrecht vor einem Busch.

Ich schieße; Kugelschlag!

Er springt ab; hinter dem Busch aber, vierzig Schritt weiter, schlägt’s mit den Läufen: da liegt ein Spießer! Ich hatte den ersten überschossen und den zweiten getroffen, ohne ihn gesehen zu haben! In beiden Fällen hatte ich zu hoch geschossen, weil ich die Entfernung überschätzte.

Ich brachte mehrere Tage in dem unbewohnten Busch im Süden der Landschaft Usaramo zu, um die Zustände dort kennen zu lernen, und Verstecke versprengter Aufständiger, von denen ich Nachricht erhalten hatte, zu suchen.

Es war Anfang Oktober, also gegen Ende der Trockenzeit. Der Wald sah winterlich kahl aus, der Boden war steinhart und das Gras, wo es noch nicht niedergebrannt war, völlig dürr. Trotzdem war Wild zu spüren: Zebra, Wasserbock, Elenantilope und einzelne Büffel. Auf ein Rudel Swallah pirschte ich ohne Erfolg, ich bekam keinen der Böcke zu Schuß. Ebenso ging es mir mit zwei fast schwarzen Rappböcken, an denen die ganze Karawane auf fünfzig Schritt vorbeigegangen war, ehe die stolz dastehenden Tiere im Gewirr der Äste gesehen wurden.

An einem kleinen, damals fast trockenen Fluß spürte ich auch Löwen und Elefanten, konnte mich aber ihretwegen nicht aufhalten.

Nach einigen Tagen traf ich die verlassenen Verstecke der Aufständigen. Obwohl deutliche Anzeichen da waren, daß die Leute erst vor kurzem in den kleinen Tümpeln im Bett des Baches Schlammfische gefangen hatten, war keiner der heimlichen Räuber mehr aufzutreiben; ich mußte das weitere Suchen einstellen, da die mitgeführten Nahrungsmittel zu Ende gingen.

Meine Leute verlangten nach Fleisch. Ich schlug abends nach langem Marsch das Lager nahe an einem der wenigen, im schattigen Flußbett versteckten Teiche auf, die von der Regenzeit zurückgeblieben waren, und ging am frühen Morgen pirschen. An die dichte Vegetation des Baches schloß sich lichter, dürrer Steppenwald. Dort suchte ich Wild und hielt mich dabei in der Nähe des Wasserlaufes; aber das einzige Wild, was mir in fünf langen Stunden zu Gesicht kam, waren Hartebeeste, die weit flüchteten.

Elenantilopen.

Als ich im weiten Bogen schon beinahe auf meinen Lagerplatz zurückgelangt war, kam ich an eine Stelle, die mit Fährten geradezu bedeckt war. Elenantilopen! Hufabdrücke, die durch ihre Größe zuerst auf Büffel schließen ließen; alle in einer Richtung und ganz frisch!

Eifrig folgte ich der Spur und traf nach zwanzig Minuten die Herde die in langsamer Bewegung vorwärts zog. Ich hieß meine Schwarzen sich niederlegen und pirschte allein vorsichtig weiter, so gut es ging am Rande eines Mimosengehölzes Deckung haltend. Aber es ging eben nicht; denn ich zählte etwa achtzig der großen Hornträger, die in den Büschen zerstreut vorwärts gingen, so daß einige der Tiere mich stets sehen mußten. Auffallend war der Unterschied in der Färbung der Tiere; ein helles Braun herrschte vor, doch einzelne besonders starke Tiere waren gelbgrau; das mußten die Bullen sein. Alle trugen hohe, gedrehte Hörner. Ein prächtiger Anblick! Der vielen Kälber und der Mittagshitze wegen schob sich die Herde nur langsam vorwärts, und ich hatte Gelegenheit, die riesenhaften, als ziemlich selten geltenden Antilopen zu beobachten, die ein Gewicht bis zu zwanzig Zentner erreichen. Da ich Fleisch für meine Leute beschaffen mußte und nach den bisherigen Erkundungen des Tages wenig Aussicht war, anderes Wildbret zu erhalten, entschloß ich mich, ein Stück zu schießen. Die Wahl wurde sehr schwer, da die Herde in ständiger Bewegung war und die Tiere sich durcheinander schoben. Der Entfernung halber kamen überhaupt nur die letzten Stücke in Betracht, und unter ihnen suchte ich nach einem möglichst stattlichen Exemplar der hellgrau gefärbten Tiere, die ich für die Bullen hielt. Da aber die Farbenabstufungen ineinander übergingen, richtete ich mein Augenmerk bald mehr auf die stärksten Tiere und wählte ein abseits gehendes, prächtiges Stück mit hohem Gehörn.

Ich kam gut ab und hörte den Aufschlag des Geschosses, aber die Antilope ging mit der Herde beschleunigt ab. Im vollen Lauf folgte ich und sah bald, wie eine einzelne Elenantilope, offenbar krank, langsam der Herde nachzog. Vom schnellen Laufe erregt, blieb ich einen Augenblick stehen, um meine Ruhe wieder zu gewinnen und schoß spitz von hinten auf den Hals; die Antilope brach zusammen.

Als ich neben dem gefallenen Wild stand, sah ich mit Schrecken, daß es eine Kuh mit vollem Euter war; alle Freude an dem Jagderfolg schwand. Mißmutig und ziemlich ermattet zog ich meinen Rock aus und legte mich in den spärlichen Schatten einer Akazie, um die Leute mit der Feldflasche und den Messern zu erwarten. Ich hatte, einem erprobten Grundsatz folgend, trotz der sengenden Sonnenglut den ganzen Morgen keinen Tropfen getrunken und war durch das schnelle Laufen stark erhitzt; die Zunge klebte am Gaumen und ich sehnte mich nach einem erfrischenden Trunk.

Elenantilope.


GRÖSSERES BILD

Elenantilope.

Aber der Boy kam ohne die Feldflasche! Ein Askari bot mir Wasser aus der seinen. Ich widerstand der Versuchung; ungekochtes Wasser? Nein, lieber weiter dürsten, als sich einer Dysenteriegefahr aussetzen. Ich saß in schlechter Laune und starrte auf meine Jagdbeute, da fiel mein Blick auf das volle Euter der eben erlegten Antilope. Ich dachte mir, es sei nichts Unappetitliches, einem noch lebenswarmen Tiere die Milch zu nehmen und es interessierte mich auch, den Geschmack kennen zu lernen; sollen doch ähnliche Antilopen bei den alten Ägyptern Haustiere gewesen und wie Milchkühe genutzt worden sein. Ich füllte einen Becher mit der warmen Milch und trank — es schmeckte genau wie frische Kuhmilch.

Während meine Leute das Tier sorgfältig abdeckten und sich über den großen Fleischvorrat freuten, dachte ich daran, ob das Kälbchen wohl eine Pflegemutter finde? Es schien mir sehr unwahrscheinlich. Nur von wenigen Tieren weiß man, daß säugende Mütter sich fremder oder verwaister Kälber annehmen. Vom Elefanten wird es behauptet; bei Flußpferden beobachtete ich einen Fall, bei dem nach Abschuß einer Mutter das etwa zwei Monate alte Junge einige Tage später treibend im Strome gefunden wurde. Vielleicht war kein Weibchen mit ausreichender Nahrung vorhanden gewesen, hier bei der Herde waren aber mehrere Mütter, die die Ernährung hätten übernehmen können. Hoffentlich haben sie sich der armen Waise angenommen.

Es ist gut, wenn sich der Jäger über die Folgen seiner Handlung selbst zur Rechenschaft zieht. Auch in diesem Falle konnte ich mich nicht damit entschuldigen, daß es schwierig ist, die Bullen von den Kühen zu unterscheiden; denn der richtige Jäger muß diese Unterscheidung machen und sie als eine gesteigerte Anforderung betrachten. Die Tatsache, daß es viele nicht können, ändert nichts an dem Unheil, das durch Abschießen stillender Tiere angerichtet wird. Aber auch der beste Jäger hat wohl dem Wilde viel Leid zugefügt und mußte viel Lehrgeld zahlen, bis er es zum waidgerechten Jagen brachte und mit sich zufrieden sein konnte.

Ich erinnerte mich an ein Bild, das mir als Jungen von vierzehn Jahren und angehenden Jäger tiefen Eindruck gemacht hat:

Auf einsamer Höhe steht ein Hirschkalb bei seiner toten Mutter.

„Verwaist“, lautete die Unterschrift. — —

„Mir sind die Jäger überhaupt unverständlich,“ sagte ein Freund, „sie schießen die Tiere tot und nachher tut es ihnen leid.“

Unteroffizier Lauer sieht sich das Gehörn meines am Rufiyi erlegten Büffels an. Daneben liegen Gehörne von Gnus, Wasserböcken und eine Rappantilope. — Im Hintergrunde sieht man den Pallisadenzaun, links eine angefangene Hütte, rechts die „Hauptwache“, und den Hund „Moritz“.