Das Preußendenkmal auf dem Friedhofe zu Gibraltar — ein Erinnerungszeichen an das Gefecht bei Tres Forcas.
Auf dem Friedhofe der Felsenfestung Gibraltar erhebt sich ein einfaches Denkmal, das an der Spitze als Zierat einen preußischen Adler trägt. Unter dem Gedenkstein schlummern ein Offizier und vier Mann der ehemaligen preußischen Marine; sie haben im Jahre 1856 unter Prinz Adalbert im Kampfe gegen die Riffpiraten den Heldentod gefunden.
Im August des Jahres 1856 ankerte Prinzadmiral Adalbert mit der Raddampfkorvette ‚Danzig‘ im Hafen zu Gibraltar, um dort Kohlen und Proviant einzunehmen. Die Weiterreise, an der afrikanischen Küste entlang gehend, verfolgte das Ziel, über die Kabylenstämme an der Küste Erkundigungen einzuziehen; insbesondere forschte man nach dem Stamme, der einige Jahre früher eine preußische Brigg ‚Flora‘ geplündert hatte.
In der Frühe des 7. August kam die ‚Danzig‘ in die Nähe von Tres Forcas. Um die Küste noch genauer zu erkunden, wurden die leichten vier Schiffsboote bemannt und auch mit Seesoldaten besetzt. Gegen die Bevölkerung sollte keine feindliche Haltung eingenommen werden. Doch es kam anders. Während die Boote an der steilen Küste entlang fuhren, sammelten sich auf den Anhöhen bewaffnete Araber. Als die Landungsabteilung um eine schroffe Felswand herum in eine kleine Bucht einbog, fielen von den Höhen Schüsse, deren Kugeln dicht neben den Booten ins Wasser schlugen. Die preußische Flagge stieg am Mast empor, und mehrere Musketensalven antworteten den Angreifern. Auch die ‚Danzig‘ ging näher an die Küste und warf einige Granaten nach den Anhöhen, sodann zogen sich die Boote nach dem Schiffe zurück. An Bord wurde Generalmarsch geschlagen und das Schiff klar zum Gefecht gemacht. Der Prinzadmiral hielt mit seinen Offizieren Kriegsrat. Der Angriff auf die preußische Flagge mußte gerächt werden. Alle Boote wurden voll bemannt und mit dem nötigen Schießbedarf ausgerüstet; der Prinz übernahm selbst die Führung. Um die frechen Kabylen zu strafen, verfolgte er die Absicht, mit den Mannschaften zu landen und die Riffbewohner anzugreifen. Das Kriegsschiff begleitete seine Boote an die Küste und säuberte auch durch einige Kartätschenschüsse die vorderen Hügel vom Feinde. An einem Sandstrande sollte gelandet werden. Aber ehe noch die Boote anlegten, füllten sich die Höhen ringsum wieder mit bewaffneten Kabylen, die die Preußen mit heftigem Gewehrfeuer empfingen. Diese sprangen rasch auf den Strand; in Schützenlinien ging’s mit Hurra den steilen Abhang empor.
Prinz Adalbert bei Tres Forcas.
Von Professor Hans Petersen.
Dieser unerwartete Vorgang überraschte die Eingeborenen und trieb sie zurück, aber bald sammelten sie sich wieder, dazu verstärkte neuer Zuzug, herbeigerufen durch das Gewehrfeuer, ihre Reihen. Auf dem Rücken des Küstenabhanges empfing die mutigen Seeleute ein heftiges Feuer. Auf Anhöhen zur Linken hinter hohen Felsen saßen die Araber in einer vorzüglich gedeckten Stellung, heftiger Kugelregen bestrich die Linien der Preußen. Niedriges Gestrüpp, Baumwurzeln und Steingeröll hinderten ihren Vormarsch. Wohl hatte der rechte Flügel im Vordringen einen Vorsprung, der ihn bereits bis in die Nähe der Steinhäuser der Riffbewohner führte, aber der linke Flügel blieb auf seinem schwierigen Wege weit zurück, so daß sich die Schützenlinie der Angreifer an den Bergabhängen schräg emporzog. Dadurch wurde die Kraft der kleinen Schar erheblich geschwächt, während die Zahl der Feinde stetig zunahm. „Vorwärts! Vorwärts!“ hieß die Parole; der Prinzadmiral ließ sich beim Angriff nicht aufhalten; an der Spitze der Seinigen stürmte er voran. Sein Adjutant, Leutnant Niesemann, erhielt einen tödlichen Schuß in die Brust, aber unaufhaltsam drangen die Angreifer vor. Die Ruhe und Besonnenheit der Matrosen und Seesoldaten brachten auch den Riffpiraten große Verluste. Jedoch die Gefahr wuchs. Von drei Seiten erhielt die kleine Landungsabteilung Feuer. Den linken Flügel überraschten die Kabylen mit einem Steinhagel. Immer ernster gestaltete sich die Lage, auch im Rücken der Preußen zeigten sich Feinde, die Miene machten, die Landungsboote fortzunehmen, um so eine Rückkehr der Preußen nach dem Schiff zu vereiteln. Trotz aller Tapferkeit der Seeleute mußte der Rückzug angetreten werden. Über fünfhundert Feinde umringten die todesmutigen Streiter, in deren Reihen der Tod beim Rückzugsgefechte sich reiche Beute holte. Der Prinz erhielt einen Schuß durchs Bein. Zwölf Mann wurden schwer und sechs Mann leicht verwundet, sechs Matrosen von der Besatzung der ‚Danzig‘ fanden den Heldentod. Trotz der Ermüdung und der Erschöpfung durch die brennende Hitze gelang es, die Verwundeten und drei Tote wieder mit an Bord zu nehmen. Über vier Stunden dauerte das Gefecht. Die ‚Danzig‘ fuhr nach Gibraltar zurück; dort gab man die Verwundeten am Land in Pflege und bestattete die Toten. —
Die Anerkennung der Heldentat blieb nicht aus. Ein französischer Admiral, der den Gefechtsort besichtigte, soll erklärt haben: „Ich würde dort eine Landung für unmöglich gehalten haben, wenn ich nicht bestimmt wüßte, daß die Preußen dort gelandet sind!“ Das Selbstbewußtsein der jungen preußischen Marine wuchs nach jener Tat, und mit einer gewissen Verlegenheit betrachteten die Diplomaten der alten Seemächte diesen Vorgang. Im In- und Auslande versagte man der Tapferkeit der kleinen Schar und der Kaltblütigkeit und der Umsicht des wackeren Führers die Anerkennung nicht. Prinz Friedrich Karl schrieb damals dem Prinzen Adalbert: „Der Schmerz der leichten Wunde vergeht bald, die Ehre derselben und der Ruhm der kühnen Tat bleiben ewig!“