Die bedeutendsten Ereignisse zur See im Kriege 1864.
1. Das Seegefecht bei Jasmund.
Der Krieg mit Dänemark tobte; als die preußischen und österreichischen Truppen vorrückten und die Preußen schon vor den Düppeler Schanzen standen, wurden die Dänen besorgt um ihre Rückzugslinie, die sie durch die preußischen Kanonenboote bedroht sahen. Um sicher zu gehen, schickte Dänemark eine Gruppe seiner Flotte aus, die preußischen Schiffe, die in Swinemünde lagen, zu blockieren, denn daß es Preußens kleine Seemacht wagen würde, die dänische Flotte zur See anzugreifen, glaubte in Dänemark niemand. Jedoch konnten die Dänen es bald merken, daß die kleine preußische Flotte auf dem Posten war; wo sich ihr Gelegenheit bot, erprobte sie ihre Kräfte. Man schrieb den 17. März 1864. Im Hafen von Swinemünde hielten sich zwei Kriegsschiffe, die ‚Arkona‘ und die ‚Nymphe‘, auf, die ausgerüstet und zur Abfahrt bereit waren. Die letzte rastlose Tätigkeit vor der Abfahrt machte sich bemerkbar, die Ankertaue wurden eingeholt, aus den Schornsteinen wirbelte der Rauch auf. Unter den Mannschaften der beiden preußischen Schiffe herrschte Siegeszuversicht; sie wollten hinaus, um den dänischen Gegner zu suchen und anzugreifen, um auch in einer Seeschlacht Lorbeeren zu holen.
Kapitän Jachmann, der Führer des kleinen preußischen Geschwaders, hatte den Feind festgestellt und wollte ihm einen Besuch abstatten; es sollte ein Ehrentag der preußischen Marine werden. Selbstverständlich blieben die notwendigen Vorbereitungen den Einwohnern des Städtchens nicht unbekannt, und gar bald sammelten sich zahlreiche Leute, die dem Beginnen auf den Schiffen zusahen. Die schwatzende Menge erörterte das waghalsige Unternehmen, den seetüchtigen Gegner anzugreifen, und manche ängstlichen Stimmen wurden über das Vorgehen laut.
Schon aber flog auf der ‘Arkona‘ das Signal zur Abfahrt in die Höhe, die blaue Antwortflagge stieg auf der ‘Nymphe‘ empor, die letzten Haltetaue wurden eingeholt, die Schiffsmaschinen setzten sich in Tätigkeit, die Schiffsschrauben wirbelten das Wasser auf, und von den guten Wünschen der zurückbleibenden Zuschauer begleitet fuhr die kleine Flotte unter der preußischen Kriegsflagge stolz in die offene See hinaus. Es war ein schöner, klarer Märzmorgen, keine Wolke stand am Himmel. Das Ziel der kleinen Flotte bildete die Höhe von Jasmund. Kapitän Kuhn hatte die Dänenflotte bereits durch eine Beobachtungsfahrt mit der ‘Loreley‘ festgestellt. Sechs dänische Schiffe, darunter fünf größere Fahrzeuge, lagen vor Jasmund vereinigt vor Anker.
Das Seegefecht bei Jasmund.
Von Professor Hans Petersen.
„Meteor“ und „Bouvet“ vor der Reede von Havanna.
Von Professor Hans Petersen.
Trotz der großen Übermacht gedachte Kapitän Jachmann seine drei Schiffe, ‚Arkona‘, ‚Nymphe‘ und ‚Loreley‘, an den Feind zu bringen. Mit der ‚Loreley‘, die mit zwei Geschützen besetzt war, zählte die kleine Flotte insgesamt nur zweiundvierzig Kanonen. Zwischen Thiessow und der Küste von Jasmund nahmen die kleinen Kanonenboote Aufstellung. Ihre Aufgabe sollte sein, dem Feinde Verderben zu bringen, wenn er in die Nähe des Landes kam. Gerade auf die Mitwirkung der Kanonenboote gründete Jachmann seinen Angriffsplan; denn mußten die größeren Schiffe die Rückfahrt antreten, verfolgt vom Feinde, so konnten die Kanonenboote mit ihren guten gezogenen Geschützen erfolgreich eingreifen. Das Mittagsmahl ging rasch vorüber, alle standen zu sehr unter dem Ernst des Augenblicks. Nach der Mittagspause wurde unter Volldampf die offene See erreicht, aber soviel die Matrosen auch spähten und die Fernrohre den Horizont absuchten, vom Feinde war nichts zu entdecken. Endlich, gegen 1½ Uhr, kam die Dänenflotte in Sicht; sie hielt sich zwei Meilen vom Lande unweit von Stubbenkammer. Eilig kletterten die preußischen Matrosen an den Strickleitern empor, um den Feind zu erspähen, der mit einer stattlichen Zahl von sechs Schiffen fast unbeweglich am Platze blieb. Sie hielten das Erscheinen der Preußen für eine Erkundigungsfahrt; erst als sie einsahen, daß die preußischen Schiffe einen Angriff planten, bildeten die Dänen mit ihren Schiffen eine doppelte Kiellinie. Vom Führerschiff kam der Befehl, den Feind in offener Ordnung anzugreifen. ‚Arkona‚ fuhr auf dem rechten Flügel, ‚Nymphe‚ auf dem linken und die ‚Loreley‚ in der Mitte. Näher und näher kamen die schweren Schiffsrümpfe des Gegners, der sich in seiner Ruhe nicht stören ließ. Als der Generalmarsch auf den preußischen Schiffen ertönte, eilte jeder, so schnell er konnte, an seinen Posten; die Geschütze wurden ordnungsmäßig besetzt, dazu die Reihen zur Beförderung der Geschosse gebildet. Auf den Verdecken wurde in reichlicher Menge Sand gestreut, auch die Spritzen und Pumpen mußten für den Notfall klar sein, und bald wich das Durcheinander einer zielbewußten Ordnung. Ein jeder stand an seinem Platze und erwartete den Beginn des Kampfes. Jetzt bemerkten auch die Dänen, daß es Ernst wurde, und trafen ihre Vorkehrungen. Als das kleine preußische Geschwader auf etwa fünftausend Schritt an den Feind heran war, sandte ihm die ‚Arkona‘ den ersten Gruß aus dem Buggeschütz, doch die zu große Entfernung ließ das Geschoß das Ziel nicht erreichen; einige Male berührte es den Wasserspiegel und versank dann in die Tiefe. Die Entfernung verringerte sich. Als der Pulverdampf sich verzogen hatte, blitzte es von neuem auf der ‚Arkona‘ auf. Diesmal tat die Kugel ihre Arbeit. Ein mächtiges Loch im Rumpf des dänischen Schiffes ‚Själland‘ zeigte die Wirkung der Dreißigpfündergranate und belebte die Siegeszuversicht der preußischen Schiffe. Jetzt kam aber auch Leben in den Feind. Die mächtigen Breitseiten der dänischen Führerschiffe ‚Själland‘ und ‚Skjold‘ überschütteten namentlich das preußische Flaggschiff ‚Arkona‘ unter ohrenbetäubendem Lärm mit ihrem Geschoßhagel.
Das Seegefecht bei Jasmund. Angriff.
S. M. S. ‚Nymphe‘.
Kapitän Jachmann hatte rechtzeitig durch eine geschickte Wendung die Breitseite der ‚Arkona‘ den Dänen zugewandt und brachte damit seine Breitseitgeschütze zur Wirkung. Der erste Geschoßhagel der Dänen richtete nur geringen Schaden an. Außer einzelnen Löchern im Bug wurden nur Taue in der Takelage zerschossen. Inzwischen kamen ‚Nymphe‘ und ‚Loreley‘ näher an die Dänen heran und unterstützten die ‚Arkona‘ nach besten Kräften. Aber im Getriebe des Kampfes näherten sich die Schiffe, namentlich die ‚Nymphe‘, bedenklich dem Feinde, der sich jedoch vorwiegend mit der ‚Arkona‘ befaßte. Das Glück war ihm nicht hold. Wohl sauste Geschoßhagel auf Geschoßhagel über die ‚Arkona‘ dahin, die meisten Geschosse blieben aber wirkungslos, weil sie zu hoch flogen und jenseits des Schiffes ins Wasser fielen.
Das Seegefecht bei Jasmund. Rückzug.
Auf den preußischen Schiffen herrschte trotz des starken Kampfgetöses keine Überstürzung. Mit Ruhe beobachtete man die Wirkung der eigenen Geschosse. Bald aber sollte es anders kommen. Eine dänische Granate fuhr krachend durch ein Beiboot der ‚Arkona‘, platzte über der Kommandobrücke und verbreitete um sich Tod und Verderben. Tödlich traf sie den Steuermann, der verwundete erste Offizier fiel von der Kommandobrücke, einzelne Granatsplitter schlugen dann durchs Deck, töteten in der Batterie einen Matrosen und verwundeten zwei andere sehr schwer. Es war der erste blutige Gruß, der dem Arzte im Schiffslazarett Arbeit brachte. Die Fröhlichkeit und der Humor verschwanden im Angesichte des Todes, aber ruhig und sicher blieb jeder auf seinem Posten. Der dänische Führer erkannte, daß er so nicht zum Ziel kam; noch feuerten alle Geschütze der ‚Arkona‘ unentwegt weiter, dazu erwiesen sich ‚Nymphe‘ und ‚Loreley‘ als nicht zu verachtende Gegner. Plötzlich wandte sich der Feind gegen die ‚Nymphe‘. Als die erste Breitseite des dänischen Schiffes gegen die ‚Nymphe‘ herandonnerte, glaubte die Besatzung, ihr letztes Stündlein sei gekommen, denn die meisten Geschosse erreichten ihr Ziel. Entweder trafen sie den Rumpf, oder durchlöcherten den Schornstein, oder zerschlugen die Takelage. Fünf Mann erhielten leichte Verletzungen. Der größte Schaden aber war die Zerfetzung des Schornsteins; die Feuerung fing an zu versagen, der Dampfdruck ließ nach, und damit büßte das Schiff in seiner Geschwindigkeit und seiner Lenkfähigkeit ein. Den Dänen entging der errungene Vorteil nicht. Die Salven krachten von neuem. Auf der ‚Nymphe‘ ward das Boot am Hinterdeck zertrümmert, in der Takelage zerplatzten die Geschosse und setzten Segel in Brand, dreimal trafen die feindlichen Kugeln die Kommandobrücke, die Verwirrung wurde ständig größer. Der Führer des mutigen Schiffes, Kapitänleutnant Werner, wußte sich zu helfen. In aller Eile dichteten die Matrosen durch Kupferplatten die Löcher am Schornstein, die durch Teer und Pech zu größerer Glut angefachten Kesselfeuer erhöhten die Dampfkraft, und damit wuchs die Möglichkeit, das verwundete Schiff aus dem Bereiche der feindlichen Schiffsgeschütze zu bringen. Endlich konnte die Besatzung aufatmen. ‚Arkona‘ und ‚Loreley‘ fügten während dieser aufregenden Kampfesszene dem Dänenschiffe beträchtlichen Schaden zu, und die ‚Nymphe‘, nachdem sie leidlich wieder im Stand war, fuhr von neuem in die Kampfeslinie hinein, und durch gutgezielte Schüsse aus dem Buggeschütz brachte sie dem ‚Själland‘ schwere Beschädigungen bei. Eine Granate durchschlug den ganzen Rumpf; nur noch eine letzte Salve aus der Breitseite des Schiffes, dann schwiegen die Geschütze der Dänen. Auf Seite der Dänen übernahm ‚Skjold‘ die Führung. Langsam vergrößerte sich die Entfernung, und das Gefecht zog sich mehr und mehr in die Nähe des Landes. Ein Eingreifen der preußischen Kanonenboote erfolgte nicht, da die Dänen sich in zu großer Entfernung hielten.
In der späten Nachmittagsstunde fiel der letzte Schuß im nahezu dreistündigen Kampf. Es war ein Ehrentag für die junge preußische Flotte, die das erste Blatt ihrer Geschichte beschrieb. Brausender Jubel umfing die heimkehrenden Schiffe, denn das eine war erreicht: die feindliche Flotte hielt sich von nun ab in respektvoller Entfernung. Am 20. März fand das Begräbnis der fünf Gefallenen unter allgemeiner Teilnahme statt. Ein Denkmal erhebt sich über den Gebeinen der Tapferen, die in dem ersten Seekampf für die Ehre der preußischen Flagge fielen.
2. Das Seegefecht bei Helgoland.
Mit dem Beginn des Dänischen Krieges im Jahre 1864 fuhren einige Schiffe der preußischen Flotte im Mittelmeer. Sobald sie die Nachricht des Ausbruches der Feindseligkeiten ereilte, segelten sie auftragsgemäß nach den heimischen Häfen zurück, um an den Seekämpfen mitzuwirken. In die Ostsee kamen sie nicht mehr hinein, da der Sund durch die Dänen gesperrt war. Das österreichische Geschwader unter dem Oberbefehl Wilhelm von Tegetthoffs bestand aus den Schiffen ‚Schwarzenberg‘ und ‚Radetzky‘; es sollte mit den sich anschließenden preußischen Schiffen Aviso ‚Adler‘ und den Kanonenbooten ‚Basilisk‘ und ‚Blitz‘ das dänische Geschwader von der Elbmündung vertreiben. Am 1. Mai kam die Kunde, daß die Dänen bei Helgoland seien, um die Elbmündung zu blockieren; sofort nach Einlauf der Nachricht eilte das Geschwader den Dänen entgegen. In der Mittagsstunde des 9. Mai trafen sich die feindlichen Flotten etwa zehn Meilen von Helgoland. Die dänische Flottenabteilung setzte sich zusammen aus drei Fregatten: ‚Niels-Juel‘, ‚Jylland‘ und ‚Heimdal‘, mit zusammen hundertvier Geschützen; die vereinigte preußische und österreichische Schiffsgruppe führte sechsundneunzig Kanonen an Bord; die Kampfverhältnisse lagen also ziemlich gleich.
Vizeadmiral W. von Tegetthoff.
In der Frühnachmittagsstunde des herrlichen Maitages begannen die Kanonen zu sprechen. Wie verlief nun das Seetreffen? Es war gegen ein Uhr, als das preußisch-österreichische Geschwader das letzte Feuerschiff auf der Elbmündung passierte; sobald sie die dänischen Schiffe, die unter Helgoland lagen, zu Gesicht bekam, fuhr die Flotte der Verbündeten in Schlachtordnung auf. Voran fuhren die österreichischen Schiffe ‚Schwarzenberg‘ und ‚Radetzky‘, alsdann kamen die drei Preußen, und in langer Reihe steuerten den Verbündeten die Dänen entgegen. Sowie die beiden Schlachtlinien sich begegneten, donnerte der erste Schuß vom ‚Schwarzenberg‘ den Dänen die Begrüßung. Diese erwiderten sofort das Feuer, und der sich jetzt lebhaft entspinnende Geschützkampf erfüllte die Luft mit einem starken Pulverqualm, der eine ganze Zeit den freien Ausblick hinderte. Nur das Platzen der Granaten erhellte von Zeit zu Zeit das Dunkel. In dem eine Stunde dauernden Kampf schlugen die heransausenden Granaten ihre Eisensplitter in das Holzwerk oder fielen ins Wasser, so daß es hoch aufspritzte, dann schwenkten die Dänen erst westlich, dann nördlich ab, während die verbündeten Österreicher und Preußen in südlicher Richtung fortdampften. Jetzt lagen sich die feindlichen Linien in umgekehrter Ordnung gegenüber. Von neuem begann der Kampf. Die beiden österreichischen Schiffe fuhren dichter an den Feind heran, um im Nahkampf ihm größeren Schaden zuzufügen, als plötzlich der Fockmast des ‚Schwarzenberg‘ in Flammen aufloderte, die gierig um sich fraßen. Es dauerte nicht allzulange, da brannte die gesamte Takelung des Schiffes, denn das geteerte Tauwerk gab leichte Nahrung. Beißender Rauch lagerte sich über das Schiff, und eine sengende Glut umgab die Schiffsmannschaft. Wenngleich der Kommandant das Schiff so steuern ließ, daß der Rauch nach vorn getrieben wurde, befand sich das Schiff doch in einer schlimmen Lage. Das ganze Takelwerk erfüllte ein riesiges Feuermeer, und durch den dunklen Qualm konnte die Sonne nur mit Mühe einige Lichtstrahlen hindurchsenden. Unentwegt tobte das Geschützfeuer, ja, es wurde noch stärker, denn die Dänen nutzten den sich ihnen bietenden Vorteil tatkräftig aus, hingegen lähmte das schreckliche Schauspiel die Stoßkraft der Österreicher. Gegen vier Uhr, nach zweistündigem Gefechte, fiel der letzte Schuß. Tegetthoff gab den Befehl zur Rückfahrt. Rundumher herrschte Totenstille. Nur das Knistern auf dem ‚Schwarzenberg‘ wollte nicht aufhören und die heimlich lodernde Glut nicht erlöschen. Plötzlich stürzte der ganze Vortopp zusammen und richtete unter der emsig arbeitenden Schiffsmannschaft ein großes Unglück an. Der Höhepunkt der Gefahr war damit überwunden; sowie die Flotte unter Helgoland vor Anker ging, kamen von allen Schiffen Boote herbei, um Ärzte und Hilfe nach dem ‚Schwarzenberg‘ hinüberzubringen. Ein Offizier und dreißig Mann fielen auf dem Unglücksschiffe dem Feuer zum Opfer, und dreiundsiebzig Seeleute wurden verwundet. Bis zum späten Abend mußte der ‚Schwarzenberg‘ mit seinem brennenden Maststumpf umherfahren, da das züngelnde Feuer in der Höhe nicht zu löschen war, dann endlich konnte der Mast gekappt werden.
Das Seegefecht bei Helgoland.
Von Professor Hans Petersen.
Am nächsten Morgen fuhr die Flotte wieder der Elbe zu. Das österreichische Schiff sah sehr schlimm aus, denn der Rumpf zählte nicht weniger als hundertneunzig Kugellöcher, und in seinem Äußern glich das stattliche Fahrzeug einer Ruine. Die preußischen Kanonenboote befanden sich in gutem Zustande, hatten über keinen Verlust zu klagen, und auch die preußischen gezogenen Geschütze hatten sich bewährt und den Dänen manchen Schaden zugefügt. Von den preußischen Kriegsbooten litt das Kanonenboot ‚Basilisk‘ besonders unter dem Feuer der Dänen, da die vordringenden dänischen Schiffe bei der Rückkehr des ‚Schwarzenberg‘ aus der Feuerlinie das Kanonenboot abschneiden wollten. Beim Rückzugsgefecht kam die führende dänische Fregatte ‚Niels Juel‘ dem kleinen preußischen Schiff auf etwa tausend Schritt nahe. Schon glaubten die Matrosen, daß das Kanonenboot verloren sei, jedoch unentwegt und sicher feuerten die Vierundzwanzigpfündergeschütze mit so vortrefflicher Wirksamkeit auf den Dänen ein, daß die feindliche Fregatte im Schlepptau eines anderen Schiffes entfloh: die preußischen Eisenpillen hatten das Ruder des ‚Niels Juel‘ zerschlagen.
Wenn auch England das Gefecht bei Helgoland als einen Sieg der Dänen feierte, gehört dennoch den Verbündeten der Ruhm des Erfolges. Augenzeugen berichteten, daß der ‚Niels Juel‘ bei seiner Ankunft in Kopenhagen einem Wrack geglichen hätte, so furchtbar zerschossen waren sein Rumpf und seine Takelage. Im Schiffsbug befand sich ein mannhohes Loch, zahlreiche Tote brachte man an Land, und von der Schiffsbesatzung blieben nicht zehn unverwundet. Eine Flaschenpost, die ein holsteinischer Matrose, der auf der Fregatte sich befand, dem Meere übergab und die in Cuxhaven an die Küste trieb, meldete: „Wir haben englische Matrosen an Bord, achtzig Tote, hundert Verwundete und Schaden an der Maschine.“
3. Die Gefangennahme einer kleinen Dänenflotte im Wattenmeer.
An der Westseite Schleswig-Holsteins machte im Dänischen Kriege eine kleine Küstenflotte unter dem Kapitänleutnant Hammer viel von sich reden, weil sie die Herrschaft der Dänen auf den Inseln immer noch aufrechterhielt, obgleich das Festland von den Truppen der Verbündeten besetzt war.
Sylt, Föhr und Amrum hielten die dänischen Truppen besetzt, auch wurden die Inseln nach der Seeseite geschützt durch eine Flotte; die aus sechs Ruderkanonenbooten, zwei kleineren Dampfern und mehreren Zollkuttern bestand. Durch mancherlei Brandschatzungen und allerlei Gewalttaten erwarb Hammer sich einen zweifelhaften Ruhm. Kurz vor dem Waffenstillstande, der den Feindseligkeiten ein vorläufiges Ende bereiten sollte, erstrebten die Verbündeten die Besitzergreifung auch dieser Inseln. Die Vertreibung der Dänen konnten nur Schiffe mit geringem Tiefgange unter Unterstützung von Landtruppen bewerkstelligen. Um das Entweichen der Dänen zu verhindern, schlossen die österreichischen Kanonenboote ‚Wall‘ und ‚Seehund‘, sowie die preußischen Boote ‚Basilisk‘ und ‚Blitz‘ an der Nordspitze der Insel Sylt das Fahrwasser bis zur Reede von List ab. Unter großen Schwierigkeiten erreichten zwei Kompagnien Österreicher in kleinen Booten Sylt, das von den Dänen verlassen war. Hammer hatte seine kleine Kriegsflotte zwischen der Insel Föhr und dem Festlande zusammengezogen, weil das flache Wasser nördlich von Wyk auf Föhr dies Beginnen erlaubte und die tiefergehenden Schiffe der Verbündeten an jener Stelle keinen Angriff wagen konnten. Schon glaubte Hammer sich seines Erfolges sicher, denn sein Bestreben ging dahin, sich bis zum Beginn des Waffenstillstandes zu halten. Darum lehnte er auch die ersten Aufforderungen zur Übergabe kurzweg ab; den späteren Aufforderungen wollte er nachkommen, wenn ihm die Erlaubnis würde, seine Kanonenboote in die Luft zu sprengen; im übrigen forderte er für seine Besatzung freien Abzug auf zwei erbeuteten Dampfern. Die Verbündeten lehnten diese Forderungen ab und versuchten nun an die dänischen Fahrzeuge näher heranzukommen. ‚Basilisk‘ verlegte nach wie vor im Lister Tief den Dänen den Weg. Die drei übrigen Kanonenboote gingen an der Küste von Sylt entlang, um zwischen Amrum und Sylt das Fahrwasser aufzusuchen, durch das sie nach Wyk auf Föhr den Weg fanden. Ihre Bemühungen wurden von Erfolg gekrönt, bis auf eine Meile kamen sie an Wyk heran.
Von dänischer Seite überbrachte einer der kleinen Dampfer die Nachricht, daß der dänische Schiffsführer um Einstellung der Feindseligkeiten bäte, da die Nachricht von dem Waffenstillstande bei ihm schon eingelaufen sei. Den Verbündeten war von dem Abschlusse des Waffenstillstandes noch nichts bekannt, daher erhielt das preußische Kanonenboot ‚Blitz‘, das den geringsten Tiefgang besaß, mit Jägertruppen und Marinesoldaten besetzt, den Auftrag, sich während der Nachtzeit der Küste soweit zu nähern, daß den Truppen eine glückliche Landung möglich sei. Dies geschah. In der frühen Morgenstunde marschierte das Landungskorps in Wyk ein. Kapitänleutnant Hammer erhielt die Nachricht, daß die Feindseligkeiten am 18. Juli morgens um sechs Uhr eröffnet würden, wenn bis dahin eine Bestätigung des Waffenstillstandes nicht vorläge. Ein glücklicher Umstand brachte es mit sich, daß ein wegkundiger Lotse das Kanonenboot ‚Blitz‘ noch näher an den Feind heranbrachte. Von den Verbündeten wurden im Laufe des Tages einige Zollkutter, eine Brigg und ein Schoner genommen, die übrigen Schiffe des dänischen Führers zogen sich in nördlicher Richtung zurück. Am 19. erhielt Hammer eine erneute Aufforderung zur Übergabe. Auch diesmal lehnte er ab mit der Begründung, sich so lange zu halten, als es ihm die Vorräte an Lebensmitteln gestatteten. Die Verbündeten beschlossen nun, auf kleineren Schiffen, die mit Landungsgeschützen ausgerüstet wurden, einen direkten Angriff zu wagen; zur Ausführung kam der Plan nicht, da sich der Dänenführer dem preußischen Kanonenboot ‚Blitz‘ ergab. Das preußische Schiff hatte sich in der Nacht noch dichter an den Feind herangearbeitet und eine günstige Stelle inne, die es ihm ermöglichte, die leichten Schiffe der Dänen mit seinen gezogenen Geschützen in Grund zu schießen; dem beugte Hammer vor und ergab sich. Hundertfünfundachtzig Mann fielen in die Gefangenschaft der Sieger. Mit ihnen auch die Inseln; die letzten Teile Schleswig-Holsteins waren damit den Dänen durch diese letzte Waffentat der Verbündeten entrissen. Am 20. Juli trat der ersehnte Waffenstillstand in Kraft.