Fünfter Auftritt.
Eskimosa. Balboa. Jeronimo.
Eskimosa.
Wenn ich im höheren Gespräch euch nun
Und diesen Edlen störe, so vergebt.
Balboa.
Ihr seyd willkommen, ihm und mir, mein Freund!
Eskimosa.
Nicht unbescheiden heftiges Verlangen,
Euch noch zu seh’n — das wüßt’ ich zu bezähmen —
Mich führet meine Pflicht hierher.
Balboa.
So sprecht.
Eskimosa.
»Er will den Tod,« so hab’ ich kurz und treu
Dem Pedrarias euern Schluß gemeldet. —
Nun droht ein neuer Sturm euch zu erschüttern.
Balboa.
Mag es doch stürmen! Hier, mein Freund, ist’s ruhig.
Eskimosa.
Ich weiß, die Ruhe lebt in euerm Busen. — —
O theilet sie der Gattinn liebend mit!
Ihr seyd getröstet. — Sie bedarf des Trostes!
Balboa.
Maria! —
Eskimosa.
Fühlet ihr euch stark genug,
Die Leidende zu sehen?
Balboa.
Eskimosa!
Eskimosa.
Nicht bloß zu seh’n, sie sanft emporzuheben!
Balboa.
Ich bin ein Mensch —
Eskimosa.
Ein Held, mein Balboa!
Ermannet euch! — Sie harret euer schon.
Balboa.
Was habet ihr gethan?
Eskimosa.
Nicht ich, bei Gott! —
Ihr Vater sendet sie.
Balboa.
Zu mir? — Unmöglich!
Eskimosa.
Viel wälzet er in seinem schwarzen Busen,
Was nicht so leicht ein Menschenaug’ ergründet;
Allein, hier hab’ ich ihn erkannt: er wünscht,
Er hofft, ihr Jammeranblick soll euch beugen.
Balboa (entrüstet).
Ha, Pedrarias!
Eskimosa.
Hütet euch, mein Freund,
Vor ihr des Vaters zürnend zu erwähnen!
Wie würdet ihr die Engelsseele kränken!
Ein Schauder zucket schneidend durch ihr Herz,
Wenn nur sein Namensschall ihr Ohr berührt.
Die gute Tochter! Fürchten muß sie ihn;
Doch diese Furcht erfüllet sie mit Schrecken.
Sie schilt sich selbst, undankbar, unnatürlich!
Verbannt in dieser Abschiedsstunde
Den Haß, der sie empören würde. Laßt
Sie ungestört und vorwurfsfrei euch lieben!
Balboa.
(unmuthig und heftig.)
Und kann ich das? Und wie? Und wer gebietet,
Zu nah’n der Liebe, zu entflieh’n dem Hasse?
Jeronimo.
Der scharfe Blick auf ihren Gegenstand! —
O Balboa! — Mit Schlangenbissen nagt
Den Pedrarias heimlich schon die Reue.
Und wenn ihr bald in ew’ger Ruhe blüht,
Wie wird euch rufen sein Verzweiflungsruf!
Denn übertäubt ist sein Gewissen nur.
Er weihet sich dem jammervollsten Elend!
Denkt seinen Zustand! Lebhaft führet ihn
Euch vor Gemüth! — Ist’s nicht ein Mensch, wie ihr,
Der in dem Abgrund liegt? Die Leidenschaft,
Die ihn gestürzt, hat sie euch nicht erschüttert? —
O fühlet Mitleid! Laßt den finstern Haß
In euerm Busen schweigen! — Feinde lieben,
Es ist das Göttlichste! — Schwingt euch empor!
Balboa.
(nach einer Pause, schnell.)
Gott sieht mein Herz! Ich hab’ ihm ganz vergeben.
Jeronimo.
So darf, so soll euch noch Maria lieben?
Eskimosa.
Die arme Dulderinn! Erschreckt nur nicht.
Zu fein besaitet ist ihr zartes Herz,
Es klinget jedem Hauche. Wilder Sturm
Ras’t nun darin, und droht es zu zerrütten.
Darauf seyd wohl gefaßt, und schonet sie. —
Wir gehen sie zu holen. — Heftigkeit
Vermeidet! Sanft und leise sprecht sie an,
Und lockt ihr Herz zu den gewohnten Tönen. —
— Nicht folget uns! — Bis sie herabkommt, weilet! —
(Jeronimo und Eskimosa steigen hinauf. Oben übergiebt Eskimosa Maria dem Jeronimo.)
Balboa.
Was sag’ ich ihr? und wie beginn’ ich? — Gott!
Dort wankt sie schon. — So bleich! — Mein Herz zerreißt!
(stellt sich, daß er von Marien nicht gesehen werden kann.)