Zweiter Auftritt.
Maria. Jeronimo. Balboa.
Maria (leise).
Jeronimo!
Jeronimo.
Gott! Donna! Ihr? — und jetzt!
Gott sey euch gnädig! Sagt, was suchet ihr?
Wer ließ euch ein?
Maria (lächelnd).
Es giebt noch gute Menschen!
Jeronimo.
Er schläft!
Maria.
Unmöglich!
Jeronimo.
Seht!
Maria.
Er konnte schlafen.
Jeronimo.
Verbittert ihm die letzte Stunde nicht.
Ach, eilet fort!
Maria.
Das kann ich nicht. Es riß
Mein böser Geist mit Ungestüm mich her.
Ihm ward Gewalt gegeben über mich!
Jeronimo.
Verscheucht die Phantasie!
Maria.
(verwirrt, nachsinnend.)
»Daß du lang lebst,
Und es dir wohlergehe hier auf Erden; —
Den Vater ehre!« — — — Gerne wollt’ ich’s — Gott!
Es ist entsetzlich!!
Jeronimo.
Leiser sprecht, Maria!
Maria (schneidend).
Wie kann er schlafen!
Jeronimo.
Gönnt ihm doch die Ruhe!
Maria.
Ach, habt ihr diese Nacht den Sturm gehört?
Jeronimo.
Nein, Liebe!
Maria.
Schwarz und finster war die Nacht.
Die Winde heulten. Aus dem Walde hört’
Ich wild die Tyger brüllen. War’s aus Freude? —
Die Hölle feiert heut’ ihr Jubelfest.
Jeronimo.
Ach, armes Kind!
Maria.
Ich war bei meinem Vater!
Jeronimo.
Wie! diese Nacht?
Maria.
In dieser Schreckensnacht.
Zu seinem Vaterherzen wollt’ ich fleh’n.
Ich fand ihn wachend, seine Augen brannten,
Und auf dem Lager stemmt’ er stöhnend sich. —
Die Sprache stockte mir bei diesem Anblick.
Ich blieb nun starr und lautlos vor ihm stehen.
Jeronimo.
Und er?
Maria.
Fuhr gräßlich zuckend auf, und schrie,
Und kreuzte sich. Was er zu mir gesprochen,
Das fragt mich nicht. — Ihr könntet, Guter, wohl
Darüber den Verstand verlieren. — Ach!
Er hielt mich für der Mutter sel’gen Geist,
Verbarg sich zitternd in des Lagers Decken,
Und betete. — Da eilt’ ich leis hinweg,
Und hatte nicht den Muth, ihn zu erwecken;
Bald wär’ ich hingesunken.
Jeronimo.
Betet, Kind!
Maria.
Die Angst versperrt den Worten ihren Weg.
Jeronimo.
Des Herzens heißer Wunsch ist euch Gebot.
Maria.
(laut.)
So schenkt der Himmel gnädig mir den Tod!
Balboa (schlafend).
Maria!
Jeronimo.
Stille!
Maria.
Ah — ist er nun wach?
Jeronimo.
Noch nicht. Er träumt.
Maria.
Von mir?
Jeronimo.
Von euch und sanft.
Maria.
Und sanft!
Jeronimo.
Bald sieht er euch entstellt, verstört;
Dahin ist seine Ruhe. — Soll der Arme
Den Leidenskelch bis auf die Hefen leeren?
Ach, eilet schleunig fort, wenn ihr ihn liebt.
Jetzt, da er schläft.
Maria.
Wie hart! wie ungerecht!
Wer reißt die Gattinn von dem Sterbebette,
Auf dem ihr Gatte nach dem Tode ringt? —
Wie kann die Liebe diesen Vorwurf tragen,
Daß den Geliebten sie im Tod verließ?
— Und er verlangt nach mir! O seht nur hin.
Jeronimo.
So wollt ihr ihm den letzten Kampf erleichtern.
Maria.
Dazu verzehrt sich meine letzte Kraft.
Jeronimo.
Ihr waget viel, und denkt ihr’s zu bestehen?
Maria.
Auch gestern wagt’ ich’s, und ich überwand.
Jeronimo.
Es wird der Schmerz euch grimmig überfallen.
Maria.
Er wüthe! — Doch in diesem Herzen nur.
Jeronimo.
Das Schrecklichste wollt ihr im Stillen dulden?
Maria.
Wie unter’m Messer das geduld’ge Lamm.
Jeronimo.
Versprecht es mir bei eurer heil’gen Liebe!
Maria.
Hier meine Hand! Ich fühle Himmelskraft!
Jeronimo.
Setzt euch zurück. — Es dränget nah’ heran!
Habt ihr den Trauermarsch gehört?
Maria.
Er rief
Mich her und ihn zum Tode!
Jeronimo.
Bald erscheint
Der Richter, ihn zu holen. Nochmals, Kind,
Erspart euch diesen Anblick.
Maria.
(unwillig und fest.)
Nein, ich bleibe!
Jeronimo.
So muß ich ihn erwecken.
(führt sie in den Hintergrund.)
Weilet hier!
Und schweiget bis ich rufe.
Maria.
Eilet! Eilet!