Dreizehntes Kapitel.

Steffen fühlte nach der Rückkehr eine wühlende Last auf seiner Seele und verrichtete sein Tagewerk mit schwerem, schleppendem Gange. Er ahnte mehr, als er begriff. Vergeblich suchte er sich zu ermannen.

Da ging er in die Stube und langte von der Ecke des Wandbrettes, auf dem die Milchbriwen standen, die Bibel herunter. Es war ein gewohnter Griff, denn er hatte dem Vater an Sonntagen und Winterabenden oft aus der Bibel vorgelesen und für sich auch manche müßige Stunde mit dem Buch der Bücher verbracht, war es doch das einzige Unterhaltungsbuch im Hause und im Dorfe. Jetzt aber hatte er weniger das Bedürfnis nach Unterhaltung, als vielmehr nach Tröstung. Er setzte sich an den Tisch, schlug die Bibel auf und traf im ersten Blick auf die Stelle: „Er heißt wohl Jakob; denn er hat mich nun zweimal untertreten. Meine Erstgeburt hat er dahin, und siehe, nun nimmt er auch meinen Segen.“

Steffen hielt inne und stand auf. Ein jäher Gedanke zündete ihm durchs Hirn.

Wenn Marten ihm das Mädchen abwendig machte! Wenn er es vielleicht schon getan hätte — — —. Eine heiße Angst und Unruhe überfiel ihn, und hoch auf loderte in ihm die Flamme der Eifersucht.

Er lief die Treppe hinab, ohne zu wissen, was er wollte. Wenn das wäre, wenn Marten ihn dem Mädchen zuwider gemacht hätte ... Er biß die Zähne zusammen und ballte die Fäuste, aus seinen Augen sprühte ein zorniger Blick. Er fühlte, er könnte auf einmal ein ganz anderer Mensch werden ...

Plötzlich hüpfte wieder das kleine schwarze Huhn über die Schwelle herein, das schon einmal wie ein Hahn gekräht hatte.

Steffen sah es düster an, stieß mit dem Fuße nach ihm. Da flog es auf den Herd und hob den Hals und machte abermals eine Stimme wie ein Hahn.

„Jetzt mußte dran!“ knirschte Steffen und schlug die Haustür zu, daß es in den Wänden hinauf dröhnte; und griff nach dem Huhne und jagte es so lange, bis es ermattete und in der Ofenecke sich zu verkriechen suchte.

Da packte er es und riß ihm den Kopf ab, daß das warme Blut ihm ins Gesicht spritzte.

Denn also muß man nach uralter Meinung solch einem Teufelshuhne tun, man muß ihm den Kopf vom Rumpfe reißen, um dem Unheile, das es ankündigt, zuvor zu kommen. —

Die ungewöhnliche Tat hatte die Spannung seiner Seele gebrochen und ein neues Gefühl in ihm ausgelöst. Der regungslose Körper mit dem rinnenden Blute brachte ihn in eine eigentümliche Verlegenheit, er wurde klein und weich, versteckte das Huhn, wusch das Blut ab und stieg wieder zur Stube hinauf.

„Wie kann ich nur auf so Arges kommen?“ sagte er vor sich hin; „Marten denkt ja lange nicht mehr an das Mädchen: würde er sonst den sauern Weg zu dem Herrn gemacht, ihm obendrein so bereitwillig das Geld versprochen haben, hätte er seinem Glücke im Ernste zuwider sein wollen?“

Weg mit dem scheußlichen Gedanken! Marten wäre doch sein Bruder, und ein Bruder könne doch am Bruder nicht so handeln, — redete er jetzt gleichsam zu sich selber. Aber — war nicht Jakob auch Esaus Bruder gewesen? Freilich! Allein es waren nicht christliche, und es waren nicht hannoversche Brüder gewesen. Er schlug die Bibel, die noch offen auf dem Tische lag, heftig zu und ging wieder hinaus.

Ein Freudenschein legte sich über sein Gesicht, denn er traf ein holdes Wunder vor seiner Tür. Sophie!

Sie stand auf dem Antrittsteine, zupfte sich das Kopftuch zurecht und kam zögernden Schrittes herein.

„Fieke, das ist gut!“ rief er und konnte sich vor Freude nicht lassen.

Ihr Gesicht war blaß, ihr Blick verlegen. Da sie aber nun rasch auf die Küchendiele ging und die Tür hinter sich zuklappte, konnten sie einander nicht so scharf ins Gesicht sehen, denn das einzige Fenster der Küchendiele war hoch und klein, und seine in Bleirähmchen gefaßten „Ruten“ schillerten gräulich-grün, wo sie nicht ganz verräuchert waren.

Er ging auf sie zu, tastete nach ihrem Arm und griff vorbei, denn sie stand schon am Herde, sah nach den Töpfen und Tellern, ohne jedoch etwas anzurühren und sagte: „Du warst vorhin in unserm Hause, Steffen.“

„Ja, Fieke, und habe dich nicht gesehen,“ antwortete er und legte seine Hände zutraulich auf ihre Arme.

„Hoffentlich hast du dir nichts daraus gemacht,“ sagte sie und bückte sich nach dem Ofenloche, wodurch sie wieder frei wurde.

„Ah, was denkst du auch, Fieke! Geärgert habe ich mich und das nicht wenig,“ erwiderte er eifrig und nahm ein kleines Sprickbund von der Wand, um es vor das Ofenloch zu legen, weil er dachte, daß sie Feuer anmachen wollte.

„Ich habe mich auch geärgert,“ sagte sie und richtete sich wieder auf.

„Über mich, Fieke?“

„Nein, über mich, Steffen. Ich bin dir absichtlich aus ’m Wege gegangen. Aber es war nicht recht von mir, ich hätte gleich deutlich mit dir reden sollen.“ Er machte eine beschwichtigende Geste; doch ehe er antworten konnte, fuhr sie schon fort: „Man muß nicht vor einander weglaufen, das ist was elendes, das kann ich nicht leiden, darum ärgerte ich mich über mich und sagte zu mir selbst: Jetzt gehst du zu ihm, und koste es was es wolle, und sprichst offen mit ihm.“

„Ja, siehst du, Fieke, so muß es wahrhaftig sein. So meine ich’s grade auch. Meine Brust kannst du jeden Tag und jeden Augenblick umkehren, und du sollst alles so finden, wie es nur im Gesichte steht. Denn die Falschheit, das ist das Allerschlechteste und Allerabscheulichste in der Welt.“

Sie atmete schwer, stand mit halb abgewendetem Gesichte da und schwieg, so daß er ungehindert fortfahren konnte: „Na Fieke, ich kann mir ja denken, was dich so geärgert haben muß die letzte Zeit: daß ich schon so lange nicht mehr zu euch ’rüber gekommen bin und überhaupt so wenig nach dir hin gesehen habe.“

Sie machte eine Bewegung, die wie ein Aufzucken war. „Och, Steffen ...“

Aber er ließ sie noch nicht zu Worte kommen.

„Das mußt du mir nicht nachtragen, Fieke. Denn sieh mal, wie habe ich nicht all die Zeit den Kopf so voll gehabt. Wie habe ich nicht immerfort sinnen und denken müssen, um all das Geld, das Meiergeld und den Meierzins zusammen zu bringen. Kurz und klein habe ich mir beinahe ’n Kopf gedacht und darum gar an nichts anderes denken und nach nichts anderem sehen können. Ja, du hast manchmal dagestanden, daß ich dich wohl beinah umgerannt hätte, aber ich dachte immer erst ’ne ganze Weile nachher daran, daß du da gewesen warst. Na, Fieke, so ’n Martenstag ist doch wahrhaftig auch keine Kleinigkeit! Aber nun ist alles überstanden, und ist nur Marten erst zurück, dann sollst du aber mal sehen, Fieke, wie ich um die Eichen ’rum komme. Dann sollste aber mal sehen! Du glaubst ja gar nicht, was ich für ’ne Freude habe, daß du nun bald ganz im Hause sein wirst. Sie könnten kommen und könnten mir ’n ganzes Königreich anbieten und noch ’n ganzen Vollkötnerhof mit anderthalb Spann Pferden — gingest du nicht mit, so sagte ich auch: Macht andre glücklich damit und laßt mir nur meinen wüsten Hof, da will ich schon reich und glücklich genug werden, wenn ich die Fieke erst habe. Siehst du! Also mach’ dir man ja keine Gedanken, Mädchen, daß ich nicht groß auf dich hielte; ich hab’s dir nur nicht so zeigen können. Und darum wollen wir denn auch keinen Tag mehr länger säumen und sobald wie möglich Anstalt zur Hochzeit machen. Nicht, Fieke?’

Er ging wieder auf sie zu, sie wich ihm aufs neue aus, atmete schwer, schüttelte den Kopf, seufzte: „Och, Steffen, du machst es mir schwer.“ ...

„Was denn aber, Fieke?“

Sie kämpfte mit sich. „Och, Steffen.“ ... Sie brachte es nicht heraus. „Nein, ich kann es dir jetzt doch nicht sagen, Steffen!“

„Was denn bloß, Fieke?“

Sie hatte aber schon die Tür aufgerissen und lief nun mehr als sie ging mit gesenktem Kopf vom Hofe hinweg.

Steffen rief ihr nach, verwunderte sich, beunruhigte sich indes nicht, lächelte in seiner Arglosigkeit und stieg auf den Boden, um Häcksel zu schneiden.

Über Mittag legte sich ein heller Sonnenschein auf den wüsten Hof; aber die Hühner blieben ihm fern, und das Eisgespinst, das zwischen den Fußstapfen und Wagenspuren glitzerte, ließ sich trotz seiner Jugend ebensowenig reizen und locken. Es war ein trügerischer Schein, und wo sich dennoch ein feines Eiszäpflein von ihm rühren ließ, da fror es hernach um so fester.

Als die Sonne über die Nachbarsscheune stieg, und dem Hofe nichts als frostigen Schatten hinterließ, kletterte Steffen auf den Hahnenbalken, um von dem Eulenloche über das Dorf hinweg zu sehen.

Da hörte er in der Gegend der Eichen klatschende Peitschenschläge, die in bunter Folge — kurz linksrechts und rechtslinks und dann mit aller Macht groß und stark aus der Rechten — das rasch sich nähernde Wagengerassel begleiteten.

Da brauchte Steffen nicht mehr auszugucken, und es war gut, daß er’s nicht mehr tat. Denn drüben zwischen den Bäumen stand Sophie, und die bunten Schläge galten ihr. —

Steffen ließ sich über das Heu herabrutschen, stob die Leiter und dann die kleine Treppe herab, lief durch die Stube und sah den Wagen über die Despebrücke kommen. Die Säcke hingen leer an der Wagenleiter.

Gott Lob und Dank!

Also hatte der Herr das Korn angenommen, also stand auch der Erneuerung des Meierbriefes nichts mehr im Wege.

Freudigen Herzens eilte Steffen auf den Hof. Der Wagen stob herein, Marten sprang noch in voller Fahrt ab und warf Steffen das Seil zu, — wie der Herr dem Knechte. — —

„Habe Dank, Bruder, vielmaligen Dank! Du hast mich aus einer großen Pein erlöst. Ich war ganz zerschlagen heute, ganz zerschlagen, und seit einer Stunde fürchtete ich immer, du würdest jeden Augenblick mit den vollen Säcken über die Brücke kommen.“ Steffen schirrte den dampfenden Gaul aus, und da Marten noch nichts sagte, fragte er: „Na, im Anfang war er aber wohl recht kurz angebunden, der Herr?“

Die Stute im Stalle wieherte, und der Wallach in der Sperrdeichsel antwortete ihr mit einem grummelnden Tone. Nur Marten wußte noch keinen Ton zu finden.

„Wundert’s dich nicht, daß es schon so stark gefroren hat?“ fragte Steffen, und seine Hände bebten, daß er kaum die Ringkoppel öffnen konnte.

Jetzt zuckte Marten die Achseln, krümmte den Nacken und machte mit der Hand eine so eigentümliche und heftige Geste, als wollte er die Luft von sich abwehren.

Steffens Augen wurden starr, sein Blut stockte. Er brachte den Gaul in den Stall, schüttete ihm eine Wanne voll Häcksel ein und trat auf die Küchendiele.

Marten stand vor dem Schranke und schnitt sich ein Stück Brot.

„Du siehst mich ja gar nicht an!“ rief Steffen mit dumpfer Stimme, „redest auch kein Wort?“

Marten hustete. „Es ist mir ’n schweres Angehen, dir den Ausfall mitzuteilen,“ ließ er sich endlich mit unsicherer Stimme vernehmen, „aber es muß doch ’raus!“

„Es muß ’raus?! Was muß ’raus?“ schrie Steffen außer sich und klammerte sich an die Treppenlehne.

Hustend antwortete Marten, indem er an Steffen vorbei sah: „Der gnädige Herr war wie ein Teufel und wollte mich umbringen, als ich von dir anfing und ’n gutes Wort für dich einlegte. ‚Nichts mehr von dem!‚ schrie er mich an. Der taugt nicht für den Hof, das ist ein Träumer, ein Döskopf, der würde mir nur alle Jahre denselben Ärger machen, der muß an den Schandpfahl ...“

Steffen keuchte und lehnte sich mit der Stirn gegen die Kaminwand.

„Ich blieb aber lange stehen,“ fuhr Marten gleichmäßigen Tones fort, „und sagte: Herr Baron werden verzeihen, es ist doch mein Bruder. — Ja, genau so sagte ich. Da pfiff er zwei riesige Hunde herbei, die ganz blutrote Augen hatten, und prophezeite mir: ‚Sollte dein Bruder sich unterstehen, mir wieder unter die Augen zu kommen, sollen ihn diese beiden da ’n Galopp lehren, den er in seinem ganzen Leben noch nicht gelaufen ist.‘“

Aufheulend krümmte sich Steffen auf die Lehne. „Gibt’s keinen Gott im Himmel, wenn keine Gerechtigkeit auf Erden ist?“ Und er stampfte die Treppe, daß es dröhnend durchs Haus ging.

Marten nahm Brot und Wurst in die Hand und aß.

„Was wird denn aus mir und meinem Bruder? fragte ich den Herrn in meiner Angst und Not,“ fuhr er in seinem grausamen Berichte fort.

„Ja, was wird nun aus uns?“ fiel Steffen keuchend ein und kratzte sich an dem Kamin die Finger wund.

Marten zögerte einen Augenblick und blinzelte nach dem Ächzenden hinauf; dann begann er wieder: „Da sagte der Herr: ‚Das kümmert mich den Teufel nicht! Ich habe gute Leute genug, denen ich den Hof geben kann.‘ — Und da ich dem Herrn nun auch zu Füßen fiel, ihn an unsere Väter erinnerte und wie sie sich niemals hätten ’was zu schulden kommen lassen, daß er darum doch gnädig verfahren möchte mit ihrem Sohne — ich meinte natürlich mit dir, meinem Bruder — da schien sich der Herr auf einmal zu besinnen, er pfiff ’ne Weile vor sich hin, sprach leise mit dem Rentmeister und sagte ganz plötzlich zu mir: ‚Du bist ja auch ein Oelkers-Sohn‘. — Ja, so sagte er. Darauf tat er einen tiefen Griff in den Sack, ließ das Korn langsam durch seine Finger fallen und sagte: ‚Das Korn ist recht,‘ — sagte er. Ja. Hierauf sah er mich wieder an und wiederholte: ‚Du bist ja auch ein Oelkers-Sohn!‘ Und dann ging er mit großen Schritten hin und her, und auf einmal blieb er dicht vor mir stehen und fragte: ‚Kannst du den Meierbrief bezahlen?‘ Ja, sagte ich, ohne an ’was zu denken — und da ich das Geld zufällig bei mir hatte, so kriegte ich’s gleich ’raus und zählte es dem Herrn vor und sagte: Das wollte ich gleich da lassen, wenn er mir den Meierbrief für dich mitgeben wollte .... für dich, sagte ich natürlich ...“

Steffen richtete sich mit einem Ruck auf, spreizte die Hand gegen den Kamin und sah groß aufgerissenen Auges auf den Bruder herab, der nun Messer und Brot hinlegte und seinen Bericht mit allerhand entschuldigenden und beruhigenden Gesten vollendete: „‚Gut‘, sagte hierauf der Herr, ‚ich will nicht hart sein, ich will euch den Hof lassen, ihn aber nicht deinem Bruder, sondern dir vermeiern‘ ... Ja, so sagte er. Na, da kannste denken, Bruder“ ...

Er konnte nicht weiter reden, denn ein fürchterlicher Schrei gellte zu ihm herab. Schwankend und bebend, mit beiden Händen nach einem Halt in der Luft suchend, stand Steffen auf der Treppe.

Marten machte wieder eine seiner redenden Gesten, ja, er zeigte sich fast verletzt. „So arg, Bruder, brauchste doch nicht zu tun. Es ist jedenfalls besser für dich, daß ich den Hof habe, als wenn ihn irgend ein Fremder gekriegt hätte. So kannst du doch dein ganzes Leben auf ’m Hofe bleiben und ihn wie dein eigen ansehen.“

Steffen zuckte zusammen, seine Augen schienen sich mit Blut zu füllen, aber er hielt sich und fragte mit tonloser Stimme: „Haste den Meierbrief?“

Marten nickte und zog die Achseln.

„Haste ihn wirklich?“ ächzte Steffen abermals und wankte zwei Stufen herab.

Marten zog eine steife, gelbliche Urkunde aus der Kitteltasche, faltete sie auseinander, hielt sie Steffen hin, deutete mit dem Finger auf die Schrift und las:

„Ich Ernst August, Freiherr von Steinberg, Erbherr auf Bodenburg, Habarnsen u. s. w. urkunde und bekenne hiermit, daß ich den Colonus Marten Christoph in Woltershausen anderweit auf neun Jahre von Michaelis 1846 anfangende und Michaelis 1855 endigende Jahre bemeiert habe und kraft des gegenwärtigen Meierkontraktes bemeiere, mit einem Kothofe und 33 Morgen Ackerland ....“[30]

Ein heiserer Wutschrei unterbrach ihn. „Du Satan, jetzt ist mir alles klar!“

Steffen stürzte nach dem Papiere. Ein wildes, furchtbares Ringen, ein Knacken und Stampfen — — ein Gurgeln und Brüllen — — und von der Treppe schlugen sie krachend herab auf den Boden.

Steffen hatte keulenstarke Fäuste und tat gewaltige Schläge; aber Marten war gewandter, kam mit einer listigen Wendung oben auf, sprang in die Höhe, barg seine Urkunde, retirierte gegen die Haustür, hielt hier den auf ihn eindringenden Fäusten einen Augenblick stand, machte wieder eine blitzschnelle Wendung und stieß den Bruder mit heftigem Stoß hinaus auf den Hof, worauf er ebenso blitzschnell die Tür verriegelte. „Bieg dich oder brich! Mein ist jetzt der Hof!“

„Du Satan du!“ brüllte Steffen und stieß mit Kopf und Faust gegen die Tür, bis er auf dem Antrittstein niederstürzte. Noch einmal rannte er gegen die Tür, ließ aber alsbald wieder ab und schlug sich die Fäuste an den Kopf. Er lief nach dem Schuppen, schürzte einen Strang von dem Wagenschwengel, legte sich ihn um den Hals und sprang nach dem Walnußbaume — stockte aber wieder und stand, die Hände an die Schläfe gelegt, eine Weile wie im Starrkrampfe da.

Als sich endlich die Erstarrung löste, ging er wie gelähmt nach dem Schuppen zurück, setzte sich auf die Pflugschar, legte das Gesicht in die Hände und saß so wohl eine lange Stunde, bis Marten die Tür wieder geöffnet hatte. Ruhig ging er dann in das Haus zurück, um wenige Minuten später im Sonntagskaput und mit dem Rock des Vaters von dannen zu gehen.

Ein starrer Blick noch auf den Hof, dann schritt er rasch hinweg, und wenn er Menschen sah, machte er einen weiten Bogen. Er schlug aber denselben Weg ein, den er am verflossenen Tage mit dem schweren Sacke hingegangen war. Ob er sein Glück noch einmal versuchen wollte?

Nun, die Hunde mit den blutroten Augen fürchtete er jetzt wohl nicht mehr, denn mit dem Schlimmsten vertraut, konnte ihn nichts Schlimmes mehr schrecken.