Elftes Kapitel.
Die Hühner waren bereits ihre kleine Leiter hinter der Kuhstalltür hinaufgeklettert. Marten trug Brot und Käse auf den Tisch und wollte sich gerade zum „Halbabendbrote“ niedersetzen, als er draußen ein schweres „Gratscheln“ vernahm. Er wandte sich gegen das Fenster und sah seinen Bruder, den gefüllten Sack auf der Schulter, schweren, müden Schrittes auf den Hof wanken.
„Ha, er bringt das Korn wieder mit!“ sagte er leise und trat hastig nach der Mitte der Stube zurück, während ein seltsames böses Leuchten aus seinen Augen ging und die Nasenflügel zu beben anfingen. „Er bringt das Korn wieder mit; jetzt möchte ich wissen, ob er den Meierbrief bekommen hat.“ Er setzte sich an den Tisch und begann zu essen, aber der Bissen lag ihm wie Lehm im Munde, er bemühte sich vergeblich, ihn hinunter zu bringen.
Da stampfte es die Treppe herauf, und Steffen trat in die Stube, noch keuchend von der Last, die er getragen hatte. Sein Kopf, von dem die fahlen Haare unordentlich herabhingen, dampfte, der ganze Körper bebte, und das von Schweißlinien durchzogene Gesicht glühte in dunkler Röte. Er grüßte nicht, er sagte auch sonst kein Wort, sondern ging, den Kopf ein wenig nach der rechten Seite geneigt, dreimal im Bogen neben dem Tische hin.
„Na, Steffen,“ begann Marten ganz unbefangen, „nun haste hoffentlich den neuen Meierbrief in der Tasche, und ich gratuliere dir auch zum Hofe.“
„Unserer Katze kannste gratulieren oder unserer Kuh, wenn’s dir um ’s Gratulieren ist, du — Hund du!“ schrie Steffen.
„Hoho, sachte an!“ rief Marten mit scheinbar staunendem Gesicht; „haste weiter nichts mitgebracht von Bodenburg, als den Hund?“
Steffen stieß einen schnarchenden Laut aus, schlug auf den Tisch und schrie: „Wer hat mir das Hinterkorn in den Sack getan, du Hund du?“
Marten sah auf den Tisch und schnitt sein Brot in Würfeln. „Was habe ich mich um deinen Sack gekümmert! Als ob nicht noch andere Leute genug vorübergegangen wären, die dein vieles Sichten und Lesen zum Schabernack gereizt haben könnte.“
„Du hast’s getan — du, du Hund du! ’n Streich haste mir spielen wollen, weil du Wut auf mich hast, daß du den Hof und das Mädchen nicht kriegen kannst. Dich kenn’ ich jetzt, dich!“
Marten zuckte verächtlich die Achseln, führte einen neuen Bissen zum Munde, kaute und antwortete: „Du bist heute morgen wohl mit ’m linken Fuße zuerst aufgestanden?“
„Halt’ den Atem an, du, und schäme dich vor unserm Herrgott!“ ächzte Steffen.
Marten stand auf, sah forschend von der Seite und sagte in gleichgültigem Tone: „Der gnädige Herr muß dir ja einen sehr bösen Willkomm bereitet haben, daß du auf einmal so außer dir bist.“
Die Uhr hob aus und kündete mit blechernen Schlägen die Stunde.
Steffen schritt verzweifelt durch die Stube. „Wie habe ich’s gesichtet und wie säuberlich ausgelesen, das Korn!“ keuchte er und rang die Hände. „Daß auch nicht eine Drespe oder Rade dazwischen bleiben sollte! Jedes Korn, möchte ich sagen, habe ich beinah einzeln durch meine Hand laufen lassen, und ich habe zuletzt noch alles auf der flachen Hand gehabt und unter meinem Atem, daß auch nicht ein Stäubchen dazwischen bleiben sollte. Zwei Tage fast habe ich daran gearbeitet, dann hatte ich’s aber auch blank wie’s Gold, das in den Schlössern liegt. Und dann habe ich den Sack zugebunden und ihn so, wie ich meine, heute morgen auf die Schulter genommen. Und der Herr ist gar nicht ungnädig gewesen. ‚Guten Tag, Oelkers!‘ rief er schon von weitem, ‚und wie geht’s denn jetzt auf dem wüsten Hofe?‘ fragte er und nickte mir ordentlich freundlich zu, der Herr. Als ich ihm nun meine Sache vorbringe und ihm klage, daß ich den Meierzins noch nicht ganz hätte zusammenkriegen können, daß ich aber ’s Korn mitgebracht hätte, da ist er ganz gnädig gewesen, der Herr und hat mir bis Neujahr Frist geben, aber erst das Korn sehen wollen, denn am Korn erkenne er den Charakter — sagte er. ‚Herr Baron‘ sage ich, ‚das Korn soll gewiß nicht schlecht für mich sprechen‘, sage ich und knüpfe den Sack auf“ — — Er machte eine Pause und schüttelte die geballten Fäuste. „Ich denke, ich kriege ’n Schlag, wie ich das Korn sehe. Der Herr guckt mir ins Gesicht, guckt in den Sack, greift hinein und hat gleich die Hand voll Drespen und Raden, hat er. Er tut einen Fluch, der Herr, und wirft mir die Handvoll wütend ins Gesicht. ‚Deine Väter,‘ ruft er, ‚waren brave Leute; aber du bist ein Hallunke — bist du! Und gehörst an den Schandpfahl — gehörste!‘
So einer aber kriegte den Hof nicht, und ich solle mich auf der Stelle zum Tore hinauspacken, oder er würde die Hunde auf mich hetzen, die Hunde, sagt er, der Herr.
Da bin ich vor ihm auf die Knie gefallen wie vor unserm Herrgott beim heiligen Abendmahl. Aber es ist alles umsonst gewesen. Es antworteten nur noch die Hunde, und ich habe den Meierbrief nicht bekommen.“
Marten zog die Uhr auf, obwohl die Gewichte noch in der Mitte hingen.
„O je, o je, das ist aber eine schöne Bescherung!“ heuchelte er und verbarg die tief in ihm siedende freudige Erregung in bedauernden Gebärden. „O je, o je, da müssen wir ja beide vom Hofe ’runter! Ei, das wird ’was für die Leute sein!“
„Ja, das haste dir wohl nicht gedacht, daß dein schlechter Streich so ’ne schlimme Folge haben könnte, dein schlechter Streich.“
Marten machte eine abweisende Bewegung und lachte, als lohne es gar nicht der Mühe, sich auf den erneuten Vorwurf zu verantworten.
Steffen sah durchs Fenster. Drüben ging Sophie mit einem Eimer durch den Baumhof. Er atmete keuchend und ließ sich schwer auf den Stuhl fallen, sprang aber wieder auf und rief: „Noch gebe ich ihn nicht verloren, den Hof. Noch nicht! Auch der Herr Rentmeister meinte, daß man den Brei nicht so heiß äße, wie er aufgetan wäre, wenn es mir gelänge, ’nen glaubhaften Zeugen zu bringen, der mir bezeugte, daß ich unschuldig wäre an dem schlechten Korn — sagte der Rentmeister. Denn so würde ich den Meierbrief ganz gewiß noch bekommen. Und der Zeuge kannst nur du sein, Marten, ja! Und ich will dir auch gewiß den Streich nicht weiter nachtragen, wenn du dich jetzt als ’n ordentlicher Bruder zeigst, gleich morgen am Tage zum Herrn hingehst und ihm sagst, wie ich ohne mein Wissen zu dem schlechten Korn gekommen wäre. Und du hättest mir ’n Schabernack gespielt, brauchste nur zu sagen und daß du alle Schuld auf dich nähmest ...“
Martens Gesicht wurde lang und starr, während Steffen in dringendem und flehendem Tone fortfuhr: „Du wolltest ja im vorigen Jahre schon so gern für ’n Vater gehen. Also wirst du jetzt auch für deinen Bruder gehen können, Marten. Ich werde es dir gewiß immer gedenken.“
Marten tat ganz entrüstet. „Ich soll also zum gnädigen Herrn gehen und mich schlecht machen bei ihm, daß er seine Hunde auf mich hetzt, wo ich doch ganz unschuldig an der Sache bin.“
Steffen schluchzte.
„Bruder, es steht unser Hof auf’m Spiel, das Erbe unserer Väter,“ klagte er und klammerte sich wie in Todesangst an die auf Marten gesetzte Hoffnung. „Ich will ja auch gar nicht mehr sagen, daß du’s gewesen bist. ’s kann ja auch irgend ein anderer boshafter Mensch gewesen sein, ’s haben mich ja freilich genug gesehen bei der Arbeit, die vielleicht ihren Spott darüber gehabt haben. Aber wenn du auch unschuldig bist — tu eine Brudertat und nimm die Schuld auf dich. Es kann dir zuletzt doch ganz einerlei sein, wenn der gnädige Herr schlecht von dir denkt; du hast ja weiter gar nichts mit ihm zu schaffen, mit ihm. Übrigens wird er ’n Schabernack auch noch nicht gleich für ’ne Schlechtigkeit anzusehen brauchen, der Herr.“
Marten stand erregt auf, sah an dem Bruder vorüber durchs Fenster und stieß plötzlich wie nach einer heftigen Selbstüberwindung heraus: „Gut denn, ich will das Opfer für dich bringen und will gleich morgen gehn!“
„Marten, ich danke dir auch recht vielmals,“ erwiderte Steffen mit einem tiefen Atemzuge der Erleichterung, „und nimm’s mir nicht verübel, daß ich vorhin so heftig gegen dich war — ’s war mir ja auch zu schlimm zu Mute, zu schlimm. Unsern Herrgott im Himmel hätte ich anklagen können, daß er mir das antun ließ.“ Er griff nach dem Brote und sah den Bruder an. „Willste nicht noch was essen, Bruder? Wollen wir nicht mal die Kopfwurst anschneiden?“ redete er eifrig und gerührt auf ihn ein.
Marten schüttelte den Kopf und sagte, ohne den Bruder anzusehen: „Verbürgen kann ich den Erfolg natürlich nicht ...“
„Nein, das kannste freilich nicht,“ gab Steffen sogleich zu, „aber ich denke, wenn du’s richtig machst und ich dann gleich am andern Tage selbst wieder hingehe, den vollen Meierzins und das lautere Korn mitbringe, wird schon alles in Ordnung kommen. Und da hätte ich gleich noch ’ne kleine — nein, ’ne große Bitte an dich,“ fügte er zögernd hinzu und rückte verlegen an dem Stuhle herum, „ob du wohl möchtest so gut sein und möchtest mir bis Neujahr den fehlenden Meierzins vorstrecken, damit ich doch nicht gleich ’m Schwiegervater zu kommen brauche.“
Marten schien dies Anliegen schon erwartet zu haben, er antwortete: „Habe mir freilich ’ne Kleinigkeit erspart, und hättest du mir gestern schon ’n Wort gegönnt, könntest du jetzt den Meierhof sicher in Händen haben, denn das Geld war doch die Hauptsache. Aber anbieten wollte ich es dir nicht, da du so geheimnisvoll gegen mich tatest.“ Während er dieses sagte, besah er die gelben Knöpfe an seinen Gamaschen; seinem Tone nach dachte er offenbar auch mehr an die Gamaschen, als daran, was er sagte.
Steffen merkte nichts, er dachte nur an das Geld, sah und hörte nur die ganz unerwartete brüderliche Bereitwilligkeit und fühlte es wieder froh heraufziehen in seiner schwer gepreßten Brust.
„O, ich Hans Dummerjan, der ich war,“ rief er voll witziger Freude, „’n reichen Bruder so nahe zu haben und sich mit so schweren Sorgen zu plagen!“
Er spähte wieder durchs Fenster, ohne zu bemerken, daß Martens Blicke ganz den gleichen Weg gingen. Er schob das Fenster auf und schob den Kopf her und hin, um an der besten Stelle durch das kahle Despegebüsch zu sehen.
Unter den Bäumen drüben, wo Sophie vorhin gegangen war, küselten dürre Blätter. Hie und da hing noch ein Apfel am kahlen Gezweige. Gleichsam als ein Pfand für’s kommende Jahr. Diesseits der Despe standen ein paar Graugänse, jede auf einem Beine, sahen schläfrig vor sich hin oder steckten den Kopf zwischen die Federn.
„Aufs Jahr muß’s ’n dicker Tropp werden,“ versicherte Steffen mit aufleuchtenden Augen, schob das Fenster wieder zu und rief in frohem Tone: „Nun bin ich aber hungrig, daß ich gleich ’n ganzen Kirchturmsknauf verzehren könnte!“ Und er schnitt mit dem stumpfen Messer durch das harte Brot, daß es ordentlich knirschte. Den Schimmel aß er heute aber nicht mit, der hatte ihn doch zu arg betrogen. Sein Glaube an das Goldfinden war überhaupt stark erschüttert, und er wollte nichts mehr glauben, was er nicht gedruckt in der Bibel vor sich hätte.
Mit dem Essen wurde er trotz seines Hungers heute rascher fertig als sonst, er strich mit dem Messer über das Hosenbein, daß es wieder blank wurde, stand auf und guckte durchs Fenster. Ein Glücksgefühl quoll in ihm auf, und des Argwohns gegen seinen Bruder ganz vergessend, begann er nun von seiner Fieke zu sprechen. Was sie nur dächte, daß er sich in der großen Sorge der letzten Zeit gar so wenig um sie gekümmert hätte. Gewiß würde sie schon ganz böse auf ihn sein; darum wollte er nun doch gleich den kleinen „Katzensprung“ tun und ihr zeigen, daß er noch lebe, und wieder bei Sinnen sei, und wollte ihr sagen, was für einen hilfsbereiten Bruder er habe. „Wie ’n Jakob im alten Testamente nicht gehabt hat!“ rief er in seiner pfiffigen Weise und lachte aus vollem Halse, daß er diesen Witz gemacht hatte.
Marten schmierte seine Sonntagsstiefel mit Tran ein, wobei er dem Bruder nicht ins Gesicht zu sehen brauchte, und sagte: Mädchen wären Dinger, die erst am Feierabend kämen. Jetzt gäb’s noch an was anderes zu denken, an ganz was anderes. Das Beste und Richtigste wäre es, seiner Meinung nach, träte er dem Herrn gleich mit dem gereinigten Korn unter die Augen; darum möchte Steffen lieber ein anderes Mal zu seiner Fieke gehen und ihm jetzt das Korn sichten helfen. Dann wollten sie auch sehen, ob sie in den Giebeldocken nicht noch ’n paar Sperlinge erwischen könnten, daß das Schock womöglich noch voll würde.
Natürlich war Steffen sofort auf der Seite des Bruders. „Dann muß sich Fieke eben noch ’n Tag gedulden,“ sagte er und biß in seinen schwarzen, kräftigen Knust, daß es nur so „mülmte“, wie Meister Drewes gesagt haben würde.
Da krächzte einer auf der Küchendiele: „Habt ihr noch ’n Marten für ’n Swän?“
„Für ’n Swän ist immer noch was da!“ rief Marten, und da holscherte es schon die Treppe herauf. Ein kurzer und ein langer Tritt, und dazu dieser Gesang aus heiserer Kehle:
„Dat miene Fru nich danzen kann,
Dat makt dat lahme Been,
Un wenn se mit mi danzen sall,
Denn fangt se an to ween’.
Et ward all wedder, et ward all wedder
Et ward all wedder gahn, —
Da danz’t dat Minsche, da danz’t dat Minsche
Up öhren lahmen Been.“
Da tanzte er herein, nämlich der Schweinehirt, so gut es eben gehen wollte, denn das lahme Bein, von dem er sang, hatte er selbst. Er holte geräuschvoll Atem, denn das Tanzen und Singen die Treppe herauf hatte ihn angestrengt, warf den Sack mitten in die Stube und sich selbst auf den nächsten Stuhl.
Steffen lachte und rief: „Willkommen, Oppermann.“ Auch Marten hieß ihn willkommen, nicht lachend, aber auch nicht unfreundlich.
„Danke,“ erwiderte Oppermann und sagte: „Du lachst und du nicht. No ja, du hast die Braut und du hast sie nicht.“
„Ja freilich, so ist’s, Oppermann,“ sagte Marten und stellte die Stiefel unter die Bank.
„Manchmal ist’s auch anders,“ sagte Oppermann und wischte sich mit einem karierten Taschentuche, das er an festlichen Tagen trug, über das schwitzende Gesicht, unter dessen buschigen Brauen zwei ebenso listige Augen hervorguckten. Dann hob er den Finger und sang, indem er mit dem gesunden Beine den Takt dazu trat:
„Schätzchen, so du mich heiraten willst,
So warte noch ein Jahr,
Bis daß der Birnbaum Kirschen trägt,
Ja, ja, Kirschen trägt,
Dann nehm’ ich dich fürwahr.
Der Birnbaum trägt keine Kirschen mehr,
Auf Dornen wächst kein Klee;
So kriegen wir uns beide,
Ja, ja, uns beide
Ja nun und nimmermehr.
Du glaubst, ich hätt’ es nicht gesehn,
Daß du bei einem andern stehst?
Sollte mich denn das nicht kränken?
Habe dich so treu geliebt.“
Steffen lachte herzhaft, Marten aber, der das Lied von der Spinnstube kannte, nahm noch vor dem letzten Verse den Sack auf und ging mit ihm die Bodentreppe hinauf.
Steffen bot dem Marteneinsammler ein Vesper an. Der wehrte aber: „Nur nichts Hartes! Der größte Teil der Welt, habe ich gehört, soll aus Flüssigkeit bestehen. Das hat Wickenthies schon geprophezeit, und mein Kollege der Kuhfeldmarschall ist durchaus auch dieser Meinung.“
Steffen freute sich herzlich über den witzigen Gast und freute sich wohl auch, daß er nun den Buddel aus dem Küchenschranke holen konnte, was er vorhin mit Rücksicht auf den Bruder unterlassen hatte.
Als Steffen mit dem Buddel die Treppe herauf und Marten gleichzeitig mit dem angefüllten Sacke die Treppe herab kam, schlug sich Oppermann auf das gesunde Bein und sagte: „Wenn’s immer so ginge, daß mir’s Glück von oben und von unten käme, könnte ich all meine Lebetage so auf ’m Stuhle sitzen bleiben, was ich mir wohl manchmal gewünscht habe. Aber dann möchte ich nur wissen, ob man’s auch sein Lebelang so auf dem Stuhle aushielte.“
Steffen rieb sich’s Hosenbein und lachte. Marten lächelte ein wenig und meinte: „No, beim Schweinehüten hättest du doch Zeit und Gelegenheit genug, die Sache auszuprobieren.“
Die listigen Augen unter den fahlen Büschen blinzelten. „Doch wohl kaum,“ erwiderte Oppermann, „denn beim Schweinehüten wird einem kein Stuhl hingestellt. Da muß man schon lang auf der Erde liegen. Aber auch das hat mir immer recht gut gefallen, was ich allemal dann am deutlichsten merkte, wenn ich wieder aufstehen mußte. Nur weiß ich auch da nicht, ob es mir so gut bekommen würde, wenn ich mein Lebtag so lang auf der Erde liegen könnte, ohne daß ich von den Schweinen des Lebens zum Aufstehen genötigt würde.“
Er nahm den Sack, guckte hinein, hob den Zeigefinger und sagte: „Wir hatten doch früher ’n Vizekönig?“ Als die Brüder darauf nickten, krächzte er: „Dann könntet ihr auch noch ’n paar Fizebohnen eintun.“
„Unsre Fizebohnen taugen dies Jahr nichts,“ wehrte Marten auflachend ab.
„Das war mit dem Vizekönige auch nicht anders, aber wir haben ihn doch verdauen müssen,“ stichelte Oppermann und drückte das linke Auge zu, während er mit dem rechten die beiden ansah.
Steffen bot ihm den Buddel noch einmal, und nachdem er noch einen guten Zug getan hatte, holscherte er vergnügt wieder treppab, gefolgt von den Brüdern, die nun eilends auf die Scheune gingen, um beim Scheine der vierscheibigen Leuchte das Korn zu sichten.