Achter Auftritt.

Die Vorigen. Hilde Wangel.

Hilde Wangel (geht mit freudefunkelnden Augen auf Solneß zu). Guten Abend!

Solneß (sieht sie ungewiß an). Guten Abend —

Hilde (lachend). Ich glaube fast, Sie erkennen mich nicht wieder!

Solneß. Ich muß allerdings gestehen — so im Augenblick —

Herdal (nähert sich). Aber ich erkenne Sie wieder, Fräulein —

Hilde (vergnügt). Ach, Sie sind's —!

Herdal. Ja freilich bin ich's. (Zu Solneß.) Wir trafen uns diesen Sommer im Hochgebirge. (Zu Hilde.) Was wurde denn später aus den übrigen Damen?

Hilde. Ach die, die gingen nachher westwärts.

Herdal. Denen war's gewiß nicht recht, daß wir abends den vielen Unsinn trieben.

Hilde. Nein, recht wird's ihnen kaum gewesen sein.

Herdal (mit dem Finger drohend). Und leugnen können Sie's auch nicht, daß Sie ein bißchen mit uns kokettierten.

Hilde. Das war doch wohl amüsanter als dazusitzen und Strümpfe zu stricken mit all' den Weibern.

Herdal (lachend). Darin bin ich mit Ihnen vollkommen einig.

Solneß. Sind Sie diesen Abend angekommen?

Hilde. Jawohl, soeben kam ich an.

Herdal. Ganz allein, Fräulein Wangel?

Hilde. Gewiß.

Solneß. Wangel? Heißen Sie Wangel?

Hilde (sieht ihn lustig-verwundert an). Ja freilich thu' ich das.

Solneß. Dann sind Sie vielleicht eine Tochter vom Bezirksarzt oben in Lysanger?

Hilde (wie oben). Ja, von wem sollte ich denn sonst die Tochter sein?

Solneß. Nun, dann haben wir uns also da oben getroffen. Den Sommer, als ich dort war und den Turm baute für die alte Kirche.

Hilde (etwas ernster). Ja freilich war's damals.

Solneß. Nun, das ist lange her.

Hilde (sieht ihn fest an). Genau zehn Jahre ist's her.

Solneß. Und damals waren Sie wohl ein reines Kind, mein' ich.

Hilde (leicht hinwerfend). Immerhin so zwölf, dreizehn Jahre alt.

Herdal. Ist's das erste Mal, daß Sie hier in der Stadt sind, Fräulein Wangel?

Hilde. Jawohl.

Solneß. Und Sie kennen vielleicht niemand hier?

Hilde. Niemand außer Ihnen. Und dann Ihre Frau.

Solneß. So, die kennen Sie auch?

Hilde. Ein klein wenig nur. Wir waren einige Tage zusammen im Kurort —

Solneß. Ach, im Hochgebirge.

Hilde. Sie sagte, ich könnte sie besuchen, wenn ich einmal nach der Stadt käme. (Lächelnd.) Das hätte sie übrigens nicht nötig gehabt.

Solneß. Daß sie davon gar nicht gesprochen hat —

Hilde (stellt den Bergstock an den Ofen hin, schnallt den Ranzen ab und legt ihn mit dem Plaid aufs Sofa).

Herdal (will ihr behilflich sein).

Solneß (steht da und sieht sie an).

Hilde (auf ihn zugehend). Nun, da bitt' ich also darum, diese Nacht hier bleiben zu dürfen.

Solneß. Das läßt sich gewiß sehr wohl machen.

Hilde. Ich habe nämlich keine anderen Kleider, als die, in denen ich gehe. Das heißt, etwas Wäsche im Ranzen habe ich auch. Die muß aber gewaschen werden; denn sie ist so sehr schmutzig.

Solneß. Ach, da kann schon Abhilfe geschafft werden. Jetzt will ich nur gleich meiner Frau —

Herdal. Dann mache ich meinen Krankenbesuch derweile.

Solneß. Thun Sie das. Und später kommen Sie doch wieder.

Herdal (lustig, mit einem Blick auf Hilde). Na, darauf können Sie Ihren Kopf zum Pfand geben! (Lachend.) Sie prophezeiten dennoch richtig, Herr Solneß!

Solneß. Wie so!

Herdal. Die Jugend kam also doch und klopfte bei Ihnen an.

Solneß (aufgeräumt). Aber freilich auf andere Art.

Herdal. Allerdings. Ist nicht zu leugnen! (Ab durch die Vorzimmerthür.)