1. Juli.

Nun ging die Reise abermal bis zum Fluße Huitha, wo wir uns überführen ließen, dann schlugen wir eine andere Richtung ein. – Da ging es durch lauter schöne Thäler, die größtentheils mit Gras bewachsen waren; leider wuchs aber darunter so viel Moos, daß diese großen Flächen doch keine guten Weiden abgaben, und nur den Reisenden eine Annehmlichkeit gewährten, indem sie hübsch aussahen und durchaus trocken waren.

Das Thal, in welchem Hjalmholm, unsere heutige Nachtstation lag, durchzog ein großer Lavastrom, der jedoch so bescheiden war, nicht das ganze Thal auszufüllen, sondern auch dem schönen Wasserstrome Elvas und einigen Wiesen und Anhöhen Raum gab, auf deren letzterer überall Kothen standen. Dieses Thal war eines der bevölkertsten, die ich bisher sah.

Hjalmholm liegt auch auf einem Hügel. Hier wohnt der Sysselmann des Rangaarsyssels, und zwar in einem so schönen und großen Hause, wie ich deren nur in Reikjavik einige sah. – Ich wurde von seinen Töchtern – er selbst befand sich als Mitglied des Alldings in Islands Hauptstadt – sehr herzlich und freundlich aufgenommen.

Wir plauderten und schwatzten viel; ich suchte meine dänische Sprachkenntniß in voller Pracht und Herrlichkeit zu entfalten, und mußte dabei manchmal gar komische Phrasen hervorgebracht haben, denn die Mädchen konnten sich oft des Lachens nicht enthalten. Das hinderte mich jedoch nicht; ich lachte mit, nahm mein Wörterbuch, das ich stets mit mir führte, zu Hilfe, und schwatzte wieder weiter. – Von der Schönheit meiner Landsmänninen mußten sie durch meine Person eben auch keinen hohen Begriff bekommen haben, wofür ich Letztere pflichtschuldigst um Entschuldigung bitte, und sie dabei auf meine Ehre versichere, daß ich es selbst am meisten bedauerte. Allein die gute Mutter Natur verfährt gegen Leute in meinem Alter stets sehr unerbittlich, und gibt der Jugend, bezüglich der Aufmerksamkeit die man dem Alter erzeigen soll, ein sehr schlechtes Beispiel. – Statt uns zu ehren, und uns den Vorzug zu geben, hält sie sich lieber an das junge Volk, und jedes sechzehnjährige Mädchen schlägt uns würdigen Matronen ein gar gewaltiges Schnippchen. Dazu kam noch, daß die schrecklich scharfe Luft und die rauhen Stürme, denen ich beständig ausgesetzt war, mein Gesicht sehr entstellt hatten. – Sie hatten mich mehr angegriffen, als selbst die glühende Hitze im Oriente; – ich sah sehr braun aus, meine Lippen waren aufgesprungen, und meine Nase – ach Gott! – die fing gar an sich gegen ihre garstige Farbe aufzulehnen; sie wollte wahrscheinlich eine neue, blendendweiße zarte Haut besitzen, und da schob sie die alte in kleinen Stückchen von sich.

Das Einzige, was mich in der Meinung der guten Mädchen noch rettete, war, daß ich zufälliger Weise meine Haare mehr als gewöhnlich aus der Stirne streifte, und daß dadurch eine weiße Stelle zum Vorscheine kam. – Wie aus einem Munde schrien alle Mädchen, ganz überrascht und verwundert: »Hún er quit« (sie ist weiß). Ich mußte darüber lachen, und streifte den Aermel hinauf, um ihnen zu beweisen, daß ich nicht zu dem Stamme der Araber gehöre.

Aber auch mir stand in diesem Hause eine große Ueberraschung bevor; – ich stöberte nämlich in dem Bücherkasten des Sysselmannes herum, und fand da – Rottecks Weltgeschichte, ein deutsches Lexikon, und mehrere Gedichte und andere Schriften von deutschen Dichtern.