2. Juli.

So wie der Weg von Kalmannstunga nach Thingvalla über lauter Lava führte, so führte der heutige durch lauter Sümpfe. Kaum hatten wir einen im Rücken, lag schon wieder ein anderer vor uns. Doch schien auch hier der Grund aus Lava zu bestehen; denn an vielen Orten erhoben sich kleine Flecken dieses Gesteins, die wie Inseln aus den Sümpfen ragten.

Die Gegend wurde nun schon immer freier; die Gletscher verloren sich nach und nach ganz. Die hohen Gebirge auf der linken Seite erschienen, ihrer großen Entfernung wegen, wie Hügel, und die näheren waren es wirklich. – Nach einem ungefähr zwei Meilen langen Ritte mußten wir in einem Boote über den ziemlich bedeutenden Fluß Elvas setzen, und hierauf über einen schmalen, sehr langen Damm balanciren, der über eine Wiese führte, die ganz unter Wasser stand. Wären wir auf diesem Damme einem Reisenden begegnet, wüßte ich wahrlich nicht, was wir angefangen hätten; das Umkehren wäre so gefährlich gewesen, wie das Hinabsteigen in den Sumpf. Glücklicher Weise begegnet man in Island Niemanden.

Hat man den Damm überschritten, so führt der Weg einige Meilen längs der Berge und Hügel, die alle aus Lava bestehen, und von sehr dunkler, beinahe schwarzer Farbe sind. Das Gestein auf dieser Höhe war sehr lose; in der Wiese unten lagen viele Kolosse, die herabgestürzt sein mußten, und eine Menge andere sahen dem Sturze jeden Augenblick entgegen. – Wir bekamen diese gefährliche Passage glücklich im Rücken, ohne Augenzeuge eines solchen Schauspieles sein zu müssen.

In diesen Gebirgen hörte ich sehr oft ein dumpfes Getöse; ich hielt es anfangs für fernes Rollen des Donners, und suchte am Horizonte das herannahende Gewitter zu entdecken. Als ich aber weder Wolken noch Blitze sah, sondern nur den blauen Himmel, der sich heiter und rein über die unermeßlichen Thäler wölbte, da gewahrte ich erst, daß diese dumpfen Laute in meiner Nähe zu suchen waren, und aus den Bergen kamen.

Die höhern Gebirge links verliert man nun immer mehr und mehr aus dem Gesichte; dagegen breitet sich der Fluß Elvas der Art aus, und theilt sich in so viele Arme, daß man ihn für einen großen See mit vielen Inseln halten könnte. Er ergießt sich in das nahe Meer, dessen ausgedehnte Fläche man erblickt, nachdem man noch einige unbedeutende Hügel überstiegen hat.

Das Thal Reikum, in welches wir nun kamen, ist eben so wie jenes von Reikholt, reichhaltig an heißen Quellen, die rechts theils in der Ebene, theils auf Anhöhen oder hinter solchen, in dem Umkreise einer halben Meile beisammen liegen.

Als wir das Oertchen Reikum erreicht hatten, ließ ich gleich meine wenigen Effekten in das Kirchlein schaffen, nahm einen Führer, und begab mich zu diesen kochenden Quellen. – Ich fand ihrer sehr viele, aber merkwürdige nur zweie; die gehören aber auch wieder zu dem Merkwürdigsten, was man in dieser Art sehen kann. Die Eine heißt: der kleine Geiser, die Andere: der Bogensprung.

Der kleine Geiser hat einen Kessel von ungefähr drei Fuß im Durchmesser. Das Wasser kocht heftig in einer Tiefe von zwei bis drei Fuß, und bleibt ziemlich in diesen Schranken, bis es anfängt zu springen, wo es dann einen schönen wasserreichen Strahl von 20 bis 40 Fuß in die Höhe wirft.

Schon um halb neun Uhr Abends hatte ich das Glück, einen dieser schönen Ausbrüche zu sehen, und durfte also nicht, wie beim großen Geiser, Tag und Nacht seine Quelle belagern. Der Ausbruch dauerte sehr lange, und war ziemlich gleichmäßig, nur auf Augenblicke sank der Strahl etwas zurück, um dann mit erneuerter Gewalt auf die frühere Höhe wieder empor zu schießen; erst nach vierzig Minuten sank er ganz in den Kessel zurück. – Steine, die wir hinein warfen, führte er entweder gleich, oder nach einigen Secunden in zersplitterten Stücken bis zu einer Höhe von ungefähr 12-15 Fuß mit sich. – Seine Dicke mochte 1 bis 1½ Fuß im Durchmesser betragen. – Mein Führer versicherte mich, daß diese Quelle in 24 Stunden höchstens drei Mal, gewöhnlich aber nur zwei Mal springe; – also nicht wie ich irgendwo gelesen, alle sechs Minuten. – Ich selbst blieb bis Mitternacht in seiner Nähe, sah aber keinen Ausbruch mehr.

Man könnte diese Quelle füglich mit dem Strukker am Geiser vergleichen, und dürfte nur den einzigen Unterschied finden, daß bei Letzterem das Wasser im Kessel viel tiefer sinkt.

Die zweite der beiden merkwürdigen Quellen, der Bogensprung, liegt unweit vom kleinen Geiser, am Abhange eines Hügels, den man übersteigen muß. – Bei keiner Springquelle hatte ich noch eine so sonderbare Bildung des Bettes gefunden. – Sie besitzt gar keinen Kessel, sondern liegt halb offen vor den Füßen, wie in einer kleinen Grotte, die in verschiedene Höhlungen und Löcher getheilt, und halb kreisförmig von einer Felswand umgeben ist, die sich in einer Höhe von ungefähr zwei Fuß sanft über sie neigt, und dann noch 10 bis 12 Fuß gerade aufsteigt. – Diese Quelle bleibt höchstens eine Minute in ruhigem Zustande; sie fängt dann an schnell zu steigen und zu kochen, und wirft einen wasserreichen Strahl auf, der an die sich überneigende Felswand anprallt, durch sie breitgedrückt, und gleich einem bogenartigen Fächer in die Höhe steigt. Die Höhe dieses so wunderbar ausgebreiteten Strahles mag bei 12 Fuß, der Bogen, den er beschreibt, 15 bis 20 Fuß, und seine Breite 3 bis 8 Fuß betragen. Die Zeit des Ausbruches währt oft länger als jene der Ruhe. Nach dem Ausbruche sinkt das Wasser immer einige Fuß in die Höhle zurück, und gewährt auf 15 oder 20 Secunden einen Blick in diese wunderbare Grotte. – Doch gleich fängt es wieder an zu steigen, füllt bald sowohl die Grotte als auch das Becken, das eigentlich nur eine etwas erhöhte Fortsetzung der Grotte ist, und springt von Neuem.

Ich verweilte bei diesem wundervollen Naturspiele gewiß über eine Stunde, und konnte mich von dem Anblicke dieser bogenförmig aufsteigenden Wasserstrahlen gar nicht trennen. Mir gefiel diese Quelle, die gewiß einzig in ihrer Art ist, bei weitem besser, als jene des kleinen Geiser.

Noch ist eine Quelle da, der sogenannte brüllende Geiser; es ist dieß aber nichts, als ein unförmliches Loch, in welchem man das Wasser kochen hört, aber nicht sieht. Das Geräusch ist unbedeutend.