5. Sorgfalt im Arrangement obscöner Gruppen.
Da an den Orgien in den Romanen des Marquis de Sade stets zahlreiche Personen teilnehmen, so erwächst den Leitern derselben eine besondere Aufgabe und auch ein sexueller Genuss daraus, jeder einzelnen Person ihre Rolle vorzuschreiben, die von ihr einzunehmende Stellung und die auszuführenden sexuellen Handlungen vorherzubestimmen. Delbène sagt: Bringen wir ein wenig Ordnung in unsere Vergnügungen. Man geniesst dieselben besser, indem man sie vorher fixirt (Juliette I, 6). Auch die Tribade Zanetti ist sehr erfahren in der Bildung solcher obscöner Gruppen (Juliette VI, 160). In der „Philosophie dans le Boudoir“, diesem Lehrbuche des Sexualgenusses, werden natürlich der Schülerin Eugenie von Madame St.-Ange und insbesondere von Dolmancé diese Arrangements ausführlich eröffnet. Madame de St.-Ange führt dann Eugenie in eine Nische, deren Wände aus Spiegelglas bestehen und die „die verschiedenen Stellungen tausendfach wiederholen und so die eigenen Genüsse den Augen der auf einer Ottomane sich ihnen Hingebenden recht deutlich machen, da kein Körperteil auf diese Weise verborgen bleibt. So erblicken die Liebenden lauter ähnliche Gruppen und Nachahmer ihrer eigenen Vergnügungen, lauter wunderbare Gemälde, der Wollust.“ (Philosophie dans le Boudoir I, 40.) Ein ganz besonderes Stück ist die „Cavalcade“, welche der lebenslustige Mönch Clément in der „Justine“ ausführen lässt. Dabei dienen zwei auf allen Vieren kriechende Mädchen als Pferde. (Justine II, 201.) Aehnliche obscöne Arrangements kehren fast auf jeder Seite der „Justine“ und „Juliette“ wieder.