Am Grabe der Geschwister, Großeltern, Schwiegereltern und anderer Verwandten.
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Ich sehe dich nicht mehr mit leiblichem Auge, Du, dessen (deren) Nähe mich und alle, die zu uns gehören, so oft erquickte. Du bist dem Kreise der Unsrigen entrückt, und schmerzlich vermissen wir dich. Wir sind um vieles ärmer geworden durch deinen Verlust, ärmer geworden an Lebensfrische, ärmer an den Beweisen deiner Liebe. Du hast überall Freundlichkeit hingetragen, für alle Angehörigen einen Blick der Liebe gehabt. Und dein Wort, es erfrischte und erquickte. Nun du fehlest, da fühlen wir erst recht, was du gewesen bist, wie du das Band so eng geknüpft, wie du heilsam gewirkt, wie du die Liebe gepflegt hast. Mein Herz ist tief betrübt; nur dein kühles Grab kann ich umfassen, ich breite die Arme nach dir aus, sie können dich nicht umfangen. So zieht einer nach dem andern hin, der Kreis wird gelichtet, doch setzen auch neue Äste sich an, wenn nur der Stamm ein gesunder ist. So will auch ich denn in deinen Wegen gehen, ich will die Zurückgebliebenen mit treuer Liebe umfassen, in der Erinnerung an dich, liebe, abgeschiedene Seele, wollen wir uns enger aneinander schließen, und meinem Geiste und Herzen will ich die edlen Saaten zu entlocken suchen, die bei dir so schön aufgegangen waren. Ich will des Lebens Prüfung mit starkem Mute tragen, auf daß ich den unsrigen mit tröstender Kraft vorangehe. Des Lebens Wert besteht in tätiger Liebe, nicht in der Klage um das unwiederbringlich Dahingegangene. In unserm Streben wirst auch du fortleben und in unserm Herzen ist dir eine sicherere Stätte bereitet als die, welche deine Gebeine umschließt. Deine Heimat ist nun im Gottesreiche, und im Kreise verwandter Seelen möge dein Heil wahrhaft erblühen.
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