Gebet am Donnerstag.

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Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Wesen nach ihren Arten, Vieh, Gewürm und Gewild der Erde nach ihren Arten! Und es geschah also.

Schöpfer des Himmels und der Erde! Ehe das Menschengeschlecht auf Erden lebte, war diese schon ein Wohnsitz der Tiere. Die unvollkommensten Gattungen hast Du zuerst geschaffen, ihnen folgten solche, die Du mit Äußerungen höherer Lebenstätigkeit begabtest, und, aufsteigend von Stufe zu Stufe, waren sie die Vorläufer des vollkommensten der Erdenbewohner: des Menschen. Mein Gott und Vater! Wie sollten diese Betrachtungen nicht den Gedanken in mir erwecken, daß auch der Mensch nicht der vollendete Inbegriff Deiner Schöpferweisheit sei! Freilich wohl weiß ich es, daß auf Erden kein Wesen höher steht als der Mensch, aber unendlich sind die Mängel, die an ihm haften, und jede höhere Vollkommenheit, die meinem Geiste denkbar, wenn auch unerreichbar ist, bezeichnet höhere Wesen, die Dein Willen zu erschaffen vermag. Solange ich auf Erden bin, werde ich die Rätsel Deiner Schöpfung nicht lösen, und die Menschennatur einzig und allein bleibt das für mich Bestimmte und ihre höchste Ausbildung das Erreichbare. Und ist das wenig? O nein! ich weiß es, es ist sehr viel. Nicht die Fähigkeiten allein, die den Menschen seinem irdischen Wesen nach vom Tiere unterscheiden, sind sein Vorzug, sondern die Fähigkeit, die Du ihm gegeben hast, auch sich selber zu vervollkommenen. Nur durch diese steht er höher als seine Mitgeschöpfe. Die vollkommene Menschenwürde kann entwickelt oder vernachlässigt werden. Das ist die freie Tätigkeit des menschlichen Geistes. Du selber bist sein Urbild und sein Vorbild. O, segne, gütiger Vater, mein Bestreben, Dir immer näher zu treten. Du bist die höchste Weisheit, so will auch ich nach Weisheit ringen. Du bist allgütig, darum will auch ich gütig sein und meine Kräfte zum Wohle meiner Nebenmenschen gebrauchen. Du bist allgnädig, darum will auch ich denen vergeben, die mich beleidigen. Du bist allgerecht, darum will auch ich Gerechtigkeit fördern helfen unter den Menschen. Du bist die Wahrheit, bei Dir ist nicht Trug und Wahn, darum will auch ich mich mehr und mehr entfernen von Schein und Eitelkeit, auf daß ich meine menschliche Natur immer mehr ausbilde bis zu dem Grade der Vollkommenheit, dessen sie fähig ist. Amen!

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