Gebet am Mittwoch.

———

Und es machte Gott die beiden großen Lichter, das größere Licht, daß es den Tag regiere, und das kleinere Licht, daß es die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.

Schöpfer des Himmels und der Erde! Das Werk des vierten Schöpfungstages prangt in erhabener Majestät am Himmel und predigt von Deiner Größe, und seine vernehmliche Stimme spricht: „Was ist der Mensch, daß Du noch sein gedenkest? Der Erdensohn, daß Du Dich seiner annimmst?“ Und dennoch hebt sich der Blick in unnennbarer Sehnsucht zu den Sternen empor. Der Himmel mit der Sonne, dem Monde und den Sternen, er ist das heiligste Buch Deiner Offenbarung. Kein Sterblicher vermag seinen ganzen Inhalt zu erforschen, aber das Wenige, das wir zu lesen vermögen, reicht hin, uns mit dem erhabensten Gedanken zu erfüllen. Um die Erde wandelt der Mond, um die Sonne wandelt die Erde und alle Wandelsterne mit ihren Begleitern, und zahllos ist das Heer der Sonnen und alle, alle bilden eine Welt, und zahllos ist das Heer der Welten. Gott, Gott! Unaussprechlicher! wo ist der Mittelpunkt Deiner Herrlichkeit? Und alle Welten sind entstanden, und alle Welten werden vergehen, und Du warst früher als alles Geschaffene, und Du wirst es überdauern. Der menschliche Geist hat kein Maß für die Räume und die Sprache keinen Ausdruck für die Zahl der Jahre Deiner Herrschaft, und nur die eine Erkenntnis ist der Zielpunkt menschlichen Wissens: Raum und Zeit sind nicht vor Gott vorhanden, sie sind nur menschliche Begriffe. Doch die Sehnsucht nach einer höheren Erkenntnis wird nicht ewig ungestillt in mir bleiben. Mein Körper gehört der Erde, aber mein Geist gehört der Welt. Einst wird er nicht mehr gefesselt sein an die irdische Hülle, und wenn er gelöst sein wird von dem Staube der Erde, dann vermag er sich aufzuschwingen, vielleicht von Stufe zu Stufe zu neuen Kreisen der Erkenntnis, vielleicht von Leben zu Leben zu höherem Range in der Reihenfolge Deiner Geschöpfe, aber jedenfalls näher zu Dir; und mehr zu wissen von der Welt und von dem Schöpfer, das ist Seligkeit. Wenn ich meinen Geist vervollkommene hier auf Erden, so reift er zur Seligkeit heran. Laß mich einst ihrer teilhaftig werden, mein Gott und Vater! Amen!

——————