Gebet am Verlobungstage.
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Mein Gott! Hinweg aus der lebendigen Aufregung, die mich umgibt, und die, obschon hervorgerufen durch Liebe und Güte aller, die mir nahe sind, mich dennoch nicht die Ruhe inbrünstiger Sammlung finden läßt, flüchte ich mich auf einen Augenblick zu Dir, mein Gott, um, abgezogen von allem Weltlichen, einsam und ungestört, nur im Bewußtsein und im Gefühle Deiner Nähe mein tiefbewegtes Herz vor Dir zu offenbaren.
Der Ernst des Lebens tritt heute in seiner ganzen Größe an mich heran und verlangt von meiner schwachen Einsicht die Reife höchster Überlegung und die Festigkeit des ernstesten Entschlusses.
Mir würde bangen vor dieser Aufgabe, und ich wüßte keinen Ausweg, als ihr auszuweichen, wenn Du nicht, o Herr, Kräfte in mein Herz gepflanzt hättest, die da wohl vermögen mich mutig zu machen und meine Leiter zu sein, daß den bedeutungsvollen Schritt ich wage, den ich heut gehen soll und will.
Ja, in meinem Herzen wohnen die Kräfte, und als freundliche Engel stellen sie sich lächelnd vor mein Auge; sie heißen Liebe und Vertrauen.
Liebe und Vertrauen empfinde ich zu Dir, mein Gott. Erzogen in den Lehren der Religion, fühle ich mich als Dein Kind, das nicht unerhört sich zum Vater wendet. Ich liebe Dich als meinen Wohltäter von Jugend auf, und lege vertrauensvoll mein Schicksal in Deine Hand. Was Du über mich beschlossen hast, das wird zu meinem Heile sein.
Liebe und Vertrauen empfinde ich zu meinen Eltern, ihren Willen achte ich selbst da höher als meine Neigung, wo diese mit jenem nicht eins ist, um wieviel mehr muß ihr Wille mir heilig sein, wo er mit meinen Wünschen übereinstimmt. Was sie über mich beschließen, ist nur Liebes und Gutes, was sie von mir begehren, ist nur zum Segen für mich. So war es von je.
Liebe und Vertrauen empfinde ich endlich auch gegen ihn, der mir seinen Willen offenbart hat, mir ein Schutz und eine Stütze zu sein in allen Tagen, solange es Dir wohlgefällt, daß wir vereint die Wege des Lebens gehen, gegen ihn, der von mir begehrt, daß ich ihm die Hand zum Bunde reiche, um als treue Gefährtin seines Lebens ihn nie zu verlassen in Glück und Unglück.
Wenn aber dies alles auch geeignet ist, mich frohen Mutes die Pflichten der Braut und bald die der Gattin übernehmen zu lassen, so bangt meine Seele dennoch, weil ich mir meiner Schwäche und Mangelhaftigkeit bewußt bin, weil ich es für gar leicht erachte, durch meine Fehler mir das Glück meines Lebens zu zerstören. Darum bitte ich Dich, mein Gott, verlasse mich nicht, wie Du bisher mich nicht verlassen hast. Laß mein aufrichtiges Streben gelingen, meinen Geist verständig, mein Herz duldsam, mein Wesen angenehm und meine Lebensansprüche bescheiden zu machen. In Deine Hand befehle ich mein Leben heute und allezeit, weil ich Dich liebe und auf Dich vertraue. Du bist mein Wohltäter, meine Stütze und Zuflucht. Amen!
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