Vorwort.

Wir leben jetzt in einer Zeit, wo alles, was die Landwirthschaft betrifft, beachtet und verbessert wird. Ich glaube aber, mit Recht behaupten zu können, daß man besonders in unserer Gegend Eins bei weitem noch nicht so beachtet hat, als es geschehen könnte und sollte. Dieß Eine ist der Weinbau. Man scheint, ihn für ein Geschäft zu halten, das bloß in wärmeren Gegenden mit großen Nutzen betrieben werden kann und betrachtet dieses herrliche Product bloß als ein entbehrliches Naschwerk, ohne zu bedenken, das es ein vortreffliches Sättigungs- und Stärkungs-Mittel ist, und bei reichlicherer Anpflanzung auch wohl ein nicht ganz unbedeutendes Erwerbsmittel werden könnte. Obschon hin und wieder an passenden Orten Weinstöcke sich befinden, so giebt es doch noch viele tausend leere und zu sonst weiter nichts brauchbare Stellen, wo die herrlichsten Weinstöcke gedeihen würden. Und selbst unter denen, die wir haben, giebt es viele, die man aus Unkunde vernachlässigt, so daß sie bei weitem den Nutzen nicht bringen, den sie bringen würden, wenn man sie richtig behandelte; welche Behandlung man sich gewöhnlich weit mühsamer, schwieriger und kostspieliger vorstellt, als sie wirklich ist. Ich selbst bin früher einer von denen gewesen, der seine zwei Weinstöcke aus Unkunde vierzehn Jahre lang vernachlässigte. Nachdem ich aber vor nunmehro 8 bis 9 Jahren die herrlichen Eigenschaften dieses vortrefflichen Gewächses kennen gelernt, und diese zwei Stöcke in kurzer Zeit bis auf viele Hunderte vermehrt habe, gehöre ich unter diejenigen, die sich der Früchte ihres Fleißes erfreuen können. Denn die Zahl meiner Weintrauben geht nun schon seit einigen Jahren alle Jahre weit in die Tausende, und meine Kinder, die jetzt diese herrlichen Früchte genießen können, so viel sie nur wollen, belachen es immer noch, daß sie sich früher mit großer Freude in die einzelnen Beeren der vernachlässigten Stöcke getheilt haben. Deshalb muß ich auch frei gestehen, daß mich nun jeder Ort, wo Wein stehen könnte, und jeder aus Unkunde vernachlässigte Stock, der oft bloß durch die Hand eines Kindes angepflanzt und richtig behandelt werden könnte, von Herzen dauert, zumal wenn ich noch in Erwägung bringe, welch’ ein herrliches Schutzmittel gegen Regen und Sonnenhitze dieses vortreffliche Gewächs den Gebäuden ist. Denn die Wände meines Schulhauses, die sonst bei Regenwetter von Nässe trieften, berührt jetzt kein Tropfen mehr, und die Stuben, in welchen man es früher im Sommer vor Hitze kaum aushalten konnte, sind jetzt kühlen Lauben ähnlich geworden, durch deren Fenster sich überall die Weintrauben hereindrängen. Mehrere in und außer meinem Wohnorte haben mich nun gebeten, ihnen auch Weinstöcke anpflanzen und nach meiner Art in Stand bringen zu helfen. Weil ich aber diese Bitte wegen Mangel an Zeit nur sehr wenigen erfüllen kann, und deshalb schon oft ein Undienstfertiger genannt worden bin: so habe ich mich entschlossen, meine aufgeschriebenen, durch Erfahrung und aus Büchern erlangten Kenntnisse in dieser Sache, durch den Druck bekannt zu machen, um dadurch Jeden in Stand zu setzen, nach meiner Art zu verfahren. Es sind zwar schon mehrere, diesen Gegenstand betreffende, aber nur zu große und deßhalb theure Anweisungen vorhanden. Ich habe in meiner gegenwärtigen Anweisung auf Kürze und Billigkeit Rücksicht genommen, und hege die frohe Hoffnung, vielleicht dem Einen und dem Andern, der diese theuren Anweisungen nicht kaufen kann, und auch dem, der sie kaufen kann oder vielleicht schon hat, aber gern auch noch die Meinung Anderer zur Vermehrung seiner Kenntnisse hört, durch diese kleine Schrift einen Dienst zu erweisen. Möge der Herr der Natur, von dem ja aller Segen kommt, auch dieses geringe Unternehmen für recht viele segensreich machen, und es zu einem Mittel gebrauchen, durch welches der Gewerbfleiß auch in unserer Gegend in dieser Hinsicht erhöht, und so manche leere Stelle zum Wohle des Landes angebaut wird; dann fühlt sich hinlänglich belohnt

Geschrieben
im Sommer des Jahres 1835.

der Verfasser.