Breitenbrunn
seinen Anfang nimmt. Wie ein Zug Wallfahrer steigen die grauen beschindelten Güterchen und Häuser des sehr verarmten Dorfes von der Sohle des Ortsbaches einen hohen Berg nach dem Forstwalde empor, auf dessen Culmen der Tempel ruht, welchen die aus 1972 Köpfen bestehende Einwohnerschaft für ihren Gottesdienst benutzt und ihre Todten um denselben beerdigt. Wäre es nicht bekannt, daß in frühern Zeiten das Dorf Rittersgrün nach Breitenbrunn eingepfarrt gewesen, so würde es schwer sein, zu errathen, weshalb es die Kirche letztern Orts ihren Küchlein so unbequem gemacht, sich unter ihre Flügel zu sammeln. In ihrer Nachbarschaft erheben sich noch die Trümmer eines ehemaligen Jagdschlosses, umgeben von einem 6 Ellen breiten Wallteichlein, welches aber dermalen für andere Zwecke ausgefüllt ist. Jedenfalls würde es besser gewesen sein, wenn dieser Reservoir für das wasserarme Dorf erhalten worden wäre.
Am 13. März 1604 brannte dieses Jagdhaus ab und 6 Jahre später wurde es wieder auf- und höher gebaut.
Die Jagdherrlichkeiten der Vorzeit sind eben so wie die jagdbaren Thiere selten und dünn geworden, und es werden deshalb schon lange keine Hoflager mehr in der Provinz gehalten.
Im vorerwähnten Forstwalde wurden zuerst auf dortigen Kalklagern die Helvine getroffen; auch zeichnet sich der Granat, Peponit und andere Fossilien vor vielen andern aus und zieht fleißig Mineralogen dahin. Aus dem Umstande, daß ein Revierförster das Forstgut, welches mit dem Walde grenzt, benutzt, ist der Pleonasmus – Forstwald – entstanden. –
Der schon bei Breitenhof erwähnte Lagerbergbau ist wahrscheinlich der älteste im Obergebirge und mithin auch die Ursache zum Anbau und zur frühzeitigen Bevölkerung des Dorfes. Die Gruben Fortuna, Kaltwasser, alte Grube und St. Christoph haben außer Eisenstein hauptsächlich Zinnstein geschüttet und, in Verbindung mit dem von Berneck'schen Hammer- und Hüttenwerk in Breitenhof, Nahrung und Wohlhabenheit um sich her verbreitet. So geregelt aber und einfach der Erwerb eines Bergmanns auch immer sein mag, so hebt er ihn doch zur Wohlhabenheit nicht empor; deshalb tritt er in Dürftigkeit und Entbehrungen über, wenn die Gruben auflässig werden. In einem solchen Zustande befindet sich Breitenbrunn bei weitem zum größern Theil, weil seine Ländereien im rauhen Klima nur magere Ernten geben und das Klöppel- und Nähwesen der Volksmenge und ihrem Bedarf nicht gewachsen ist. Holzmacher und Fuhrleute, Handwerker und Butterhändler geben nur precären Gewinn und scheiden von Zeit zu Zeit eine Menge Arme aus, die Unterstützung verlangen (gegenwärtig hat der Ort 27 Almosenpercipienten, welche zusammen wöchentlich 15 Thlr. 22 Ngr. erhalten), die aber nicht ausreichend gewährt werden kann, weil selbst die Gemeinde für die Zeit der Noth weder Communeigenthum noch sonst ein anderes Einkommen hat und beziehen kann, folglich auch der Gemeinderath in ewigen Ferien lebt.
Ein solches unsicheres Gewerbsleben hat nothwendig auf den sittlichen Zustand der Einwohner und auf die sinnlichen Genüsse mächtigen Einfluß ausgeübt: denn es sind offenbar zu viel Wirthshäuser im Dorfe, die den mühsam errungenen Dreiern und Sechsern Eintrag thun.
Wir wenden uns wieder hinab in das Schwarzwasserthal, wo wir den grobkörnigen Granit zu beiden Seiten in mächtigen Bergen aufsteigen sehen, die überall mit Fichtenholz bestanden sind und der Landschaft eine ernste Physiognomie aufdrücken. In ewigem Getöse scheuern die Wellen an den Granitblöcken des Flußbettes – sie arbeiten für die Steinsetzer.
Steinheidel auf einer beträchtlichen Berghöhe, Fellbach, Erlabrunn und andere in den Thalungen herumgezettelte Häuserchen verdanken ihre Entstehung vorzüglich dem Bergbau, der theils noch im Gange, theils lange schon auflässig geworden ist. Ihre Bewohner sind regelmäßig von dem größern Weltverkehr und seinen Genüssen abgeschieden und kennen seine Herrlichkeiten und Thorheiten nicht.
Eine oder einige Kühe sind die Ernährerinnen des kleinen Hausstandes und darum auch das Werthvollste in demselben, die Kinder folgen unmittelbar darauf. –