Das Weihnachtsfest.

Heut is der heil'ge Ahmt (Abend) ihr Mähd,
Kummt h'rei, mir gießen Blei;
Rick', laf glei 'naus zur Hanne-Christ,
Die muß bei Zeiten h'rei.

Ich ho men Lechter ohgezünd't,
Sät 'nauf ihr Mähd die Pracht!
Ah, drieb'n bei euch is oh racht fei,
Ihr hat a Sau geschlacht't.

Säht oh ihr Mähd das rare Licht
Uem zwa un zwanzig Pfeng,
Ich muß meins in a Tippel stell'n,
Mei Lechter is ze eng.

Kahr (Karl) zünd a Weihnachtskerzle oh,
Daß's wie Weihnachten riecht,
Un stell's hin uf das Scherbel dort,
Dos unnern Ufen liegt.

Lott'! dorten uf der Hühnersteig
Do liegt men Lob sei Blei;
Mohd, rossel fei net sehr dort rüm,
Sinst wird der Krinerts scheu.

Denn's Mahsvolk hot sei Frahd (Freude) an wos,
Sei's ah, an wos es will;
Mei Voter hot's an Vogelstell'n,
Der Kahr hot's an dem Spiel.

Ich gieß fei erst! – Wen krieg' ich däh? –
Säht oh, än Hammerschmied;
Die Korli (Karoline) lacht, die denkt wuhl gor,
Ich mähn (meine) ihr'n Karl-Fried.

Mer (wir) ham uf sachze Butterstolln,
Su lang wie d' Ufenbank;
Heut wird ämol gefraßen wärn,
Ihr Mähd mer wären krank.

Mer hon ah neunerlah gekocht,
Ah Worst und Sauerkraut;
Mei Mutter hot sich ohgerennt (abgerennt)
Die olle gute Haut.

Rick', bruck dä Sammelmillig ei,
Nasch' aber net darvu;
Ihr Jungen, wärft ken Respel roh (herunter)
In's heil'ge Ahmt Struh.

Wär is dort über'n Schwamme-Tupp?
Nu Henner (Heinrich), härst de net!
Wort'! itze wenn der Voter kimmt,
Mußt wahrlich n'auf ze Bett.

Ach, horcht ner nei in Ufen-Tupp,
Die Rumpeln un die Geig'n;
Weil es ner net winzeln thut,
Bedets (bedeutet es) fei käne Leich'n.

Nä heil'gen Ahmt zä Mitternocht,
Do laft statt's Wasser Wei,
Wenn ich mich ner net ferchten thät,
Ich hult' än Tupp vull h'rei.

Lob, hul' gleich bei der Hannelies'
Nä Voter 's Kännel Bier,
Noch wenn dä kimmst, do singe mir (wir)
»Ich freue mich in Dir.«


Nachdem die Pöhla den Lux- und Friedrichsbach aufgenommen hat, tritt sie hinaus in ein breites, lachendes und mit Wiesen und Feldern bedecktes Thal – das erzgebirgische Chamouny. Es ist das einzige Längen- oder Hauptthal des Obergebirges, welches sich vom Fichtelberg herab bis nach Zwickau und mithin von Osten nach Westen zieht und alle Wässer der Transversalthäler, als die Pöhla, das Schwarzwasser, Mulde und dergl., aufnimmt und sie zu folgen nöthigt. Der breite, fächerartig entfaltete Schatz von Feldern des mit ungefähr 2200 Menschen bevölkerten Dorfes Raschau und die an seinen Flanken wie bunte Wäsche herumgelegte Länderei des Dorfes Grünstädtel (sonst Dorfstädtel genannt) liefern eins der lieblichsten Bilder des Erzgebirges. Die Strohdächer der Begüterten beurkunden eine gewisse bäuerliche Wohlhabenheit, die sich durch Berechtigung zu städtischer Gewerblichkeit im Dorfe Raschau unterhält, indem die Erzeugnisse des Areals rings umher einen sichern und schnellen Absatz finden. Seit etlichen zwanzig Jahren ist ein Bad hier, etablirt von einem gewissen Dr. Karch aus Annaberg; allein, wenn schon das Wasser einige Grade wärmer ist, als die den Ort durchwässernde Mittweida, so dürfte man doch schwerlich mehr Wirkungen darin finden, als die der Reinigung, was bekanntlich auch heilsam für den Körper ist.

Das hiesige Vitriol- und Arsenikwerk Allerheiligen hat in der neuern Zeit eine größere Bedeutung erhalten und wird in den Händen des gegenwärtigen Besitzers ein besseres Gedeihen finden.

In dem Thale aufwärts dehnen sich die Dörfer Mittweide, Markersbach und Obermittweider-Hammer immer so, daß sie sich die Hände reichen; doch sind sie, weil rechts und links die Gneus- und Glimmerschieferberge näher zusammenrücken, in eine engere Thalschlucht eingebettet, die man in der Gegend »den Grund« zu nennen pflegt. Ueberall gewerbliche Lebendigkeit, hauptsächlich Nagel- und Plattenschmiede, und ziemlich mühsamer, aber doch, wegen des milden Klimas, noch lohnender Feldbau. Von Markersbach gegen Morgen hebt sich das Gebirge stufenweis über Unter- und Oberscheibe nach