Großpöhla.
In den 109 dicht zusammengedrängten und vielfach in einander verkästelten und beschindelten Häusern, mit Einschluß von dem nebenangelegenen Kleinpöhla, wohnen nicht weniger als 1489 Menschen, von welchen das Männergeschlecht bei den beiden Hammerwerken, dem sogenannten Biedermann'schen und dem Pfeilhammer, großentheils seine Nahrung findet, Weiber und Kinder hingegen das Spitzenklöppeln treiben. Schon im Jahre 1593 besaß Hans Klinger den Pfeilhammer und nach ihm der Hauptmann Karl Goldstein zu Quedlinburg und der Kammermeister Marcus Röhlig 1600. Das Erbgericht zu Großpöhla erhielt Velten Hans durch den Grafen Ernst von Schönburg zuerst in dieser Eigenschaft. Die Leistner'sche Spitzenhandlung ist sehr gut renommirt, auch die großartige Kalkbrennerei und der Magneteisensteinbergbau des Pfeilhammerbesitzers. Großpöhla ist in dem Rufe, viel schöne Mädchen und Weiber zu haben, denen jedoch eine große Geschwätzigkeit und ein solcher ungemeiner Wortverbrauch im Conversationsleben, das heißt unter sich, eigen ist, wie es im Gebirge nicht leicht wieder vorkommt. Sie wiederholen nämlich häufig die Phrasen stückweise; z. B. »Wo gehst Du hin – gehst de?« – »Was machst Du denn Mahd (Magd) – he, Mahd?« – »Kneip die Katz nicht in Schwanz – kneip se, sie hot Junge im Leib – hot se.« – »Tausende, güldige, schöne Band-, Borden- und Zwirnlorn von Ehrenfriedersdorf, sei sie ner amol so gut und hol' sie mein'n Bruder 'n Gevatter Schererzgottlieb a weng Tobakpfeifenfeuer 'rein;« statt: »hole doch meinem Bruder Tabakfeuer;« – mag wohl erdacht sein, ist aber für die Vielredenheit sehr bezeichnend. Zu der Geschwätzigkeit gesellt sich noch unter den Proletariern eine Menge sonderbarer Gebräuche und das Familienleben bezeichnender abergläubischer Gebahrungen, besonders zur Weihnachtszeit, denen man in folgendem Liedchen begegnet, welches eine Pöhlaerin in ihrem Dialekt selbst zum Verfasser hat.