Die Morgenleithe.
Dieser von allen Seiten in einen dunkelgrünen Mantel von Fichtenwald gehüllte Berg hebt sich über 2500 Fuß über das Meer und trägt auf seinem langen, aus Westen nach Osten gestreckten Rücken einen Höcker wie ein Kameel. Von diesem aus irrt das Auge nach Nord und West über eine Menge niedriger Berge und Hügel weit in das flache Land hinab, wo es, wenn es bewaffnet ist, die Sternwarte zu Leipzig und das unbehülfliche Dach der Thomaskirche erkennt; der weiterhin gezogene Horizont verhüllt sich in Nebelschleier und stellt dem forschenden Blicke das Ziel. Die ferne weite Ebene ist mit einer Menge dunkler horizontaler Striche, bald kürzer bald länger, gezeichnet: es sind größere und kleinere Städtchen, Dörfer und Laubgehölze; sie schwimmen wie Meergras auf glatter Fläche und verkästeln die Farben mit den lichten Getreidefluren damenbretartig.
Am südwestlichen Abhange der Morgenleithe, deren Masse aus Glimmerschiefer besteht, ist ein Talkschieferlager, in welchem der berühmte Ochsenkopfer Schmirgel vorkommt und in den früheren Zeiten auf einer Grube, die den Namen »Erzbaum Christi« führte, ausgebeutet wurde. Die Versuche darauf in der neuern Zeit sind zwar mit Anbrüchen belohnt, aber wegen fehlgeschlagenen Absatzes um die früheren höheren Preise unbelohnt geblieben. Die bergmännische Untersuchung der Gebirgsmasse von der ganzen Morgenleithe und vieler anderer Berge in unserm Hochlande bleibt einer Zukunft vorbehalten, in welcher man mit geläuterten Ansichten über den vaterländischen Bergbau urtheilen und erkannt haben wird, daß die Wohlfahrt einer mit Erzen gesegneten Provinz nicht allein über, sondern hauptsächlich in der Erde gesucht und für Jahrhunderte begründet werden kann.