II

Erwachend aus dem Taumel der Narkosen

Wir fanden uns zerrissen und geschnürt.

Die Mauern stieben auf wie Blätter lose,

Doch lindert Spritze Schnitte und Geschwür.

Wir blicken traurig auf den runden Hof,

Wo kreisen mummelnd blaue Kittelrupfen.

Wir schlagen jauchzend Purzelbäume oft.

Die Wärter uns mit eisernen Pinseln tupfen.

O flögen immer wir durchs Luftgeglänze,

Wo Strahlentürme aus den Wolken blitzen!

O segelten wir mit den ewigen Lenzen!

Ein Heiland war bereit, uns zu beschützen! . . .

So sind wir jung durch jede Nacht gewallt,

Das Dunkel aber fraß sich in die Hirne.

Es schuppet sich das fleckige Antlitz alt.

Empor wir schwanken zwischen den Gestirnen.

Oft, wenn wir drehn uns nach den Brüdern hin,

Dünkt endlos uns gestreckt der Betten Reihe.

Im Flammenhorizont der Priester kniet,

Der Sonne bricht als Todesarzeneie.

In Wartezimmern hocken wir gebückt.

In Magenhöhlen rinselt Eiter frisch.

Im Mutterleibe wird ein Mensch zerstückt.

Wir liegen lang auf weißem Marmortisch.

Wir weinen uns durch Haft und Äthersaal

Einander zu, erlebend süße Nähe,

Wenn man uns reicht das letzte Abendmahl,

Uns salbet ein mit Öles weichem Schnee.