Stunde des Todes

Stunde des Todes, da Tag sich sein Kleid

Borgte von Abends entlüfteter Weite.

Stunde des Todes im Rosengeschmeide

Und mit Kränzen zur Heimkehr bereit.

Stunde des Todes. Mit Liebe Gewalt

Überflüsterst du uns, den bittern

Kelch füllend mit Honig. Die Beine zittern.

Ach, wir sind ja so gar nicht alt!

Stunde des Todes. In schweflichtem Schein

Brennender Städte entmündend nach oben.

Schweben, sorgfältigst aufgehoben,

Wie Juwele aus finsterem Schrein.

Stunde des Todes. Die Bataillone

Himmlischer Geister harren in Front.

Graue Gesichter golden versonnt,

Aber die Helmspitzen sprühen im Monde

Und die Panzer, Kürasse und Fahnen.

Und die Armen stehn jubelnd im Tor,

Strecken Lilienhände vor,

Tiere mit Augen, die Frieden ahnen.

Stunde des Todes. Da geifert und keucht

Schleimiger Schlund, nach Atem schnappend.

Kinnbacken schauernd vor Kälte klappern.

Wälzen sich Klumpen in Betten feucht

Und mit Lüften Weihrauch vermengt

Und mit der Priester schalen Gebeten

Muffige Stuben Schatten betreten

Und die Fenster düster verhängt —

Stunde des Todes. Da hundsföttisch lacht

Der Laster Grimasse, am Bettende hockend.

Nebel, Züge, Glocken

Schleppen sich durch die verweste Nacht.