Vierte Szene.

Dupré. Vorige.

Dupré. Nun Madame, sie hörten den Fall?

Gräfin. Deutlich, und vernahmen sie genau, was ich sprach?

Dupré. O nein, reden sie ja lauter, den Mund an die Tapete. — Apropos! Ich sahe, Madame, ihre Nichte, da ich den Stuhl holte —

Gräfin. So, und ihre Miene?

Dupré. Die Trauer, die Melancholie! Sie wollte allerhand fragen, ich blieb stumm wie ein Fels. Sie hatte einen Augenblick die Gesellschaft verlassen, ich weiß nicht unter welchem Vorwand, da sie meine Stimme hörte. Nun rief man sie wieder zum Spiel. Seufzend gehorchte sie. —

Gräfin. Der Chevalier wird nicht länger säumen, gehen sie Dupré.

Dupré. Er sollte bald da sein, es wird spät — (geht und kömmt wieder.) Ei — vergaß ich nicht das Allerwesentlichste?

Gräfin. Nun?

Dupré. Es kann alles fehlschlagen.

Gräfin. Was fehlt denn, was?

Dupré. Ja wenn ich das wüßte?

Gräfin. Sie wissen es nicht?

Dupré. Schlimm eben. — Jeden Abend der Unterredung giebt mir, Madame, ihre Nichte etwas, das ich zum Chevalier trage —

Gräfin. Was denn etwa?

Dupré. Wie ich dem Chevalier die Thüre öffne, empfängt er es. Er kennt die Bedeutung, ich nicht.

Marquise. Ha ha ha!

Gräfin. Er schläft, schwatzt im Traum.

Dupré. Ein klein Geschenk, muß ich überreichen.

Gräfin. Worin aber besteht es gewöhnlich?

Dupré. Wahrhaftig Madam, ich entsinne mich nicht sogleich. Bald dies, bald jenes … ein Nichts, eine Kleinigkeit —

Gräfin. Gestern?

Dupré. Gestern? Erlauben sie — könnt ich mich doch nur erinnern, aber es war nicht der Rede werth, das weiß ich wohl noch. Gestern —

Gräfin. Welche Geduld muß ich verschwenden!

Dupré. Ah, mir fällt ein, was ich das Vorletztemal überbrachte; eine Rose, ich verwundete mich noch am Stiel.

Gräfin. Eine Rose?

Dupré. Eine Rose. Ah, mein Gedächtniß wird treu! Am Freitag ein Veilchen, am Sonnabend einen Strauß von kleinen Lilien —

Gräfin. Immer also Blumen?

Dupré. Ich glaube ja — Blumen.

Gräfin. (zur Marquise:) Was mag das bedeuten?

Marquise. Abgeredete Zeichenschrift.

Gräfin. Gewiß Sophiens romantischer Einfall. Das macht mich verlegen. — Dupré, früge der Chevalier danach —

Dupré. Unfehlbar.

Gräfin. Sagen sie, Sophie hätte ihnen nichts gegeben.

Dupré. Dann schmollt er.

Gräfin. Meine Sache. Wir wollen schon sehn —

Dupré. (Nach der Uhr sehend) Mitternacht! Er eilt grade nicht. Vielleicht schlummerte er ein. Ich thät es an seiner Stelle gewiß —

Gräfin. Fort, fort zur Thür!

Dupré. (ab.)