XVII.

Das Wetter hatte sich gewendet. Ein feuchter Dunst verschleierte die Berge, daß ihre Formen und Umrisse nur matt hindurchschimmerten, und über dem Lande schwebten dunkle, tiefhängende Wolken, die sich zu ergießen drohten. Mißmuthig blickte Egenolf aus dem Fenster in den trüben Morgen hinein, und seine Hoffnung auf das für heute verabredete und von ihm so heiß ersehnte Wiedersehen mit der Geliebten sank. Wenn er auch wußte, daß sich Leontine vor einem gelinden Tropfenschauer nicht fürchtete, mußte er sich doch sagen, daß die Ihrigen sie von einem Spazierritt im Regen oder bei einem heraufziehenden Unwetter zurückhalten würden. Wieder und wieder schaute er aus, ob nicht einige Aufklärung bemerklich war, und endlich schien sein Wunsch in Erfüllung zu gehen. Der Wind erhob sich und brachte Bewegung in den drückenden Nebel; hier und dort zeigten sich lichtere Stellen, und bald lugte aus dem sich zertheilenden Gewölk ein Stückchen blauen Himmels hervor. Da gab Egenolf Befehl, seinen Rhenus zu satteln und schritt vertrauend zum Burghof hinab.

Als ihm dort der Sattelmeister das Pferd vorführte, wunderte sich der pflichttreue Mann, daß der junge Herr Graf gegen seine Gepflogenheit den Halt des Gurtes prüfte und nach dem Aufsitzen sich mit der vollen Wucht seines Körpers erst auf den einen und dann auf den andern Bügel stützte, um sich zu überzeugen, daß der Sattel dabei nach keiner Seite hin wankte. Egenolf sah den stummen, fast vorwurfsvollen Blick des altbewährten Dieners und sprach mit einem begütigenden Lächeln: »Brauchst Dir keine Gedanken zu machen, Gerolf! ich weiß, ihr sattelt fest und tadellos, aber ich habe heute mit dem Rhenus ein paar rasche Volten und kühne Sprünge vor; da muß ich doppelt sicher sein.«

»Seht Euch vor, Herr Graf! der Boden ist heute feucht und schlüpfrig,« mahnte der Alte.

Egenolf winkte ihm freundlich zu und ritt zum Thore hinaus, und als der Hufschlag des Rosses auf der Zugbrücke dröhnte, brach der erste Sonnenstrahl hervor und grüßte den Reiter mit verheißungsvoll funkelndem Golde. »Rhenus, wir haben wieder einmal Glück,« sprach Egenolf fröhlich und klopfte den glatten Hals seines Thieres, das dazu verständig mit dem Kopfe nickte. »Nun sei auch hübsch artig und behutsam gegen die schlanke Daphne und mache sie nicht scheu, damit ich mein Herzenslieb ohne Wagniß und Gefährde in die Arme schließen kann.«

Er hatte bis zum Orte des Stelldicheins noch eine gute Strecke zu reiten, und als er schon aus der Entfernung die Gegend überschauen konnte, wo der Weg nach St. Pilt abbog, war zu seiner Verwunderung noch weit und breit keine Reiterin zu erblicken. Aber dort stand ein einzelnes weibliches Wesen, das auf Jemand zu warten schien. Leontine konnte es nicht sein, denn die würde nicht zu Fuße kommen und war auch größer von Gestalt als die Fremde. Als er dieser nahe genug war, um ihre Züge unterscheiden zu können, wollte es ihn bedünken, daß er sie schon einmal irgendwo gesehen haben mußte.

Er hielt sein Pferd bei ihr an, und die ängstlich zu ihm Aufblickende sagte: »Ich bin Dimot, die Gürtelmagd der Gräfin Leontine von Thierstein.«

Da erkannte er sie wieder und erinnerte sich, sie beim Tanz am Pfeifertage in beständiger Gesellschaft von Haschop gesehen zu haben. Das hatte ihm wenig gefallen, und mißtrauisch begann er: »Bringst Du mir eine Botschaft von der Gräfin Leontine?«

»Ja,« erwiederte das Mädchen, »meine gnädige Herrin läßt sagen, daß sie heute nicht mit dem Herrn Grafen reiten könnte.«

Da war alle seine Hoffnung dahin, und tief niedergeschlagen frug er: »Was hindert sie denn, zu kommen?«

»Sie ist krank.«

»Krank?« rief er bestürzt, »was fehlt ihr denn? wovon ist sie denn krank geworden?«

Dimot zitterte und konnte nicht antworten; plötzlich schlug sie die Hände vor das Gesicht und fing laut an zu weinen.

Egenolf sprang vom Pferde, trat dicht an sie heran und sprach unruhvoll: »Was ist geschehen? rede, Mädchen! sage mir Alles!«

Es dauerte eine Weile, bis die Weinende hervorbrachte: »Meine Schuld! meine Schuld!«

»Deine Schuld? was hast Du denn gethan?«

Von Schluchzen oftmals unterbrochen erzählte Dimot nun: »Vor zwei Tagen kam Haschop, die Zigeunerin, mit der ich befreundet war, zu mir auf die Hohkönigsburg, weil ich sie eingeladen hatte, mich einmal zu besuchen. Sie sagte, sie hätte mir auch etwas mitgebracht. Sie wüßte genau, daß der Herr Graf sich um die Gunst der Gräfin Leontine bewürbe, und weil sie die schöne, junge Gräfin gern glücklich sehen möchte, hätte sie einen Liebestrank bereitet, der dem Herrn Grafen die Neigung meiner Herrin sichern würde. Sie sagte es nicht, aber sie deutete an, daß es mit Wissen und Willen, im Auftrage des Herrn Grafen geschähe, und gab mir eine ausgehöhlte, mit Wachs wieder zugeklebte welsche Nuß, in der sich ein Pulver befand. Davon sollte ich meiner Herrin an drei Abenden hinter einander einen halben Fingerhut voll in den Schlaftrunk thun; es wäre ganz geschmacklos, so daß sie nichts davon merken würde. In der besten Absicht, meine liebe junge Herrin, für die ich mein Leben lassen würde, zu ihrem Herzensglücke zu verhelfen, befolgte ich Haschops Weisung an demselben Abend noch. Aber schon in der Nacht erkrankte Gräfin Leontine heftig, und daran bin ich schuld, o mein Gott! mein Gott! hätte ich das geahnt!«

»Nur weiter, weiter!« drängte Egenolf.

»Man holte einen arzeneikundigen Pater aus der Abtei Sanct Pilt. Der brachte starkwirkende Mittel und kochte ein Tränklein, das die Gräfin einnehmen mußte und das ihr sehr gut gethan hat. Sie ist schon wieder außer Bett, aber noch angegriffen und matt; darum kann sie heute nicht zum Reiten mit dem Herrn Grafen kommen, aber in ein paar Tagen hofft sie wieder so weit zu sein, soll ich dem Herrn Grafen melden.«

»Weiß Deine Herrin das Alles?« frug Egenolf.

»Nein, o nein! nur Euch habe ich es in meiner Angst gestanden, und ich bitte Euch, Herr Graf, ich bitte Euch bei allen Heiligen im Himmel, sagt es ihr nicht! ich schämte mich zu Tode, ich ginge ins Wasser, wenn sie es erführe.« Und Dimot fiel auf die Knie, hob die Hände flehend zu Egenolf empor, verhüllte dann wieder ihr thränenüberströmtes Gesicht und jammerte und schluchzte.

»Steh auf!« sprach Egenolf, »ich verspreche Dir, zu schweigen. Bestelle Deiner Herrin meinen ehrerbietigen Gruß und meinen innigsten Wunsch, daß sie schnell wieder genese.«

»O ich danke Euch, ich danke Euch viel tausendmal, Herr Graf!« stammelte Dimot und erhob sich. Dann griff sie in die Tasche ihres Kleides und bot ihm einen kleinen, in Papier gewickelten Gegenstand dar. »Hier ist die Nuß mit dem Rest des Pulvers,« sagte sie, »nehmt es an Euch, Herr Graf, vielleicht könnt Ihr die Falsche damit ihrer schändlichen That überführen.«

Egenolf steckte das Päckchen zu sich, schwang sich aufs Pferd und jagte auf dem Wege zurück, den er gekommen war. »Giftmischerin, verfluchte!« murmelte er, »mit dem Leben sollst Du es büßen!«

Er ritt aber nicht heim, sondern lenkte nach der Hütte der Zigeuner, deren einsamer Standort im Walde ihm sehr wohl bekannt war.

In einiger Entfernung davon stieg er ab, band das Pferd an einen Baum und pirschte sich leise an die Hütte heran in der Hoffnung, Haschop darin zu überraschen.

Ihm klopfte das Herz in so wilder Erregung, daß er mehrmals anhalten mußte, um Athem zu schöpfen. Als er, allmählich näher gekommen, wieder einmal im Dickicht rastete, glaubte er ein Klingen zu vernehmen, das nur aus der Hütte schallen konnte. Er drang durch das Gebüsch weiter vorwärts und hörte die eigenthümlichen Laute nun deutlicher. Was war das? Sang sich die Giftmischerin etwa gar ein Lied, um ihr Gewissen zu betäuben? Doch nein, das waren keine menschlichen Töne. Es klang so wehmüthig weich, so süß und melodisch durch den stillen Wald, daß er wie gebannt stehen blieb und lauschte. Und nun wußte er mit einem Male, was es war, – es war Geigenspiel von Farkas' des Zigeuners Meisterhand. Den wollte er nicht treffen hier, denn unmöglich konnte er in dessen Gegenwart ein, wie er in der ersten, maßlosen Wuth gesonnen war, blutiges Strafgericht an seiner Tochter vollziehen, was auch der Zigeuner nicht ohne harten Kampf geschehen lassen würde.

Schon wollte er, verdrossen, daß er an der Verruchten nicht seine Rache nehmen konnte, umkehren zu seinem Pferde und davonreiten, aber noch mit halbem Ohre nach den wunderbaren Klängen hinhörend, fing er an zu überlegen, was er thun oder lassen sollte. War es denn sicher, daß er Haschop bei ihrem Vater fand, wenn er zu ihm ging? Er wagte nicht, es zu wünschen. War sie aber nicht zugegen, so konnte er seinen heißen Groll vor Farkas ausschütten und von ihm, wenn auch nicht Haschops Tod, so doch ihre Entfernung auf Nimmerwiederkehr verlangen oder ihm drohen, sie versuchten Giftmordes wegen dem Blutrichter auszuliefern. So ging er denn auf die Hütte, deren Thür und Fensterluken offen standen, langsam zu und trat hinein.

Der Zigeuner saß in dem ärmlichen Stübchen am Boden, mit dem Rücken an die Wand gelehnt, das Haupt auf die Geige gebeugt und in sein Spiel so vertieft, daß er Egenolfs Kommen nicht eher gewahr wurde, als bis dieser vor ihm stand. Da brach er sein Spiel jach ab und sprang auf.

Egenolf sah sich in dem Raume nach Haschop um, aber sie war nicht da. Mit vor Erregung heiserer Stimme frug er: »Farkas, wo ist Haschop?«

»Wo Haschop is, wissen Herr Graf besser als ich,« entgegnete der Zigeuner trotzig.

»Wenn ich es wüßte, würd' ich nicht fragen,« gab ihm Egenolf streng zurück.

»Herr Graf haben sie doch selbst mit Botschaft nach Rathsamhausen geschickt.«

»Was? – wohin hätt' ich sie geschickt?« sprach Egenolf erbleichend.

»Nach Rathsamhausen zu Herr Burkhard,« wiederholte Farkas.

Egenolf stützte sich mit der Hand auf den groben Tisch im Stübchen, als bedürfe er eines Haltes bei dieser Nachricht.

»Is nit so? haben Herr Graf sie nit hingeschickt?« fragte Farkas.

»Lieber in die Hölle als nach Rathsamhausen!« brach Egenolf los.

»Warum in die Hölle? Herr Graf dachten früher anders.«

»Weil sie eine Mörderin ist und die junge Gräfin Thierstein vergiftet hat.«

Farkas trat einen Schritt zurück und blickte den Grafen starr an. Dann schüttelte er sein schwarzlockiges Haupt und sagte ruhig: »Glaubt Farkas nit.«

»Ich habe Zeugen und habe den Beweis in Händen; hier ist er,« rief Egenolf, holte Dimots Päckchen hervor und übergab es dem sichtlich Erschreckenden. »Mit dem, was Du darin finden wirst, hat Deine Tochter der Gräfin den Schlaftrunk gewürzt.«

Farkas enthüllte es mit zitternder Hast, schüttete etwas von dem bräunlichen Pulver in seine Hand, roch daran und führte mit der befeuchteten Fingerspitze eine Kleinigkeit davon an die Zunge. »Is kein Gift,« erklärte er dann. »Wir Zigeiner kennen alle Gifte, besser als Doctors und Lateiner, aber das is kein Gift. Haschop is nit Giftmischerin.«

»Das wird der Blutrichter entscheiden; seine Häscher werden sie greifen, daß er den Stab über sie bricht,« erwiederte Egenolf drohend.

Farkas schwieg ein Weilchen, ehe er mit verbissenem und höhnischem Ausdruck sprach: »Und wenn Richter armes Zigeinermädchen fragt: warum hast Du schöne Gräfin vergiftet? wird es zur Antwort geben: weil ich jungen Grafen geliebt hab und er mich auch und weil Graf mich betrogen und verlassen hat. Hab ich mich rächen wollen an Einer, die mir sein Herz gestohlen. So wird Haschop antworten, und Alles, Alles in ganze Land, große Herren und vornehme Damen und geringes Volk wird mit Finger auf stolzen Grafen zeigen: hat Zigeinermädchen betrogen und auf die Richtstatt gebracht! und die Spielleut werden's umtragen, und Pfeiferkönig kann's nit hindern und –«

»Farkas!« unterbrach ihn Egenolf bebend, »schweig! kein Wort mehr! Schwörst Du mir, dafür zu sorgen, daß Deine Tochter das Land räumt weit weg von hier auf Nimmer-Nimmerwiederkehr? Es soll Dein Schade nicht sein.«

»Farkas verspricht nischt, was nit halten kann,« erwiederte der Zigeuner. »Seit zwei Tage is sie fort; wer kann wissen, ob sie wiederkommt! ich kann sie nit hüten, und fangen läßt sie sich nit, is wie ein Waldschratt, über den Niemand Gewalt hat, ich auch nit.«

»Farkas, – wenn sie wiederkommt, ist sie unrettbar des Todes,« rief Egenolf. »Jetzt sage mir noch, was für eine Botschaft von mir hat sie Dir vorgelogen?«

Darauf gab ihm Farkas den Bescheid: »Beim Weggehen sagte sie: soll Herrn Burkhard von Rathsamhausen bestellen, Graf Egenolf und Gräfin Leontine würden sich heirathen, wenn nischt dazwischen käme.«

»Nichts dazwischen käme! – ich weiß genug,« sprach Egenolf ergrimmt und schritt ohne Gruß hinaus.

Farkas blickte durch die Fensterluke dem Enteilenden nach, bis dieser im Gebüsch verschwunden war. Dann nahm er die Nuß mit dem Pulver wieder zur Hand, unterzog es noch einmal einer kurzen Prüfung und nickte vor sich hin: »Bilsenkrautwurzel und Tollkirschblätter; weiß wohl, wo sie's her hat, alte Großmutter hat sie's gelehrt. Schade um junge Gräfin, daß hat sterben müssen! war so schön und hat nit Schuld. Ihn, ihn hätt's treffen müssen, Messer ins Herz! is Zigeinerrecht, auf Liebesverrath steht Tod bei Mann und Weib. – Nun hinter Haschop her und sie warnen, darf nit wiederkommen, niemals, niemals.«

Egenolf ritt, seinen Rhenus treibend, nach der St. Ulrichsburg, übergab dort das dampfende Pferd einem Stallknecht und stürmte hinauf nach Schloß Giersberg zu Imagina.

»Imagina,« rief er ihr zu, da er sie wie das vorige Mal wieder allein fand, »Imagina, jetzt ist es mit dem Abwarten aus, jetzt heißt es handeln. Leontine ist erkrankt, die Zigeunerin hat ihr Gift beigebracht.«

»Alle guten Geister!« stieß die aufs Tiefste Erschrockene hervor, »Egenolf, was sagst Du da?«

»Was ich vor zwei Stunden von ihrer Zofe gehört habe.«

»Schwebt sie in Lebensgefahr?«

»Gott sei gelobt! wie es scheint, nicht mehr. Aber jetzt bin ich fest entschlossen, jetzt werb' ich um sie,« sprach er in der höchsten Erregung.

»Nur ruhig, Lieber, ruhig!« mahnte Imagina. »Erzähle mir doch erst –«

»Ja so! Du weißt ja noch garnichts.« Er theilte ihr nun Wort für Wort Dimots Geständniß mit und schloß: »Und was noch dazu kommt, ist, daß es Burkhard hinterbracht worden ist.«

»Burkhard hinterbracht? was denn?«

»Mein Verlöbniß mit Leontine. Haschop ist nach Rathsamhausen entflohen, um Burkhard Alles zu verrathen.«

»Woher weißt Du das? von Loder?«

»Nein, von Farkas, ihrem eigenen Vater, aber Hans Loder werd' ich es klagen; er soll auf die Schändliche fahnden, sie hängen oder ersäufen lassen, sie darf nicht leben!«

Imagina schüttelte besorgt ihren hübschen Blondkopf und sagte: »Ich bin ja nicht in Zweifel darüber, wie Du mit Haschop gestanden hast, und will Dir keine Vorwürfe machen. Sie ist ein verführerisches Geschöpf, und so eines kleinen Liebeshandels wegen wird Niemand einen ritterlichen Junggesellen schelten. Aber eines möcht' ich wissen: was reizt die Zigeunerin, zu Burkhard zu laufen und just ihm ihre Kundschaft von Deinem Bunde mit Leontine zuzutragen?«

»Sie muß wie eine witternde Füchsin Wind davon bekommen haben, wie die Dinge zwischen Burkhard und meinem Vater stehen, denn sie ist eine Schleicherin und Ohrenmelkerin, die herumläuft und Alles auskundschaftet und aus den Leuten heraushorcht und herausholt, was sie wissen will. Nach ihrem Mordversuch gegen Leontine will sie nun den Rathsamhausen auf uns Rappoltsteiner hetzen,« erwiederte Egenolf zornwüthig.

»Also das Eine wie das Andere die Rache der Verstoßenen,« sagte Imagina und fuhr nach einem kurzen Schweigen fort: »Bei so bewandten Umständen kann ich Dir nur rathen, Egenolf, Deinem Vater offen zu bekennen, was Du ohne ihn zu fragen gethan hast. Er muß Dein Verlöbniß mit Leontinen jetzt erfahren, und zwar von Dir selber.«

»Von mir selber soll er's auch erfahren,« stimmte ihr Egenolf zu, »und so bald wie irgend möglich, um dem Dazwischentreten Burkhards vorzubeugen, der Alles daran setzen wird, unsere Verbindung zu hintertreiben. Aber nicht früher möcht' ich es meinem Vater mittheilen, als bis die Sache entschieden und nichts mehr daran zu ändern ist; er würde mir sonst streng verbieten, um Leontinen zu werben. Ein paar Tage warte ich noch, bis ich hoffen kann oder höre, daß sie wieder ganz gesund ist. Dann aber reite ich zur Hohkönigsburg hinauf, und kein Mensch auf der ganzen weiten Welt soll mich daran hindern. Ich will vor meinen Vater hintreten und ihm sagen können: Leontine ist meine Braut. Was dann weiter wird, ist mir Alles gleich.«

»Aber Egenolf!«

»Ist mir Alles gleich!« schrie er noch einmal. »Von einander lassen thun wir doch nicht, nun und nimmer nicht und in alle Ewigkeit nicht, mag kommen, was will!«

»Gott im Himmel, mit so einem verliebten Menschen ist nichts, rein gar nichts anzufangen,« seufzte Imagina verzweifelt. »Mach, daß Du fortkommst und suche Dir Deinen Verstand wieder, den Du zwischen Ulrichsburg und Hohkönigsburg verloren hast, und wenn Du ihn wiedergefunden hast, komm zu mir und zeig' ihn mir.«

»Das will ich thun; Dank für den Rath! komm, laß Dich küssen dafür!«

»Du bist wahrhaftig verrückt,« lachte sie hell auf, »fort, fort, hinaus mit Dir!« Lachend wehrte sie den Ungestümen ab und schob ihn an den Schultern zur Thür hinaus.