Achtes Kapitel.
Traurige Nachrichten.
Ach Gott! was ist des Menschen Glück,
Es währt oft nur ein Augenblick.
Mittlerweile wurden Hister’s und Graul’s Compagnien Berks County Freiwilliger von Elisabethtown nach Long Island beordert und Washingtons regulärer Armee einverleibt, dann dauerte es auch nicht lange, daß zwischen den Amerikanern und Engländern Scharmützel vorkamen, in welchen einige Berks Countyer verwundet und getödtet wurden, und bald darauf, nachdem sich die Engländer in Eile gesammelt hatten, griffen diese mit Macht die Amerikaner an, tödteten viele, nahmen Capitän Hister, mehrere Officiere und viele Soldaten gefangen, welche in das furchtbar berühmte Gefängnißschiff Jersey eingesperrt wurden. Durch die schlechte Behandlung, welche den Gefangenen zu Theil wurde, erkrankten und starben viele der braven Kämpfer für Freiheit und Recht, und nachdem die überlebenden Gefangenen mehrere Monate in dem furchtbaren Kerker geschmachtet, wurden sie nach New York gebracht, wo es ihnen nicht viel besser erging.
Friedrich Leinbach, der den Klauen des Feindes entkommen war und zu einem andern Regiment eingetheilt wurde, schrieb seinen Eltern bei erster Gelegenheit die Vorgänge auf Long Island, und bemerkte dabei, daß er seit der Ueberrumpelung Theodor aus den Augen verloren und seit dieser Zeit nichts mehr von ihm gehört, wahrscheinlich wäre er mit Capitän Hister gefangen worden. Auch nach Philadelphia war die traurige Nachricht von dem Verlust der Armee gekommen, und als Maria den Bericht von Friedrich Leinbach vernommen, wurde sie von tiefer Wehmuth ergriffen und stärker erhob sich die Ahnung, meinen theuern Theodor werde ich nie wieder sehen. Weder die Trostworte des Pfarrers, noch die seiner braven Gattin, konnten die junge Frau beruhigen; sie verrichtete zwar wie bisher pünktlich ihre Arbeit, doch kam kein Lächeln mehr in ihr jetzt so blasses Gesicht. Ihre sonst so blühende Gesundheit verschwand mit jedem Tage mehr und mehr und nur in der Religion suchte sie ihren Trost.
Mühlenberg gab sich alle erdenkliche Mühe, um etwas über sein Schicksal zu erfahren, er schrieb an Freunde in New York, wandte sich an den Quartiermeister der Armee, doch Alles war vergebens, Niemand konnte ihm Auskunft über den Vermißten geben. Endlich, als Capitän Hister aus der Gefangenschaft befreit und ausgetauscht war, berichtete er dem Pfarrer auf dessen Anfrage, daß Theodor mit ihm aus dem Gefängnißschiff Jersey nach New York transportirt worden wäre, derselbe sei schwer verwundet gewesen und habe ganz elend ausgesehen. In New York wäre er selbst krank geworden, und kaum sei er etwas genesen, ausgetauscht worden, habe aber von Theodor Benz nichts mehr gehört und gesehen.
Pastor Mühlenberg verschwieg Maria diese Nachricht, denn er wollte die Traurige nicht noch trauriger machen und tröstete sie täglich damit, daß Theodor aller Wahrscheinlichkeit nach noch in der Gefangenschaft sei.
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Es waren Jahre verflossen, die Amerikaner siegten über ihre Unterdrücker, Frieden wurde geschlossen, das Land war frei. Da kehrten die Sieger in ihre Heimath zurück, darunter auch Friedrich Leinbach. Er kam von Yorktown, wo er ehrenvoll von der Armee entlassen worden war und nahm seinen Weg nach Philadelphia, wo er hoffte von dem Pfarrer oder Maria etwas von Theodor zu erfahren, aber leider konnte man ihm nicht das Geringste über den Vermißten mittheilen. Obschon Mühlenberg sich eine Liste der gefangenen und gestorbenen Vaterlands-Vertheidiger zu verschaffen gewußt hatte, so fand er Theodor Benz Namen jedoch nur in der Rollenliste als Sergeant in Capitän Hister’s Compagnie verzeichnet. Noch sprach Friedrich mit dem Pfarrer, als Maria eintrat, um ihn zu begrüßen, aber ganz erschüttert und sprachlos stand der junge Krieger, als er Maria’s traurige Gestalt auf sich zukommen sah, um ihm Hand und Gruß zu bieten; wo war das blühende, freundliche Gesicht, wo waren die schönen Züge, die kräftige Gestalt des Mädchens. Mit tiefer Rührung bat er Maria, daß sie doch mit ihm, ihrer Gesundheit halber, in die gesunde Gegend seines Vaters Farm ziehen möge, sie würde sich dort gewiß recht bald erholen, und wenn Theodor noch unter den Lebendigen sei, er gewiß nach seines Vaters Hause kommen würde, aber Maria dankte, und bemerkte dabei, daß sie hier auf ihrem Posten bleiben müsse, denn Frau Mühlenberg sei schwer erkrankt und sie müsse der guten Frau treue Pflegerin bleiben.