Fünftes Kapitel.

Das Landgeschenk.


Deutsche Treu und Redlichkeit

Macht uns geltend weit und breit.


Nachdem Theodor die Aufträge, welche er von Leinbach und dessen Nachbarn empfangen, pünktlich besorgt hatte, nahm er von seiner Maria, den Pfarrersleuten und der guten Wirthin zum goldenen Schwan Abschied, bestieg wohlgemuth sein ausgeruhtes Pferd, ritt rasch die Ridge Road hinaus, Oley zu, und erreichte schon in der Hälfte des zweiten Tages Leinbach’s Farm, wo ihm ein liebreicher Empfang zu Theil wurde.

Fleißig ging er wieder an die Arbeit, traf überall im Felde, sowie bei der Viehzucht, praktische Verbesserungen, so daß ihm Leinbach sein volles Zutrauen schenkte und die ganze Verwaltung der Farm überließ.

So waren etwas über zwei Jahre seiner Dienstzeit verflossen, während welcher er seiner Maria und Freunden in Philadelphia mehrere Besuche abgestattet hatte. Da sagte eines Tages Leinbach zu seiner Frau: Liebe Anna, seitdem wir den Theodor auf unserer Farm haben, ist der Segen des lieben Gottes doppelt bei uns eingekehrt. Er hat unsere beiden Buben zu Fleiß und Ordnung angehalten und zu verständigen Bauern gemacht, es ist daher jetzt Zeit, daß wir auch an den braven Mann denken, der uns so viel Glück ins Haus gebracht, und unsere Farm zu einer der wohlhabendsten in der ganzen Gegend gemacht. Was denkst du, wenn wir ihm dass schöne Stück Land von 175 Ackern, bei Motz Mühle gelegen, zum Geschenk machten, das ich ja doch nicht bebauen kann, und mir Vetter Jakob de B. Keim so oft gerathen, nicht leer stehen zu lassen, sondern zu verkaufen. Unsere Farm, fuhr er fort, ist vollkommen groß genug, zwei Familien reichlich zu ernähren, in diese können sich, wenn wir einst die Augen geschlossen, unsere Buben theilen, für unsere Mädchen haben wir in der Nähe des Dorfes Reading zwei große Stücke des werthvollsten Landes, auf welche mir schon große Gebote gemacht wurden. Nun, wie wäre es, wenn wir unserm Theodor, wenn er uns noch eine zeitlang treulich dient, das erwähnte Stück Land schenken würden? — Unser Vetter Jakob de B. Keim würde dann einen guten Nachbar bekommen, Theodor sich eine Heimath gründen, seine Maria heimführen, gegen uns gewiß dankbar sein und oft zu uns herüberkommen, um zu sehen, ob unsere Buben Alles recht machen.

Mit vielem Vergnügen willige ich ein, erwiederte Mutter Leinbach, und unsere Kinder werden auch nichts dagegen haben, denn sie lieben ihn ja, als wenn er ihr leiblicher Bruder wäre. Gut, sagte Leinbach gar freundlich, indem er seiner Frau die Hand drückte, morgen ist Theodors Geburtstag, ich werde mit ihm hinüber reiten und das Land zeigen, gefällt es ihm, so mag er es haben. Ich will ihm sagen: Sieh, lieber junger Mann, wir schenken dir das schöne Stück Land, worauf du dir leicht eine gute Heimath gründen, und dann deine treue Maria als ehrsame Hausfrau einführen kannst, und dazu bitten wir den lieben Gott, daß er dir seinen Segen schenken möge.

Der braven Frau traten bei diesen Worten die Thränen in die Augen, sie trat zu ihrem Manne und sagte: Friederich, du bist ein guter Mensch, des Allmächtigen Güte wird uns und unser Haus auch ferner beschützen.

Noch an demselben Abend rief Leinbach seinen Knecht Theodor in seine Nebenstube, ersuchte ihn Platz zu nehmen und richtete folgende Worte an ihn: Theodor, du weißt, daß wir Alle dich gerne bei uns haben und wissen, daß morgen dein Geburtstag ist, da dachte ich heute so bei mir selbst, wir wollen einmal an diesem Tage die nicht ganz nothwendige Arbeit ruhen lassen und hinüber reiten zu unserm Vetter Keim bei der Motz Mühle, du warst ja noch niemals dort drüben, wo auch tüchtige Bauern wohnen. Theodor nahm die Einladung dankend an, denn er war sehr neugierig, die Gegend daselbst, sowie den fruchtbaren Boden, von dem er so viel hatte reden hören, kennen zu lernen.

Am nächsten Morgen in aller Frühe sprengten die beiden Reiter, Vater Leinbach und Theodor Benz, zum Hof hinaus, und rasch ging’s auf Keim’s Farm zu. Dort wurden sie auf die freundlichste Weise von der ganzen Familie begrüßt und da es gerade Mittagszeit war, auf das Beste bewirthet.

Nachdem man sich eine kurze Zeit über die Tagesereignisse und besonders über die große Unzufriedenheit des Volkes der Colonien gegen England besprochen, und zuletzt einig wurde, daß die Krone Englands zu tyrannisch gegen ihre Colonisten handle, bat Leinbach mit ihnen hinaus zu gehn, um die ihm gehörigen 175 Acker, welche er in der Nähe von Motz Mühle besitze, in Augenschein zu nehmen. Er möchte auch gern von seinem Verwalter Theodor hören, welchen Werth das Land ohngefähr habe. Keim war dazu gerne bereit. Als sie auf dem Grundstück angekommen waren, schenkte Theodor demselben seine ganze Aufmerksamkeit, untersuchte hier und da den Boden, fand einige ganz vortreffliche Quellen, bewunderte den schönen Wald am Hügel mit seinen kräftigen Hickory-, Eichen- und Kastanienbäumen, und sagte dann zu seinen Begleitern: Dieses Stück Land ist ein so vortreffliches, wie irgend eines in der ganzen Gegend, und er sei ganz erstaunt, daß Vater Leinbach es habe so lange brach liegen lassen; es könne ja so leicht urbar gemacht werden und ein tüchtiger Bauer mit wenig Hülfe in einigen Jahren eine höchst ergiebige Farm daraus machen. Lieber Theodor, erwiederte Vater Leinbach, ich habe nur auf den tüchtigen Bauern gewartet, und habe ihn nun gefunden, dies Land soll dein sein und meine Frau und Kinder wünschen dir Glück dazu, in einigen Tagen werde ich dir das Dokument zustellen, welches dich zum rechtmäßigen Besitzer macht. Du hast es durch Treue und Fleiß verdient und freue ich mich, daß Vetter Keim einen so guten Nachbarn bekömmt.

Theodor stand eine zeitlang wie versteinert, dann rollten Thränen über seine Wangen und stumm drückte er seinem Wohlthäter die Hand. Nun, nun, fasse dich, sprach Vetter Keim, reichte dem jungen Manne die Hand und sagte: Theodor, wir sind jetzt Nachbarn, und ich gebe dir das Versprechen, sobald du Besitz davon nimmst, deine Nachbarn dir behülflich sein werden, ein ordentliches Blockhaus darauf zu bauen, in welches du dein Weibchen einführen kannst. Da ich den Plan meines Vetters Leinbach kannte, so habe ich schon zu unserm nächsten Nachbarn, dem Müller Motz, gesprochen, und auch mit dem geschickten Zimmermann Bartolet, welcher freundlichst versprach, den Bau des Hauses zu leiten, da er gehört, daß du ein so tüchtiger Bauer und außerdem ein religiöser, friedliebender und ehrenhafter Mann bist.

Nach dieser Unterredung wurde noch der Müller Motz besucht, der die Angekommenen freundlichst begrüßte und sich freute, daß Theodor ihn einmal besuche. Auch in der Motz Mühle[2] wurde die Angelegenheit zwischen dem König von England und den Colonisten besprochen, und das nämliche Urtheil wie bei Vetter Keim gefällt.

Der Nachmittag war schon weit vorgerückt als die Reiter Keim’s Farm verließen, doch kamen sie wohlbehalten wieder in ihrer Heimath an.

[2] Diese Mühle existirt heute noch, hat immer noch einen guten Namen bei den Bauern und wird jetzt von dem Müller Reichert geleitet.