IV.

In Johannes Hause leuchtete der Kamin hell zu den hellen Scheiben hinaus, und von draußen sah die Wohnung sich so ruhig und erdglücklich an wie je. In Christels Stübchen nach Morgen war auch Licht. Rauch stieg aus der Esse gerade und ein wenig mondbeleuchtet von der Sichel des Neumonds zu dem dunkelblauen herbstlichen Himmel empor, und er hatte seinen alten weißen nächtlichen Friedensbogen sich umgegürtet und die Gestirne schienen still so fort, und jeder Stern brannte ruhig und unbewegt so fort, ohne zu flackern und Strahlen zu schießen, wie in einer heilig dunkeln Todtenkammer — der Lebendigen.

Auf Johannes Hofe aber stand ein — bei Tage und von Prunkthoren sogenannter prächtiger englischer Reisewagen, aber diesmal, statt der geraubten, braunen vier — National-Engländer mit sechs schwarz und weiß großgescheckten holländischen Kühen bespannt, und hinten, statt der Bedienten mit zwei angebundenen Mastochsen. Auf dem Bocke aber saß neben dem englischen Kutscher die Kuhmagd, die besser als er ihr liebes Vieh zu bereden und zu regieren wußte. Die Kühe sollten für Herrn Paschalis und seine Tochter Milch geben; die Mastochsen aber frisches Fleisch, wenn sie in der Festung Mainz vor dem doppelten Feinde, den Russen und der Krankheit sich eingeschlossen hätten, wie in dieser Nacht noch geschehen sollte; und die Viehmagd trug schon die unsichtbare Bestimmung an sich, dann Kammerjungfer zu sein, wozu sie schon jetzt so treu als hübsch genug war. Der englische Kutscher war dann ein nothwendiges Uebel und Ueberlei, und ward bloß auf bessere Zeiten aufgehoben, wie ein leeres gutes Weinfaß von einem Winzer auf bessere Weinlesen.

Paschalis war ausgestiegen und that kaum einen Blick nach der Gluth am Himmel zurück; ein schwerer, ja der allerschwereste Seelenschmerz schien ihn zu bedrücken, ja niederzubeugen; denn er hielt ein weißes Schnupftuch in der Hand, und wie er in dem Düster der Nacht unbemerkt zu sein glaubte, hielt er es plötzlich vor die Augen, als wenn er eine Fluth von Thränen darein ausgießen wollte, ob gleich kein Tropfen darein floß und sein Gehirn wie ausgetrocknet war, und doch wollte er nur — wenn ihn ja Jemand bemerkt — das Ansehen tragen: als habe er genieset; und er nahm wieder Tabak aus seiner goldenen Dose; aber er steckte ihn in den Mund — denn es war schwarzbraunes egyptisches Opium.

Johannes hatte das schöne Vieh brüllen gehört, sich hinaus getraut, seinen dankbaren Freund Paschalis gefunden, sich gewundert, und voll wie sein Herz war — demselben in einfachen Worten das Schicksal mitgetheilt, das sein Haus betroffen, aber keinen Trost erhalten, als einen langen Händedruck und keine Antwort als: „Dankt Gott für dieses reine Leid, mein lieber Johannes!“ und auf die Frage, wo Dorothea sei, erhielt er nur den Bescheid: „sie ist auf Euren Thurm gestiegen, um den Rauch von Breitenthal noch einmal zu sehen.“

Während nun Johannes für die Leute und das Vieh sorgte, schlich Paschalis sacht an die lichten Fenster, lehnte leis die Stirn an und sahe hinein, und er sahe: In der großen Wohnstube, ihm gegenüber an der Wand, hatte der alte Frommholz seine Hobelbank, und er arbeitete mit Daniel an einem kleinen Sarge; denn es waren schon sechs Brettchen zugeschnitten, und der Knabe und der Alte sägten eben an den vier kleineren.

„Ach, Ihr seyd glücklich!“ sagte Paschalis und schlich vorüber, an Christels Stübchen. Seine Angst, als Vater Dorotheas, war groß; seine Ungewißheit war halbe Verzweiflung. Denn während in seinem Schlosse sieben Feinde, Kosaken, gelegen, schien seiner Tochter ein unmenschliches Unglück zugestoßen zu sein. Er vermuthete es nur, er wußte es nicht. Er hatte sie nicht gefragt vor Entsetzen und Scham; sie hatte also auch nicht geredet, vor Entsetzen und Scham, Aber in dieser Meinung hatte er ein siebenfaches Verbrechen begangen, und das marterte ihn. Aber auch Dorothea schien ein siebenfaches Verbrechen begangen zu haben, so gut oder so schlimm wie er, nur auf andere Weise. Er vermuthete das gleichfalls nur, und er wußte auch das nicht. Aber Dies zugleich — oder Jenes allein, schien sie zu foltern; und er war kein Vater und kaum ein Mensch mehr, nur sein eigener körperlicher runder Schatten; und seine Seele war nur noch wie der schrillende Klang einer geborstenen Glocke, die er nicht wagte anzurühren mit dem leisesten Gedanken, aus Furcht, sie verrathe den schmählichen Riß — ihm selber. Und noch unglücklicher hätte er sich gefühlt, wenn er nur hätte ahnen können, mit welchen seligen tröstenden Worten von Brautstand und Ehestand Meister Wecker seiner Tochter Dorothea die leidende unschuldig-schuldige Seele zerrissen.

Jetzt sah er in Christels Fenster. Da drinnen aber sah es anders aus. Denn Christel hatte es unmöglich über das Herz bringen können, den Gebrauch noch vieler Deutschen nachzuahmen, welche die Gestorbenen sogleich aus ihrem Bette reißen, und mit kaum zugedrückten Augen und kaum verbundenem Munde nackend auf ein Brett legen, darauf schon die halbe Stadt oder das halbe Dorf gelegen hat, und dann die Aermsten, zur Dauer für die Würmer, wo möglich in ein finsteres kaltes Gemach stellen, bis zum Tage ihrer Einkleidung für die Gruft. Die herzige Mutter hatte dagegen ihr Kind, nach schicklicher Ruhe, sogleich schön gewaschen und angezogen, ihm über die Bettchen seiner Wiege — worin es noch geschlafen — ihr feinstes weißes Tuch gebreitet, und das liebe Mädchen darauf gelegt. Selbst der Kranz von rothen und blauen Astern schmiegte sich schon wehmüthig-schön um das theure kleine Haupt. Und wie es die Mutter so ansah, that ihr sonderbar genug recht eigen leid, daß die Kleine mit einer gefallenen und noch ungeheilten Wunde auf der Stirn in das Grab gelegt werden sollte; wie ein Maler sein eben vollendetes Werk gern recht sauber und ohne Stäubchen aus seinen Händen giebt, es noch einmal zurückverlangt aus den Händen des Empfängers, es genau überblickt, noch ein Sonnenstäubchen vorsichtig von dem goldenen Rahmen haucht, und dann lächelnd und zufrieden es auf immer dahin läßt und spricht: „Nun, so!“ — Christel aber, welche die Wunde nicht hatte weghauchen oder wegküssen, noch mit Thränen wegwaschen können, hatte sie unter eine Blume versteckt — schüchtern sich umgesehen, als ob ihre redliche Seele Jemanden getäuscht habe, und leise gesagt: „Nun, so!“

Zu den Kindern aber hatte sie gesagt: „Meine Kinder, seht euch noch an eurem Schwesterchen satt! Ihr habt sie nur noch, bis zweimal die Sonne untergeht — dann seht ihr sie lange nicht wieder!“ — Und so hatten die Kinder ihre Weihnachtswachsstöckchen aus ihren Schränkchen hervorgeholt, sie in lauter kleine Lichter zerschnitten, sie zu Häupten der Wiege an den Tischrand geklebt, angezündet — alle auf einmal — und nun waren die goldgeschmückten Lichtlein in Kurzem alle auf einmal niedergebrannt, und sie weinten nun, daß es würde finster sein, und sie ihr Schwesterchen nicht mehr sähen. Die Mutter hatte den Schaden gut gemacht durch angezündete Lichter. Aber Sophiechen war über das Weinen eingeschlafen; und Gotthelf war müde und hungrig eingeschlafen und hatte sich nicht getraut, heut von der Mutter ein Abendbrod zu bitten. Und so lagen die lieblichen Kinder alle drei wie vom Schlafe gelöst, noch mit den Gesichtern zusammen; zweien davon blühten die Wangen rosig und sie athmeten leis, aber ihre Haare waren unbekränzt — dem dritten aber blühten die Wangen von einem tiefern Schlafe weiß und rein, und es bedurfte die Erde zu keinem Athemzuge mehr; aber seine Härchen waren bekränzt. Christel aber hatte dem Mörder des Kindes, nachdem er nothdürftig verbunden worden, ihr eigenes Bett eingeräumt; er lag auf demselben; und wie sie jetzt vor ihm stand und ihn ansah, seufzte sie schwer darüber, wie sehr er sie beraubt habe, und sprach, nun ihn deswegen aus tiefer Seele bedauernd: „Armer, armer Mann! Armer Sebast-Janow!“ Denn St. Etienne hatte seinen Namen in seinen Sachen aufgezeichnet gefunden und ihr ihn gesagt. St. Etienne hatte ihr aber auch zum Abschied und zum Troste ein Bildniß dagelassen, welches er dem Sebastianow, als dessen Raub und nun seine Beute, mit abgenommen, und welches Christel hatte annehmen müssen, aber noch nicht angesehen, ja nur hingelegt; er aber hatte es ihr an dem goldenen venetianischen Kettchen hingehangen. Denn das Bildniß hatte unläugbare Aehnlichkeit mit der kleinen Tochter Clementine. Christel drehte das funkelnde Geschmeide jetzt kaum neugierig um — aber sie sahe die Brillanten daran nicht vor Ueberraschung: denn das Bild stellte ihre Schwester Martha dar . . . . Niemand anders hatte es getragen, als ihre Dorothea, welcher es der Vater Paschalis geschenkt . . . Dorothea hätte es lebend Niemandem von ihrem Herzen gegeben . . . es war ihr also nur gewaltsam geraubt . . . und Christel trat hastig drei Schritt nach der Thüre zu. Aber wo wollte sie hin? Was konnte sie ändern? Sie war in der Stimmung, worin sie aus Noth und Tod, aus Vertrauen und Liebe von aller Welt das Beste hoffte. Und mit ganz anderem Sinn stellte sie sich wieder vor den verwundeten Sebastianow und sprach jetzt mit Thränen: „Armer, armer Mann!“ — Aber die Worte zerschnitten ihr Herz. Sie blickte auf ihr Kind; sie küßte alle drei schlummernde Häupter; sie setzte sich zu ihnen, und eines davon schlang in halbem Schlafe — die Mutter ahnend — sein Aermchen um ihren Nacken und wandte sich um, ohne aufzuwachen.

Dem weinenden Paschalis aber war zu Muth, als sähe er in die seligen Gefilde eines Mährchens: oder als sei ihm jetzt erst die Welt zu einer großen heiligen Wundergrotte geworden; oder die Welt sei schon lange, lange undenkliche Zeit der Zaubersaal des Gottes, in der That und unläugbar; und es bedürfe nur Augen der Seele dazu, es zu sehen, daß er das sei; und nun dachte er, daß sich der himmlische Vater freuen müßte, wenn auch Er das Alles sähe: — Eine gute Menschenmutter in ihrem heiligen Schmerz! Ein Weib, das freilich keine Unsterbliche sei, und bald selbst auch von der Erde verschwinden werde; aber daß hier ja keine Unsterbliche zu sein brauche, um alles Menschliche richtig zu thun und zu leiden, und das als Sterbliche eben noch wunderbarer daliege, wie in einem Mährchen, mit dem Haupt neben den kleinen Häuptern der drei schlummernden Kinder! Und wenn Er sähe: Gute Kinder voll Liebe, Leid und Mitleid — welche schöne Gefühle alle in ihrem engen Geiste nur Traum seien . . . . und einen guten Vater, der um alle still und schweigsam besorgt war; vor allem aber: den Großvater, der alle um ihrer Liebe willen liebte und um ihrer Schmerzen willen litt, aber auch für alle gefaßt war und thätig — denn sein eigenes Leben hatte er überstanden und gleichsam zugemacht wie einen schönen Bildersaal, und ihn kümmerte nur noch das Leben und Glück der Seinen. Paschalis aber dachte nicht nur, er glaubte, er empfand, daß der himmlische Vater zugleich mit ihm, und doch ganz anders, in das Stübchen sähe; und er kehrte sich vor unerträglicher Seligkeit des reinen Menschenlebens ab; denn Verzweiflung ergriff ihn, und er — niesete wieder!

„Ei, meine allerbeste Gesundheit! und zugleich meinen allerschönsten guten Abend, theuerster Abgebrannter und Herr Paschalis!“ sagte Wecker, der still gekommen. „Nicht wahr . . . ein himmlischer Guckkasten, worein Sie beliebten zu sehen! Ein trauliches stilles Hirtenhäuschen — das eben ruht; nur die Papierwände freilich etwas groß von himmelblauem Himmelspapier! Aber still . . . da kommt ihre Tochter, unsere Dorothee — was ein wahres Glück ist! Denn gewisse Leute können sogar mit allen zerschmetterten Gliedmaaßen — nicht — füglich — mehr — wandeln — — am wenigsten anhero!“ — Und, um seinem Wohlthäter auf eine unverständliche Weise zu verstehen zu geben, wie er ihm heut vergolten habe, setzte er hinzu: „Denn heute habe ich alter Mann — wie Sie mich hier sehen — eine gleich große schöne Jungfrau geschaffen! Mit diesen dürren Meisterhänden! Ja ihr auch eine neue Seele in ihre eigene Rippe geblasen — denn Eva war eine Rippe — aber Adam’s, wissen Sie — wie ich weiß — können Sie denken! Der Mann bin ich.“

O Wecker, wenn Ihr das könntet! sprach Paschalis leise, und zog ihn still um die Ecke des Hauses in’s Düstre; und Dorothee ging darauf langsam hinein zu Christel.

Johannes aber, von einer andern Seite kommend, brachte schon wieder etwas Neues: die Ansagung von zwanzig Mann Einquartirung auf ihr Haus, und schon diese Nacht! Beide wurden dadurch gehindert zu sehen, wie Dorothea sich bei Christel bezeigen würde, und zu hören, durch welch ein Wort sie sich vielleicht errathen lasse. Denn auch ihrem Vater war ihre plötzliche Verwandlung in’s Tiefe, Abgeschlossene, Finstre, Verschwiegene, Qualvolle und Weltverachtende selbst ein Räthsel, wenn er auch ohngefähr vermuthen konnte: was sie gethan. Denn auch gethan hatte sie etwas, ja ein Grausames und Schreckliches. Aber das behielt er als Vater für sich, und niesete nur auch jetzt wieder auf diese neue Nachricht, Wecker wünschte aber diesmal sein höflichstes: „Gotthelf!“ wozu Paschalis nur leise verneinend den Kopf bewegte.

Hoho! sagte Wecker, kann auch der nicht mehr helfen!

Johannes aber hatte eine große Bitte auf dem Herzen und sprach: Ich getraue mich kaum es zu sagen, wenn Ihr es nicht wäret — unser lieber Herr Paschalis, der an uns schon so viel gethan. Darum habe ich auch jetzt mein Vertrauen auf Euch gesetzt, und bitte Euch: nehmet unsere Kinder mit! Nach der Stadt ins Sichere! Wir sind gewarnt auf Zeitlebens! Und hat der Großvater aus zu großem Vertrauen die Vorsicht uns versäumen lassen, möge Gott nicht auch mein Mißtrauen gegen unsere Lage, im Dorfe hier einsam und unter der Schanze, mit Unglück bestrafen! Aber wie es auch komme — ich nehme es auf mich; denn ich meine es gut; und so wird es gewiß auch der himmlische Vater meinen — meinet Ihr es auch gut mit den Kindern, mit Christel und mir! Nur der Großvater wird in der Sicherung der Kinder einen stillen Vorwurf gewahren, und nur deswegen möcht’ ich kaum bitten . . . . aber ich bitte doch!

Wenn das nur Christel zufrieden ist; meinte Paschalis; die Kinder wird Dorothea schon wohl besorgen; und — liebe Sorge thut dem Herzen wohl, und trägt uns furchtlos über grause Wogen!

Lieber Herr Paschalis, sagte Johannes, was einem Manne so recht wohlgemeint in die Gedanken kommt, das will seine Frau gewiß auch, sonst käme es ihm gar nicht ein, oder er bliebe nicht lange dabei! Ich rede aber aus ihrer Seele, wie sie immer aus meiner; denn wir sind Eheleute — Ihr wißt das nicht; nehmt das nicht übel; aber Ihr werdet meine Rede bestätiget finden! —

Als sie nun alle hineingegangen in die Wohnstube, wo Frommholz und Daniel arbeiteten, kam Christel herüber, grüßte Paschalis, und — als könne sie es vor Angst nicht länger ertragen, bat sie unverweilt: er möchte sie selber mit nach Mainz nehmen!

Paschalis lächelte niedergeschlagen darüber, als habe Dorothea ihr das gerathen, und sagte dagegen: Die Kinder! liebe Christel. So meinte Johannes.

Ja, ja, die Kinder! rief sie bestimmt.

Und Johannes sagte zu Paschalis: Sie hat nicht, wie ich, gewußt, daß sie 20 Mann Einquartirung bekommt.

„Zwanzig Mann, nicht Männer!“ erklärte Wecker.

O Gott, scherzt nicht! verwies ihm Christel und eilte Anstalt zu treffen für die „Mann“ und die Kinder. „Dorothea schläft!“ hatte sie Paschalis noch gesagt.

„Ungegessen? oder: ohne gegessen zu haben — wie ich die Schulkinder verbesserte; eine sonderbare Braut!“ sprach Wecker.

„Die schlafende Clementine hat sie angesteckt!“ meinte Paschalis, zu welchem Daniel jetzt bescheiden trat und ihn frug, was für einen Text aus der Bibel, die er ihm hinhielt, er auf dem Kreuze der kleinen Schwester zitiren solle?

Und Paschalis nahm das Buch, setzte sich an das Kaminfeuer, blätterte, seufzete, las, blätterte wieder und sagte ihm endlich: „Lieber Daniel, hier! Zitire Deinen Namens-Vater Daniel oder das sechste Capitel aus dem Buche der Weisheit, das paßt jetzt auf alle Welt. Denn die Schrift ist für alle Zeiten geschrieben, und jeder Mensch und jedes Jahrhundert findet seine Lehre, und sein Urtheil darin. Gebe nur endlich Gott, daß die ganze Welt zusammen nur Einen Vers daraus hält, als etwa gleich diesen!“ — Er wollte Einen sagen, aber seine Leiden verwandelten ihm die Worte im Munde und er sprach, zu aller Verwunderung diese: „Ach, daß ich wüßte, wie ich ihn finden, und zu seinem Stuhl kommen möchte, und das Recht vor ihm sollte vorlegen, und den Mund voll Strafe fassen, und erfahren die Rede, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde!“

Und Wecker sprach leise zu den Andern: Stille, stille! Er meint den lieben Gott! Er ist jetzt Hiob! Laßt ihn schlafen; er senkt schon sein Haupt auf die Brust. Setze Dich neben ihn, Daniel, und nimm ihm nachher die Bibel leise aus seiner Hand, damit er nicht aufweckt, wenn sie zu Boden fällt! Ich aber übernehme das diesmal leichte Colfactoramt am Kamin, und will — nicht mehr anlegen! So wird ihm der Kopf nicht noch heißer vom Feuer! Lasset ihn schlafen, und ruhet Ihr auch!

Und so setzte er sich hin. Das Feuer erlosch nach und nach, und es ward trauliches Dunkel und heimliche Stille im warmen Zimmer, und die Sterne schienen herein zu den Schlummernden.