III.

Nieder-Rudelsdorf, 7. Sept. 1820.

Der inliegende Brief, mein geliebter Freund, war mir schon längst für Sie zugesendet. Meine Frau, Ihrer Güte für mich und sie vertrauend, wendet sich darin mit einer Bitte zu Ihnen, der ich jedoch, einmal zum auf die angenehmste Weise dabei compromittierten Mitwißer gemacht, nicht unbedingt das Siegel meiner Beistimmung aufdrücken konnte. Gern und die schöne Absicht ehrend, war ich auf ihren Vorschlag eingegangen, einen Catalog durchzusehn, der alte gute Nürnberger Waare anbot, und ich habe mir aus demselben mehreres, z. B. einige Dürerische Holzschnitte und Stiche die mir fehlen, etliche Blätter von Kranach, verschiedene Bücher und insonderheit die — selten beisammen zu findende — Folioausgabe von Hans Sachs Werken, vollständig, — ausgezeichnet, und so auch etwas Prädestination versucht, doch denke ich, das immer noch dem Gange des Ganzen dabei Überlaßene, und die Bestimmung zum christlichsten und kindlichsten Fest, schüzt mich vor aller Beschuldigung des Islamismus. Nun kann aber leichtlich, wenn das Meiste davon mir zu Gute kommt, der Auctionswerth 40–50 Thaler betragen, und aus diesem Grunde erinnerte ich meine Frau, als ich den Bittbrief an Sie empfing, nochmals an ihre Zusage, mir inskünftige unbeträchtlichere Gaben zu spenden, und an die Haltung unsers gegenseitig neuerrichteten Vertrags. Sie hat dagegen excipiert, daß es das Leztemal seyn solle, und ich Ihnen, mein verehrter theurer meisterlicher Freund, ihre Zeilen und mein ihr einst gegebenes Verzeichniß — ein anderes hat sie verloren — nur überreichen und das Weitere Ihrer Weisheit überlaßen möchte. So stelle ich diese nun täglich zwischen uns beide, die in diesem Falle wie immer mit der ächten Liebesgüte eins ist — sind Sie nicht selbst der Salomo auf dem Throne der Poesie? Entschuldigen Sie also meine vielen, aber nothwendigen Worte über diese Angelegenheit, nur das laßen Sie mich noch hinzusetzen, daß ich mich darauf verlaße, Sie werden freundlich auf mein obiges Bedenken zurückblicken, auch denke ich, daß vielleicht eins oder keins der angegebenen Werke in der gegenwärtigen Dresdener Auction vorkommen wird, was mir gewißermaßen zur Beruhigung gereicht, ob ich gleich auf Bücher meiner Natur nach ein rechtes reißendes Thier bin.

Die Rückkehr meiner Frau von Wien ist noch nicht bestimmt, sie hat eben jetzt die Fahrt nach Ungarn zu ihrem Bruder gethan, und scheint sich, wie es ja nicht anders seyn kann, wenn man ein Gast des wirthlichen Praters und der Donaunixe ist, sehr wohl zu gefallen. Mit mir geht es Gott Lob! recht erwünscht und gut, und ich hoffe sonach diesen Herbst und Winter als rüstiger Ritter zu bestehn und damit meines gütigen antheilsvollen Freundes Beifall zu erwerben. Unser lieber Malsburg wird, denke ich, in diesen Tagen bei Ihnen seyn; ich habe ihm einen Gruß nach Eisenach entgegengesandt; fragen Sie ihn doch, ob er denselben bei unserer gemeinschaftlichen Freundin, Julie von Bechtolsheim, erhalten? Graf Kalkreuth wird wohl längst seine Reise nach Wien angetreten haben; möge auch er uns recht wohl heimkehren! Wilh. Müller (i. e. der Dessauer Elb-Müller) schreibt mir im lezten Briefe: „Wie sehr mich diesmal Dresden gefeßelt hat, werden Sie Sich leicht einbilden können, wenn Sie wißen, daß ich Tieck fast täglich gesehen und genoßen habe, da er überaus mittheilend und theilnehmend sich gegen mich erwies“ —! und dies freut mich! Wird uns wohl auch Schütz gewiß zum Winter wiederkehren? ich freue mich darauf, so wie, seine Evadne und Guiscardo und Gismunda gedruckt zu sehn. Gedruckt angesehn — in der Ascania — scheint mir sein Karl der Kühne noch ungenießbarer, als an jenem Abende bei Ihnen. Gern, wie gern möchte ich mich recht bald in dem mir so lieben, geistesheimathlichen Kreise befinden! Mehrere Umstände vereinen sich aber, mir vermuthlich eine etwas längere Dauer meines hiesigen Aufenthalts aufzulegen, und da er mit der Nähe einer innig geliebten und verehrungswerthen Mutter verknüpft ist, so ist des Herzens Meinen und Verlangen getheilt. Die Liebe ist von oben, denn sie möchte zugleich umfaßen, — darum ist die selige Schmerzlichkeit ihr Kind. Der theuern Gräfin, allen den lieben Ihrigen meine besten, meine herzlichsten Grüße. Ihnen die treusten Wünsche für Ihre Gesundheit! Behalten Sie lieb

Ihren O. H. G. Loeben.

Von Helmina habe ich kürzlich recht liebe und werthe Gedichte erhalten.