IV.
Kopenhagen d. 7 Nov 1843.
Mein alter Freund!
Ein junger Gelehrter, Cand. Theol. Brasch, der eine Reise macht, wünscht deine persönliche Bekanntschaft zu machen, und bittet mich einige Zeilen zu dir mit zu geben. Dieses habe ich dem jungen hoffnungsvollen Manne, der mehrere Jahre beim Finanzminister Moltke Hauslehrer war, nicht abschlagen wollen; und ergreife zugleich diese Gelegenheit meine Erinnerung in deinem freundlichen Gedächtnisse ein wenig aufzufrischen. Es freut mich zu hören daß du den Einfluß und die Liebe deines Königs erworben, die du verdienst. Ich höre, Ihr spielt jetzt in Berlin Stücke im Geschmack der Alt-Griechen und Alt-Engländer — das ist hübsch von Euch. — Vielleicht kommt die Reihe auch an einen armen Mitlebenden. Schiller sagt: „Wir wir leben, unsre sind die Stunden“ — das ist aber nicht immer wahr. Mitunter kommen erst die Stunden, wenn die letzte Stunde der Lebensuhr geschlagen hat.
Ich habe neulich eine Tragödie gemacht „Dina,“ die in Kopenhagen viel Glück machte. Ich werde ein Exemplar meiner deutschen Uebersetzung nach Berlin und eins nach Wien schicken. Bei dieser Gelegenheit hoffe ich auf deinen Einfluß, wenn das Stück das Glück haben sollte deinen Beifall zu gewinnen.
Gott segne Dich!
Dein
treuer Freund
A. Oehlenschläger.
Paalzow, Henriette, geb. Wach.
Geb. zu Berlin 1788, gestorben daselbst am 30. Oktob. 1847.
Godwie Castle, 3 Bde. (1836.) — Saint-Roche, 3 Bde. (1839.) — Thomas Thyrnau, 3 Bde. (1843.) — Jakob van der Nees, 3 Bde. (1847.) — Daß es hauptsächlich der vielbelobte „blühende Styl“ gewesen, welcher diesem weiblichen Autor so rasch die schwärmerische Vorliebe jugendlicher Leserinnen erwarb, wird Niemand befremden, der Periodenbau wie nachstehenden zu würdigenden weiß: „Wenn sie in jungfräulicher Einsamkeit ihn aus der Tiefe ihres Herzens heraufbeschwor, so öffneten sich die Pforten desselben von seliger Fülle gesprengt, und ihr ganzes Wesen blieb lauschend stehen, und horchte der Wunder, die einen magischen Kreis sanft betäubend um sie her zogen!“