I.
Breslau, am 30. März 1835.
Verehrter Herr.
Der Kandidat Wenzel, ein die Wissenschaft liebender und lebendiger junger Mann geht nach Dresden und wünscht natürlich Sie kennen zu lernen, ich bitte für ihn um Gewährung dieser Gunst, Ihre gewohnte Güte wird mich entschuldigen, wenn ich, ohne alles Recht dazu, Ihnen den Ueberbringer bestens empfehle. Bei meiner allerdings kurzen Anwesenheit vor drei Jahren in Dresden hielt mich Scheu ab Sie, wie früher, sogleich zu besuchen, daran ist Freund Witte Schuld, der Ihnen — ohne mein Wissen und Willen — unsre Sonette zugeschickt hatte. Diese Versuche hätten, meines Bedünkens, Ihnen nicht vorgelegt werden sollen; meine Rechtfertigung soll in einem Werke größern Umfanges bestehen, was ich im Laufe dieses Sommers, wenigstens zum Theil, in die Welt schicken will.
Seit Schall’s Tode, der Versetzung von Steffens und Witte, lebt es sich in unserer Stadt viel trauriger, wie früher; obgleich der Tod des Ersten und das Wohlwollen der Behörden mir sein Institut, die hiesige Zeitung, ein für den Besitzer ganz lukratives Ding, verschaffte. Zur Probe meines Treibens darin, erlaube ich mir den gestrigen Bücherschau-Artikel beizulegen.
Mir hat die liebenswürdigste unserer Damen, Frau von N., sehr feurige Empfehlungen für Sie aufgetragen, die mich nicht ohne eifersüchtige Empfindungen gelassen haben.
Mit tiefer Verehrung
Ew.
gehorsamer
Baron Vaerst.