Kapitel 17
Die Dienerin hatte Grege einen großen braunen Mantel und einen breitkrämpigen, weichen, braunen Filzhut gereicht. Ob er statt der Sandalen vielleicht Schuhe wünsche? Ja. So brachte sie auch ein Paar bequeme Schuhe und nahm ihm die Sandalen ab.
Grege machte sich auf den Weg. Der Regen hatte nachgelassen. Die Luft war angenehm, aber für Greges Empfinden, nach dem langen Aufenthalt im geschlossenen Bibliotheksaal, zu wenig warm. Er zog sich den Mantel dicht um den Leib, hüllte auch die Arme darein.
Maikka wischte den Wasserdunst von der Fensterscheibe und blickte Grege nach.
— Odin als Wanderer. Er ist jünger und elastischer, dabei doch männlicher geworden. Seit er von Freyas Aepfeln genossen . . .
Und sie setzte sich stillvergnügt wieder an ihre Arbeit, nachdem sie die kostbaren Werke von Greges Tisch genommen und sorglich in den Schrank geschlossen.
Der zwischen den verziehenden Wolken sanft hervorblauende Himmel hellte auch die Scheiben auf, deren Dunstbelag in raschen Rinnen abtropfte.
Der ernste Saal mit seinen etwas einförmigen Büchergestellen und Schränken, Tischen und Pulten gewann im wachsenden Licht eine heitere Stimmung, wie von freundlichen Geistern durchleuchtet. Es war wie ein erleichtertes Aufathmen nach dem Druck der trüben Elemente, die während des langen Regnens auf der Erde gelastet und ihre harten Schatten auch in diese lichte Stätte der Erkenntniß und Aufklärung geworfen.
Maikka legte ab und zu den Stift weg und rieb sich die Hände. Sie war sehr zufrieden. Die Arbeit schmeckte ihr vortrefflich.
Grege machte manchen Umweg. Zufällig kam er an Großmutter Ingeborgs Gartenhaus vorüber, das nicht auf der geraden Linie zum Rathhaus lag. Heller, etwas zitteriger und gebrochener Gesang klingt heraus. Großmutter Ingeborg singt. Sie ist also daheim, das Herz ist ihr voll und sie strömt den Ueberfluß in Tönen aus. Das Glück wohnt in dem Haus. Grege lächelte und schickte ihm einen eiligen Gruß hinein. Grege grüßt das Glück. Wie das klingt, und wie ist es wahr!
Der Gedanke: Grege grüßt das Glück! schwellte seine Brust und beflügelte seine Schritte. Wie reich und schön ist das Leben in Nordikas Freiheit, wie licht und leicht. Sogar die Wissenschaft, die Gesteinskunde . . .
Ein Trupp Mädchen geht an ihm vorüber, plaudernd, unbefangen. Von einem Altan sieht ein Mann herab. Auf einer stattlichen Birke schüttelt sich ein
Vogel das Wasser aus dem Gefieder. Ein Hahn sitzt auf dem Zaun und dreht den Kopf so, daß ihm die plötzlich hervorleuchtende Sonne gerade durch den rothen Kamm scheint.
Dort ist das Rathhaus.
Ein Gebäude wie ein anderes, nur größer, nur reicher bemalt in Braun und Grün, und mit Sinnbildern und Schildereien auf den weißen Wandflächen zwischen den Balken des oberen Stocks. Der untere Stock ist Steinbau.
Das Thor steht offen, Grege steigt eine Treppe hinauf. Er schlägt den Mantel auseinander und nimmt den Hut ab. Es ist ihm fast ein wenig zu warm geworden. Er betritt den Raum, wo offenbar Versammlungen abgehalten werden. Keinerlei Einrichtungsgegenstände. Nur umlaufende Bänke an den Wänden, diese licht getäfelt, die Decke blau gemalt.
Grege wendet sich einem breiten Wandelgang zu, an dessen Ende eine Thür einladend offen steht.
Ein alter Herr tritt ihm entgegen, ein Herr, eine wirkliche „Hoheit“ (o Teuta!), kein gewöhnlicher Durchschnittsmann. Er ist wohl achtzig- oder neunzigjährig, seine hohe Gestalt ein wenig gebeugt, sein dunkelblauer, mantelartiger Anzug sitzt lose auf ihm, langes, weißes, lockiges Haar wallt auf seine Schultern. Grege erinnerte sich nicht, je in ein würdevolleres und zugleich freundlicheres und gütigeres Greisenantlitz geblickt zu haben. Seine Wangen sind zwar gefurcht, aber von lebendiger Färbung, aus seinen blaugrauen Augen, von mächtigen weißen Brauen überbuscht, leuchtet Männlichkeit
und Wohlwollen zugleich. Ein patriarchalischer Herr. Klarheit und Entschiedenheit thronen auf seiner Stirn.
Mit höflicher Handbewegung grüßt er Grege und ladet ihn zum Nähertreten ein.
Nun sitzen sie in einem dunkelgetäfelten, behaglichen Gemach auf Lederpolsterstühlen einander gegenüber. Durch die beiden mäßig großen Fenster sieht Grege auf grüne Baumwipfel, beregnet und besonnt, die Wassertropfen wie glänzende Kugelperlen an den Blatträndern.
Der Patriarch lächelt: — Ich bin der Aelteste dieses Landschafts-Bezirks und heiße Dich willkommen. Du bist Grege?
— Grege aus Teuta.
— Du bist uns vom Himmel gefallen, Maikka hat mir’s erzählt, unsere brave Meisterin.
— Ja, ich danke ihr viel.
Grege fühlt sein Herz stärker klopfen. Also hat sie schon von ihm berichtet?
— Du hast Seltsames erlebt. Du kannst Dich in Nordika vom Ungemach Deiner Reise erholen. Es ist uns interessant, einen jungen Mann aus Teuta zu sehen. Das ereignet sich nicht oft. Ich habe mir die Leute dort nicht so stattlich gedacht. Du bist der Erste aus Teuta, den ich sehe und spreche, und bin kein Jüngling mehr. Blüht Dein Land?
Grege lächelte ein wenig zweifelhaft.
— Euer Wesen hat viel Merkwürdiges und Abgeschlossenes. Aus den Berichten habe ich Mancherlei
gelesen, das mir unverständlich geblieben. Von ganz fremdartigen Ansichten und Einrichtungen.
— Das wird wohl sein. Die großen Nöthe und Wechselfälle unserer früheren Geschichte . . .
— Nun, wir in Nordika haben auch nicht immer Blüthenzeiten gehabt. Kannst Du mir sagen, wie Euer großes Gemeinwesen verwaltet wird?
Grege kratzte sich hinter den Ohren und fühlte, daß er jetzt ein feierlich verlegenes, fast dummes Gesicht mache.
— Wie kann ich das wissen? Das ist eigentlich ein Geheimniß. Wie das Meiste, was unseren Staat und seine Einrichtungen betrifft.
— Sogar für Euch Teutaleute selbst?
— Wir haben viele und verwickelte Traditionen. Es ist ein Mechanismus, in welchem nur Diejenigen Bescheid wissen, die durch Wahl zugelassen werden und sich dann eingehend damit beschäftigen. Wir Anderen nehmen es auf Treu und Glauben.
— Und freut Euch der Ordnung. Und seid stolz auf Euer friedliches Glück.
— O, nicht immer. Von meinen Altersgenossen weiß ich manche unzufrieden, und ich vermuthe, daß auch unter dem älteren Volk Viele mit Vielem nicht einverstanden sind. Aber die Tradition, die Gewohnheit, der Glaube an die Nothwendigkeit, daß, wie es ist, für Teuta vernünftig und nützlich ist, läßt nichts aufkommen. Dann die Eigenthümlichkeit des Verkehrs untereinander, der eben kein Verkehr, sondern eine stetige Absonderung von Mann zu Mann, von Geschlecht
zu Geschlecht, von Altersstufe zu Altersstufe ist und zur Grundlage die Späherschaft hat, so daß Keiner dem Andern so recht von Herzen traut. Wer an die Majestät des Staates rührt, ist ein verlorener Mann, er ist vollkommen isolirt und fällt aus dem Schutze der ehrbaren Meinung.
— Habt Ihr viele Gesetze?
— O, o, ein ganzes Netzwerk von Gesetzen, darein wir uns seit Jahrhunderten verstrickt haben. Da ist gar nicht mehr herauszukommen. Alles ist bei uns Gesetz und Regel. Unser Volk weiß gar nicht anders. Es steckt blind darin, wie in einer zweiten Natur. Und unsere Obersten sind die Hüter, daß an dieser zweiten Natur ja sich nichts verändere, daß sie wie eine Kruste uns umkleide, ohne Ritzen und Sprünge.
— Seltsames Volk seid Ihr. Daß Ihr so weiterlebt in dieser Haft, ist erstaunlich, bloß naturgeschichtlich angesehen. In der Wissenschaft von der Regierung galt seit alten Zeiten, seit den Römern der Satz: „Das Verderben des Staates sind die Gesetze.“ Besonders jene Gesetze, welche neben einem ausgesprochenen Zwecke noch unausgesprochene Absichten verfolgen. Aber da muß jedes Volk selbst zusehen. Selbst ist das Volk.
— Wie ist das hier in Nordika geschehen, daß es sich so frei und schön entwickelte?
— Unsere Vorfahren der letzten Jahrhunderte haben fleißig probirt, in jeder Landschaft anders. Bis sie das Zweckmäßige gefunden. Als Fertiges ist ihnen nichts in den Schooß gefallen. Da will ich Dir ein Beispiel erzählen. Nicht von dieser Landschaft, sondern
einer weiter nach Norden gelegenen. Da hat vor ungefähr hundert Jahren ein gewisser Holger die Gegend gesellschaftlich organisirt, als der Anarchismus anfing, den Leuten alle Freude zu nehmen. Grundsatz war sittsames Leben, warme Herzlichkeit, einfache Kost, schlichte Gewandung. Wer sich dazu verpflichten wollte, konnte mitarbeiten, wer nicht, mochte sehen, wie er sich weiter brächte. Es war eine winzig kleine, bald verschwindende Zahl, die nicht mitthun mochte. Aller Besitz war selbstverständlich gemeinsam. Jeder mußte seine individuellen Wünsche dem Gemeinwohle unterordnen. Das war nicht schwierig, unter Gemeinwohl verstand man nichts Hinterlistiges. Um ihre Geisteskräfte zu stärken, gaben die Volksgenossen das Eheleben auch in der bescheidensten Form auf. Alles war gemeinsam, aber mit Ausschluß jeden Zwangs auf die Gefühle, kein Mann konnte ein Weib, kein Weib einen Mann zu seiner Lust zwingen. Die gemeinsame Verwaltung der Bedürfnisse wurde mit Klugheit und Sparsamkeit geordnet. Die gemeinsame Regierung trat nur in außerordentlichen Fällen in Gestalt einer allgemeinen Versammlung zusammen, der Aelteste war der Vorstand, jedes Mitglied der Versammlung hatte Stimme, die besten Köpfe gaben den Ton, die Dummen wurden niedergelacht. Als die Genossenschaft in ihrer Blüthezeit stand, machte Einer, vielleicht ein Witzbold, den Vorschlag, dem Volke vorzuschreiben, was ein Jeder essen, anziehen, wann er zu Bett gehen und aufstehen, wie er grüßen sollte und dergleichen Kindereien. Es mögen wohl kleine Unzweckmäßigkeiten vorgekommen
sein, aber dieser Vorschlag war doch nicht gut. Er wurde jedoch nicht niedergelacht, wie sich’s geziemt hätte, sondern angenommen. Und von da ab war die Freude nur noch von kurzer Dauer. Man brauchte Aufpasser, die feststellten, ob Einer Schlag neun Uhr zu Bett gegangen und Schlag sechs aufgestanden, ob in der Nacht die Thüren vorschriftsmäßig geschlossen, ob keiner bei der Arbeit ein Werkzeug muthwillig verdorben. Kurz, in Holgersland war die Freude weg. Es gab Vorhalte, Strafpredigten, Verstimmungen, Feindschaften. Da kam einmal harte Wintersnoth in’s Land, die Schutz- und Nährmittel reichten nicht. Die Leute mußten bei den südlichen Nachbarn Hilfe ansprechen. Unter denen war ein starker Mann, der sagte nein, wir geben ihnen nichts, bis sie ihre Dummheit abthun. Was geschah nun? Die Nachbar-Genossenschaften tauschten erst ihre Meinungen und dann erst dauernde Hilfe aus, und so entstand schließlich ein Bund zwischen ihnen mit einem verbesserten Verwaltungs- und Regierungssystem. So ging’s weiter. Eine Landschaft borgte von der andern und lernte von der andern, sie verbündeten sich und bekamen immer zweckmäßigere Ordnung. In dem Maaße wie sie gesicherter und stärker wurden, wuchs ihre Freiheit und Freude. Was die Einen probirten und ihnen einschlug, nahmen die Andern an, was fehlschlug, ließen auch die Andern bleiben. Auf diesem Wege sind wir zu unserm heutigen Nordika mit den guten Zuständen gekommen.
Der Patriarch bat um Entschuldigung, daß er so lange gesprochen, das Alter mache nun einmal redselig.
Grege dankte für das Gehörte. In Teuta sei die Sache freilich nicht so gegangen. Und jetzt sei sie wohl auch nicht mehr so zu machen. Grund und Boden sei von anderer Art und die Menschen auch. Ein Unglück geradezu sei es, daß sie in so dichten Massen beisammen hockten und sich nicht von einander loszulösen und sich weit herum im Lande auszubreiten wagten. Alles Land weit um Teuta herum sei Wüstenei, die Wälder verschwunden, die Flüsse versumpft, von Garten- und Feldbau nicht im Traum zu reden. Die Teutaleute hätten keinen Muth und keine Fähigkeit dazu, obwohl sie von den vor tausend Jahren stärksten deutschen Völkerschaften stammten, die im einstigen Reich, das von der Nordsee bis an die Alpen ging, die oberste Führung hatten in allen Dingen. Die Teutaleute hätten aus dem Zusammenbruche der sogenannten europäischen Kulturstaaten nur Trümmer gerettet und diese allerdings zu einer eigenartigen Kultur ausgebaut, aber seines Lebens werde man dabei nicht froh.
— In welchen Künsten und Wissenschaften liegt Eure Stärke jetzt?
Grege antwortete mit Ueberzeugung:
— In der Feinmechanik und in der Chemie. Wir haben die winzigsten und feinsten Werkzeuge und unsere Handwerker haben Finger wie einst die geschicktesten Chinesen. Wir können Alles nachmachen auf künstlichem Wege. Wir sind selbst schon fast Automaten geworden. In der Chemie der Nahrungsmittel sind wir gleichfalls kaum zu übertreffen.
Der Patriarch nickte mit einem Lächeln, das Grege erschreckte und demüthigte.
— Ich hörte Wunderbares. Man sagt, Ihr könntet die Menschen, zumal die Kinder, hundertweis verschwinden lassen und die Leichname der ältesten Leute chemisch verflüchtigen.
Grege senkte den Kopf und murmelte: — Ja, das können wir auch.
Er mußte an die zornige Rede Maikkas über den Tauschhandel mit den Slavakos denken, und wie er jetzt von unten herauf durch’s Fenster schielte, vermeinte er ihr strafendes Gesicht durch die Scheiben zu sehen. Nichtswürdig war dieser Zustand in Teutaland, mit so bohrendem Schmerz und so ehrlicher Scham hatte er’s nie gefühlt. Wenn ihm Jala ein Kind in Teuta geboren, er, Grege selbst, wäre nicht vermögend gewesen, zu verhindern, wenn es das Loos slovakischer Tauschwaare getroffen, daß man es von der Brust der Mutter weg den Fremden zugeworfen. Im barbarischsten Alterthum hätte man nichts Naturwidrigeres ersinnen können.
Mit flammendrothem Gesicht hob Grege den Kopf und sah den Blick des hoheitsvollen Aeltesten streng auf sich gerichtet.
Der Greis lächelte wieder: — Euere Chemiker sollten das Ueberlebte nicht erst verflüchtigen, wenn es zum stinkenden Leichnam geworden. Bei Euch sollten einmal die Jungen statt der Alten am Räderwerke des Staates sitzen.
— Wenn das ginge, sagte Grege tonlos.
— Wenn’s nicht geht, freilich, dann geht’s nicht. Das müßt Ihr wissen.
Der Greis erhob sich, rückte den Stuhl, ließ sich aber nach einem Blick durch’s Fenster wieder auf dem Sitze nieder.
— Wir versäumen nichts, Grege. Der Regen setzt frisch ein. Ich mag jetzt nicht gehen. Vielleicht magst Du noch Eins mit mir plaudern. Zum Beispiel von dem äußeren Bilde Teutas. Davon kann ich mir keine rechte Vorstellung machen. Wie sieht das aus? Ganz verschieden von unserem Land natürlich. Keine Wiesen, Gärten, Felder, rothe Häuser, Weideplätze mit Thieren, Fluten mit Ackerleuten — das Alles nicht. Aber was denn und wie denn? Euere Straßen sind Gänge und Schläuche in der Erde, Euere Seen liegen tausend Klafter tief unter dem Boden, nicht ganz so tief Euere Versammlungssäle, Euere Spielplätze, Euere Werkstätten und Wohnungen — und Alles von unten herauf beleuchtet, von oben herunter schweigend belebt. Ist das so? Hat Euch Euere Gemüthsart so nach unten gewöhnt? So eine Art Nibelheim, ja?
— Ja, so eine Art Nibelheim.
Grege stützte die Arme auf die Knie, legte das Gesicht in beide Hände und murmelte: Nibelheim, Nibelheim.
— Nicht sehr heiter und so weiter, he? Aber es ist Deine Heimath. Sie ist Dir so heilig, wie uns die unserige. Ihre Seele ist Deine Seele. Du trägst sie in Deinem Blut mit Dir. Sie ist in Deinen
Träumen bei Nacht . . . Hab’ ich recht, Grege? Es giebt kein natürlicheres Gefühl als Heimathgefühl. Meine Väter wohnten schon vor fünfhundert Jahren auf diesem Boden.
Grege nickte traurig.
— Und aus sich heraus formen sich die Menschen ihre Heimath wieder, aus dem Gesunden und Jugendlichen stammen die Veränderungen und Verbesserungen. Mit unserem Wissen wächst unser Wesen, und wir gestalten es weiter in’s Breite und Große, in unserer Umgebung. Maikka . . .
Grege hob den Kopf, seine Augen leuchteten in blauem Feuer.
— Maikka sagte mir, daß Du noch länger bei uns bleiben und lernen willst. Es ist so schön, jung zu sein und zu lernen und zu leben, nicht wahr? Man soll die Augen nicht verschließen vor dem Fremden, denn es lehrt uns das Eigene tiefer erkennen. Und man soll sich selbst seine Zweifel sagen und sich nicht autoritätsfürchtig vor sich selber ducken, so wenig wie vor den Anderen. Hast Du strebsame Freunde daheim, die treu zu Dir stehen?
— Die muß ich mir noch schaffen.
— Schaffe sie Dir.
Grege hätte dem Patriarchen mit dem weißen Lockenhaar und den gütigen Augen und dem beredten Munde um den Hals fallen — und Vater! rufen mögen. Vater! Wem hätte er in Teuta diesen Namen geben können, geben mögen? Das ganze junge Volk dort, war’s nicht eine vaterlose Waisenbrut, im Dunkel
erzeugt, im Dunkel verloren, trotz aller künstlichen Helle und Hilfe?
— Ich hoffe Dich wieder zu sehen, Grege. Du bist mir stets willkommen. Heute Abend machen unsere jungen Leute Musik im großen Versammlungssaal und führen Tänze auf. Du bist eingeladen.
Grege sagte zu.
Er wußte nicht, daß Maikka bereits über seinen Abend verfügt hatte.
Und er war ihr zu Willen und verbrachte die Nacht in Ingeborgs Gartenhaus und „grüßte das Glück“.