Kapitel 19
Der Wind hat sich gedreht und setzt den Laubkronen im Schulhain lebhaft zu. Er bringt den Duft von den Bergen am großen Fjord und weht die Haare um Grege’s Ohren und jagt manchmal eine Locke über die Nase hinweg — und mit den Gedanken im Hirn macht er’s noch schlimmer, die jagt er bald wie Spreu, bald wie eine Schaar ängstlicher Vögel vor sich her, und Grege greift nach der Locke und streicht sie hinter’s Ohr, wo sie nicht halten will, und er drückt die flache Hand über die Augen und an die Stirn, aber es nützt nichts, die Gedanken bleiben nicht fest und nicht einmal die Sinne halten Stand.
Was soll denn all’ die Unruhe? Wer schafft denn all’ den Unbestand? Ist’s nur der Wind? Oder die Frau, die da droben steht, im verschleierten Licht, und vom Schlagschatten eines vorspringenden Balkens in eine schwarze und eine weiße Hälfte getheilt wird? Es ist nicht Maikka. Maikka hütet das Haus. Es ist ihr nicht just. Die da droben steht, Grege weiß nicht einmal ihren Namen, giebt ihr an Beredtsamkeit nichts nach, und ihre Gedanken lassen an Schärfe nichts zu wünschen übrig. Ihre Stimme hat nicht Maikka’s Klang und Glanz; ihre Bewegungen sind nicht so eindringlich, ihre ganze seelisch-körperliche Art
erinnert an eine Andere. An wen denn? Warum findet er’s nicht? Warum formt sich überhaupt kein Bild in seinem Kopf? Warum dieses Gewirr von Linien und Lichtern?
Sind’s die Zuhörer, die ihm all’ die Unruhe und den Unbestand schaffen?
Es sind dieselben Leute, die er schon oft an dieser Stelle gesehen, und wenn es nicht dieselben sind, so sind es ähnliche. Einfache, schlichte, aufmerksam lauschende Gesichter, reinliche Seelen in reinen Gewändern, geweihte Gefäße ehrlicher Wissenschaft. Dieselbe Gruppirung wie sonst, nur die Reihen dichter, und mehr Jünglinge und Männer als Mädchen und Frauen. Das ist’s nicht, was Grege so zerstreut macht.
Der Wind bringt den Duft von den Bergen und von den fernen Wassern . . . Das flüsternde, raschelnde Birkenlaub . . . Warum warst Du noch nicht am Fjord? Warum schwingst Du Dich nicht über’s Meer, die Gestade abzusuchen? . . . Was sprechen die in Teuta von Dir, von ihr? Wie feiern sie das große Fest? Was für Possen verüben sie da? Wer trägt diesmal Krone und Mantel und gaukelt mit dem Szepter? . . . Wie lange noch? . . . Wie . . .
Den Zuhörern entschlüpften Beifallsrufe. Die Aufmerksamkeit wird erregter, leidenschaftlicher.
Was spricht sie denn, die beredte Frau mit den strengen Mienen und der ernstgehaltenen Gestalt? Ihre Haare sind dunkler, als die der Meisten hier. Alles hat eine dunklere Färbung, auch ihre Gedanken, und die Weltbilder, die sie entrollt . . .
Von Katastrophen, von Umstürzen, von Zusammenbrüchen.
Grege strengte sich an, mehr zu hören und festzuhalten, als einzelne Worte und Sätze. Er will seiner Unruhe Herr werden, er will seine Nerven zäumen und zügeln mit festem Willen, er will sich selbst überwinden . . . Wie Alles überwunden werden muß, was nur Flüchtigkeit, Störniß, Wesensfremdes, damit der Kern der Persönlichkeit rein und stark wachse, keine Zerstreuung die Triebkraft mindere . . . Eine große Aufgabe schafft große Verantwortung, Selbstverantwortung . . . Hier unter fremden Leuten, fremden Dingen, fremden Gewohnheiten, fremden Anschauungen, fremden Begriffen, warum findet er sich nicht selbst geschlossener, warum fühlt er sich nicht selbst gesammelter, gerade heute, wo er dem Banne Maikkas, der Wirkung ihrer mächtigen Natur entrückt ist? Wo er wieder einmal, ganz er selbst, sich in eigenem Vollbesitz haben könnte?
Der Wind bringt den Duft von den Bergen am großen Fjord — warum läuft er nicht dem Wind entgegen, hinaus an’s Meer? Warum zögert er hier? Was fesselt ihn? Weit von hier liegt sein Ziel, warum rührt er sich nicht von der Stelle? Schöpft er hier seine volle Freude, ein Spielball wechselnder Eindrücke, fluthender Suggestionen, überraschender Beglückungen, denen das Gefühl seiner eigenen persönlichen Herabwürdigung folgt wie der Schatten dem Licht? Mit welchen Augen müßten ihn die Hörer hier, in deren Mitte er, seiner selbst nicht mächtig,
den Lauschenden spielt, mit welchen Augen müßten sie ihn betrachten, wenn sie Augen für ihn hätten? Bedeutet er für sie etwas Ernsthaftes, für das man mehr haben muß, als gastliche Zuvorkommenheit und menschliche Duldung? Und an der Seite Maikkas, ist er da mehr als der Planet, der die Sonne umkreist, damit sie ihm von ihrem Ueberschwange spende, damit sie ihrer Ueberfülle ledig werde und ihres Uebergewichtes stolz bewußt, da sie ihn in ihre Bahnen reißt? Wenn ihn seine Volksgenossen von Teuta jetzt so sähen, würden sie nicht mit Fingern auf ihn zeigen und höhnen: Seht, ist dieser da der eigenwillige, stolze Grege, der große Unbefriedigte, dem Teutas Herrlichkeiten zu gering? Nun zehrt er von fremder Kost und ist des Dankes voll! Seht seine Ergebenheits-Miene! Wie er in Bewunderung kniet, wie er auf fremden Wink läuft — und wahrhaftig, trägt er nicht auch fremde Kleider auf dem Leibe und vielleicht fremde Verpflichtungen in der Seele, er, der daheim Niemand verpflichtet sein wollte?
Und wie er dieser inneren Stimme aus der Heimath lauschte, brachen die Zuhörer rings um ihn in hellen Beifall aus, also daß er erschreckt auffuhr und beinahe laut rief: Was geht das Euch an? Und er versuchte, aus der dichten Gruppe herauszukommen und fortzueilen, da er doch nicht vermochte, dem Vortrage der Meisterin mit Nutzen zu folgen aus innerer Zerstreutheit und Flucht der Gedanken. Aber immer neue Zuhörer waren beigeströmt, und rückwärts standen sie Kopf an Kopf, weit in den Garten hinein. So konnte er nicht entweichen.
Wieder mühte er sich, gleich den Anderen, der Rednerin ein williges Ohr zu leihen und sein Interesse an den Faden ihres Vortrags zu knüpfen. Allein es gelang ihm nicht. Was er zu hören wähnte, dünkte ihm nur ein Spiel mit geistreichen Worten, ein glänzendes Gewebe von Behauptungen, deren Richtigkeit er nicht zu prüfen vermochte. Und für oratorische Musik allein war er diesmal nicht empfänglich. Was die Anderen elektrisirte, ließ ihn unbewegt. Die Anderen? Was gingen ihn die Anderen an?
Gestern — seine Gedanken vagabundirten schon wieder in Erinnerungs-Bildern — gestern war er in ihrem Laboratorium gewesen. Er wurde freundlich zugelassen und erhielt was er wünschte. Es wurde ihm eingeräumt, selbst zu arbeiten und Versuche anzustellen. Als er alle Stoffe und Werkzeuge an der Hand hatte, bereitete er sich seine Surros. Längst hatte ihn danach gehungert, denn er fing an, den naturalistischen Leckerbissen Nordikas abgeneigt zu werden. Seine Surros, heimlich bereitet nach seiner eigenen Erfindung, mundeten ihm zwar nicht so köstlich wie daheim, aber sie dünkten ihm doch über alle Vergleiche gut. Er bot sie den Anderen zum Kosten an, sie lehnten dankend ab. Einige probirten zwar ein wenig davon, fanden sie aber nicht nach ihrem Geschmack. Ob das Arzeneimittel für Kranke wären? fragten sie. Maikka selbst, der er einige Kugeln überreichte, leckte mit der Zungenspitze daran, um dann lächelnd zu erwidern, sie wolle sie doch lieber „zum ewigen Andenken“ aufbewahren, als sie von ihrem Magen verarbeiten
lassen. Dann preßte sie schnell ihre Lippen zwischen seine Lippen und züngelte von einem Mundwinkel zum andern wie ein verliebtes Schlänglein und schwor hoch und heilig, die Natur sei doch so viel süßer und nahrhafter, als alle chemischen Künsteleien — und je mehr man von ihr genieße, desto heftiger wecke sie die Begierde und aus schöner Sättigung wachse immer schönerer Hunger . . . Die Unersättliche! Und das Ende war, wie immer, daß ihr blühender Wille ihn bis zur Trunkenheit betäubte und unterjochte. Und mochte er sich zehnmal als männlichster Mann fühlen, Siegerin blieb das Weib in närrischer Unverwüstlichkeit, und ihr Geist frohlockte und wurde des Jubels in ihrem Blute nicht müde.
Wieder ging zustimmendes Murmeln durch die Reihen. Die Sprecherin wiederholte den vom Beifall unterbrochenen Satz, so daß auch Grege die Worte vernahm: „Krakehler und Kritiker waren sie, unbotmäßige Naturen, schöpferischer Ordnung abhold, all’ ihren Gelüsten ließen sie die Zügel schießen, bis sich aus dem sozialistischen Chaos die zweite Revolution gebar, die mit einer neuen Militär-Diktatur endigte. So wurde am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts mit den letzten Trümmern einer dekadenten ideologischen Weltreformkomödie blutigster Sorte aufgeräumt“.
Zwanzigstes Jahrhundert! Die uralten Geschichten, was sollten sie ihm heute? Er konnte die Begier der Nordika-Leute nicht begreifen, mit der sie diese schimmeligen Historien verschlangen. Und dieselben Leute konnten seinen Surros keinen Geschmack abgewinnen!
Während der Strom der großen Geschichtsrede an seinen Ohren weiterrauschte, gedachte er seines zweiten Besuchs bei dem Landschaftsältesten. In seiner Bewunderung des gütigen und klugen Patriarchen war ihm bei der Begrüßung die Anrede „Hoheit“ entschlüpft, wie sie in Teuta vor den Staatspersonen üblich. Und wie Abendwetterleuchten zuckte es aus des Patriarchen Augen, während sein Mund geschlossen blieb. Dann sprach er: „Hoheit! Soll das ein auszeichnender Titel sein, so merk Dir dieses, Grege: In Nordika darf sich Jeder jeden beliebigen Titel beilegen. Nun, was meinst Du, was geschieht? Keiner betitelt sich, selbstverständlich. Also erspare mir die Scham, Dir für den Titel danken zu müssen. Steck ihn wieder ein. Du bist unter den Menschen von Nordika. Uns in’s Auge zu sehen und den Mund aufzuthun, genügt. Wir kennen uns von einander und zu einander. Mehr bedarf’s nicht. Sei gegrüßt, Grege!“
Wahrhaftig, er möchte jetzt aus seiner Haut fahren. Alles rappelt und zappelt in ihm. Wie ihn die Leute umdrängen, ihm auf den Leib rücken mit ihrem heißen Dunst. Sie schwitzen vor Aufmerksamkeit. Kein Wort, keinen Ton, keinen Schnaufer wollen sie sich entwischen lassen. Sie hören mit dem Munde, mit den Augen, mit dem ganzen Leibe. Sie sind so bei der Sache, als wären sie selbst nur Theile von der Rednerin, mit ihr verwachsen, ein Herz und eine Seele, ein einziger Geist mit ihr, als sprächen sie Alle aus ihrem Munde, als hörten sie sich selbst und genössen sich selbst. Er allein ein Abgesonderter. Einer, der seine eigene Atmosphäre
mit sich trug, undurchdringlich. Und sie drückten auf ihn, sie preßten ihn. Sie schnürten ihn in seine Atmosphäre ein, daß ihm die Knochen krachten, die Seele erstickte . . . Es wurde ihm schwarz vor den Augen . . . Er sank in den Boden, er war verschwunden . . . Die Seele verflogen . . .
Wohin? Wie lange?
Ein Anfall wie tiefe Ohnmacht.
Als er wieder zu sich kam, saß er in einer bequemen Ecke, auf einem niedrigen Stuhl, und er gewahrte, daß einige Frauen in seiner Nähe sich um ihn bemüht haben mußten. Sie betrachteten ihn mit mütterlich zufriedenen Augen. Und er fand Lust und Sicherheit in diesem Blick. Er athmete breit auf, wie aus einem guten Schlaf. Gesammelt und gekräftigt. Und wie er sich umsah, war Alles so bestimmt und wie er lauschte, war Alles so deutlich.
Die Schaar der Zuhörer stand noch wie vorhin, nur die Spannung war gewichen. Frei und fröhlich leuchteten die Gesichter. Und eine andere Stimme klang von der Rednertribüne. Eine helle, jugendstarke Stimme. Eines Mannes Stimme. Wie eine Glocke, die hoch hängt und doch wie aus froher Brust tönt und Widerklang in allen Seelen weckt.
Grege erhob sich, um besser zu sehen. Richtig, ein prächtiges Bild von einem Mann. Grege staunte, freudig überrascht.
— Die Besprechungen haben begonnen, belehrte ihn sein Nachbar. Es würden sich heute noch Viele zum Worte melden. Das Thema sei auch fesselnd wie
kein anderes, und Jeder habe da etwas Besonderes aus eigener Auffassung beizutragen.
Und Grege folgte dem Sprecher mit wachsendem Genuß. Kein Satz entging ihm. Er glaubte niemals eine öffentliche Rede so leicht verstanden zu haben.
Manches kam drollig heraus in urwüchsiger Derbheit und wurde belacht wie ein guter Witz.
Jetzt wieder, und Grege lachte mit.
Das beirrte den Sprecher nicht, daß er in so ernster Sache Heiterkeit entfesselte. Die Heiterkeit befruchtete ihn. Sie jagte ihm die verstecktesten Gedanken heraus.
— „Und daß ich noch dieses sage. Der Krach in Europa hat, wie die Hauptrednerin schon angedeutet, viele Ursachen gehabt. So viele, daß man sie so wenig zählen kann, wie Rattenschwänze in einem dunklen Kellerloch. Darf ich noch bei einigen verweilen? Also gut. Von den auffälligsten haben wir zwar genug gehört: Machtpolitik, die sich die ganze Welt unterthan machen wollte, weil die ganze Welt ein einziger Marktplatz geworden war, wo Alles schacherte und schwindelte, und kolossale Güter, damals werthvoll, den späteren Geschlechtern gleichgiltig, wie faules Fallobst zu Haufen lagen, trotzdem gleichzeitig überall Noth herrschte. Je mehr ein Staat hatte, desto mehr wollte er, und je mehr er räuberte, desto armseliger wurde er. Was sie an erbeuteten Reichthümern heimbrachten, schuf ihnen neue Armuth, was ihre Macht zu vermehren schien, saugte ihnen die Kräfte aus. Die Magazine starrten von kostbaren Gewändern — und das Volk lief in
Lumpen; die Speicher platzend voll von Nahrungsmitteln — und das Volk verhungerte; die Gewölbe vermochten das Gold nicht zu fassen — und das Volk bettelte um elende Pfennige; die Fluren wurden gepeitscht Früchte hervorzubringen, wie die Arbeiter gehetzt wurden, Waaren zu fabriziren — und für Produkte und Fabrikate waren keine Abnehmer da, denn die Spekulanten gaben nichts her, es war ihr Besitz, von dem sie sich nur gegen hohe Gegengabe trennen wollten. Und diesen Widersinn belegten sie mit den großartigsten Rechtstiteln. Das Alles saß ihnen im Kopf so fest, daß sie erst in langwierigen Revolutionen und Kriegen sich die Köpfe zerschmeißen mußten, um ein wenig heller zu werden. Das ging so zwei, drei Jahrhunderte fort. Die sozialistischen und kommunistischen Experimente zwischen einer Militärdiktatur und der anderen führten nicht zum Ziele. Die Menschen waren zu tief herabgekommen, und vom autoritären Staat konnten sie sich nicht trennen, und der Heeresdienst und der Gottesdienst fraßen weiter, denn Alles war von der Furcht durchseucht, und in ganz Europa traute sich Niemand über die Straße. Vor allen schöpferischen Phantasiemenschen hatte man eine Heidenangst. Die freien Künstler, Dichter, Zeitungsschreiber waren verhaßt. Man verfolgte sie, und wo es anging, jagte man sie fort. Strolche und Genies fanden nur Schutz, wenn sie sich einsperren ließen, das nannte man in der Rechtssprache „Nummero Sicher“. Den Strolchen bekam das gut, den Genies weniger. Philosophen wurden dem Hungertodt preisgegeben, Poeten, Maler, Musiker bei der geringsten
Veranlassung wegen „groben Unfugs“ oder „Lästerung“ in harte Strafe genommen. Nur wer mit todten Stoffen zu thun hatte, wie Mechaniker und Chemiker, blieb unbehelligt. Der sozialistische Staat war wie der alte Klassenstaat gezwungen, von den schlechten Gewohnheiten der Menschen zu leben. Die Kassen blieben leer, wenn die Menschen nicht in Lasterhaftigkeiten schwelgten. Die Lebensmittelsteuer warf wenig ab, weil die Mehrzahl wenig und schlecht aß. Aber das Laster des Trunkes, des Tabakrauchens, der Ausschweifung und anderer Giftgenüsse brachte Geld in die Kasse. Dabei wurde das Volk immer nervenelender, gehirntoller, überreizter, den wahnwitzigsten Revolutionsideen geneigter und allen geistigen und leiblichen Krankheitsstoffen zugänglicher. Revolution war der Dauerzustand Europa’s geworden, Revolution in der erbärmlichsten, feigsten Form. Zuchthäuser, Irrenhäuser, Spitäler bedeckten ganz Europa. Nun kam noch das Schönste. Nachdem Amerika Ostasien sich unterworfen, drängte sich das Chinesenvolk in Millionen-Horden gegen Westen. Keine Grenzsperre half. Die Schlitzaugen und Schlenkerbeine überflutheten zunächst das südliche und mittlere Europa und pflanzten einen Riesenkaktus mitten in den schon arg verwilderten Garten der abendländischen Kultur . . . In Rom war es dem getauften Judenthum gelungen, in Nathaniel Rothschild I. einen Papst seiner Rasse auf den Stuhl Petri zu bringen. Dem klugen Pontifex glückte es, auch das Chinesenthum zur Taufe zu bewegen, und plötzlich schien der vatikanische Katholizismus eine neue Heilsmacht zu begründen, die
sänftigend auf die wahnsinnig aufgeregten Geister zu wirken vermochte, wie Oel auf stürmische Wogen. Um die Gelehrten und Denker, die trotzig bei Seite standen in dem großen Zersetzungsschauspiel des europäischen Geistes, für die kirchliche Propaganda zu gewinnen, widerrief der judenchristliche Papst kraft seiner Unfehlbarkeit alle die aufrührerischen Dogmen seiner Vorgänger in der Statthalterei Christi und zuletzt seine eigene Unfehlbarkeit. Um das Maaß seines vizegöttlichen Edelmuthes gerüttelt voll zu machen, bekleidete er die berühmtesten Abkömmlinge der einst wegen arger Ketzerei verfolgten Familien mit dem Purpur, ernannte die Führer der Freigeisterei zu Ehrenkardinälen, machte einen Panizza zu seinem Geheimkämmerer und versetzte die einst berüchtigsten Häuptlinge des Antisemitismus unter die Heiligen. Doch auch das brachte keine Dauerwirkung mehr hervor. Die zwölf Judenchristenpäpste, die noch folgten, boten ihr übermenschliches Beherrschungstalent umsonst auf, der Kirche zu neuem Leben zu verhelfen und ihr einen durchgreifenden Einfluß auf das zerrüttete Europa zu verschaffen. Sie hatte ihre Rolle ausgespielt. Die Theilung der Macht mit Nebenpäpsten schwächte sie in ihrem Mittelpunkt bis zur Bewußtlosigkeit. Es gab keinerlei Halt mehr für die europäischen Völker. Der ideologische Verzweiflungstraum des letzten Fürsten des größten europäischen Mittelreichs gab das Signal zum großen Vernichtungskampf, der die neue Weltwende einleitete. Fürst Willibald XXXIII. zerbrach sein Schwert und erklärte in seinen Staaten Militärgewalt und Heeresdienst für
abgeschafft und den Gottesfrieden aufgerichtet mit allen Völkern, die an den Grenzen wohnten. Ganze Stämme, die das große Verderben witterten, wanderten schleunig aus und suchten neue Wohnsitze in fernen Welttheilen, so die Bavaren, die Alemannen, die Franken vom Main und Rhein bis zur Elbe. Wie Meeresfluth in rasendem Sturm brachen von Ost und West zugleich die Völker in das Mittelreich ein, und es entspann sich ein Kampf wie die Menschheitsgeschichte keinen je gesehen hat und hoffentlich keinen mehr sehen wird . . . Schließlich waren sämmtliche Völkerschaften Europas in diesen ungeheuren Kampf verwickelt. Es war kein Kampf von Riesen, es war ein Kampf von bestialischen Zwergen, bewaffnet mit den furchtbarsten Zerstörungs-Werkzeugen des Maschinen-Weltalters. Die religiöse Drillung der Kirche, welche durch lange Jahrhunderte den Geist der Völker sich unterworfen wähnte, erwies sich nach der ethischen Seite vollständig wirkungslos. Sie hatte die Raubthier-Instinkte der Menschen nicht hinausgetrieben, sondern nur krank gemacht. Nirgends tauchte ein großer Feldherr auf, der die Massen, ineinander verbissen wie wüthende Thiere, gebändigt und zu einem festen Ziel geleitet hätte. Es folgten Schlachten ohne Entscheid, ohne Ende, bis Neunzehntel aller Kämpfenden aufgerieben waren und unter den Uebriggebliebenen das große Sterben, die „chinesische Pest“ begann. Das war Europas Untergang als einer geordneten Kulturstaatengruppe. Während inzwischen Angelland und Amerika in listiger Weise die übrigen Erdtheile unseres Planeten ihrer Herrschaft unterwarfen,
verendete die herrschaftstolle alte Welt, und der grauenhafte, durch Generationen und Generationen sich hinziehende Selbstmord der europäischen Zivilisation hatte mit dem letzten Todesröcheln der Völker sein Ende erreicht. Die große Tragödie, die größte der Weltgeschichte, war ausgespielt. Mit gebrochenem Auge und zerfetzten Gliedern und ausgerissenen Eingeweiden und verschüttetem Blute starrte der Riesenleichnam zum mitleidlosen Himmel empor . . . Was auf dem europäischen Festlande an Kulturvolk noch übrig blieb, war winzig an Zahl, sammelte sich in den nächsten Jahrhunderten an den Küsten, an den Flußläufen, an den Abhängen der Gebirge und hob sich allmählich wieder unter dem Sammelnamen der Slavakos, der Frankos, der Teutaleute und so weiter aus Verwesung, Schutt und Trümmer der alten Kulturwelt zu neuem, bescheidenem Genossenschaftsdasein. Am glücklichsten war bei dieser furchtbaren Auslese im europäischen Zusammenbruch das Nordland weggekommen. Es wurde nur an den Grenzen gegen Süden von der Verheerung gestreift, und im Innern blieb es friedlich auf seine ruhige Kraft gestellt . . .“
Das war, was Grege im Verlaufe des Vortrags zu verstehen glaubte. In Teutaland hatte er die Geschichte anders gehört. Aber diese Darstellung des jungen Nordika-Sprechers ergriff ihn mächtig. Er folgte auch den übrigen Rednern, die noch das Wort nahmen, um einige Punkte in abweichender Auffassung und Beleuchtung zu zeigen. Besonders reizvoll war es ihm, wie eine frische, rothwangige Frau
von niedlicher Gestalt als scharfe Kritikerin auftrat und dem Schilderer des Zusammenbruchs der europäischen Staatenwelt einige Verstöße gegen die „historisch festgelegte Wahrheit“ nachzuweisen versuchte. Doch wollte sie sich nicht weiter in jene „schauerliche Jammer-Ecke“ verkriechen, sondern aufzeigen, wie aus dem Meere von Herzeleid, in welchem die alten Völker versunken waren, gleich begrünten Inseln der neue Lebensmuth emporwuchs und die kleinen überlebenden Völker zu zweckmäßiger Ordnung ihres Daseins trieb. Gewiß, sie waren welthellsichtig geworden. Sie hatten aus der grauenvollen Katastrophe, die so ungeheuerliche Elendswurzeln wie Kapitalismus, Geldwirthschaft, Weltmarktspekulation, Konkurrenztollheit, Herrscherwahn glücklicherweise mitvernichtete, verfeinerte Organisations-Instinkte gerettet. Mit dem Verschwinden der erdrückenden Uebervölkerung war in der großen europäischen Wüste den winzigen Völkern der ruhigen Jahrhunderte der Kampf um’s Dasein zwar nicht erspart, doch hatte er viel erträglichere Formen angenommen. Und die besten Kultur-Errungenschaften lebten in vergeistigter Art als stille Erbschaft weiter. Von nun an konnten die kleinen, gesonderten Völker ihre angestammten Wesenszüge ungestört pflegen und in fester Gemeinarbeit aus dem eigenen Boden ihren Unterhalt ziehen. Aus der Bedürfnißlosigkeit erwuchs ihnen immer stärker die innere Unabhängigkeit. Sie hatten scharf Acht geben gelernt, daß die Menschenvernunft keine Sprünge wider die Natur mache. Die Herrschaftslosigkeit ließ sie selbst die wohlthätigen Regeln finden, unter welchen die Freiheit,
Gleichheit, Brüderlichkeit, Gesundheit und Schönheit am besten gedeihen und das Wohlbefinden des Einzelnen mit dem Wohlbefinden der Gesammtheit sich vereinige. Alle die alten sozialistischen, kommunistischen, anarchistischen Utopien, aus der hartköpfigen Prinzipienreiterei oder der phantastischen Schwärmerei des zweiten Jahrtausends geboren, waren für die Menschen des dritten Jahrtausends nur noch belächelte Erinnerungen, wie der reife Mensch in der Fülle seiner Lebenserfahrungen die bald heiteren, bald schlimmen Verirrungen seiner brausenden Jugendzeit belächelt. Ein stilles Hausglück ist über Europa gekommen, und auf dem Festlande hat kein Nachbar den andern zu fürchten und kein Volk sich des anderen zu schämen. Man unterhält keinen aufdringlichen, belästigenden Verkehr von Volk zu Volk, man ist sich selbst genug und wohnt doppelt vergnügt auf seinem Boden, weil man fühlt, wie von allen Seiten gesunde Lüfte hereinwehen und keine böse Gewohnheit an der Grenze siedelt.
Und dann ließ sie ihre Rede in einem munteren Loblied auf Nordika ausklingen, dem Lande des Lichts und der Lust. Damit aber Niemand sie für allzu eigenliebig halte, wolle sie die Erklärung nicht unterdrücken, daß sie auch von den ferner wohnenden Völkern, sogar vor dem Teuta-Volke, herzliche Hochachtung empfinde.
Sogar vor dem Teuta-Volke! Und mit dieser spöttischen Betonung — sogar!
Grege zuckte auf. Er empfand den Beifall, den die Zuhörer der Schlußwendung spendeten, wie einen Schlag in’s Gesicht.
„Ein schlechter Mann, der nicht der Erste sein will!“
„Ein schlechtes Volk, das nicht das Erste sein will!“
Alles was sich seit Wochen an Empörung, Verzweiflung, Sehnsucht, Hoffnung, Glücksempfinden, beleidigtem Stolz, wildem Heldentrotz in Greges Seele aufgestaut, das brach jetzt mit Ungestüm hervor und riß ihn selbst, wie von der Fluth des blutig gekränkten, übergewaltigen Ich- und Heimathsgefühles fortgewirbelt, auf die Tribüne.
Wie ein ekstatischer Seher stand er da, im heiligen Zorn erglüht, das Haupt zurückgebeugt, die Augen weit und groß, ganz Pupille, die vollen Lippen halbgeöffnet, bebend vom zurückgehaltenen Wort. Unter den zürnenden Gesten seiner nach oben ausgreifenden Arme wuchs seine Gestalt.
Es war ein Ereigniß, niemals war ein Fremder da oben gestanden, niemals hatte ein Einheimischer das Schauspiel einer solchen Erregung geboten.
Die ersten Sätze kamen stoßweise, wie aus einer stockenden Maschine, rauh und zerrissen im Ton, von einer Wucht, die sich selbst im Wege steht und über sich selbst hinaus Bahn sucht.
— Ich muß hier mitreden, liebe Leute. Ich muß. Kein Mensch in der Welt soll sagen, daß ein Teutamann geschwiegen, wenn Teuta Ungebühr geschehen. Ich bin ein Teutamann, ganz einfach, ohne Verdienst und Würdigkeit. Ich kenne mein Land, ich weiß um sein Volk so viel, als man zu wissen braucht, um keine Verachtung zu dulden. Ich sage nicht, daß das hier geschehen, ich klage Niemand an, ich empfinde
nur, daß ich selbst verächtlich wäre, wenn ich nicht laut und öffentlich für mein armes Land Zeugniß ablegte. Ja, mein armes Land, weil Niemand in der Fremde die Schmerzen kennt, die wir aus Liebe zu ihm im Herzen tragen. Aus hilfloser Liebe und stummer Sehnsucht. Seltsam ist unsere Seele, und nicht immer von uns selbst begriffen. Gedrückt kam sie aus alter Weltordnung und flüchtete sich zwischen Berge und in Höhlen, und keine Neuordnung wollte ihr gelingen, also daß sie ihre Flügel zum Schwunge öffnen könnte, rauschend und jauchzend in freier Luft, Sonnenaufgängen und Heldentagen und Heldenglück entgegen. Wer den Himmel offen gefunden, segne sein Schicksal, aber er werfe keinen kränkenden Vorwurfsblick auf den, der noch, aus eigener oder fremder Schuld, am Rücken der Erde klebt . . . Hab ich genug gesagt, oder duldet Ihr noch ein Wort? Ich weiß, ich spreche Eure liebe Sprache, o meine Brüder, nur nothdürftig, und vielleicht bereite ich Euren Ohren Qual. Aber Ihr seht, daß wir uns in Teuta bemühen, im Geiste unseren Volksverwandten nahe zu bleiben. Alle aufgeklärteren Männer lernen die germanischen Hauptsprachen. Duldet Ihr noch ein Wort? Oder ist’s genug?
— Wer ist er? Ein Gast? Maikkas Freund? Weiter reden! Das Herz ist ihm voll, er spreche! tönten die Stimmen der Zuhörer durcheinander.
— Herrliches hab’ ich bei Euch geschaut, Leute von Nordika, und hohen Glückes die Fülle genossen, nach peinvoller Irrfahrt. Ihr habt mich Wege gelehrt, die mein Fuß allein nicht gefunden. Ihr habt mit
Worte gesagt gleich Räthsellösungen, auf die mein eigener Verstand allein wohl noch lange nicht gekommen. Mit Blitzen habt Ihr mein Dunkel erleuchtet, mit Schönheit meine vergrabene Lust wie vom Tode erweckt. Es ist mir, als hättet Ihr mir eine neue Seele gegeben, als hätten mir die brausenden Winde, die hier über das Land wehen, aus geheimnißvollen Vorzeiten Grüße gehaucht . . . und der Väter Geist . . . ist über mich gekommen . . . Das soll nicht verschwendet sein von heut auf morgen, das will ich als kostbaren Schatz meinem Volke bringen, als Euer Gastgeschenk bei meiner Heimkehr. Nimmer sollt Ihr gering von meinem Lande denken, denn es hat keinen Undankbaren zu Euch geschickt. Unauslöschlich wird mein Dank sein und zum Segen wachsen wie ein guter Same, der tausendfältige Frucht bringt . . .
— Er ist ein Dichter! Er spricht entzückend! Er ist schön, ein Sänger und Held zugleich! Daß aus Teutaland Solches kommt? riefen die Hörerinnen.
— Nicht weiß ich, was ich Euch als Gegengabe bieten soll, denn Ihr seid reich an jeglichem Gut, und ein Mehrer Eurer Erkenntniß und Freudigkeit zu sein, das kann Keinem gelingen, der von anderen Völkern kommt, am wenigsten mir oder meinen Volksgenossen. Aber wie ich unbescheiden genug bin, hier unsere Armuth zu bezeugen, so will ich stolz genug sein, daheim Eure Ueberlegenheit zu rühmen und Eure Kraft als ein Beispiel aufrichten, daran die verborgenen Kräfte meines Volkes in’s Licht wachsen sollen, damit Eure Achtung vor dem fremden Wesen den bitteren Geschmack
verliere, wenn Ihr von Teuta sprecht. Wir sind verwandten Blutes, und in verwischten Zügen lebt ein alter Zusammenhang. Wir haben heute gehört, wie wunderbar die Schicksale der Völker, wie aus den verderblichsten Heimsuchungen und schaudervollsten Niedergängen die Menschheit sich auf Zukunftspfade rettet, die ihr ein geheimnißvoller Lenker weist. Wer weiß, ob nicht auch Teutaland seinen Blutsverwandten wieder näherrückt, gereinigt von Irrthümern, gewachsen in seinen Vorzügen, ein treuer Bundesgenosse in Zeiten neuer Bedrängniß, oder, noch lieber, ein fröhlicher Theilnehmer an gemeinsam bereitetem Glück. Wenn Ihr heute an Teuta denkt, freilich, da ist’s als blicktet Ihr in eine große Finsterniß, aber ich sehe, von dieser Stelle aus, mit meinem inneren Auge, mit dem Auge der feurig und hoffnungsvoll erglühenden Seele, wie ein stiller, heißer Purpurglanz über die Finsterniß sich breitet gleich zeugender Liebe, und wie die Finsterniß unter dem Kusse liebenden Lichtes in göttlicher Umarmung empfangende Mutter wird und aus ihrem Schooße den Geist der Helle gebiert, der, eine Sonne der Zukunft, die trübe Teuta-Nacht in seligen Tag verwandelt. O, daß nichts uns störe, wenn die brünstige Liebe ihr himmlisches Zeugungswerk verrichtet, damit der Wonne des Empfangens die selige Frucht entsprieße. Ich grüße mein Teuta unter Nordikas Himmel, der mein Herz der Freude und Hoffnung erschlossen hat und meine Seele stark gemacht, das Kühnste zu wagen. Ich grüße die herrliche Welt!
So endete Greges Rede, die als düster zürnende
Abwehr begonnen, wie eine Apotheose, in deren Strahlenglanz sich Alles an die Brust fliegt, überwältigt vom Gefühl, und der Vorhang sich senkt unter Umarmung und Kuß. In seiner dichterischen Phantasie hat sich das Zeitliche zum Ewigen erhoben, der Einzelfall zum typischen Ereigniß, das Persönlichkeits-Lustgefühl zum jauchzenden Lustschrei der lebens- und glückeshungrigen Gattung.
Jubelnd umringten ihn die Zuhörer. Allen hatte er aus der Seele gesprochen, Jungen und Alten, Männern und Weibern.
Den ganzen Abend sprach man von nichts Anderem. Die Improvisation des Teutamannes galt Allen für wichtiger, als der historische Probe-Vortrag der neuen Meisterin.
Maikka bedauerte, Grege nicht gehört zu haben.
In jener Mischung von Herzlichkeit und Spott, von Sympathie und Hohn, wie sie ihr in den letzten Tagen gegen ihren Gastfreund meist über die Lippe floß, sagte sie zu ihm: — Du sprichst wie ein Gott, das weiß ich. Aber um in Teuta gründliche Politik zu machen, braucht man einen Teufel.
— Einen . . .?
— Ja, Grege. Einen Teufel. Etwa in der Art Eures wackeren . . . nein, das ist Staatsgeheimniß. Mach’ Dich gefaßt. Jetzt aber dies: Geh’ in die Bibliothek und studire den ganzen Zarathustra. Sein Kapitel vom Staate wollen wir zusammen lesen, wenn Du Geduld hast. Dann wollen wir auch den blöden Legendenkram, den Ihr Euch in Teuta um Zarathustra-Nietzischki
habt wachsen lassen, in alle Winde jagen. Dergleichen Fabeleien sind wahrhaftig für eine Kinderstube zu dumm. Ein Volk mit solcher göttlich kritiklosen Leichtgläubigkeit ist übrigens für jeden Umsturz reif — wenn der rechte Umstürzer kommt.
— Der rechte Teufel, in Deiner Lesart.
— Jawohl, Grege. Oder der rechte Zarathustra. Das ist das Nämliche.
— Zarathustras Wiedergeburt also, oder Wiederkehr.
Grege meinte das doppelsinnig. Unwillkürlich, ohne Ueberlegung. Und ein Schauder flackerte heiß über sein Gehirn. Und vor seinen Augen brannte eine jähe Röthe.
— Zarathustras Wiederkehr! kam es noch einmal wie lallend von seinen Lippen.
Plötzlich schrie er Maikka an: — Dein Staatsgeheimniß, ich will Dein Staatsgeheimniß wissen! Wie lange foppst Du mich noch, Weib?
Maikka, nach einem langen, bohrenden Blick, vor dem Grege schier erblaßte und das Feuer seiner Augen zurückwich, wie vor dem Druck einer stärkeren Flamme: — Frag’ mir’s ab, Teufel! Kannst Du nur Blinde bannen? Zwinge die Sehenden! Thu’ mir Gewalt an!