Der neue Hof
Haushofmeister liefen schon, und Schloss Louvre, das im Schlaf lag, solange der König traurig war, verjüngte sich auf einmal von der Freude der Jünglinge. Am Abend waren die königlichen Gemächer umgewandelt in persische Zelte. Die Kerzen brannten hinter bestickten Schleiern, und zwar bildeten diese mit ihrem matten Glitzern sowohl das Dach wie die Wände. Strenge bleiche Knaben mit geröteten Lippen, geschwärzten Wimpern und gekleidet in durchsichtige Gewebe trugen bloße Säbel; sie bewachten in regloser Haltung ein erhöhtes Gerüst. Das wurde bestiegen von den Zuschauern, die nur wenige waren: mehrere Italiener sowie die Herren von Lothringen. Der Herzog von Guise, stolz auf seine prächtigen Glieder, trat überall wie der Herr selbst auf! Sein Bruder Mayenne hatte den großen Bauch in schillernde Seide gespannt, daran hing ein goldener Dolch — und dann kam von derselben Familie noch d’Elbeuf, der merkwürdige Freund, der dem König von Navarra nie anders erschien als zur rechten Zeit.
Navarra selbst zeigte sein kostbarstes Gewand und eigens darauf befestigte Bänder in den Farben seines Hauses, damit jeder sähe, wie stolz er wäre, dabei zu sein. Das Fest war angeordnet für Männer und Knaben. Dies sollten jene entzücken und dafür von ihnen ausgezeichnet werden. Einige liebliche Gestalten tanzten schon miteinander. Formen und Tracht verrieten kein Geschlecht, und ihre zweideutige Anmut rührte besonders die Italiener und den dicken Mayenne. Navarra gab ihnen recht, er äußerte die Meinung, solche Wesen habe er nicht gehabt unter den rauhen Kollern seiner Leute in dem gedrängten Haufen, der fünfzehn Stunden zu Pferd saß und zu seiner Erholung Psalmen sang. «Wenn meine Freunde noch lebten», sagte er leichtsinnig, «dann sollten aus ihnen so süße Knaben werden.»
«Warte doch, was noch geschieht», riet Guise. «Einige von ihnen sind am Leben geblieben.»
«Ich kenne sie nicht», sagte der Gefangene. «Ich halte nicht zu den Besiegten. Ich bin immer dort, wo man —» Er wollte sagen: lustig ist — bemerkte aber plötzlich, daß er hier einen besonderen Feind hatte. Der Kanzler Birague, ein Italiener, war durch Madame Catherine auf seinen Posten gelangt. Mit ihr und mehreren seiner Landsleute war er eines Nachts in das Schlafzimmer Karls des Neunten eingedrungen. Dieser erfolgreiche Fremde sah in dem gefangenen Navarra einen Verschwörer gegen seine eigene Macht. Ohne Umstände begann er ein richtiges Verhör: «Sind Sie nicht im Einverständnis mit einem gewissen d’Aubigné und seinem Komplicen Du Bartas? Die Leute hetzen die studierende Jugend gegen eine sogenannte Fremdherrschaft auf, als ob an den höchsten Stellen des Königreiches nur Ausländer ständen.»
«Sono bugie. Das sind Lügen, Herr Kanzler!» rief Henri mit gutgespielter Entrüstung, aber in der Sprache des Eingewanderten. Dieser übrigens glaubte ihm kein Wort. Die Lothringer ließen sich täuschen, nicht der Eingewanderte.
«Ihre Freunde», brachte Birague hervor, denn die Wut erstickte ihn, «sie sind dem Galgen näher als —»
«Näher als ich», ergänzte Henri. «Mich fangen Sie nicht.»
«Ich hänge schnell und gern.»
«Aber nur kleine Leute, Signore. Gehängt haben Sie einen armseligen Hauptmann, der davon redete, allen italienischen Schurken den Hals abzuschneiden. Mich müßten Sie vor der ganzen Welt überführen, aburteilen und groß enthaupten. Das werden Sie nicht erleben. Was wetten wir?»
«Ich wette und setze als Pfand meinen besten Edelstein.»
Beiderseits kam alles reichlich theatralisch, als gehörte es zu der süßen Musik, dem Getanze, und wäre verabredet wie ein grobes Zwischenspiel.
«Sire!» rief Henri dem König von Frankreich entgegen.
Der König war eingetreten durch einen Spalt im Vorhang des persischen Zeltes, plötzlich stand er schimmernd da als der Sultan des Festes. Henri beugte vor ihm ein Knie: «Sire! Ihr hartherziger Wesir hat nichts im Sinn als Rädern und Vierteilen. Bin ich deswegen der Bartholomäusnacht entgangen?»
«Wenn der selige König mir gefolgt wäre!» schrie Kanzler Birague. In der Wut bekam er eine abenteuerliche Aussprache und eine Stimme wie ein heiserer Papagei. Mit derselben Stimme hatte er Karl den Neunten bedrängt, stundenlang, bis Karl toll wurde und das Gemetzel befahl.
«Da hören Sie ihn», war alles, was Henri hierauf sagte, aber er fühlte, daß er d’Anjou auf seiner Seite hatte. Vorher d’Anjou und der Mann der Bartholomäusnacht, jetzt König — aber König nur, weil sein Bruder gestorben war am schlechten Gewissen: wie sollte es daher mit seinem eigenen stehn? Er liebte keineswegs den Anblick derer, die ihm in sehr dunklen Stunden geholfen hatten, Karl herumzukriegen. Sogar der Anblick seiner Mutter war ihm verleidet, wie erst die Gesellschaft ihrer Italiener. Er mußte sie erdulden und diese Person leider zulassen bei seinen traulichsten Veranstaltungen; denn sie hatten nun einmal Verständnis für die Anmut der Knaben. «Steh auf!» befahl der persische Sultan, mit den Juwelen seines Turbans blitzend. Vetter Navarra sprang hoch, so leicht wie ein Ball. Der Sultan befahl: «Du bist mein persönlicher Gefangener, an dich soll niemand Hand legen. Versöhne dich mit meinem Wesir!» Was Henri sich gesagt sein ließ. Er beschrieb einen wahren Tanz der Versöhnung um den Kanzler. Diesen nötigte seine morgenländische Rolle, würdig allem zuzusehen, obwohl mit hervorquellenden Augen. «Großmächtiger Wesir!» sagte Henri. Er berührte die eigene Brust, dann aber die des Kanzlers, zufällig traf er genau auf einen riesigen Edelstein. «In Persien wird viel gestohlen», sagte Henri. Hier fiel glücklicherweise ein Tusch ein und verdeckte alles, was sonst wäre gehört worden. Seinen Einzug hielt das Ballett.
Es trippelte auf den Spitzen, wehte mit Schleiern und beugte schöne Knie. Alle waren Knaben, auch die als Mädchen gekleideten. Diese funkelten hinter den Schleiern mit Augen, verlockender als Frauenaugen, wie es schien; und von gewissen unerwünschten Kennzeichen der Männlichkeit abgesehen, bewegten die Körper sich vollkommen weiblich. Die anderen, die Knaben geblieben waren, reichten den falschen Mädchen darum nicht weniger geziert die Enden der Finger oder umschlangen sie mit den ersterbenden Armen der Liebeswerbung. Scheinbar waren niemals Muskeln im Spiel. Versetzten die einen die anderen in Drehung wie Kreisel oder schwangen sie durch die Luft, dann war man versucht, zu glauben, es geschehe nicht durch Kraft, sondern infolge eines Wunders der Anmut.
Hier war Du Guast zu schätzen. Sonst eine peinliche Erscheinung von unangenehmer Sprechweise, dumm, frech und käuflich: hier war der Mensch am Platz. Mit Recht gelangte er bei jeder Figur des Tanzes in die erste Reihe. Die Zuschauer auf dem Gerüst hatten alle das Auge auf ihm, und er verstand den einzelnen glauben zu machen, gerade dieser werde angeschmachtet. Vor seiner Dame kniet Du Guast, wie alle anderen Knaben vor ihren Tänzerinnen, und flehte stumm zu ihr hinan, sie möchte sich entschleiern lassen. In Wahrheit meinte er mit seiner Huldigung den König oder Sultan, und diesem unbewußt bezweckte er auch den Kanzler oder Wesir, zu schweigen von dem dicken Mayenne, der schwitzte, so schwül wurde ihm gemacht. Alle diese Herren nun fühlten sich erhoben und sogar ausgezeichnet — während doch nur ein durchaus windiger Bursche seine Possen trieb auf ihre Kosten. Anderswo hätten sie ihn in den Hintern getreten oder aufhängen lassen. Indessen bleibt die Kunst eine Macht, wenn sie auch jedesmal vorübergeht.
Im Augenblick wurde sie sogar noch ergreifender. Es geschah die Entschleierung. Wer hätte gedacht, daß Menschengesichter so neu und wunderbar erscheinen können — endlich entblößt nach der strengen Vorbereitung des eingeübten Tanzes. Abgehärteten Männern stockte das Herz: wie aber erst dem König von Navarra. Hörbar stieß er einen Fluch, seinen gewohnten Fluch aus. Er glaubte nicht, was er sah. Tatsächlich rieb er sich die Augen. «Gabriel?» fragte er.
«Er und kein anderer», belehrte ihn höhnisch der große Guise. «Einer der Lustknaben entschleiert den anderen, unser Du Guast deinen Léran.»
«Komm hinaus und schlag dich mit mir!»
«Gern, aber nicht wegen des Jungen. Er ist schön, seine Laufbahn war ihm zugewiesen an dem neuen Hof.»
Henri hatte nasse Augen. Er wollte dem jungen Léran etwas sagen, der indessen hob den Blick nicht. Dennoch waren auch seine Tränen einst geronnen aus einem weißen Verband, der sein Gesicht verdeckte — in der Bartholomäusnacht. Zwei ihrer Opfer, Gabriel de Levis de Léran und Karl der Neunte, lagen damals nebeneinander auf dem Bett der Königin von Navarra. Was wird aus uns?
Guise sprach ihm höhnisch nach: «Solche Wesen hast auch du gehabt unter den rauhen Kollern deiner Leute, in dem gedrängten Haufen, der fünfzehn Stunden zu Pferd saß und zu seiner Erholung Psalmen sang.»
Richtig; und was blieb da übrig zu sagen. «Léran hat recht, daß er sich verwandelt nach Bedarf und sogar ein Mädchen wird.» Leichtsinnig fand Henri sich ab, er steckte auch diese Demütigung ein nach anderen mehr, und niemand wußte, wo sie alle blieben bei dem beweglichen Navarra. Er lachte über sich selbst wie über einen dritten. Nicht häßlich war sein Verhalten; ein wirklicher Beobachter fand ihn weder abgebrüht noch läppisch. Aber nur ein einziger der Zuschauer, d’Elbeuf, bedachte, was Henri denn eigentlich wäre, ein Kind, ein Narr, oder höchst zielbewußt? D’Elbeuf antwortete: «Ein Unbekannter — in einer Schule.»
D’Elbeuf ist ein Beobachter, und darum nicht viel mehr als das. Entfernteres Mitglied eines großen Hauses, ohne viel Aussicht und Anwartschaft — er könnte immer nur unter anderen stehen, und die haben vielleicht seine Achtung nicht. So erfindet er sich seinen eigenen Dienst, auf Grund besonderer Gaben. D’Elbeuf wäre von so stattlichem Wuchs wie Guise, der Held des Volkes; nur hält er sich lässiger, hat halbdunkle Haarfarbe und strahlt keineswegs Übermut. Er hat feuchte, treue, sehr schöne Augen, und diese erraten bei Henri das aufsteigende Schicksal und die Kraft, die bis jetzt nur dem untersten Zweck der Selbsterhaltung dient. Er ist der Freund der fragwürdigen Tage, die noch nicht ruhmvoll und eher das Gegenteil sind. Wenn das Glück sich erst entschieden haben wird, gibt es keinen d’Elbeuf mehr.
Jetzt halten die Mädchen, die eigentlich Knaben sind, goldene Becher in Händen. Die erheben sie, drehen sie auf der Spitze des Fingers umher und kreisen dabei selbst: alles, ohne daß ein Tropfen über den Rand fällt. Soviel man versteht, soll dies einen Liebestrank bedeuten, und die Knaben, die als Tänzer die Knaben darstellen, schmachten nach ihm. Ihre sinnreichen Körper nehmen Lagen ein, die das Schmachten ausdrücken. Immer erregender werden die Lagen, es öffnen sich lechzende Lippen; und als das Verlangen nicht länger aufzuhalten ist, fließt etwas wirkliches Naß hinein. Wenigstens läuft es in den Mund des königlichen Lieblings Du Guast: d’Elbeuf sieht es genau. Seine Aufmerksamkeit ist ganz und gar bei dem Vorgang, der Henri angeht. Du Guast kniet und legt den Kopf in den Nacken, der junge Léran als Mädchen neigt das Gefäß: d’Elbeuf könnte die Tropfen zählen. Mit dem gleichen Blick umfaßt er mehrere Gesichter, das merkwürdig lauernde des Kanzlers Birague und das schlechthin beseligte des Königs von Frankreich. Dieser König scheint wie vom Donner gerührt, während er hinlächelt — zu dem jungen Léran. Mit keiner Wimper beachtet er seinen bisherigen Liebling — woraus allein schon zu entnehmen wäre, daß sogleich etwas Ungewöhnliches eintreten wird. Es äußert sich aber dergestalt, daß Du Guast, nach Empfang des Liebestrankes, den Rumpf rückwärts biegt, unwahrscheinlich weit verrenkt er ihn, schreit dabei und verdreht die Augen. Mit einem Wort: vergiftet. So mußte es kommen nach dem Gesetz der Dinge. D’Elbeuf hätte es vorausgesagt.
Zugleich, wie bestellt, kreischt noch jemand auf, mit der Stimme eines alten Papageis. «Sire! Ihr Liebling ist vergiftet. Sein Mädchen ist das Werkzeug Navarras. Übergeben Sie diesen Prinzen mir und der Gerechtigkeit, sonst haben Sie selbst ihn zu fürchten!»
Was konnte so furchtbaren Worten anderes folgen als das Anhalten des Atems und jeder Bewegung. Die Musik brach ab, das Ballett erstarrte, reglos erwarteten die Zuschauer auf ihrem Gerüst ein Zucken des Königs, aber auch an ihm rührte sich nichts. Nur der Schauplatz selbst, das persische Zelt, kam etwas ins Schwanken. Die Frauen verursachten dies, die Damen des Hofes von Frankreich, die, ausgeschlossen von dem geheimnisvollen Fest, hinter die Vorhänge geschlichen waren und hineinspähten. Da versteckten sich die Edelfrauen und Ehrenfräulein. Auch niedere Wesen vom Gesinde wagten einen Spalt zu öffnen, an dem nächsten indessen zupfte die Königin von Navarra selbst. ‹Was wird werden!› dachte Margot in der allgemeinen Stille und Erstarrung.
Sie dachte: ‹Das muß kommen, sobald man die Männer sich selbst überläßt. Zuerst richten sie sich her wie wir, und vor Zartheit tun sie überirdisch. Darum endet es dennoch mit Mord und Totschlag. Mein königlicher Bruder wird natürlich seinen vergifteten Liebling rächen wollen. Er wird meinen armen Henricus ausliefern an den Schurken Birague, dem der Speichel aus dem Mund läuft vor Gier. Daß kein einziger von allen den Grobianen fein genug ist, zu begreifen, was gespielt wird! Und die glauben, uns könnten sie entbehrend...›
Einer war fein genug. D’Elbeuf aus dem Hause Lothringen sprang vom Gerüst, riß den ganz verkrümmten Du Guast vom Boden auf, stellte ihn auf die Füße und ohrfeigt den Lustknaben so lange, bis er richtig stehen blieb. «Schluß mit der Komödie», knurrte er dabei. «Hüte dich, wieder anzufangen!» Dadurch daß er dem Jungen das Gelenk umdrehte, zwang er ihn, mitzukommen auf das Gerüst. Er drückte ihn in die Knie vor dem König und befahl: «Gesteh der Majestät, wer dich angestiftet hat zu dem Schwindel, vielleicht wirst du nicht gehängt.»
Du Guast veranschaulichte mit seinem ganzen Körper die schreckliche Angst. Es war das beste, was er heute machte, so begabt alles vorige gewesen war. Die Echtheit ist doch vorzuziehen.
Sein Hals war so lang geworden wie ein Hals, von dem soeben der Kopf abgeschlagen ist, denn die wachsen plötzlich; und diesen gereckten Hals drehte er hin und her vom König zum Kanzler, vom Kanzler zum König. Dem Kanzler fielen die Backentaschen tief herab, dem König schwoll eine böse Ader. Du Guast fühlte die Faust seines Feindes d’Elbeuf, sie umspannte ihm den langen Hals immer fester, und bevor sie ihn ganz zuschnürte, brachte Du Guast noch hervor: «Der Herr Kanzler war es.» Allerdings bereute er das Geständnis, sobald die Faust ihn losließ, und wollte es zurücknehmen. «Nicht der Herr Kanzler! Ich selbst ganz allein habe mich gestellt wie vergiftet, aus Eifersucht auf Herrn de Léran, dem mein König zulächelte.»
Das wurde ihm nicht geglaubt, obwohl es doch gleichfalls richtig war. Der König betrachtete den Kanzler nur um so ungnädiger, vielmehr der Sultan seinen Wesir, denn in solcher Gestalt standen sie da. Als erster meldete sich Navarra.
«Signor Birague, Sie haben Ihren Edelstein verwettet! Sire, er hat gewettet, daß er mich öffentlich würde hinrichten lassen. Das wäre ihm auch gelungen, wenn Sie seine Ränke nicht durchschaut hätten.»
Der König durfte den Kanzler weder in die Bastille werfen, noch aus seinem Amt entfernen, denn Madame Catherine schützte ihren Landsmann. Der König tat statt dessen, was er konnte und was allgemein von ihm erwartet wurde. Er riß dem Kanzler den großen Edelstein von der Brust. Hierauf blickte er unschlüssig umher, als ob er noch nicht gewußt hätte, was jetzt weiter käme. Er wußte es in Wirklichkeit sehr wohl. Er winkte hinab, der junge Léran schritt die Stufen hinan, und auf den Knien empfing er das Pfand der königlichen Gunst. Ein blauer Schein ging fortan von ihm aus. Alle Schleier abgestreift, bekam Vicomte de Léran den Kopf eines jugendlichen Kriegers, der auftritt mit seiner beginnenden Männlichkeit und dem Besiegten den Fuß in den Nacken setzt. Dazu forderte Du Guast ihn denn auch auf, er drückte eigens das Gesicht in den Staub, und Léran nahm keinen Anstand.
Als die Insassen des persischen Zeltes alles so wohlgefällig ausgehn sahen, bekamen sie den Gebrauch ihrer Glieder zurück. Sie klatschten in die Hände, dann tanzten sie wieder, und von Musik gewiegt, stellten sie die Liebe und das Glück dar für Zuschauer, die nur dann daran glaubten, wenn es gespielt war. Noch lange schimmerte in dieser Nacht das persische Zelt mit seinen bestickten Vorhängen, durch die von hinten das Licht fiel, weise gesiebt, so daß alles darin erträglicher als sonst wurde, die Personen, Sultan, Knaben, alte Schurken, sowie auch die Dinge, deren teuerstes nur blauer Schein war. Zwei Teilnehmer fehlten. Henri und d’Elbeuf nahmen an einer entfernten Stelle des Schlosses voneinander Abschied.
«Das will ich dir nie vergessen, d’Elbeuf.»
«Sire, Sie zögern hier lange und müssen wohl auch zögern.»
«Ich habe Zeit. Sonst bleibt mir nichts — nur Geduld und Zeit.»