Sechsbeinig, achtbeinig und ohne Beine
Auch unter der niederen Tierwelt haben wir gute Bekannte und liebe Freunde. Freilich weniger die Erwachsenen, als die Kinder. Jene wenden sich meist mit Abscheu oder lächerlichem Widerwillen von dem »Insektengesindel, dem Spinnengezücht und all dem Gewürm« ab – unnützes Ungeziefer, zu nichts anderem auf der Welt, als die Menschen zu ängstigen und zu quälen, vom bösen Feind erschaffen, der ja auch das Unkraut zwischen die Fruchthalme der Felder gesät hat – während die Kinder diesen Geschöpfen viel näher stehen. Ihr Verhältnis zu ihnen ist weit inniger, ursprünglicher, noch ungetrübt durch den Verstand, der immer nur Nutzen und Schaden berechnet, einzig in einem tiefen, wahren, natürlichen Gefühl wurzelnd. Solange das Kind von dem albernen Gerede der Erwachsenen noch verschont geblieben ist, sieht es in jedem Tier, auch dem geringsten, ein ihm bis zu gewissem Grade verwandtes Wesen, etwas Beseeltes, das gleich ihm empfindet. In Einfalt ahnt es den Sinn der Dichterworte:
»Aber du Frühlingswürmchen,
Das grünlichgolden neben mir spielt,
Du lebst und bist vielleicht
Ach, nicht unsterblich?«
eine Frage, die der Erwachsene nur mitleidig belächelt. Ohne Scheu nimmt das Kind den Käfer, die Raupe, die Spinne, die Schnecke, den Regenwurm in die Hand, freut sich an ihren Bewegungen, stellt allerlei Fragen an sie und läßt sich von seinen Freunden erzählen. Die geschmacklosen Redensarten, wie: »eklige Raupe« oder »pfui, die häßliche Spinne!« verdanken gewiß nicht einem Kindermund ihre Entstehung.
Unter den Käfern spielt natürlich der »Sohn des Mai's« bei unsrer Jugend eine hervorragende Rolle. Sobald die Birken ihre schwanken Hängeruten mit zartem Grün übersponnen haben, ziehen die Buben mit durchlöcherten Pappkästen oder Zigarrenkisten in den Wald, um die braunen Gesellen von den Bäumen zu schütteln und nach Hause zu bringen. Habe es auch nicht anders getrieben – selige Kinderzeit, wo man sich reich fühlte, wenn man ein paar Dutzend Maikäfer sein eigen nannte!
Wir spielten mit ihnen nach Herzenslust. Sie mußten seiltänzern, einen kleinen Wagen oder Schlitten ziehen; auch als Handelsartikel waren sie hochgeschätzt, besonders die mit rotem Brustschild, die »Franzosen«. Später freilich, wenn die Käfer matt und langweilig wurden, war es aus mit der Freundschaft, und wir warfen sie den Hühnern vor.
In manchen Jahren traten die Maikäfer so massig auf, daß sie auch uns Kindern zuwider wurden, und wenn wir die Verheerungen sahen, die sie anrichteten, wie sie die jungbelaubten Eichen ganz kahl fraßen und unsre Stare mit den Übeltätern nicht mehr fertig werden konnten, zogen auch wir gegen sie zu Felde, genau so wie im Sommer 1922 die Schuljugend den Kampf gegen die Nonne geführt hat.
Andre Käfer erfreuten sich unsrer dauernden Liebe und Teilnahme. Der goldig-grün glänzende Rosenkäfer, wie er mitten in der duftenden Zentifolie sitzt, von deren zarten Blättchen er speist, war unser Entzücken; wir hätten ihm ebensowenig ein Leid zufügen können wie den verschiedenen Marienkäferchen oder Sonnenkälbchen, die uns für heilige Tiere galten.
Auch der seltene Puppenräuber war unser Stolz, nicht weniger so mancher Bockkäfer – der kraftvolle Weberbock mit den lederartigen Flügeldecken, der große Eichenbock, der zierliche Zimmerbock mit seinen riesigen Fühlern – alle Kameraden beneideten uns um unsern Besitz, an dem wir uns doch nur ein paar Tage erfreuten. Ich schenkte den Gefangenen, wenigstens damals, als ich noch keine Käfersammlung besaß, die Freiheit bald wieder. Die Schädlinge zu töten, das kam mir nicht in den Sinn.
Längere Zeit, ja wochenlang hielten wir die Riesen der deutschen Käferwelt, die Hirschschröter, in Gefangenschaft; mit Zuckersaft, den sie sehr gern lecken, fristeten wir ihr Leben. In das Aquarium, das mit Teichmolchen besetzt war, brachten wir allerlei Schwimmkäfer, den Gelbrand, den pechschwarzen Wasserkäfer, den kleinen Taumelkäfer. Wir freuten uns an ihrem lebhaften Treiben, bis wir die raubgierige Gesellschaft, die uns die Molche und die kleinen Fischchen anfraß, verbannen mußten. Auch die Wasserläufer, die wie auf Schlittschuhen über das Gewässer hingleiten, erregten unsre besondere Aufmerksamkeit.
Das höchste Entzücken haben mir aber die Leuchtkäfer bereitet, die »Johanniswürmchen«, wie wir sie nannten. Ich war schon mindestens zehn Jahre alt, als ich das Wunder der fliegenden Funken in einer warmen, gewitterschwülen Sommernacht zum erstenmal anstaunen durfte. Es steht mir der Augenblick unvergeßlich im Gedächtnis, wo solch geheimnisvolle, dem Kinde bisher völlig fremde Wunderwelt mich umgab: leuchtende Funken, die man in die Hand nehmen konnte, ohne sich zu verbrennen, ein »Feuerzauber«, der mich völlig in seinen Bann zog. Noch heute sind mir die Leuchtkäfer, die so still durch das nächtlich-dunkle Gesträuch ziehen oder wie leuchtende Lämpchen am Boden ruhen, ein geheimnisvolles Wunder, das mich immer wieder beglückt.
Mit den Jahren erwachte natürlich der Sammeltrieb in mir; wir Jungen spornten uns gegenseitig an und wetteiferten miteinander. Die in der Äthernarkose getöteten und dann sauber aufgespießten und in dem Kasten systematisch angeordneten Käfer haben mir große Freude bereitet. Ich darf wohl sagen, vieles habe ich dabei gelernt, in der Hauptsache aber doch nur dadurch, daß ich mir selber die Sammlung anlegte. Einige seltenere Prachtstücke, die ich später erwarb oder die mir geschenkt wurden, sagten mir wenig, wie mir denn allezeit die lebenden Insekten beredtere Lehrmeister gewesen sind, als ihre toten, in Reih und Glied aufgestellten Leiber. Und so bin ich denn heute von Käfersammlungen in der Hand von Kindern kein besonderer Freund; in den meisten Fällen kommt nicht viel dabei heraus. Der Feuereifer, mit dem die Sache begonnen wird, flaut oft schon im ersten Jahre ab, und bald steht die kleine Sammlung unbeachtet in einem Winkel.
Wo man aber doch einem Jungen, der sich für die Kleintierwelt unsrer Heimat besonders interessiert, gestattet, sich eine derartige Sammlung anzulegen, da sollte das Eltern- und Erzieherauge darüber wachen. Sonst geht es ohne Tierquälerei und Versündigung an der Natur nicht ab; denn es liegt auf der Hand, daß es auch der jugendliche Sammler sehr bald hauptsächlich auf Seltenheiten abgesehen hat, die ihm, wenn er seine eignen Bedürfnisse befriedigt hat, als Austauschobjekte gegen andre Seltenheiten wertvoll sind. Keinesfalls darf das Sammeln zum Selbstzweck werden; die Beobachtung des lebenden Insekts in freier Natur muß immer die Hauptsache bleiben.
Ein Junge, der sich auf den Totengräber, den Ameisenlöwen, den Goldschmied stürzt und nur daran denkt, die Tiere in die Ätherflasche zu stecken, um sie daheim der Sammlung einzuverleiben, der bringt sich um das beste Teil. Beobachte die Totengräber in ihrer bunten Livree, die Aaskäfer im dunkeln Trauergewand bei ihrer Arbeit, wie sie herbeirennen oder herbeifliegen, wenn sie den Leichnam eines Vogels oder eines kleinen Säugetiers aus der Ferne gewittert haben, wie sie die Erde unter dem toten Körper wegscharren und ihn gleichsam begraben, damit die Larven, die später den Eiern der geschäftigen Käfer entschlüpfen, sogleich Nahrung finden. Beobachte die Laufkäfer, wie sie einen Wurm, eine Kerbtierlarve überfallen, den Ameisenlöwen, wie er mit gehobenem Kopf und geöffneter Kieferzange in seinem Sandtrichter sitzt und auf einen Fang lauert, die Schnell- oder Springkäfer – »Schmiede« sagten wir Kinder – wie sie, lebendige Stehaufchen, so lustig emporschnellen, um aus der Rückenlage wieder auf alle Sechse zu kommen, die grünen Sandkäfer, wie sie auf dem öden Ufergelände stoßweise vor dir auffliegen, oder die scharlachroten Lilienhähnchen, die durch Aneinanderreiben der Hinterleibsringe gegen die Flügeldecken eine so seltsam piepende Musik erzeugen, – und du hast mehr erlebt, als dir die Sammlung zu geben vermag.
Die Kinder, die so glücklich sind, sich viel in freier Natur tummeln zu dürfen, werden mit den Eigentümlichkeiten der genannten und noch vieler anderer Kerbtiere sehr bald bekannt sein. Der seltsame Ölkäfer, »Maiwurm« hieß er bei uns, aus dessen Beingelenken ein gelber, öliger Saft tritt, die »spanische Fliege«, die sich zu Zeiten massenhaft auf Eschen und andern Bäumen einfindet, die Rüsselkäfer mit ihrem igelähnlichen Gesicht und dem stahlharten Chitinpanzer, die metallisch glänzenden Erdflöhe u. v. a.: sie alle sind selbst dem kleinen Kind gute Freunde. Aber doppelt glücklich die Kleinen, wenn sie sehen, daß auch die Erwachsenen ihren Lieblingen Teilnahme entgegenbringen! Wie leicht ist es doch, die jugendlichen Beobachter auf diese oder jene Eigentümlichkeit ihrer sechsbeinigen Spielkameraden hinzuweisen, ihnen allerlei Geschichten aus deren Leben zu erzählen und ihnen so immer mehr Liebe zur Natur und zugleich Achtung vor allen Werken der Schöpfung einzuflößen. Gerade an dieser Achtung und Ehrfurcht fehlt es nicht selten! Vielleicht auch ist es mehr Neugier und Spieltrieb, als Mutwille und Zerstörungssucht, wenn Kinder sich der wehrlosen Insektenwelt gegenüber allerlei Grausamkeiten zu schulden kommen lassen; durch ein gutes Wort, einen Hinweis auf das Wunderwerk der Natur, das sich auch im unscheinbarsten Lebewesen offenbart, kann viel Unheil verhütet werden, Unheil, das weniger die Schöpfung bedroht, als – die Kindesseele.
Auch Schmetterlinge habe ich in großer Anzahl gesammelt, nachdem ich die Kunst erlernt hatte, sie auf dem Spannbrett zu präparieren, daß sie dann im Sammelkasten mit ausgebreiteten Flügeln ihre ganze Farbenpracht zeigten. Damals als Kind sah ich mich auf dem Lande von einem Reichtum, einer Mannigfaltigkeit an Groß- und Kleinschmetterlingen umgeben, daß mir die Artenzahl unerschöpflich schien. Heute ist das anders geworden, namentlich in der Nähe der Großstädte. Eine Verarmung an Faltern ist eingetreten, die ich tief beklage; denn gerade die leichtbeschwingten, bunten »Sommervöglein« sind es, die eine Landschaft aufs reizvollste beleben, wenn sie in großen Scharen über der Wiese ihr anmutiges Spiel treiben, von einer Blume zur andern gaukeln, sich haschen, ausgelassen herumwirbeln, hoch in die Lüfte steigen und dann schnell wieder herabflattern, um sich auf dem Blütenstern niederzulassen, der ihnen Nahrung verspricht. Farbe, Bewegung, Leben – ewig schade, daß wir heute so selten Gelegenheit haben, uns solcher Anmut zu erfreuen!
Gewiß, auch vor einem halben Jahrhundert waren manche Großschmetterlinge in meiner Heimat ziemlich selten, und nicht jeden Tag flog mir ein Segelfalter ins Netz oder ein Schwalbenschwanz, und wenn es uns gelang, manche größere Schwärmer oder Eulen, Liguster- oder Wolfsmilchschwärmer oder gar ein rotes Ordensband mit Hilfe von Apfelschnitten, auf die viele Nachtfalter sehr lüstern sind, zu erbeuten, so waren wir glücklich.
Aber heute fehlen vielerorts auch solche Falter, die früher zu den gewöhnlichsten Erscheinungen gehörten. Den Schmetterlingsraupen mangelt es hier an den zur Entwicklung nötigen Nahrungspflanzen. Wir sagten es schon: man nützt jedes Winkelchen aus und duldet kein Unkraut; das Saatgetreide ist viel reiner geworden, und gewiß ist auch die künstliche Düngung dem Entwicklungsgang mancher Falter höchst nachteilig.
Mich verdrießt es, wenn ich Jungen mit Schmetterlingsnetzen durch die Wiesen rennen sehe: Raubzüge gegen die Natur, aus denen nichts Ersprießliches entspringt – in den meisten Fällen wenigstens. Nicht übertriebene Empfindsamkeit ist es, die mich dies absprechende Urteil fällen läßt; die Natur ist auch grausam, und dem Schmetterling wird's gleich sein, ob er im Rachen einer Eidechse endigt, im Schnabel einer nächtlichen Eule oder in der Äthernarkose des Sammlers. Es sind auch kaum pädagogische Gründe – wie verhärtet müßte mein Herz Pflanzen und Tieren gegenüber geworden sein, wenn Schmetterlings- und Käfersammeln, wenn Pflanzenpressen das Gemüt verrohen müßten – nein, Schutz der Natur ist es, wozu ich nicht eindringlich genug mahnen kann.
Die Zeiten haben sich eben geändert, wollte auch nur ein kleiner Bruchteil unsrer Schuljungen sich eine Schmetterlingssammlung anlegen, so wäre es bald vorbei mit den bunten Faltern, und nur noch Weißlinge würden in unsern Gärten flattern. Auch die Schulen sollten Maß halten im Sammeln von Seltenheiten; einige häufiger vorkommende Vertreter der einzelnen Gattungen und Familien genügen vollkommen. Eine Schulsammlung soll kein Museum sein.
Die Falter im Sammelkasten zeigen wohl ihr buntes Farbenkleid, aber ihr Leben und Treiben kannst du doch erst in freier Natur kennen lernen, ja selbst die Bedeutung der Farben und ihre verschiedene Verteilung auf Vorder- und Hinterflügel bei Tag- und Nachtfaltern wirst du erst begreifen, wenn du die leichtbeschwingten Geschöpfe in ihrer natürlichen Umgebung beobachtest, wie sie ihre bunte Herrlichkeit uns zeigen und dann plötzlich dank ihrer Schutzfärbung unserm Auge entschwinden.
Viel wertvoller als Schmetterlinge zu sammeln erscheint es mir, wenn unsre Jugend sich mit der Aufzucht von Raupen beschäftigt und dann die Falter, die den Puppen entschlüpfen, freiläßt. Die Knaben und Mädchen lernen dabei gar manches und haben dann draußen im Freien, wenn sie einen Schmetterling sehen, noch die besondere Freude, möglicherweise einem guten Bekannten, der ihrer Zucht entstammt, begegnet zu sein.
Viele Feinde unter den Menschen haben die Spinnen; selbst der weitverbreitete Glaube, daß Spinnen Glück bringen, hilft ihnen nur wenig. Auch diese interessanten Tiere zu beobachten, findet sich oft für Kinder Gelegenheit, die auch von dem Erzieher wahrgenommen werden sollte: die Kreuzspinne, wie sie ihr kunstvolles Netz baut, an dessen Fäden sie eiligst dahinrennt, ohne sich zu verstricken, wie sie aus ihrem Versteck hervorschießt, die Fliege packt, die ins Netz geraten ist, und sie umspinnt, oder der seltsame Weberknecht, der »Kanker«, wie er tagsüber in einem staubigen Winkel sitzt und gegen Abend seine acht lächerlich langen Beine in Bewegung setzt, um auf die Jagd nach winzigen Insekten und Spinnen zu gehen, oder die Wasserspinne, die sich gut im Aquarium beobachten läßt; an den Wasserpflanzen spinnt sie sich einen Wohnraum, einer Taucherglocke vergleichbar, von wo sie hervorschießt, sobald ein kleines Wasserinsekt in die Nähe kommt. Überhaupt das Aquarium – in Schule und Haus gibt's kaum ein besseres Anschauungs- und Erziehungsmittel! Tag für Tag ein unversiegbarer Born der Belehrung.
Daneben natürlich die Beobachtung in freier Natur, die niemals fehlen darf. Durch den Garten, der zu meinem Elternhaus gehörte, floß ein klares Bächlein. Nur wer selbst an solch einem Gewässer aufgewachsen ist, vermag zu beurteilen, was das für ein empfängliches Kinderherz bedeutet. Die hübsch gepunkteten Forellen wurden belauscht, wie sie unbeweglich im Wasser »stehen« und dann blitzschnell davonschießen; den Krebsen stellten wir nach, die in den Uferlöchern ihre Wohnung hatten, gleich neben der Wasserratte; die seltsamen »Hülsenwürmer«, die ihren weichen Hinterleib in einem Köcher bergen, den sie aus Pflanzenstengeln, Schneckenhäuschen, Steinchen gar zierlich zusammenfügen, erregten unser Interesse, wie die »Rattenschwanzlarven« der Schlammfliegen und die Larven und Puppen der Stechmücken, die zu Tausenden in einer Pfütze neben dem Bach ihrer weiteren Entwicklung entgegensahen. Rückenschwimmer und Wasserläufer, Larven der blauen Libellen und Eintagsfliegen, Schlammschnecken mit ihrem spindelförmigen Haus und Tellerschnecken – »Posthörnchen« nannten wir sie – es ist nicht möglich, all meine Jugendfreunde hier aufzuzählen.
Viel Freude hatte ich als Kind an Schneckenhäusern. Eine kleine, nette Sammlung, die ich mir damals anlegte. Die niedlichen Gebilde sind oftmals so hübsch gezeichnet, und so mannigfaltig ist die Färbung auch bei derselben Art, daß man immer wieder Neues entdeckt. Ich möchte die Schneckenhäuser der sammellustigen Jugend aufs wärmste empfehlen; denn ohne Sammeln, das weiß ich, geht's nun 'mal nicht ab. Beschränkt man sich auf leere Schneckenhäuser, so tut solch Sammeln niemand weh.
Auch Muscheln bereicherten meinen Besitz, besonders als mir eine befreundete Familie hunderte solch zierlicher Gebilde, wie sie am Strande herumliegen, von ihrem Seeaufenthalt mitgebracht hatte. Zu meiner besonderen Freude fehlten auch prachtvolle tropische Formen nicht; denn überall in den deutschen Seebädern werden auch solche verkauft. Mein Jungenherz schwelgte in dem ungeahnten Reichtum an Formen und Farben.
Nur ein klein wenig Verständnis, ein klein wenig Teilnahme seitens der Eltern solchen und ähnlichen Liebhabereien und Neigungen der Kinder gegenüber! Der Sinn für die Natur empfängt gerade durch den schon in jungen Jahren gepflegten Verkehr mit unsrer heimatlichen Kleintierwelt die stärkste Anregung und damit unsre Naturschutzbewegung – es ist dies meine vollste Überzeugung – die wirksamste Förderung.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
Korrekturen:
S. 55: Dippoldiswaldaer → Dippoldiswalder
Wolfssäule in der [Dippoldiswalder] Heide