Viertes Kapitel.
„Es steht durchaus im Einklange mit den Naturgesetzen und ist deshalb recht,“ begann Forest unsere nächste Unterredung, „daß ein Mann seinem Sohne, seinen Verwandten und seinen Freunden beisteht und ihnen im Leben vorwärts hilft. Einen Mann, der das thut, würde ich nie tadeln; sondern im Gegenteile diejenigen, welche das unterlassen, was ich für die Pflicht jedes Mannes halte. Selbstverständlich müssen aber der Sohn, die Verwandten oder die Freunde befähigt sein, die Stellungen auszufüllen, für welche sie in Vorschlag gebracht werden. — Ich entsinne mich, daß einige Geschichtsschreiber über die Günstlingswirtschaft geschrieben haben, welche zu ihrer Zeit bei der Vergebung von Bundesämtern geherrscht haben soll und daß besonders General Grant beschuldigt wurde, alle Zeit seine Verwandten und Freunde bei Anstellungen bevorzugt zu haben. Das aber gefällt mir gerade an dem großen Feldherrn, daß er an seinen Freunden so unerschütterlich festhielt und ich [entschuldige] deshalb um so lieber die Mißgriffe, die er mitunter bei der Auswahl der Beamten machte. Denn diese Mißgriffe wurden veranlaßt durch sein gutes Herz, das seinen Freunden immer treu und mitunter geneigt war, deren Befähigung und Ehrenhaftigkeit zu überschätzen. Wenn die Bande des Blutes und der Freundschaft nicht mehr zusammenhalten, worauf sollen wir dann noch vertrauen? Und da jedermann naturgemäß die Gesinnung und die Befähigung seiner Verwandten und Freunde besser kennen muß, als die Eigenschaften andrer Leute, so ist es ganz in der Ordnung, daß er die ihm Nahestehenden, deren Befähigung er kennt, zunächst anstellt.“
„Einer der vielen großen Schäden, an welchen unser öffentliches und gewerbliches Leben krankt, ist der Umstand, daß unter ihm nicht nur die Günstlingswirtschaft, sondern auch die Korruption im größten Umfange wuchern muß. Vor hundertunddreizehn Jahren konnten die Männer, welche an der Spitze der Vereinigten Staaten standen, oder solche, die in den nächsten Regierungskreisen Einfluß hatten, mitunter nach Willkür Stellungen besetzen, in welchen für wenig Arbeit ein gutes Gehalt bezahlt wurde; aber solcher Ämter gab es nur verhältnismäßig wenige. Die Zahl der von der Bundesregierung angestellten Beamten betrug, wenn ich nicht irre, nur etwa 80 000 und die Mehrzahl dieser 80 000 Ämter bestand aus kleinen Postmeisterstellungen. Diese Postmeister in kleinen Dörfern und Landbezirken erhielten gar kein Gehalt, sondern einen Teil des Geldes, welches sie für verkaufte Briefmarken einnahmen und dieses Einkommen war ein so bettelhaftes, daß nur Kaufleute, welche ohnehin den Tag über in ihren Läden zubrachten und die „Ehre“ nebst dem kleinen Gewinn so nebenbei mitnahmen, ein solches Bundesamt annehmen konnten. Dazu kam, daß die verhältnismäßig geringe Anzahl solcher Bundesämter, welche als „Sinekuren“ bezeichnet werden konnten, alle vier oder spätestens alle acht Jahre neu besetzt wurden. Unsere Regierungen haben aber ein längeres Leben. Diejenige, welche zuletzt abwirtschaftete, hat sechsundzwanzig Jahre gedauert. Und die Zahl der Stellungen, welche unsere Regierung zu vergeben hat, ist sehr groß. Für je zwölf Frauen oder Männer haben wir einen Aufseher oder Lieutenant; von den Hauptleuten, Obersten usw. gar nicht zu reden. Und was wir gar auf dem Gebiete der Schreiberei leisten, ist einfach ungeheuerlich. Wie sie vermutlich wissen, führen wir sowohl in der Arbeits- wie in den Verteilungsabteilungen Buch; ja noch mehr: jeder Bewohner und jede Bewohnerin der Vereinigten Staaten hat in den Regierungsbüchern ein Soll und ein Haben!“[ [20] ]
„Angesichts unserer großen und beständig wachsenden Bevölkerung ist das, wie Sie wohl einsehen werden, eine Riesenarbeit. Sie wissen ja, daß das nordamerikanische Gebiet, welches früher unter englischer Regierung stand, mit den Vereinigten Staaten vereinigt wurde und daß unsere Bevölkerung sich nach der Zählung von 1990 auf 414 000 000 belief. Sie wird jetzt auf 500 000 000 Menschen geschätzt.“[ [21] ]
„Die ungeheuer umständliche Buchführung, welche durch den Kommunismus notwendig gemacht wird und die Kürze der Arbeitszeit, welche die Buchhalterinnen und Buchhalter als Günstlinge der Parteiführer genießen, machen es notwendig, daß für je fünfzig Menschen ein Buchhalter angestellt wird. Unter der letzten Regierung hatten wir sogar für je zweiundvierzig Einwohner einen Rechenkünstler. Dies giebt der Regierung Gelegenheit, nach eigener Willkür 10 Millionen Frauen und Männern reinliche und bequeme Arbeit zuzuerteilen. Zu diesen 10 Millionen guten Stellungen müssen Sie noch etwa eben so viele Offiziersposten im Arbeiterheere und die Stellungen in den Warenniederlagen der Regierung rechnen; von andern begehrenswerten Anstellungen gar nicht zu reden. Hiernach können Sie ohne weitere Erklärung die außerordentliche Macht ermessen, welche die Regierung durch die Anstellungsgewalt allein ausübt und welche Versuchung die Ausübung dieser unerhörten Macht im Gefolge hat.“
„Ist es denn nicht notwendig,“ fragte ich, „daß diejenigen, welche sich um eine an Verantwortlichkeit reiche Stellung, wie die eines Buchhalters, bewerben, die nötigen Studien machen und eine Prüfung ablegen müssen, ehe sie so wichtige Pflichten übernehmen?“
„Das Buchhalten bildet einen Teil des Lehrplans in unsern Schulen,“ antwortete Forest. „Übrigens wird die Buchhalterei bei uns nicht sehr gewissenhaft besorgt. Deshalb lastet die Verantwortlichkeit nicht allzu schwer auf den Schultern der Günstlinge unserer Regierung, und ich glaube nicht, daß einer der Bevorzugten sich dieserhalb Sorgen macht. Es ist natürlich für jemanden, der außerhalb des Regierungskreises steht, nicht möglich, mit Bestimmtheit zu sagen, wie schlecht die Bücher geführt werden. Als indes die letzte Regierung vor zwölf Jahren aus dem Amte schied, wurde ein schier unergründlicher Pfuhl von Verderbnis und Betrügereien aufgedeckt. Der Wert aller vorhandenen Warenbestände wurde festgestellt und es wurde ermittelt, daß Güter im Werte von 432 000 000 Dollar fehlten. Die Mitglieder der abgesetzten Regierung erklärten allerdings, daß diese Angaben falsch und nichts als böswillige Verleumdungen seien, daß die neue Regierung Buchhalter eigens zu dem Zwecke angestellt habe, einen Diebstahl von mehr als vierhundert Millionen Dollars herauszurechnen, nur damit die Mitglieder der früheren Verwaltung als Schurken politisch tot gemacht würden. Die abgegangenen Beamten gaben zu, daß Waren fehlen könnten, weil die Angestellten in den Warenhäusern stets reichliches Maß und Gewicht gegeben hätten; doch könnte dieser Fehlbetrag nicht als ein Beweis der Unehrenhaftigkeit der letzten Regierung gelten und nimmermehr die Riesensumme von 432 000 000 Dollar erreichen. Andererseits bestanden aber die neuen Beamten auf ihren Angaben und schrieben den Fehlbetrag der Korruption unter der letzten Regierung zu, deren Mitglieder mehr Waren entnommen hätten, als ihnen zukam, ohne daß aus ihren Anteilscheinen der entsprechende Betrag herausgestochen wurde.“
Ich fragte Forest, was er von diesen Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen halte.
„Ich glaube, sie sind bis zu einem gewissen Grade nur zu wohl begründet,“ sagte mein Amtsvorgänger. „Die Versuchung unter unserem elenden System ist eben für viele Menschen zu groß. Daß die Führer der Regierungspartei ihren Verwandten und Freunden die besten Stellungen geben, würde ich durchaus nicht tadelnswert finden, wenn die Angestellten die ihnen übertragenen Ämter gut verwalten könnten. Aber die 20 000 000 besten Stellungen im Lande sind durchaus nicht mit den besten und tüchtigsten Frauen und Männern besetzt. So weit diese Ämter und Stellen nicht den Verwandten und nächsten Freunden der höchsten Beamten verliehen sind, werden sie an die Angehörigen der eifrigsten und einflußreichsten Anhänger der Regierung vergeben. Und selbst das würde erträglich sein, wenn die Günstlingswirtschaft da ein Ende erreichte, an der Grenze der Verderbtheit und drückenden Willkür. Aber sie geht noch viel weiter.“
„Klagen Sie die jetzige Regierung und deren Freunde der Korruption und Tyrannei an?“ fragte ich, entschlossen, meinen weiteren Unterredungen mit Herrn Forest ein Ende zu machen, falls dieser entehrende Anklagen gegen meinen Gastfreund vorbringen sollte.
„Ich spreche von dem jetzigen Regierungssystem und erwähne nur Thatsachen, oder Handlungen, welche ich nachweisen kann,“ antwortete Forest. „Ich klage niemanden an lediglich weil ich daran Vergnügen finde. Ich fühle, daß Ihre Frage auf Dr. Leete Bezug hat und obschon sie nicht unmittelbar gestellt wurde, werde ich sie doch offen beantworten. Ich halte Dr. Leete für einen der besten und ehrenhaftesten unter unseren Parteiführern, aber auch er macht von den Vorteilen Gebrauch, welche unter unserem System den Machthabern so leicht zugänglich sind.“
„Wollen Sie die Güte haben, Ihre Behauptung zu beweisen,“ sagte ich ruhig, aber bestimmt.
„Ich werde es Ihrem Urteil überlassen, zu entscheiden, ob ich in meinen Behauptungen zu weit gegangen bin,“ fuhr Forest fort. „Hat Dr. Leete Ihnen nicht mitgeteilt, daß er schon „seit langen Jahren vorhatte in dem großen Garten neben diesem Hause ein Laboratorium für chemische Zwecke zu bauen?“[ [22] ] Und hat er Ihnen nicht erzählt, daß er Arbeiter kommen ließ, und daß diese das Gewölbe ausgruben, in welchem Sie schliefen?“[ [23] ]
„In der That! Dr. Leete sagte, daß er ein chemisches Laboratorium zu bauen beabsichtigte,“ gab ich zu. „Gestattet ihm aber sein Guthabensschein nicht eine solche Ausgabe?“
Forest sah etwas erheitert aus, als er mich fragte, ob ich jemals gesehen hätte, wie groß der Gesamtbetrag des Jahresguthabens wäre. Ich gestand, daß ich dies nicht wüßte. Die Lebensweise des Dr. Leete zeugte von Überfluß und erschien mir gut genug für selbst hochgestellte Ansprüche. Ich hatte mir deshalb noch nie die Frage nach dem genauen Betrage seiner Einnahmen vorgelegt.
„Wenn es Ihnen genehm ist,“ sagte Forest, [„wollen] wir über den Volkswohlstand zu einer anderen Zeit sprechen. Heut wollen wir uns darauf beschränken, die Neigung des Kommunismus zur Erzeugung von Günstlingswirtschaft, Bestechlichkeit, Knechtssinn und Tyrannei zu untersuchen. — In Bezug auf Dr. Leete steht fest, daß er sich ein chemisches Laboratorium bauen läßt, trotzdem dies Unternehmen in offenbarem Widerspruch steht zu den Zwecken und dem Geist unserer Einrichtungen. In dem Erdgeschosse dieser Universität befindet sich ein sehr gutes derartiges Laboratorium und Dr. Leete hätte sicherlich nach Gefallen in demselben experimentieren können, wenn er um die Erlaubnis hierzu nachgesucht hätte. Schon sein Einfluß würde ihm diese verschafft haben. Aber seine Eitelkeit veranlaßt ihn, ein überflüssiges Gebäude errichten zu lassen, welches den Radikalen als ein neuer und sichtbarer Beweis für ihre Anklagen gegen die herrschende Parteisippe dienen wird.“
„Von welchen Radikalen sprechen Sie?“ fragte ich.
„Ich rede von den radikalen Kommunisten, welche die jetzige Regierung bekämpfen, weil sie alle religiösen Gebräuche, die Ehe und das wenige persönliche Eigentum abschaffen wollen, dessen Besitz jetzt noch gestattet wird. Von unseren politischen Parteien und von deren Grundsätzen werden wir später sprechen. Ich wollte Sie nur von der Thatsache überzeugen, daß Dr. Leete zu seinem eigenen Gebrauche und in offenbarem Widerspruch mit den kommunistischen Grundsätzen ein chemisches Laboratorium errichtet, eine sehr kostspielige Anstalt, welche mit den Guthabensscheinen von zehn Leuten nicht hergestellt werden könnte und daß er auf diese Weise den Tadel aller Regierungsgegner herausfordert.“
„Kann Dr. Leete nicht eine angemessene Miete für das Laboratorium bezahlen?“ fragte ich. „Ich sollte meinen, daß der vorhandene Überschuß der Arbeitskräfte nicht besser benutzt werden könnte, als zur Errichtung von Gebäuden, deren Miete alsdann das Staatseinkommen erhöht.“
„Wir haben aber keinen Überschuß von Arbeitskräften, wie Sie alsbald erfahren werden,“ sagte Forest. „Und stellen Sie sich nebenher einmal vor, was geschehen würde, wenn jeder Bürger einen ähnlichen Aufwand für Bauarbeiten und für die Anschaffung von Instrumenten beanspruchen würde. Sie werden einsehen müssen, daß Dr. Leete eine Ausnahmestellung beansprucht, was nach Anmaßung und Günstlingswirtschaft aussieht. Er mißbraucht die Macht seiner Stellung und erregt dadurch böses Blut.“
Ich konnte gegen diese Auseinandersetzungen Forests nichts Haltbares vorbringen und schwieg deshalb.
„Aber Günstlingswirtschaft und gelegentlicher Mißbrauch der Regierungsgewalt zu Gunsten von Leuten wie Dr. Leete sind noch nicht die schlimmsten Erscheinungen in unserem öffentlichen Leben,“ sagte Forest weiter. „Auch die Thatsache, daß einflußreiche Männer häufig Geschenke von Seide, Pelzen und goldenen Schmucksachen für ihre Frauen und Töchter, sowie von Wein und Cigarren für sich selbst seitens solcher Leute erhalten, welche die Fürsprache der Einflußreichen brauchen, könnte ertragen werden, obschon solche Vorkommnisse ein offenbarer Beweis für eine gewisse Verderbtheit im öffentlichen Leben sind. Die schlimmsten Folgen dieses verdammenswerten Kommunismus sind die Tyrannei und rücksichtslose Verfolgung aller Gegner der Regierung auf der einen Seite, und der Knechtssinn, die Schmeichelei und Verleumdungssucht auf der anderen Seite. Jeder Mann und jede Partei, welche eine erstrebte Stellung erreicht haben, werden sich in derselben gegen alle Angriffe ihrer Gegner zu behaupten suchen. Sie werden die Freunde belohnen, von welchen sie unterstützt werden und ihre Gegner zurückzudrängen suchen. Deshalb ist es sehr gefährlich, eine große Regierung mit einer Gewalt zu bekleiden, welche die Herrschenden in den Stand setzt, das Volk in seiner täglichen Erwerbsthätigkeit sein Lebenlang in Abhängigkeit von der Gunst seiner Beamten zu erhalten.“
„Nach Ihrer Beschreibung erscheint die gegenwärtige Ordnung der Dinge unerträglich,“ sagte ich.
„Wenn Sie unter den Mitgliedern der verschiedenen Zünfte, besonders unter den Ackerbauern, Nachfrage halten,“ entgegnete Forest, „so werden Sie finden, daß ich die Zustände genau so schildere, wie sie sind. Jedes Mitglied des Arbeiterheeres weiß, daß Befähigung und Fleiß allein nur in Ausnahmefällen genügen, um jemanden zu einer erstrebten Stellung zu verhelfen. Politischer Einfluß ist der allmächtige Hebel, der allein uns zu höheren Stellungen hinaufbefördern kann und um diesen Einfluß zu erlangen, muß der Arbeiter zum Kriecher, zum Schleicher, zum Angeber seiner Kameraden und zum Bestecher seiner Vorgesetzten werden; ja er muß auch alle stimmfähigen Verwandten und Freunde beschwören, sich ihrer Selbständigkeit zu entäußern und alle Maßregeln, sowie alle Mitglieder der Regierung zu unterstützen.
„Wenn die Mitglieder des Arbeiterheeres ihre Offiziere oder Aufseher wählen könnten,“ fuhr Herr Forest in seinen Auseinandersetzungen fort, „dann würde voraussichtlich die Disciplin in der „industriellen Armee“ nicht so strikt sein; aber selbst eine gelegentliche Auflehnung der Leute gegen die Beamten würde dem jetzigen Stande der Dinge vorzuziehen sein, unter welchem Alle, die sich den Groll ihrer Vorgesetzten zugezogen haben, ein entsetzliches Dasein führen. Die Selbstmorde werden deshalb alljährlich zahlreicher und die Zahl derjenigen, welche ihrem Leben ein Ende machen, ist jetzt viermal so groß, wie zu Ihrer Zeit.“
„Vor 113 Jahren wurde auf die große Zahl der Selbstmörder in den europäischen Heeren aufmerksam gemacht,“ bemerkte ich nachdenklich. „Diese Leute töteten sich, obschon sie in Bezug auf Kleidung, Nahrung und Wohnung keinen Mangel litten.“
„Allerdings,“ bestätigte Forest. „Die notwendigen Lebensmittel ohne Freiheit haben nur geringen Wert. Viele Soldaten Ihrer Tage machten ihrem Leben ein Ende, weil sie ein Dasein ohne Freiheit nicht führen mochten. Sie warfen das Leben von sich, trotzdem ihre Dienstzeit nur zwei, drei oder fünf Jahre dauerte und sie in Friedenszeiten einen verhältnismäßig leichten Dienst hatten. Der Dienst in unserem Arbeiterheere dauert die besten 24 Jahre unseres Lebens. Die Männer und Frauen sind während dieser langen Zeit der Willkür ihrer Vorgesetzten preisgegeben und sie können, wie ich schon hervorhob, gegen jahrelange Mißhandlung durch den einen Angestellten der Regierung nur bei einem andern Angestellten der Regierung Klage führen. Und diese sogenannten „Richter“ entscheiden solche Fälle endgültig meist dadurch, daß sie die Kläger auffordern, wieder an ihre Arbeit zu gehen und sich mit der Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten die Aussicht auf Beförderung zu erwerben.“
„Sie sprachen von Politikern, Herr Forest,“ fragte ich. „Nehmen viele Männer thätigen Anteil am politischen Leben?“
„Das will ich meinen,“ rief Forest; „obschon allerdings in ihrer eigenen Weise. Viele Männer und viele Frauen, welche das fünfundvierzigste Lebensjahr [zurückgelegt] haben, thun nichts weiter, als daß sie sich mit Politik beschäftigen. Mit ihrem Guthabensscheine können sie leben, wo sie wollen und viele ziehen es vor, ihre Zeit in Washington zu verbringen, wo sie eifrig und geschäftig sind, für ihre Freunde und Schützlinge Gunstbezeugungen zu erjagen, sowie für solche Leute, welche sich der Dienste dieser Politikanten versichert haben. Die „Lobby“, welche zu Ihrer Zeit in den Hallen des Kongresses ihr Unwesen trieb, wird als eine böse Gesellschaft raubsüchtiger, gewissenloser Abenteurer beschrieben, welche sich gegen gute Bezahlung dazu gebrauchen ließen, die Kongreßmitglieder zum Erlaß von Gesetzen zu Gunsten einzelner Personen und Körperschaften zu verleiten. Wenn man aber jene nicht sehr zahlreiche und im äußeren Auftreten immerhin einigermaßen anständige Lobby mit den Washingtoner Wahlmachern unserer Tage vergleichen wollte, so würde das etwa dasselbe sein, als wenn man eine Sonntagsschule mit einer Reformschule vergliche, wie solche zur Besserung junger Taugenichtse in Ihren Tagen unterhalten wurden. Millionen von Leuten, welche bessere Arbeit, oder Beförderung wünschen und sich von dem Einfluß, den sie daheim geltend machen können, keine Wirkung versprechen, wenden sich an die Politikanten in Washington und sichern sich deren Dienste.“
„Aber was kann derjenige, welcher Vergünstigungen sucht, denjenigen bieten, welche in Washington wohnen, um diese zur Aufbietung ihres etwaigen Einflusses zu veranlassen,“ fragte ich; „heutigen Tages sammelt doch niemand Schätze?“
„Das thut allerdings niemand,“ antwortete Forest lächelnd. „Aber manche Leute wollen sich von Zeit zu Zeit „vergnügte Tage“ machen und zu diesem Zwecke brauchen sie vielleicht alljährlich den fünf- oder zehnfachen Betrag ihres Guthabensscheines. Manche unserer politischen Lichter führen das, was man ein „großes Haus“ nennt. Sie empfangen viele Gäste, bewirten dieselben mit feinen Speisen und guten Weinen und manche unserer hervorragenden Lobbyisten thun dasselbe. Wer von diesen Leuten eine Begünstigung verlangt, muß einen namhaften Teil seines Guthabensscheines abgeben und er mag sich, wenn er befördert wird, an seine künftigen Untergebenen wegen eines reichen Ersatzes für das nach Washington Abgegebene halten.“
„Weshalb sind aber die Leute mit ihrem gesetzlichen Einkommen nicht zufrieden?“ fragte ich, schmerzlich überrascht davon, daß jetzt die Wahlmacherei und die Verderbtheit noch üppiger zu wuchern schienen, als vor 113 Jahren. „Ist nicht das Einkommen, welches ein Guthabensschein gewährt, genügend zum Lebensunterhalte des Volks?“
„Sie können die Menschen niemals zufriedenstellen,“ sagte Forest. „Heutzutage wird der tüchtige und fleißige Teil des Volks zu Gunsten der Faulen und Dummen beraubt. Selbst die Begünstigten müssen sich die Unverschämtheiten, die Erpressungen und Erniedrigung seitens ihrer Vorgesetzten gefallen lassen.“
„Und selbst die Männer und Frauen von den allergeringsten Fähigkeiten, welche aus der gleichmäßigen Verteilung der Arbeitsergebnisse den meisten Vorteil ziehen, sind nicht einmal sämtlich zufriedengestellt. Manche derselben fordern die Abschaffung alles persönlichen Eigentums und abgesonderter Haushaltungen. In der That ist nur ein kleiner Teil unserer Bevölkerung wirklich zufrieden. — Zur Bestreitung größeren Aufwandes für feine Speisen, kostbare Mahlzeiten, teure Weine und Havannacigarren reichen die Guthabensscheine nicht aus und Leute, welche dergleichen regelmäßig genießen möchten, müssen sich nach Menschen umsehen, welche unter Umständen bereit sind, dafür zu bezahlen. — In Washington leben aber nicht nur sogenannte „Lebemänner“, sondern auch viele Mädchen und junge Frauen, welche Liebeleien, üppige Mahlzeiten, feine Kleider und Juwelen, sowie den Strudel eines wilden, lüderlichen Lebens der regelmäßigen Thätigkeit im Arbeiterheere oder in der Haushaltung vorziehen.“
„Die Prostitution wuchert also in Washington nach wie vor?“ fragte ich erstaunt.
„Leider ist dem so,“ entgegnete Forest. „Natürlich bekleiden jene Mädchen Schreiber- oder Buchhalterstellen in den verschiedenen Regierungsabteilungen; aber diese Posten sind nur Sinekuren. Von Freunden, welche aus eigner Anschauung diese Geheimnisse des Washingtoner Lebens kennen lernten (und man kann da eigentlich kaum noch von Geheimnissen reden, da dieses Treiben allgemein bekannt ist), habe ich die Ansicht aussprechen hören, daß manche der höheren Beamten den fünfzigfachen Betrag ihrer Guthabensscheine mit leichtfertigen Frauenzimmern verausgaben. Dieses Geld erlangen sie teilweise dadurch, daß sie den Leuten, welche Begünstigungen suchen, einen Betrag ihres Guthabenscheines abnehmen. Ein anderer Teil der vergeudeten Summen kommt aus den Warenlagern der Regierung, wo nur ein kleiner Betrag dessen, was diese hohen Beamten entnehmen, aus deren Guthabensscheinen herausgestochen wird. Denn die in den Warenlagern Angestellten wissen, daß sie sehr bald ihre Stellungen verlieren und in die zweiten Abteilungen des dritten Grades einer Zunft versetzt werden würden, falls sie sich beikommen ließen, die politischen Größen der Regierung, welche Waren entnehmen, wie gewöhnliche Leute zu behandeln. Der Reiz, welchen dieses üppige Leben auf viele Männer und Frauen ausübt, hat, wie ich schon erwähnt, die Bevölkerung Washingtons außerordentlich vermehrt und es ist demzufolge die volkreichste Stadt im Lande.“
„Ich kann nicht begreifen, wie das Volk eine so verderbte und willkürliche Regierung wie die von Ihnen geschilderte dulden kann,“ sagte ich; „und ich bin überzeugt, daß Ihre zur Schwarzseherei neigende Lebensauffassung Ihr Urteil getrübt hat.“
„Es liegt nur an Ihnen, wenn Sie in Zweifel darüber bleiben, ob meine Angaben richtig sind, oder nicht,“ antwortete Forest. „Wenn Sie um Urlaub zu dem Zwecke nachsuchen, unsern Herrschern in Washington einen Ihrer begeisterten Vorträge über die Vorzüge der jetzigen Gesellschaftsordnung zu halten, so wird man Ihnen hier mit Vergnügen gestatten, Ihre Vorlesungen eine Zeitlang auszusetzen und in Washington wird man Sie glänzend empfangen. Denn die Begeisterung, mit welcher Sie unsere Einrichtungen gegenüber denen des neunzehnten Jahrhunderts preisen, gießt ja Wasser auf die Mühlenräder der Regierung. Sie werden dann den Stand der Dinge genau so finden, wie ich ihn geschildert habe und wenn Sie mit den Mitgliedern des Arbeiterheeres, sowie mit deren Freunden sprechen, welche die Regierung unterstützen, dann werden Sie erfahren, daß dies lediglich deshalb geschieht, weil sie an der Möglichkeit einer Besserung unter dem jetzigen System verzweifeln und nur eine Verschlimmerung für den Fall fürchten, daß die Radikalen ans Ruder kommen.“
„Wie könnten die öffentlichen Angelegenheiten sich noch schlimmer gestalten, als sie Ihrer Schilderung nach schon sind?“ rief ich aus.
„Viele Leute fürchten, daß die Radikalen die Ehe beseitigen und „freie Liebe“ mit allen ihren Folgen dem Volke aufdrängen würden,“ erklärte Forest. „In der That fordern die radikalen Zeitungen — die einzigen Blätter, welche eine rücksichtslose Sprache gegen die Regierung führen, und diese scharf angreifen — Verbot aller religiösen Gebräuche, Abschaffung der Ehe, Aufhebung der Familie, der besonderen Haushaltungen und Abschaffung des geringen persönlichen Eigentums, welches zu besitzen, den Leuten heute noch gestattet ist.“
„Aber wie lassen sich solche Äußerungen und Forderungen der radikalen Zeitungen in Einklang bringen mit dem, was Sie über die Behandlung von Gegnern der Regierung erzählten?“ fragte ich. „Wenn es gebräuchlich ist, die Gegner der Regierung in Irrenhäuser zu sperren, so begreife ich nicht, wie den radikalen Zeitungen gestattet werden kann, so scheußliche Grundsätze zu predigen.“
Forest lachte, als er entgegnete: „Die radikalen Redakteure werden begünstigt und nehmen eine Ausnahmestellung ein; denn sie leisten der Regierung wertvolle Dienste, indem sie die Masse des Volkes in Unterwürfigkeit gegenüber der Regierung hineinängstigen. Jedesmal, wenn eine Wahl der Zunftgenerale bevorsteht, dürfen die Redakteure der Radikalen Zeitungen ihre volle Leistungsfähigkeit im Schimpfen und in der Stellung wahnsinniger Forderungen entwickeln. Einige Tage vor der Wahl drucken dann die Regierungszeitungen Auszüge aus jenen unflätigen Angriffen auf Religion, Ehe und Familienleben nach und fragen das Volk, ob es solche Änderungen wünsche. Dann wird das Volk aufgefordert, die Regierung zu unterstützen, welche zwar nicht alle Leute zufriedenstellen könne, immerhin aber die beste sei, welche auf Erden jemals bestanden habe — und so weiter mit Grazie bis ins [Unendliche.“]
„Die radikalen Redakteure werden also einfach als Popanze geduldet, welche das Volk einschüchtern müssen, während es den gemäßigten Schriftstellern nicht gestattet wird, gegen die jetzige Gesellschaftsordnung oder gegen die Regierung einen Tadel auszusprechen?“
„So ist es,“ bestätigte Forest. „Ich fürchte indes, daß die Regierung ein sehr gewagtes Spiel spielt. Die Radikalen gewinnen unzweifelhaft Boden und es giebt unter ihnen sehr viele verzweifelte Burschen, welche zu jeder Zeit bereit sind, die schwarze Fahne der Zerstörung zu entfalten. Wäre das Volk frei und unabhängig, so wäre die Gefahr nicht so groß. Dann würden alle freien Männer sich zur Verteidigung der von ihnen geschätzten staatlichen Einrichtungen sammeln. Wie aber die Dinge jetzt stehen, sind die Massen gewöhnt, sich unter die Herrschaft einer Minderheit zu beugen. Der Aufstand eines Haufens zu Allem entschlossener Männer würde deshalb vergleichsweise geringen Widerstand von seiten der Bürger finden, die bereit wären für die Aufrechterhaltung der jetzigen Ordnung der Dinge zu kämpfen. Und es wird ein verhängnisvoller Tag für die Menschheit werden, an welchem die Radikalen die Herrschaft gewinnen.“
„Haben Sie mir nicht mitgeteilt, daß vor zwölf Jahren die damalige Regierung die Wahl verlor und dadurch gestürzt ward?“ warf ich ein. „Und beweist das nicht, daß selbst eine Regierung mit einer Machtvollkommenheit wie die Ihrige schließlich doch geschlagen werden kann? Und sagten Sie nicht ferner, daß die jetzigen Oberbeamten tüchtigere, bessere Leute seien, als diejenigen, welche die letzte Regierung bildeten?“
„Eine Besserung in der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten ist nicht in Abrede zu stellen; aber diese Besserung ist nicht sehr wesentlich. Es hat in Wirklichkeit nur ein Wechsel der Beamten, nicht aber eine Änderung des Systems stattgefunden. Günstlingswirtschaft, Bestechlichkeit und Sittenverderbnis haben etwas abgenommen; aber sie sind nicht ausgerottet worden. Sie wuchern im Gegenteile noch immer viel zu üppig. — Gerade diejenigen Leute, welche sich vor zwölf Jahren im Kampfe besonders hervorthaten, mit Begeisterung die Erwählung der jetzigen Parteiführer betrieben, weil sie von denselben die Reinigung unseres öffentlichen Lebens und die Abstellung aller Übelstände erhofften; gerade diese Leute haben jetzt alle Hoffnung aufgegeben, daß unter dem Kommunismus eine gerechte und ehrliche Regierung überhaupt bestehen könnte. Jener Wahlsieg hat also, eben weil er im wesentlichen nur auf einen Personenwechsel hinauslief, das Vertrauen des Volkes auf eine Besserung der Zustände unter dem jetzigen System vernichtet. Mithin hat der Sieg mehr geschadet, als genützt. Der stärkste und verläßlichste Bestandteil unserer Bevölkerung in einem Kampfe für vernünftige Regierungsgrundsätze würden unsere Bauern sein; aber trotz ihrer großen Zahlen bilden sie nur eine Zunft. Sie haben nur einen General und einen Abteilungsvorsteher stets in der Minderheit. Und weil sie Gegner der jetzigen Regierung sind, werden sie nicht so gut behandelt, wie die Mitglieder der anderen Zünfte.“
„Erhalten die Bauern nicht dieselben Guthabensscheine wie alle anderen Bürger?“
„Allerdings; aber sie beklagen sich, daß sie die schlechtesten Waren erhalten und nicht den vollen Anteil an öffentlichen Einrichtungen oder Verbesserungen. Sie behaupten, daß sie beständig zurückgesetzt werden. — Die Bauern würden die verläßlichsten Kämpfer gegen die Radikalen sein; aber die Behandlung, welche ihnen von seiten der Regierung zu teil geworden ist, hat sie so mißvergnügt gemacht, daß bei einem Kampfe für die Aufrechterhaltung der jetzigen Regierung, oder auch nur des jetzigen Systems, durchaus nicht auf sie zu rechnen ist. Besonders klagen die Bauern darüber, daß die Städter bei Anlage von Theatern, Musikhallen und anderen Vergnügung- und Erholungsplätzen entschieden bevorzugt würden. Es ist natürlich unmöglich, an jedem Kreuzwege im Lande ein Theater oder eine Konzerthalle zu bauen: aber wenn die Bevölkerungszahl in Stadt und Land in Betracht gezogen wird, so muß zugegeben werden, daß die Bauern im Verhältnis zu ihrer Zahl recht kümmerlich bedacht werden. Die Regierung rechnet auf die Unterstützung der Stadtleute und solcher Zünfte, welche hauptsächlich aus Städtern gebildet werden; deshalb werden die Städter auf Kosten der Bauern bevorzugt. Eine andere Klage der Bauern geht dahin, daß sie bei der Austeilung der Waren übervorteilt worden. Infolge des wechselnden Geschmacks, des jahreszeitwidrigen Wetters und verschiedener anderer Ursachen bleiben in den Warenhäusern oft Reste liegen, welche „mit Verlust verkauft“ werden müssen.[ [24] ] Diese Waren kann die Regierung verkaufen, wann sie will, d. h. wann sie meint, die besten Preise dafür erhalten zu können. Die Regierung kann aber auch allein darüber bestimmen, welche Waren zu herabgesetzten Preisen verkauft werden sollen. Nun behaupten die Bauern, daß verlegene, unmoderne und schlechte Waren den Landbewohnern als neu aufgeschwindelt werden; während Begünstigte Waren zu herabgesetzten Preisen erhalten, die ganz neu und fehlerlos sind. — Ich will durchaus nicht behaupten, daß alle Klagen unserer Bauern begründet sind. Teilweise mag dies nicht der Fall sein. Aber die Klagen an sich sind ein Beweis der Unzufriedenheit und sie sind nur möglich, weil unsere Regierung mit einer Machtvollkommenheit bekleidet ist, welche in der Geschichte der Menschheit unerreicht dasteht. Es ist das System, welches alle diese Übelstände erzeugt.“
„Bestehen außer der radikalen und der Regierungspartei noch andere Organisationen, welche nach der Leitung der Staatsangelegenheiten streben?“
„Wir haben eine Temperenzpartei, welche sehr thätig und gut organisiert ist; aber dieselbe sucht nur innerhalb der Regierungspartei und durch diese zur Macht zu gelangen. Die Regierung zeigt keine Feindseligkeit gegen die Mitglieder dieser Fraktion, sondern läßt sie gewähren. Bisher haben sie keine nennenswerten Erfolge errungen.“
„Ich sehe wohl, daß Sie der jetzigen Gesellschaftsordnung nicht viel Anerkennung zu teil werden lassen für irgend etwas, was unter ihr geschehen ist. Aber glauben Sie denn nicht, daß die Beseitigung der Armut, die Erhebung aller Menschen auf den Standpunkt annähernder Gleichheit große und unschätzbare Errungenschaften des Menschengeschlechtes darstellen? Ich entsinne mich nur zu wohl der unsagbaren Leiden, welche die Armen meiner Zeit zu erdulden hatten. Ich bin nicht genügend mit der jetzigen Ordnung der Dinge vertraut, um alle Ihre Mitteilungen und Ansichten gutheißen oder ihnen widersprechen zu können. Aber ich betrachte die gänzliche Beseitigung der Armut als eine so großartige Errungenschaft, daß ich trotz Ihrer Verdammung des jetzigen Systems die Hoffnung nicht aufgebe, es werde der jetzigen Gesellschaft gelingen, die Unzulänglichkeiten zu überwältigen, welche von allen menschlichen Anstrengungen und Einrichtungen unzertrennlich sind.“
„Mein verehrter Herr West, es freut mich außerordentlich wahrzunehmen, daß Sie in Ihren letzten Äußerungen zur Verteidigung des Kommunismus dieselben Gründe vorführen, welche zu Ihrer Zeit die Verteidiger Ihrer Gesellschaftsform gegen die Kommunisten geltend machten. Es beweist das einfach zweierlei: Erstens, daß uns unter Gottes Sonne auf der Erde nichts vollkommen ist und zweitens, daß auch jede Regierung das zugestehn muß. Die Abschaffung der wirklichen Armut hätte, wie ich später über jeden Zweifel hinaus beweisen werde, auch ohne den Rückfall in den Kommunismus durchgeführt werden können. Dadurch wären uns die schauderhaften Folgen dieser elenden Gesellschaftsform erspart worden. Die Thatsache, daß die Regierungsbeamten die im Arbeiterheere stehenden Freunde ihrer Gegner wie Sklaven behandeln können und daß selbst solche Freunde von Gegnern der Regierung, die sich durch Tüchtigkeit bereits emporgearbeitet hatten, bei der jährlichen Neueinteilung in die zweite Abteilung des dritten Grades zurückversetzt werden können, die Günstlingswirtschaft, welche die Regierung eingeführt hat, haben eine unerhörte Schmeichelei, Knechtschaffenheit, Verläumdungssucht und Verderbtheit großgezogen. Nie hat es in der Geschichte der Amerikaner eine Zeit gegeben, in welcher im öffentlichen wie im geschäftlichen Leben so wenig Unabhängigkeitssinn und Mannhaftigkeit zu Tage traten. Als vor zweihundertunddreißig Jahren England den Versuch machte, eine Theesteuer einzuführen, da erhoben sich die Amerikaner in Waffen, weil sie nicht gesonnen waren, der Regierung die Auferlegung einer Steuer zu gestatten, so lange die Amerikaner keine Vertretung in dem Parlamente hatten, welches diese Steuer ausschrieb. Heute verfügt die Regierung über die Arbeit aller Männer und Frauen während vierundzwanzig langer Jahre, ohne daß der Blüte des amerikanischen Volks auch nur eine Gelegenheit gegeben würde, darüber abzustimmen, wie die Regierung die Arbeit derjenigen leiten soll, welche alles das erzeugen, wovon das ganze Volk lebt! Diese elende Sklaverei, welche nie zuvor unter civilisierten Völkern bestanden hat, kann nicht lange mehr dauern. Sie wird in einem Meere von Blut untergehen. Denn wahr ist das Wort Schillers:
Vor dem Sklaven, wenn er die Ketten zerbricht;
Vor dem freien Manne erzittere nicht.