10. Reitunterricht in der Bahn.
Die Anfangsgründe des Reitens erlernt die Dame in der Reitbahn. Es sind der Reitsitz, die Handhabung der Zügel und die Hilfen.
Für das Bahnreiten sind ein paar kurze Vorbemerkungen nötig:
Man wechselt gewöhnlich die Hand, wenn man zehn Minuten darauf gewesen ist, d. h. wenn man zehn Minuten rechts herum geritten hat, reitet man die anderen zehn Minuten links herum, gleichgültig ob durch die Ecken oder auf dem Zirkel geritten wird.
Man setze sich täglich eine Stunde als Pensum fest; diese Zeit wird während der Bahnperiode für Pferd und Reiterin genügen.
Das Erlernen des Reitens nach einem Buche kann nur dann einen Erfolg haben, wenn die Reiterin die für die Lektion bestimmte Theorie, bevor sie sich auf das Pferd setzt, vollständig inne hat.
Wenngleich auch jeder Reitlehrer seine eigene Methode hat, nach welcher er seinen Unterricht erteilt, so habe ich mit der des Grafen Dénés Széchényi, von welcher ich bereits gesprochen, die besten Resultate gehabt. Ich stehe daher nicht an, den Gang dieser Reitmethode den angehenden Reiterinnen hier zu unterbreiten, es ihnen überlassend, ob sie bezw. ihr Reitlehrer davon Gebrauch machen wollen.
Man bedarf dazu eines Pferdes, welches, durch Vorübungen dressiert, sicher an der Longe auf dem Zirkel geht. Jedes gut gerittene Pferd wird das in kürzester Zeit erlernen, sogar auf Kommando die gewünschten Gangarten – bei richtiger Longenhilfe – anschlagen. Wenn die Dame dieser Vordressur, welche höchstens acht Tage in Anspruch nimmt, selbst beiwohnt, so kann das nur von Nutzen sein, indem sie dabei ihr Pferd und das Pferd sie kennen lernt.
Hier eine besondere Anweisung über diese Longenarbeit zu geben, würde zu weit führen. Jeder Reitmeister muß damit vertraut sein. Es sei jedoch daran erinnert, daß nur pedantische Genauigkeit bei der Dressur die Sprache ist, welche das Pferd versteht, die daher allein zum Ziele führt, – und daß man seine Lektionen den Neigungen des Pferdes möglichst anzupassen sucht. Es ist demnach notwendig, bei allen Gelegenheiten dieselben Zeichen und Hilfen zu geben, da das Pferd sonst konfus wird.