3. Die Hilfen.

Von den Hilfen, welche zur Leitung des Pferdes erforderlich sind, hat die Reiterin die Gewichtshilfen und die Zügelhilfen kennen gelernt. Dazu kämen in dritter Linie bei der Dame die Hilfen mit dem Schenkel und – auf der rechten Seite – mit der Reitpeitsche, welche letztere allerdings ziemlich unvollkommen, den rechten Schenkel des Reiters ersetzen muß. Ein gut dressiertes Pferd wird aber auch diesen Hilfen folgen, welche bei dem Reiten der Herren die vornehmsten sind, während ich sie beim Damenreiten erst in die dritte Linie stellen kann. Sie dienen dazu, das Pferd ans Gebiß und vorwärts zu treiben, und wirken deshalb entgegengesetzt den Zügelhilfen, welche das Pferd zurückhalten. Diese Hilfen bestehen in weichem Anlegen des linken Unterschenkels an die Rippen bis zum Gebrauch des Sporns oder Hackens, auf der rechten Seite unterstützt vom Anlegen der Reitpeitsche bis zum Klopfen mit derselben.

Ein gut dressiertes Damenpferd wird diesen Aufforderungen stets Folge leisten.

Es gibt aber noch andere Hilfen.

Die Hilfen sind eben die Sprache, welche die Reiterin mit dem Pferde spricht, mittels derer sie ihm ihren Willen kundgibt; jede Bewegung, die sie das Pferd machen läßt, geschieht durch eine Hilfe. Zu den Hilfen gehört auch der Zungenschlag, auf welchen zu hören sich die Pferde sehr leicht gewöhnen, wenn sie etwas munterer treten sollen. Begütigendes Zureden, Streicheln mit der freien Hand wirkt entgegengesetzt, um Pferde zu beruhigen, wenn sie heftig oder furchtsam werden, ebenso mit der Zügelfaust über den Mähnenkamm fahren. Überhaupt lernt das Pferd sehr leicht die Sprache der Reiterin sowie ihr ganzes Wesen verstehen, woraus sich erklärt, daß eine solche oft sehr zufrieden mit einem Pferde sein kann, welches ein Herr nur mit Unbequemlichkeiten reitet.

Eine vorzügliche Hilfe, um das Pferd aufzurichten und für eine Wechselung in der Gangart vorzubereiten, ist das Vorwärtsschieben der Hüften mit leichter Zurückneigung des Körpers, dem die Zügelhand folgt. Hierdurch wird das Pferd aufmerksam gemacht, daß die Reiterin eine Anforderung an dasselbe stellen will. Derartige Gesäßhilfen sind von besonderer Wichtigkeit. Sie können nur durch die Praxis erlernt und begriffen werden, fallen oft mit den Gewichtshilfen (Verlegung des Schwerpunktes) zusammen und haben im Kapitel »Von den Gewichtshilfen« bereits ihre Besprechung gefunden.

Am elegantesten sind die Hilfen, wenn sie dem Auge des Zuschauenden unbemerkbar bleiben, wie denn überhaupt eine möglichst adrette und unbewegliche, aber ja nicht steife Haltung bei allen Touren stets das eleganteste und dem Auge erquicklichste Bild einer Reiterin abgibt.